Filipstadit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der Endgliedzusammensetzung (Fe3+0,5Sb5+0,5)Mn2+2O4.[1] Filipstadit ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Antimon-Mangan-Oxid, wobei der Strukturplatz von Eisen beziehungsweise Antimon etwa zu gleichen Teilen von ihnen besetzt wird.
Filipstadit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form von winzigen, oktaedrischenKristallen bis etwa 200 μm Größe sowie als krustige Überzüge auf Jakobsit und Hausmannit entdeckt werden. Das Mineral ist undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der schwarzen im Auflichtmikroskop auch grau erscheinenden Kristalle und Aggregate einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen braun.
Luftaufnahme der Grubensiedlung Långban, Gemeinde Filipstad (1989)
Während der Analyse von Ingersonit, einem 1988 neuen Ca-Mn-Antimonatmineral aus der berühmten Grubensiedlung Långban innerhalb der schwedischen Gemeinde Filipstad fiel den Erstbeschreibern Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Alan J. Criddle und Chris J. Stanley ein weiteres bisher unbekanntes, undurchsichtiges Mineral. Aufgrund der Daten aus Röntgenbeugung und chemischer Analyse legten den Schluss nahe, dass das zweite neu entdeckte Mineral mit den Spinellen verwandt ist. Dunn, Peacor, Criddle und Stanley benannten das Mineral nach dem Gemeinde-Hauptort Filipstad, die etwa 20km südlich von Långban liegt.
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1987 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1987-010[1]), die den Filopstadit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Filipstadit lautet „Fps“.[2]
Da der Filipstadit erst 1987 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Filipstadit die System- und Mineralnummer 07.02.13.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“, wo das Mineral zusammen mit Tegengrenit in der unbenannte Gruppe 07.02.13 innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ zu finden ist.
Der bisher einzige weitere bekannte Fundort (Stand 2023) ist die nahe gelegene Grube Jakobsberg bei Nordmark, die ebenfalls zur Gemeinde Filipstad gehört.[11]
Pete J. Dunn, Donald R. Peacor, Allan J. Criddle, Chris J. Stanley:Filipstadite, a new Mn-Fe3+-Sb derivative of spinel, from Långban, Sweden. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.413–419 (englisch, rruff.info[PDF; 694kB; abgerufen am 7.März 2026]).
Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.310.
Paola Bonazzi, Laura Chelazzi, Luca Bindi:Superstructure, crystal chemistry, and cation distribution in filipstadite, a Sb5+-bearing, spinel-related mineral. In: American Mineralogist. Band98, Nr.2–3, 2013, S.361–366, doi:10.2138/am.2013.4259 (englisch).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.189 (englisch).
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Filipstadite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 57kB; abgerufen am 7.März 2026]).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123Paola Bonazzi, Laura Chelazzi, Luca Bindi:Superstructure, crystal chemistry, and cation distribution in filipstadite, a Sb5+-bearing, spinel-related mineral. In: American Mineralogist. Band98, Nr.2–3, 2013, S.361–366, doi:10.2138/am.2013.4259 (englisch).
↑Filipstadite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 7.März 2026(englisch).
↑Cristian Biagioni, Marco Pasero:The systematics of the spinel-type minerals: An overview. In: American Mineralogist. Band99, Nr.7, 2014, S.1254–1264, doi:10.2138/am.2014.4816 (englisch, Vorabversion bei minsocam.org[PDF; 4,6MB]).