Tsumebit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist gut ausgebildete, tafelige und flächenreiche Kristalle bis etwa drei Millimeter Größe mit einem strahlend glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form krustiger Überzüge und massiger Aggregate vor. Das Mineral ist durchsichtig und von smaragdgrüner Farbe. Auch die Strichfarbe von Tsumebit ist grün.
Erstmals entdeckt wurde Tsumebit in der Tsumeb Mine nahe der gleichnamigen Stadt in der Oshikoto-Region von Namibia und unabhängig gleichzeitig 1912 von Karl Busz und Vojtěch Rosický beschrieben. Busz bezeichnete das Mineral nach dessen (zuerst entdeckten) Vorkommen (Typlokalität) bei Tsumeb.[9] Rosický nannte es Preslit zu Ehren von Jan Svatopluk Presl, dem böhmischen Professor der Zoologie und Mineralogie.[2][10] Die Bezeichnung Tsumebit setzte sich allerdings in der Fachwelt durch und ist auch von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannt.
Da der Tsumebit bereits lange vor der Gründung der IMA bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Tsumebit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Tsumebit lautet „Tsu“.[1]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tsumebit in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.):RO4=0,5:1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Arsenbrackebuschit, Arsentsumebit, Bearthit, Brackebuschit, Bushmakinit, Calderónit, Feinglosit, Gamagarit, Goedkenit und Tokyoit, die „Brackebuschitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BG.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tsumebit die System- und Mineralnummer 43.04.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Phosphate“, wo das Mineral nur zusammen mit Arsentsumebit in der „Tsumebitgruppe“ mit der Systemnummer 43.04.02 innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Phosphate etc., (Wasserfreie zusammengesetzte Anionen mit Hydroxyl oder Halogen)“ zu finden ist.
Als seltene Mineralbildung konnte Tsumebit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Vorkommen dokumentiert sind (Stand: 2024).[13] In Namibia trat das Mineral außer an seiner Typlokalität in der Tsumeb Mine (Region Oshikoto) nur noch in der Gross Otavi Mine bei Otavi in der Region Otjozondjupa auf.
K. Busz:Tsumebit, ein neues Blei-Kupfer-Phosphat von Otavi, Deutsch Süd-West-Afrika. In: Festschrift gewidmet den Teilnehmern der 84. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Münster i. Westf. von der Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Münster. 1912, S.182–185 (online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 23.Juli 2024]).
V. Rosický:Preslit, ein neues Mineral von Tsumeb in Deutsch-Südwestafrika. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band51, 1912, S.521–526 (rruff.info[PDF; 306kB; abgerufen am 23.Juli 2024]).
Tsumebite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 23.Juli 2024(englisch).
12V. Rosický:Preslit, ein neues Mineral von Tsumeb in Deutsch-Südwestafrika. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band51, 1912, S.521–526 (rruff.info[PDF; 306kB; abgerufen am 23.Juli 2024]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.453 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567
Tsumebite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 23.Juli 2024]).
12345Tsumebite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 23.Juli 2024(englisch).
↑K. Busz:Tsumebit, ein neues Blei-Kupfer-Phosphat von Otavi, Deutsch Süd-West-Afrika. In: Festschrift gewidmet den Teilnehmern der 84. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Münster i. Westf. von der Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Münster. 1912, S.182–185 (online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 23.Juli 2024]).
↑C. Doelter:Die Elemente und Verbindungen von: Ti, Zr, Sn, Th, Nb, Ta, N, P, As, Sb, Bi, V und H. 3, Teil 1. T. Steinkopff, Dresden und Leipzig 1918, S.446 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 23.Juli 2024]).