Stannit, bergmännisch unter anderem auch als Zinnkies oder Zinnkupferglanz sowie synonym als Stannin, Kassiterolamprit oder Volfsonit bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Formel Cu2FeSnS4 und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Eisen-Zinn-Sulfid.
Stannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, tritt jedoch meist in derben, körnigen Massen stahlgrauer Farbe auf und bildet nur sehr selten Kristalle in Tetraederform. Durch Substitution können manche Stannite bis zu 2% Indium enthalten.
Stannit zählt nicht zu den Stannite genannten Salzen der Zinnsäure.
Der Mineralname Stannit bzw. synonym auch Stannin leitet sich von dem chemischen Element Zinn (lat.stannum) ab, welches in dem Mineral enthalten ist. Der Abbau von Stannit ist für das 3. Jahrtausend v. Chr. in Tadschikistan belegt.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist allerdings nicht dokumentiert.[12]
Da der Stannit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Stannit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[7] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stannit lautet „Stn“.[1]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stannit in die Abteilung „Metallsulfide, M: S = 1: 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden, wo es ebenfalls namensgebend die „Stannitgruppe“ mit der Systemnummer 2.CB.15a und den weiteren Mitgliedern Černýit, Ferrokësterit, Hocartit, Idait, Kësterit, Kuramit, Pirquitasit und Velikit bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stannit die System- und Mineralnummer 02.09.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Stannitgruppe (Tetragonal: I42m) A2BCS-Typ“, in der auch Černýit, Briartit, Kuramit, Sakuraiit, Hocartit, Pirquitasit, Velikit, Kësterit, Ferrokësterit und Barquillit eingeordnet sind.
In der (theoretisch) idealen Zusammensetzung von Stannit (Cu2FeSnS4) besteht das Mineral Verhältnis aus zwei Teilen Kupfer (Cu), je einem Teil Eisen (Fe) und Zinn (Sn) sowie vier Teilen Schwefel (S). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozenz) von 29,56Gew.-%Cu, 12,99Gew.-%Fe, 27,61Gew.-%Sn und 29,83Gew.-%S.[14]
Dieser Idealzusammensetzung kam Klaproth 1810 mit der Analyse eines natürlichen Stannits (Zinnkies) aus St Agnes in der englischen Grafschaft Cornwall schon sehr nah mit den ermittelten Werten von 30,0Gew.-%Cu, 12,0Gew.-%Fe, 26,50Gew.-%Sn und 30,50Gew.-%S.[11]
Stannit und Kësterit bilden eine Mischkristallreihe, bei der Eisen und Zink gegeneinander ausgetauscht werden können. Im Stannit überwiegt dabei Eisen, während Kësterit stärker zinkhaltig ist.[15]
Die Verbindung Cu2FeSnS4 ist dimorph und kommt in der Natur neben dem tetragonal kristallisierenden Stannit noch als ebenfalls tetragonal kristallisierender Ferrokësterit vor, bei dem sich jedoch Raumgruppe und Gitterparameter unterscheiden.[10][6]
Zudem ist eine seltene zinkhaltige Varietät bekannt.[16]
Stannit (grau) mit Chalkopyrit (goldfarbig) und Quarz (farblos) aus der Yaogangxian Mine, Yizhang, Präfektur Chenzhou, Hunan, China (Größe: 5,2 cm × 5,0 cm × 4,7 cm)
Als eher seltene Mineralbildung kann Stannit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 770 Vorkommen für Stannit dokumentiert (Stand 2024).[17] Außer an seiner Typlokalität St Agnes in Cornwall, genauer in den Gruben der „West Wheal Kitty Gruppe“ trat das Mineral in England noch an vielen Orten zutage, die sich allerdings alle auf die Grafschaft Cornwall konzentrieren. Unter anderem sind dies das Bergbaurevier St Just mit seiner bekannten Botallack Mine sowie mehrere Gruben in der Umgebung von Pool, Callington, Treverbyn und Tywardreath and Par.
Als eigenständiges Erz ist Stannit eher unbedeutend, wird aber beim Abbau von Kassiterit-Lagerstätten mitgefördert. Lokal kann Stannit für die Cu-Produktion und durch Beimengungen von Silber auch als Silbererz von Bedeutung sein.[19]
Stannite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.Januar 2024(englisch).
12345Ernestus Fridericus Glocker:Generum et Specierum Mineralium, secundum ordines naturales digestorum Synopsis, omnium, quotquot adhuc reperta sunt, Mineralium nomina complectens. Eduard Anton, Halle, Sachsen 1847, S.33 (rruff.info[PDF; 120kB; abgerufen am 8.Januar 2024]).
↑J. G. Haditsch, H. Maus:Alte Mineralnamen im deutschen Schrifttum. Sonderband 3 des Archives für Lagerstättenforschung in den Ostalpen. Hrsg.: O. M. Friedrich. Institut für Mineralogie und Gesteinskunde der Montanistischen Hochschule, Leoben 1974, S.95 (opac.geologie.ac.at[PDF; abgerufen am 8.Januar 2024]).
↑Ernst A. J. Burke:A mass discreditation of GQN Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band44, 2006, S.1557–1560, doi:10.2113/gscanmin.44.6.1557 (englisch, rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 28.März 2025]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.78 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Stannite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 8.Januar 2024(englisch).
12345678910
Stannite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 8.Januar 2024]).
12Martin Heinrich Klaproth:Chemische Untersuchung des Zinnkieses. In: Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper. Band5, 1810, S.228–230, doi:10.3931/e-rara-20566 (online verfügbar bei e-rara.ch[abgerufen am 8.Januar 2024]).