Renierit findet sich meist in Form körniger bis derber Mineral-Aggregate, entwickelt aber auch kleine unregelmäßige oder würfelförmige Kristalle bis etwa drei Millimeter Größe von bronzebrauner bis orangebrauner Farbe und metallischem Glanz.
Der erste Fund wurde 1928 als kleine, auffällige Körner in einen sulfidischen Erz von G. Thorreau[9] beschrieben und falsch interpretiert. Er verglich das Material mit „orangem Bornit“.[10] Spätere Fehldeutungen folgten und erstmals korrekt beschrieben wurde der Renierit 1948 durch Johannes Franciscus Vaes (1902–1978)[11].
Die ursprünglich von Vaes gewählte Schreibweise Reniérite ist seit 2008 diskreditiert, da sich der Namensgeber ohne Akut über dem ‚e‘ schreibt und es sich daher um ein überflüssiges diakritisches Zeichen handelt.[12]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Renierit die System- und Mineralnummer 02.09.04.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Germanitgruppe“, in der auch Germanit, Maikainit und Ovamboit eingeordnet sind.
Vereinfachte Struktur von Renierit, die c-Achse zeigt nach oben, _S_Zn_Cu_Fe_Ge[4]
Renierit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der RaumgruppeP42c(Raumgruppen-Nr. 112)Vorlage:Raumgruppe/112 mit den Gitterparameterna=10,62Å und c=10,55Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3] Dabei sind aber nicht alle Metallionenplätze vollständig besetzt und Kupfer kann Zink substituieren.[4] Die Struktur lässt sich als Mischkristallreihe zwischen den Endgliedern Cu10ZnGe2Fe4S16 und Cu11GeAsFe4S16 schreiben. Dabei wird Zn(II)+Ge(IV) durch Cu(I)+As(V) ersetzt.
Renierit-Kristalle täuschen durch polysynthetische Verzwillingung (wiederholte lamellare Aneinanderreihung) die höhere Symmetrie des kubischen Kristallsystems vor. Man nennt solche Kristalle daher pseudokubisch. Die bis zu 3mm großen Kristalle, normalerweise aber Körner im sub mm-Bereich, erscheinen so als Tetraeder.[7]
Als seltene Mineralbildung konnte Renierit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 30 Fundorte als bekannt gelten.[14] Seine Typlokalität Kipushi Mine ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo.
J. F. Vaes:La reniérite (anciennement applelée «Bornite orange») Un sulfure germanifère provenant de la Mine Prince-Léopold, Kipushi (Congo Belge). In: Annales de la Société Géologique de Belgique. Band72, 1948, S.19–32 (französisch).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band35, 1950, S.135–136 (englisch, rruff.info[PDF; 124kB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
Lawrence R. Bernstein, Daniel G. Reichel, Stefano Merlino:Renierite crystal structure refined from Rietveld analysis of powder neutron-diffrection data. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.1177–1181 (englisch, [PDF; 599kB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
Renierite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 2.Februar 2023(englisch).
1234Lawrence R. Bernstein, Daniel G. Reichel, Stefano Merlino:Renierite crystal structure refined from Rietveld analysis of powder neutron-diffrection data. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.1177–1181 (englisch, [PDF; 599kB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
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Reniérite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12Joseph Murdoch:X-Ray Investigation of Colusite, Germanite and Renierite. In: American Mineralogist. Band24, 1953, S.794–801 (englisch, minsocam.org[PDF; 461kB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
↑L. Bernstein:Renierite, Cu10ZnGe2Fe4S16-Cu11GeAsFe4S16: a coupled solid solution series. In: American Mineralogist. Band71, 1986, S.210–221 (englisch, minsocam.org[PDF; 1,5MB; abgerufen am 2.Februar 2023]).
↑G. Thorreau:Le Giement Prince Leopold, Kipushi, Katanga. In: Mémoires de l’Institut géologique de l'Université de Louvain. Band4, Nr.3, 1928, S.273 (französisch).
↑Joseph Murdoch:Microscopical Determination of the Opaque Minerals. Wiley & Sons, New York 1916, S.425–426 (englisch).
↑J. F. Vaes:La reniérite (anciennement applelée «Bornite orange») Un sulfure germanifère provenant de la Mine Prince-Léopold, Kipushi (Congo Belge). In: Annales de la Société Géologique de Belgique. Band72, 1948, S.19–32 (französisch).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.133 (englisch, rruff.info[PDF; 2,8MB; abgerufen am 2.Februar 2023]).