Pseudooktaedrischer, 2mm großer Stottit-Kristall im Germaniterz aus der Tsumeb Mine, Namibia, begleitet von Ludlockit und Leiteit (Stufengröße: 6,2cm×5,1cm×4,0cm)
Stottit entwickelt bis 1cm große, tetragonal-dipyramidale Kristalle, die pseudooktaedrisch ausgebildet sind und die tetragonale Dipyramide {111} als tragende Form zeigen.[2]
Als Entdecker des Stottits gilt der Tsumeber Bergmann Friedrich Gramatzki, der im Oktober 1957 auf der 30. Sohle eine Stufe mit vorzüglich ausgebildeten, sideritähnlichen Kristallen fand, die er nicht einordnen konnte, weshalb er sie zur Bestimmung Hugo Strunz übergab, der damals gerade in Tsumeb weilte. Entsprechende Untersuchungen führten zur Feststellung des Vorliegens eines neuen Minerals, welches kurze Zeit später, im Jahre 1959, von Hugo Strunz, Adolf Paul Gerhard Söhnge und Bruno H. Geier als Stottit beschrieben wurde. Benannt wurde das Mineral nach dem Geologen Charles E. Stott (1896–1978), der von 1953 bis 1965 Generalmanager der Tsumeb Mine war.[2][8]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stottit die System- und Mineralnummer 06.03.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit (OH)3- oder (OH)6-Gruppen“ in der „Wickmanitgruppe (Tetragonal: P42/n)“, in der auch Tetrawickmanit, Jeanbandyit und Mopungit eingeordnet sind.
Die Kristallstruktur des Stottits wurde ursprünglich so beschrieben: Fe und Ge bilden – jedes für sich – ein geringfügig tetragonal deformiertes kubisch-flächenzentriertes Gitter: beide Gitter sind entsprechend dem NaCl-Typus ineinandergestellt. Ge ist von sechs (OH) in Form eines leicht verzerrten Oktaeders umgeben; Fe bildet ebenfalls mit sechs (OH) ein pseudooktaedrisches Koordinationspolyeder. Die Ge(OH)6-Oktaeder und die Fe(OH)6-Oktaeder sind über gemeinsame Ecken miteinander verknüpft. Die Flächen der morphologisch dominanten Form {111} werden strukturell von leicht gewellten (OH)-Schichten gebildet. Die gute Spaltbarkeit nach dem Prisma {110} und der Basis {00l} entspricht der würfeligen Spaltbarkeit von Halit.[2] Diese Strukturbeschreibung wurde später etwas modifiziert. Danach besteht die Stottit-Struktur aus einem Gerüst von gemeinsame Ecken aufweisenden Fe(OH)6- und Ge(OH)6-Oktaedern, welche in drei Dimensionen wechseln. Die Erniedrigung der Symmetrie von ideal kubisch nach tetragonal beruht hauptsächlich auf der rigiden Rotation der Kationen-Polyeder. Die durchschnittliche Fe-O-Distanz beträgt 2,159Å, die durchschnittliche Ge-O-Distanz hingegen 1,910Å.[12]
Stottit hat die gemessene Zusammensetzung (Fe2+1,15Mg0,03Mn0,03Ca0,01)Σ=1,22Ge4+0,95(OH)6, was vereinfacht als FeGe(OH)6 geschrieben werden kann und 45,38% GeO2, 31,17% FeO und 23,45% H2O erfordert. Mit 29% Germanium hat Stottit den höchsten Germanium-Gehalt aller bekannten Minerale.
Eine zinkhaltige rosafarbene Varietät des Stottits wurde erstmals 1970 beschrieben und als „Mineral A“ bzw. als „Zink-Stottit“, Zn0,5Fe0,5Ge(OH)6, bezeichnet.[13] An der Originalfundstelle des Schneiderhöhnits im Bereich der 29. Sohle wurden 1972, teils zusammen mit Schneiderhöhnit, teils allein auf Nebengestein sitzend, bis zu 9mm Kantenlänge aufweisende, rötlich durchscheinende Zink-Stottit-Kristalle beobachtet.[14] Um 1975 wurde noch einmal – diesmal zusammen mit Schneiderhöhnit – eine zinkhaltige rosafarbene Stottit-Varietät gefunden.[8]
Eine manganhaltige Stottit-Varietät („Mineral B“, Mangan-Analogon von Stottit, MnGe(OH)6) ist hingegen nur in winzigen Bildungen bekannt. Sie wurde erzmikroskopisch in kleinen Flittern zusammen mit germanium- und zinkhaltigem Mawsonit, Cu6Fe2SnS8, beobachtet.[13][15] Der Name „Mangan-Stottit“ wird dafür aber erst später verwendet.[16][17]
Seit 2007 wird „Mineral B“, das auch als das germaniumdominante Analogon des zinndominiertenWickmanit betrachtet wird, als „UM1970-16-OH:GeMn“ mit der Formel (Mn,Fe)(Ge,Sn)(OH)6 bezeichnet.[18]
Stottit bildet bis 1cm große pseudooktaedrische Kristalle mit der tetragonalen Dipyramide {111} als tragender Form und deutlicher Streifung parallel [110]. Als schmale Kantenabstumpfung dieser Dipyramide sind das tetragonale Prisma {110} und die Dipyramide {101} entwickelt, die beide gemeinsam einem geringfügig tetragonal deformierten Rhombendodekaeder entsprechen. Morphologisch eindeutig als tetragonal charakterisiert werden die Kristalle durch die Dipyramide {201}. Als kleine Eckenabstumpfung treten das tetragonale Prisma {100} und Basispinakoid {001} auf. An den wenigen bekannt gewordenen Kristallen wurden die Kombinationen {111}, {100}, {001}, {110} und {011} bzw. {111}, {100}, {001}, {011}, {021} und {110} beobachtet, die beide einen pseudooktaedrischen Habitus aufweisen, wie in der Abbildung links gut zu erkennen ist.[2]
Die Kristalle des Stottits sind außen tiefbraun, im Innern licht olivgrau bis fast farblos, wofür unterschiedlich hohe Eisen-Gehalte verantwortlich gemacht werden. Die Strichfarbe wird mit grauweiß angegeben.[2]
Die Oberflächen der durchscheinenden bis durchsichtigen Kristalle weisen einen harz- bis diamantartigen Glanz auf, auf Spaltflächen zeigt Stottit Fettglanz.[2][6]
Das Mineral besitzt eine gute Spaltbarkeit nach dem tetragonalen Prisma {100} und {010} und spaltet undeutlich nach dem Basispinakoid {001}. Mit einer Mohshärte von 4,5 gehört Stottit zu den mittelharten Mineralen, die sich etwas leichter als das Referenzmineral Apatit mit dem Taschenmesser noch ritzen lassen. Die gemessene Dichte des Minerals beträgt 3,596g/cm³, seine berechnete Dichte liegt bei 3,54g/cm³.[6] Stottit löst sich in 20%iger Salzsäure auf.[2]
Das Mineral konnte bisher (Stand 2016) nur an seiner Typlokalität, der weltberühmten Cu-Pb-Zn-Ag-Ge-Cd-Lagerstätte der „Tsumeb Mine“ (Tsumcorp Mine) in Tsumeb, Region Oshikoto, Namibia, gefunden werden.[19][20]
Auf den ersten, 1957 bekannt gewordenen Stufen von der 30.Sohle sitzt Stottit nur in Hohlräumen im Tennantit-Erz. Weitere Stufen fanden sich nur wenig später und dann noch einmal in den 1980er Jahren.[8] Auf der 29.Sohle wurden 1972 zinkreiche Stottit-Kristalle zusammen mit Schneiderhöhnit und sekundärem Chalkosin gefunden. Auch im äußersten Westen des Erzschlauches von Tsumeb, im Abbau „120 West“ nahe unterhalb der 29.Sohle, wurde Stottit gefunden. Begleitminerale waren hier Brunogeierit, Galenit, Tennantit (oft mit kleinen Renierit-Einschlüssen), Smithsonit und untergeordnet Cerussit.[21] Einige der besten Kristalle kamen aus 950m Teufe, im Bereich der 31.Sohle, Pfeiler E9.[22] Weitere Begleitminerale sind Krieselit, Ludlockit, Leiteit und Siderit.[21][23]
Ungeachtet der extrem hohen Ge-Gehalte von 29%[2] ist Stottit kein Germaniumerz, sondern aufgrund seiner Seltenheit nur für den Mineralsammler interessant.
Hugo Strunz, Gerhard Söhnge, Bruno H. Geier:Stottit, ein neues Germanium-Mineral, und seine Paragenese in Tsumeb. In: Neues Jahrbuch Mineralogie, Monatshefte. Band1957, 1957, S.85–96.
Stottite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 20.Oktober 2025(englisch).
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↑Hugo Strunz, M. Giglio:Die Kristallstruktur von Stottit Fe[Ge(OH)6]. In: Acta Crystallographica. Band14, 1961, S.205–208.
↑Stottit.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Oktober 2025(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.233 (englisch).
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Stottit. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 68kB; abgerufen am 15.Februar 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).
↑Charles R. Ross II, Lawrence R. Bernstein, Glenn A. Waychunas:Crystal-structure refinement of stottite, FeGe(OH)6. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.657–661 (englisch, rruff.info[PDF; 602kB; abgerufen am 20.Oktober 2025]).
12Bruno H. Geier, Joachim Ottemann:New secondary Tin-Germanium and primary Tungsten- (Molybdenum-, Vanadium-) Germanium minerals from the Tsumeb ore-deposit. In: Neues Jahrbuch Mineralogie, Abhandlungen. Band114, 1970, S.89–107 (englisch).
↑Joachim Ottemann, Bernhard Nuber, Bruno H. Geier:Schneiderhöhnit, ein natürliches Eisen-Arsen-Oxid aus der tiefen Oxidationszone von Tsumeb. In: Neues Jahrbuch Mineralogie, Monatshefte. Band1973, 1970, S.517–523.
↑Localities for Stottite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.Oktober 2025(englisch).
↑
Fundortliste für Stottit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. Oktober 2025.
12Joachim Ottemann, Bernhard Nuber:Brunogeierit, ein Germanium-Ferritspinell von Tsumeb. In: Neues Jahrbuch Mineralogie, Monatshefte. Band1972, 1972, S.263–267.
↑Ludi von Bezing, Rainer Bode, Steffen Jahn:Namibia. Mineralien und Fundstellen (Edition Schloss Freudenstein). 1. Auflage. Bode-Verlag, Haltern 2007, ISBN 978-3-925094-88-0, S.787.
↑Jochen Schlüter, Thorsten Geisler, Dieter Pohl, Thomas Stephan:Krieselite, Al2GeO4(F,OH)2: A new mineral from the Tsumeb mine, Namibia, representing the Ge analogue of topaz. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. 187 (Heft 1), 2010, S.33–40 (englisch).