Dzhalindit wurde erstmals zusammen mit Indit in Mineralproben aus der Zinn-Lagerstätte „Dzhalinda“ im Maly-Chingan-Gebirge in der russischenRegion Chabarowsk entdeckt. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Alexander Dmitrijewitsch Genkin (1919–2010) und I. W. Murawjewa (russischА. Д. Генкин, И. В. Муравьева), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten und ihre Erstbeschreibung 1963 im sowjetischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества, wiss. TransliterationZapiski Vsesojuznogo Mineralogičeskogo Obščestva) veröffentlichten. Ein Jahr später wurde Dzhalindit zusammen mit anderen Neuentdeckungen auch im US-amerikanischen Fachmagazin American Mineralogist vorgestellt.
Dzhalindit wurde während der Gründungsphase der International Mineralogical Association (IMA) erstbeschrieben und hat daher noch keine IMA-Nummer, sondern erhielt zusammen mit anderen Mineralen eine nachträgliche Anerkennung von mehr als 60% der Kommissionsmitglieder für neue Minerale, Nomenklatur und Klassifikation (CNMNC). In einem zusammenfassenden Report wurde die Anerkennung 1967 publiziert.[9] Infolgedessen wird das Mineral unter der Summenanerkennung „1967s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Dzhalindit lautet „Dz“.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Dzhalindit die System- und Mineralnummer 06.03.05.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit (OH)3- oder (OH)6-Gruppen“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 06.03.05, in der auch Söhngeit und Bernalit eingeordnet sind.
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Dzhalindit (In(OH)3) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Indium (In) sowie drei Teilen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H) pro Elementarzelle. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 69,23Gew.-%In, 28,94Gew.-%O und 1,82Gew.-%H[12] oder in der Oxidform 83.71Gew.-%Indium(III)-oxid (In2O3) und 16,29Gew.-%H2O.[6]
Die Analysen natürlicher Mineralproben anhand des Typmaterials aus der Lagerstätte Dzhalinda in Russland und aus der Mount Pleasant Mine bei St. George (New Brunswick) in Kanada ergaben zusätzliche Fremdbeimengungen von Eisen, Zink und/oder Zinn.[7]
Als seltene Mineralbildung konnte Dzhalindit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) etwas mehr als 10 Fundorte bekannt sind.[15] Neben seiner Typlokalität, der Zinn-Lagerstätte „Dzhalinda“ in der Region Chabarowsk, trat das Mineral in Russland noch in der Zinn-Lagerstätte „Verkhnee“ im Bergbaugebiet Kawalerowo in der Region Primorje im Föderationskreis Ferner Osten sowie in der goldführendenWolfram-Molybdän-Lagerstätt „Bugdainskoe“ (Bugdaya) in der Region Transbaikalien im Föderationskreis Sibirien zutage.
А. Д. Генкин, И. В. Муравьева:Индит и Джалиндит – Новые минералы индия. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band92, Nr.4, 1963, S.445–457 (russisch, rruff.info[PDF; 1,7MB; abgerufen am 15.Februar 2025] englische Übersetzung: A. D. Genkin, I. V. Murav'eva: Indite and dzhalindite, new indium minerals. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva.).
Michael Fleischer:New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band49, 1964 (englisch, rruff.info[PDF; 682kB; abgerufen am 15.Februar 2025]).
J. K. Sutherland:A second occurrence of dzhalindite. In: The Canadian Mineralogist. Band10, 1971, S.781–786 (englisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 15.Februar 2025]).
123Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.427.
↑Carl Hintze: Neue Mineralien und neue Mineralnamen (mit Nachträgen, Richtigstellungen und Ergänzungen). Ergänzungsband 3, De Gruyter, Berlin [u. a.] 1968, S. 91 (abgerufen über De Gruyter Online)
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.232 (englisch).
12345
Dzhalindite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 66kB; abgerufen am 11.Februar 2025]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band36, März 1967, S.131–136 (englisch, rruff.info[PDF; 210kB; abgerufen am 16.Februar 2025]).
↑Roger H. Mitchell, Mark D. Welch and Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,2MB; abgerufen am 25.Mai 2025]).