Brunogeierit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ (ehemals Oxide und Hydroxide, siehe Klassifikation) mit der Endgliedzusammensetzung Fe2+2Ge4+O4[1] und ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Germanat. Strukturell zählt Brunogeierit zur Gruppe der Spinelle und wurde daher von seinen Erstbeschreibern auch als Germanium-Ferritspinell bezeichnet. Entsprechend der allgemeinen Schreibweise für Spinelle (AB2X4) kann die Formel für Brunogeierit mit GeFe2+2O4[9] angegeben werden.
Brunogeierit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur sehr selten mit bloßem Auge sichtbare Kristalle bis etwa 5mm Größe.[8] Gewöhnlich findet er sich, umgeben von Stottit, in Form krustiger Überzüge von 40 bis 50μm auf Tennantit, der wiederum Einschlüsse von Renierit enthält.[10] Ebenso kann Brunogeierit von Sphalerit und Magnetit eingeschlossen sein.[8]
Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig (opak) und von grauer bis grauschwarzer Farbe mit bräunlichen Innenreflexionen im Auflichtmikroskop. Die Oberflächen der Kristalle weisen einen schwachen metallischen Glanz auf.
Seit 2011 wird Brunogeierit allerdings in die Klasse der „Silikate und Germanate“ eingeordnet[14] und ist dort zusammen mit Ringwoodit in der neu definierten „Ringwooditgruppe“ mit der Systemnummer 9.AC.15 innerhalb der Unterabteilung der „Inselsilikate ohne weitere Anionen; Kationen in oktaedrischer [6] Koordination“ zu finden.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Brunogeierit die System- und Mineralnummer 07.02.02.07. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.02.02, in der auch Magnesioferrit, Jakobsit, Magnetit, Franklinit, Trevorit und Cuprospinell eingeordnet sind.[15]
Die Endgliedzusammensetzung Fe2+2Ge4+O4 besteht aus 44,98% Eisen (Fe), 29,25% Germanium (Ge) und 25,77% Sauerstoff (O).[16] Bei der Elektronenstrahlmikroanalyse des Typmaterials aus Tsumeb stellte sich heraus, dass ein geringer Teil des Germaniums von 0,05 bis 0,13% durch Eisen ersetzt (substituiert) ist. Die entsprechend angepasste empirische Zusammensetzung wird mit (GexFe1-x)Fe2O4 mit einem Wert für x=0,87 bis 0,95.[4]
Brunogeierit gehört zu den sehr selten Mineralbildungen und ist daher bisher nur in wenigen Proben aus zwei Ländern bekannt geworden. Neben der „Tsumeb Mine“, die auch der bisher einzige Fundort in Namibia ist, trat das Mineral noch an einigen Orten in Frankreich, genauer in der Region Okzitanien, auf.[17]
Brunogeierit kann zudem synthetisch hergestellt werden, indem man Eisen (Fe), Magnetit (Fe3O4) und Germanium(IV)-oxid (GeO2) im Verhältnis 1:1:2 mischt und bei 1000°C sechs Tage lang erhitzt, wobei gut entwickelte, oktaedrische Kristalle entstehen.[10]
Joachim Ottemann, Bernhard Nuber:Brunogeierit, ein Germanium-Ferritspinell von Tsumeb. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1972, S.263–267.
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.347–349 (englisch, minsocam.org[PDF; 363kB; abgerufen am 20.Juni 2026]).
Mark David Welch, M. A. Cooper, Frank C. Hawthorne:The crystal structure of brunogeierite, Fe2GeO4 spinel. In: Mineralogical Magazine. Band65, Nr.3, 2001, S.441–444, doi:10.1180/002646101300119529 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 10. Dezember 2023 im Internet Archive) [PDF; 76kB; abgerufen am 20.Juni 2026]).
Jan Cempírek, Lee A. Groat:Note on the formula of brunogeierite and the first bond-valence parameters for Ge2+. In: Journal of Geosciences. Band58, 2013, S.71–74, doi:10.3190/jgeosci.130 (englisch, jgeosci.org[PDF; 474kB; abgerufen am 20.Juni 2026]).
Kompendien
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.388.
MineralNamee search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 20.Juni 2026(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.189 (englisch).
12Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.347–349 (englisch, rruff.info[PDF; 363kB; abgerufen am 1.Januar 2024]).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Brunogeierite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 56kB; abgerufen am 1.Januar 2024]).
1234Joachim Ottemann, Bernhard Nuber:Brunogeierit, ein Germanium-Ferritspinell von Tsumeb. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1972, S.263–267.
↑Cristian Biagioni, Marco Pasero:The systematics of the spinel-type minerals: An overview. In: American Mineralogist. Band99, Nr.7, 2014, S.1254–1264, doi:10.2138/am.2014.4816 (englisch, Vorabversion online[PDF]).
↑P. A. Williams, F. Hatert, M. Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 9. In: Mineralogical Magazine. Band75, Nr.4, August 2011, S.2540 (englisch, orbi.uliege.be[PDF; 83kB; abgerufen am 20.Juni 2026] IMA 11-A).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.301.