National Security Agency
| National Security Agency — NSA — | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Staatliche Ebene | Bund | |||||
| Aufsichtsbehörde(n) | United States Department of Defense | |||||
| Bestehen | seit 4. November 1952 | |||||
| Hauptsitz | Crypto City, Fort Meade Maryland, | |||||
| Behördenleitung | DIRNSA: William J. Hartman[1] D/DIRNSA: Sheila Thomas[2] | |||||
| Mitarbeiter | ca. 40.000 (Schätzung, genaue Angaben geheim) | |||||
| Haushaltsvolumen | ca. 10,8 Mrd. US-Dollar[3][4] (Schätzung, genaue Angaben geheim) | |||||
| Website | https://www.nsa.gov/ | |||||
| Zeitraum | stellvertretender Direktor |
|---|---|
| 2. Dezember 1952 bis 28. Juli 1953 | Rear Admiral Joseph N. Wenger, USN |
| 26. Oktober 1953 bis 4. Juni 1956 | Brigadier General John Ackerman, USAF |
| 4. Juni 1956 bis 24. November 1956 | Major General John A. Samford, USAF |
| 2. Februar 1957 bis 18. September 1957 | Joseph H. Ream |
| 18. Oktober 1957 bis 1. August 1958 | Howard T. Engstrom |
| 1. August 1958 bis 21. April 1974 | Louis W. Tordella, USN |
| 22. April 1974 bis 30. April 1978 | Benson K. Buffham |
| 1. Mai 1978 bis 30. März 1980 | Robert E. Drake |
| 1. April 1980 bis 30. Juli 1982 | Ann Z. Caracristi |
| 31. Juli 1982 bis 3. Juli 1986 | Robert E. Rich |
| 9. Juli 1986 bis 13. März 1988 | Charles R. Lord |
| 14. März 1988 bis 28. Juli 1990 | Gerald R. Young |
| 29. Juli 1990 bis 1. Februar 1994 | Robert L. Prestel |
| 2. Februar 1994 bis 12. September 1997 | William P. Crowell |
| 8. November 1997 bis 30. Juni 2000 | Barbara McNamara |
| 10. Juli 2000 bis Juli 2006 | William B. Black, Jr. |
| August 2006 bis 10. Januar 2014 | John C. Inglis |
| 31. Januar 2014[56] bis 28. April 2017[57] | Richard H. Ledgett |
| 28. April 2017 bis 30. August 2023[58] | George C. Barnes |
| 30. August 2023[59] bis 3. April 2025[60] | Wendy Noble |
| seit 3. April 2025 (kommissarisch)[61] | Sheila Thomas |
Abteilungen
- Das Directorate of Operations (DO) der NSA ist die größte Einzelabteilung der Behörde.
- Das Defense Special Missile and Astronautics Center (DEFSMAC) ist eine NSA-Abteilung, die Raketenstarts und die Raumfahrt generell überwacht.
- Intelligence and Security Command (INSCOM)
Central Security Service
Der Central Security Service (CSS; Zentraler Sicherheitsdienst) dient als Verbindungsdienst zwischen der NSA und den Nachrichtendiensten der Streitkräfte. Hier wird die Kooperation mit den für Kryptologie zuständigen Dienststellen der Navy (US Fleet Cyber Command), des Marine Corps (US Marine Corps Director of Intelligence), der Army (US Army Intelligence and Security Command), der Air Force (US Air Force's Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Agency) sowie der Küstenwache (US Coast Guard Deputy Assistent Commandant for Intelligence) geleitet.[62]
Zentrale „Crypto City“

Das Hauptquartier der NSA befindet sich in Fort George G. Meade in Maryland, circa 32 km nordöstlich von Washington, D.C. Die NSA hat eine eigene Ausfahrt an der Maryland State Route 32 (
), gekennzeichnet mit NSA Employees Only („nur NSA-Mitarbeiter“). Besucher sollten ausschließlich die Exit 10A Canine Road – NSA zum frei zugänglichen National Cryptologic Museum (NCM) wählen. Angeschlossen an die NSA ist ferner das Center for Cryptologic History (CCH), eine Forschungsbibliothek zum Thema Kryptographiegeschichte.
Das neunstöckige Hauptquartiergebäude wurde 1963 gebaut, das ältere Operationszentrum 1 ist von Anfang der 1950er. Die schwarzen NSA-Gebäude 2A und 2B wurden von dem New Yorker Architekturbüro Eggers and Higgins entworfen und 1986 gebaut.[63] Die Fenster des Hauptquartiers und Operationszentrums von „Crypto City“, wie das Hauptquartier auch genannt wird, bestehen unter der schwarzen Glasfassade aus einer Schutzschirmtechnik mit Kupfer, damit keine elektromagnetischen Signale nach außen dringen.
Auf den Straßen patrouilliert eine eigene Polizei, in der es verschiedene Kommandos gibt – beispielsweise jenes, deren Mitglieder aufgrund ihrer paramilitärischen schwarzen Uniformen „Men in Black“ genannt werden. Eine andere Einheit, die Executive Protection Unit, stellt die Fahrer und Leibwächter für die Leitung der NSA und führt im Voraus Sicherheitsuntersuchungen an Orten durch, an denen der Direktor oder sein Stellvertreter auftreten werden.
Crypto City bietet den NSA-Mitarbeitern umfangreiche Abwechslungen. Es existieren in der Stadt viele verschiedene Berufsverbände, mit der National Cryptologic School (NCS) eine eigene Weiterbildungseinrichtung in Linthicum Heights. Für Wintersport-Interessierte gibt es den Sun, Snow & Surf Ski Club, der seinen Mitgliedern Reisen in die Schweiz und nach Österreich anbietet. Die NSA bietet neben einer eigenen Tageszeitung (SIGINT Summary oder auch „SIGSUM“ genannt, die 1997 als National SIGINT File online ging und aktuelles Weltgeschehen durch Fernmeldeaufklärung bietet) auch einen eigenen Fernsehsender mit der Nachrichtensendung Newsmagazine und der Show Talk NSA an.
Außenstellen
USA
- Kunia Regional SIGINT Operations Center auf Hawaii, in dem Edward Snowden bis Mitte Mai 2013 tätig war.
- Buckley Air Force Base
Deutschland

Technische Aufklärung ist fester Bestandteil der US-Dienste in der Bundesrepublik, seit es diese gibt; schon früh wurde zu diesem Zweck ein Verbund von Partnerdiensten aufgebaut. Bereits Konrad Adenauer unterschrieb einen Überwachungsvorbehalt, der den ehemaligen Besatzungsmächten weiterhin das Recht einräumte, den in- und ausländischen Post- und Fernmeldeverkehr zu kontrollieren. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete im Februar 1989: Dass auf westdeutschem Boden „offenbar mit Wissen und Billigung der Bundesregierung jeder Piepser abgehört wird“, gelte unter Geheimdienstexperten als sicher.[65] Unter den deutschen Diensten war für diese Praxis schon immer der Bundesnachrichtendienst (BND) Hauptpartner; 1993 erhielt er das ausschließliche Recht zum Informationsaustausch mit den Partnerdiensten.[66]
Die NSA hatte jahrelang direkt über der Frankfurter Hauptpost eine Abhörzentrale. Nach dem Umzug der Hauptpost in ein nahegelegenes Gebäude war diese auch dort mit der NSA direkt verbunden. Hierzu wurde die Verbindung über gepanzerte Telefonleitungen mit dem Telekommunikations-Knoten der Bundespost in Frankfurt hergestellt. Offiziell benannte sich der Bundesnachrichtendienst (BND) als Mieter der Räume. Auch in der Field Station Berlin war die NSA jahrelang in Deutschland stationiert und diente als Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon.[67] 1998 wurde die United States Army Security Agency (USASA) Field Station Augsburg (jetzt: Abhöranlage Gablingen), in der auch die NSA tätig war, an die Bundeswehr übergeben.[68] Techniker der NSA besuchen auch nach der Übergabe die Anlage regelmäßig, was der Leiter der Abhöranlage im NSA-Untersuchungsausschuss im September 2015 zu Protokoll gab.[69] Unmittelbar neben der Abhöranlage Gablingen befindet sich eine Backbone-Trasse für Kommunikationskabel von Carriern wie Level3, Telefónica und Colt.[70][71][72]
Bei Griesheim, einer Stadt in der Nähe von Darmstadt, befindet sich der Dagger Complex der US-Armee. Er wird von der NSA genutzt.[73][74] Griesheim befindet sich ca. 30 km entfernt von Frankfurt am Main und dem dort befindlichen Internetknoten DE-CIX. Im Zuge der Enthüllungen in den Jahren 2013–2015 zu der Arbeit der NSA und des BNDs geriet der DE-CIX verstärkt in den Fokus, da man vermutete, dass die NSA dort direkt Daten ausleite. Dies sei jedoch „technisch unmöglich“, so die Betreiber des DE-CIX. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die NSA mit Hilfe des Foreign Intelligence Surveillance Acts amerikanische Netzanbieter, die an den DE-CIX angebunden sind, verpflichtet die Überwachungsmaßnahmen durchzuführen.[75]
In Wiesbaden wird zurzeit ein neues Consolidated Intelligence Center der US-Armee errichtet, das 2015 auch die NSA benutzen soll.[76][77] Nach den Unterlagen von Edward Snowden „unterhalten NSA-Abhörspezialisten auf dem Gelände der Mangfall-Kaserne in der Nähe der ehemaligen Bad Aibling Station eine eigene Kommunikationszentrale und eine direkte elektronische Verbindung zum Datennetz der NSA (SUSLAG, Special US Liaison Activity Germany).“ Der BND leitet hier Verbindungsdaten von Telefonaten, E-Mails oder SMS an die NSA weiter. Die Bezeichnung der Datenquelle auf NSA-Seite hierfür ist Sigad US-987LA bzw. -LB. Laut BND werden diese Daten vor der Weiterleitung an die NSA „um eventuell darin enthaltene personenbezogene Daten Deutscher bereinigt.“[52] 2018 wurde angegeben, dass das Consolidated Intelligence Center 120 Millionen Dollar gekostet hat.[78]
Zahlen und Fakten
Die Behörde verfügt über ein eigenes Intranet namens „Webworld“ und ist am Intranet Intelink von CIA, NRO und anderen Mitgliedern der Intelligence Community beteiligt. Intelink expandierte 2001 auf andere englischsprachige Staaten. Ein weiteres sehr schnelles Kommunikationsnetzwerk ist das „Advanced Technology Demonstration Network“, das sich auf DIA, NASA und wenige andere Einrichtungen beschränkt. Das NSA-interne E-Mail-System hieß zumindest unter Direktor Kenneth A. Minihan „Enlighten“.
Daten von 2006 und 2012:[79][80]
Mitarbeiter:
- 2006: 35.321 Mitarbeiter, davon 15.986 Angehörige des Militärs und 19.335 Zivilisten
- 2012: 40.000 Mitarbeiter
Budget:
- 2006: 6,12 Milliarden US-Dollar
- 2012: 10 Milliarden US-Dollar
- 2013: 10,8 Milliarden US-Dollar[81][82]
Daten von 2001:
- Areal: 4 km²
- Gebäude: 50 mit einer Gesamtbürofläche von 200 ha
- Straßen: 50 km Gesamtlänge (sie sind nach Persönlichkeiten der NSA benannt)
- Parkplätze: 48.000
- Registrierte Fahrzeuge: 37.000
- Stromverbrauch: 409 GWh/Jahr
Für das Geschäftsjahr 1998 betrug das offizielle Budget aller Nachrichtendienstaktivitäten (NSA eingeschlossen) 26,7 Mrd. US-Dollar/20,0 Mrd. Euro (1997: 26,6 Mrd. US-Dollar/19,9 Mrd. Euro). 1999 wurde per Gerichtsbeschluss angeordnet, dass „weitere Offenlegungen des Haushalts die nationale Sicherheit beeinträchtigen könnten“ und somit „nicht mehr preisgegeben werden dürfen“.
Schätzungen zufolge soll die Speicherkapazität des großen Datenauswertungszentrums der NSA im US-Bundesstaat Utah bis zu eine Milliarde Terabyte betragen. Ausgedruckt wären das um die 42 Billionen Aktenschränke. Zum Vergleich: Die gesammelten Überwachungsakten der Stasi füllten 48 000 Schränke.[83] Die Datenmenge, die derzeit (August 2013) im Rahmen der NSA-Internetüberwachung anfällt, beträgt 29 Petabytes pro Tag.[84][85]
Budget der US-Geheimdienste 2013
Nach einem Bericht der Washington Post beträgt das Budget aller Nachrichtendienste der USA zusammen derzeit 52,6 Milliarden US-Dollar. Nachfolgend sind die fünf größten Behörden aufgeführt, deren jeweilige Budgets die Post in die vier Kategorien Verwaltung und Unterhalt, Datenerfassung, Datenverarbeitung und -verwertung sowie Datenanalyse unterteilt hat.[86]
| Name der Behörde/des Programms | Budget Verwaltung und Unterhalt (Management and support) |
Budget Datenbeschaffung (Data collection) |
Budget Datenverarbeitung und -verwertung (Data processing and exploitation) |
Budget Datenanalyse (Data analysis) |
Budget Gesamt | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Central Intelligence Agency | 1,8 | 11,5 | 0,387 | 1,1 | 14,787 | |
| National Security Agency | 5,2 | 2,5 | 1,6 | 1,5 | 10,8 | |
| National Reconnaissance Program | 1,8 | 6,0 | 2,5 | – | 10,3 | |
| National Geospatial-Intelligence Program | 2,0 | 0,537 | 1,4 | 0,973 | 4,91 | |
| General Defense Intelligence Program | 1,7 | 1,3 | 0,228 | 1,2 | 4,428 | |
| Gesamt | 12,5 | 21,837 | 6,115 | 4,773 | 45,225 | |
Angaben in Milliarden US-Dollar

Zusammenarbeit mit anderen Geheimdiensten
Im Jahr 2010 hat die NSA dem britischen GCHQ für Neuentwicklungen in seiner Anlage in Bude, wo das deutsche Überseekabel TAT-14 eine Zwischenstation hat, 15,5 Millionen Pfund gezahlt.[87]
Ausrüstung
Allgemeine Entschlüsselungstechnik
Die NSA wird von Datenschützern kritisiert, da sie – u. a. mittels des weltweiten Abhörsystems Echelon – einen Großteil des ausländischen – und wohl auch inländischen – Kommunikationsverkehrs (u. a. E-Mails, Faxe und Telefongespräche) abhöre und mittels neuester Technologien auf bestimmte Schlüsselbegriffe und Stimmprofile überprüfe (Carnivore-Projekt). Das systematische Abhören von Kommunikationsleitungen in Europa geschieht nach Auffassung des EU-Parlaments mit dem Hauptziel, Terrorzellen in Europa zu enttarnen, um dann gegebenenfalls Schlüsse hinsichtlich bevorstehender Terroranschläge ziehen zu können.
In die Schlagzeilen gelangte die NSA im Zusammenhang mit neueren Entwicklungen auf dem Gebiet der Kryptografie, insbesondere der asymmetrischen Verschlüsselungsalgorithmen. Eine allgegenwärtige Verschlüsselung, so die Sorge, würde das Abhören erschweren oder unmöglich machen.
Die NSA war maßgeblich an der Entwicklung des inzwischen überholten symmetrischen Verschlüsselungsalgorithmus DES beteiligt und steuerte auch das Know-how zum Escrowed Encryption Standard (Clipper-Chip) bei. Hierbei handelte es sich um ein Verfahren, das erklärtermaßen eine „Hintertür“, quasi eine Sollbruchstelle, besaß, die es Regierungsbehörden erlauben sollte, jeglichen Datenverkehr nach Belieben zu entschlüsseln. Seine Einführung sollte per Gesetz erfolgen, was jedoch nicht geschah. Die entsprechenden Gesetzesinitiativen in den USA, die den Gebrauch von Verschlüsselungsmethoden regulieren oder staatlichen Stellen eine Entschlüsselungsgarantie geben sollten, blieben erfolglos.
Kommunikationssysteme mit integrierter Verschlüsselungstechnik

- EKMS Electronic Key Management System (elektronisches Verschlüsselungssystem)
- FNBDT Future Narrow Band Digital Terminal (Kurzband-Digital-Konsole der Zukunft)
- Fortezza tragbares PC-kompatibles Verschlüsselungsinstrument
- KL-7 ADONIS Off-line-Rotor-Verschlüsselungsmaschine (genutzt von den 1950er Jahren bis in die 1980er)
- KW-26 ROMULUS integrierte Telefonverschlüsselungsmaschine electronic in-line teletype encryptor (genutzt von den 1960er Jahren bis in die 1980er)
- KW-37 JASON Funk-Verschlüsselungsgerät der Navy (genutzt von den 1960er Jahren bis in die 1980er)
- KY-57 VINSON taktischer Stimmenverzerrer für Handsprechfunkgeräte
- KG-84 Datenverschlüsselungsmaschine
- SINCGARS taktisches Handsprechfunkgerät mit integriertem Verschlüsselungsgerät auf der Basis des ständigen Frequenzwechsels
- STE Sicherheitstelefonausrüstung
- STU-III Telefon mit integrierter Verschlüsselung, wird zurzeit durch die Nachfolgervariante STE ersetzt
- TACLANE Tactical FASTLANE oder Tactical Local Area Network Encryption, Produktlinie eines Universalverschlüsselungsgeräts für Internet Protocol und Asynchronous Transfer Mode von General Dynamics
Computer

- HARVEST war ein Hochleistungscomputersystem von IBM vom Typ 7950, das von 1962 bis 1976 in Gebrauch war.
- FROSTBURG, war eine Connection Machine (CM-5) und Supercomputer, der bei der NSA von 1991 bis 1997 für höhere mathematische Berechnungen genutzt wurde (Entschlüsselung generischer Codes).
Patente
Laut einer Statistik des amerikanischen Patent- und Markenamtes (U.S. PATENT AND TRADEMARK OFFICE, USPTO) wurden der NSA 191 Patente zwischen 1969 und 2008 erteilt. Sie wurden in 55 verschiedenen technischen Gebieten (Patentklassen) angemeldet, die zwei Patentklassen mit den meisten Anmeldungen sind „Cryptography“ und „Semiconductor Device Manufacturing: Process“.[88] Da die NSA bereits davor und danach Patentanmeldungen tätigte und manche Schutzrechte erst nach Publikation auf die NSA übertragen wurden, ist der Patentbestand der NSA größer.
Kontroversen
Entschlüsselungstechnik
1999 wurde Microsoft beschuldigt, in Windows NT einen vordefinierten Generalschlüssel für asymmetrisch verschlüsselte Verbindungen implementiert zu haben, da eine Verschlüsselungskomponente den Namen NSAKEY hatte.[89] Diese Vorwürfe wurden später erhärtet, siehe den Abschnitt Kooperation mit Telekommunikations- und Softwareunternehmen.
Heise online berichtet:
„Wie unter anderem der NSA-Whistleblower Edward Snowden berichtete, sammelt die NSA verschlüsselte Daten der großen Internet-Plattformen für solche Zwecke [nachträgliche Entschlüsselung] in großem Stil präventiv ein.“[90]
Telefonüberwachung
Während der Nominierung des ehemaligen NSA-Chefs General Michael V. Hayden zum neuen CIA-Direktor im Mai 2006 veröffentlichte die Zeitung USA Today einen Bericht, wonach die NSA seit Ende September 2001 die Verbindungsdaten sämtlicher Telefongespräche in den USA ohne gerichtliche Verfügung erfasse und verarbeite. Auch der Senat sei über diese Tätigkeit nicht informiert gewesen.[91] Durch sie sollen verdächtige Muster extrahiert werden, welche die Identifizierung von Terroristen erleichtern sollen. Dies ging über die erst wenige Monate zuvor bekannt gewordenen Aktionen hinaus, wonach die NSA nur die Auslandsgespräche von US-Bürgern observiert habe. Die neuen Enthüllungen haben große Empörung hervorgerufen und auch zu gerichtlichen Klagen gegen die daran beteiligten Unternehmen geführt (z. B. durch die Electronic Frontier Foundation), unter anderem gegen AT&T, Verizon und BellSouth. Nur die vierte große Gesellschaft Qwest verweigerte die Mitarbeit, nachdem die Behörde eine von der Unternehmensführung verlangte gerichtliche Vollmacht des FISC nicht nachweisen konnte.[92] Ursprünglich verantwortlich für die Durchführung der Aktion war Michael V. Hayden. Der Auftrag von Präsident George W. Bush, die telefonischen Aktivitäten der eigenen Staatsbürger zu überwachen, wurde von der Regierung mit der Notwendigkeit der Bekämpfung terroristischer Gruppen gerechtfertigt.
„Kooperation“ mit Telekommunikations- und Softwareunternehmen
Im Januar 2007 berichtete die Washington Post von einer Kooperation zwischen Microsoft und der NSA.[93] Microsoft begründete diese Kooperation in einer Bestätigung, dass dies die Sicherheit ihres damals jüngsten Betriebssystems, Windows Vista, erhöht habe. Andererseits habe das Unternehmen aufgrund seiner herausragenden Marktstellung die Kompatibilität des neuen Produkts mit den Bedürfnissen der (amerikanischen) Bundesregierung sicherstellen wollen.[94] Der Welt zufolge habe Microsoft damit erstmals eine Kooperation mit einem Geheimdienst öffentlich eingestanden, und titelte, letzterer „kontrollier[e] Windows Vista“. Darüber hinaus ist auch die Zusammenarbeit der NSA mit Apple und Novell bekannt geworden.[95][96]
Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hielt die Kooperation der Firmen mit Geheimdiensten gegen den Tenor der Berichterstattung für „eher vorbildlich als verwerflich“ und betonte die „Vorteile [dieses Vorgehens] für den Endnutzer sowie die Unternehmen“.[97]
Bereits 1999 berichtete die BBC von Kryptografen, die in den Betriebssystemen Windows 95, 98, NT4 und 2000 einen potenziellen Zugang der NSA zum E-Mail-Dienst Microsofts, Hotmail, gefunden haben wollen. Der Bericht verwarf die Hypothese, die Zusammenarbeit habe dem Nachrichtendienst Zugriffsmöglichkeiten auf alle weltweit ausgelieferten Windows-Betriebssysteme eröffnet, als Verschwörungstheorie, hielt einen eigenen Verschlüsselungscode für amerikanische Regierungscomputer allerdings für plausibel.[98]
Anfang 2010 ist durch die Washington Post bekannt geworden, dass der Suchmaschinenkonzern Google zwecks der Aufklärung von Hackerangriffen auf seine Kommunikationsnetze mit der NSA zusammenarbeiten wolle. Die Angriffe sollen seitens chinesischer Hacker ausgeübt worden sein. Man vermutete, dass diese von der Regierung der Volksrepublik ausgegangen seien, was allerdings noch nicht nachgewiesen werden konnte.[99]
Die NSA ist Mitentwickler der Linux-Kernel-Erweiterung SELinux und entwarf Anfang 2012 „SEAndroid“ als Sicherheitsverbesserung für das Android-Betriebssystem von Google.[100] Die NSA-Entwicklungen sollen nach Presseberichten in die Androidversion nach Version 4.2 übernommen werden.[101]
Im Juni 2013 wurde bekannt, dass die NSA im Rahmen des Programms PRISM in großem Umfang weltweit das Internet ausspähen soll, indem es Daten großer Konzerne und deren Nutzer auswertet.[102][103] Dazu gehören nach Medienberichten Google, Microsoft, Apple, Facebook, Yahoo, Paltalk, YouTube, Skype und AOL, die einen direkten Zugriff der NSA auf ihre Server, über eine bis dahin geheime Backdoor, jedoch bestritten haben.[104] Der ehemalige Sicherheitschef von Facebook arbeitet heute für die NSA.[105] Anfang November 2013 stellte sich allerdings auch heraus, dass sich die NSA, zusammen mit dem britischen GCHQ, mittels des Spionageprogramms „MUSCULAR“, Zugriff zu mehreren Millionen Nutzerkonten von Google und Yahoo verschaffte, jedoch ohne das Wissen der Konzerne. Um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden hackten sich die Geheimdienste in Server, welche in Ländern wie Irland, Finnland, Belgien, Chile oder Singapur standen.[106]
Freie Softwarealternativen zu von PRISM betroffenen Google-Anwendungen[107] und für ein Umgehen der US-Überwachung boomen seit diesen Enthüllungen: Es gibt eine Zeitrechnung vor und nach Snowden (Alex van Eesteren, Vizepräsident der Suchmaschine Ixquick).[108]
Herausragende NSA-Whistleblower
Herausragende Kryptologen
Kryptologen, die bei der NSA eine herausragende Rolle gespielt haben:
Mediale Rezeption
Dokumentationen und Vorträge
- Citizenfour
- Discovery Channel: Top Secret NSA (1997) Video (englisch)
- „NSA – Die Fabrik der Spione“ Regie: James Bamford, C. Scott Willis, Großbritannien, 2008, 50 min Video
- NSA Points of Presence in Österreich (2014) auf YouTube
Filme
- Sneakers – Die Lautlosen
- Der Staatsfeind Nr. 1
- Das Mercury Puzzle
- Die Vergessenen
- xXx – Triple X
- 9/11 attacks
- Good Will Hunting
- Untraceable
- Stirb langsam 4.0
- Die Echelon-Verschwörung
- James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag
- Jumper
- The Box – Du bist das Experiment
- Eagle Eye – Außer Kontrolle
- Snowden
TV-Serien
Belletristik
Videospiele
Preise
- Big Brother Awards 2013 in Österreich: Sonderpreis für ein „lebenslanges Ärgernis“
Trivia
Ein weitverbreiteter Internethoax besagt, dass man durch die Rückwärtseingabe von „Illuminati“, also von „Itanimulli“, in der Adressleiste eines Webbrowsers zusammen mit der Top-Level-Domain „.com“ auf der Website der NSA landen würde. Das ist tatsächlich der Fall, jedoch handelt es sich hierbei nicht etwa um eine Absicht von Seiten der NSA, sondern um einen Witz des Computerfreaks John Fenley.[109][110]
Siehe auch
- NSA Scientific Advisory Board, Wissenschaftlicher Beirat der NSA
- Bundesnachrichtendienst (deutscher Auslandsnachrichtendienst)
- Direction Générale de la Sécurité Extérieure (französischer Auslandsnachrichtendienst)
- INTCEN (auch Intelligence Centre, Organ des Europäischen Auswärtigen Dienstes der Europäischen Union mit nachrichtendienstlichen Aufgaben)
- FSB, Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation mit nationalem Rechnerverbund SORM
- Black Chamber
- Wikimedia Foundation v. NSA
Literatur
- James Bamford: NSA. Amerikas geheimster Nachrichtendienst. Orell Füssli, Zürich 1986, ISBN 3-280-01670-3 (Übersetzung der englischen Originalausgabe The Puzzle Palace. Inside the National Security Agency. Penguin, London 1983, ISBN 0-14-023116-1).
- James Bamford: NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt. 4. Auflage. Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-15151-1 (Goldmann 15151; Übersetzung der englischen Originalausgabe Body of Secrets, 2001).
- Arthur S. Hulnick: Fixing the spy machine. Preparing American intelligence for the twenty-first century. Praeger, Westport CT u. a. 1999, ISBN 0-275-96652-6.
- Leslie Lewis, Roger Allen Brown, John Schrader: Top to Bottom an End to End. Improving the National Security Agency’s strategic decision processes. RAND, Santa Monica CA u. a. 2005, ISBN 0-8330-3766-8.
- John Perkins: Confessions of an Economic Hit Man. ISBN 978-0-452-28708-2; dt. Übersetzung: Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Riemann, München 2005, ISBN 978-3-570-50066-8.
- Paul Burkhardt, Chris Waring – NSA Research Directorate: An NSA Big Graph Experiment (PDF; 7,9 MB). Carnegie Mellon University, 20. Mai 2013.
- Marcel Rosenbach, Holger Stark: Der NSA-Komplex. Edward Snowden und der Weg in die totale Überwachung. 1. Auflage. Dt. Verl.-Anst., München 2014, ISBN 978-3-421-04658-1.
- Klaus Eichner, G. Schramm: Imperium ohne Rätsel. Was bereits die DDR-Aufklärung über die NSA wusste. edition ost, Berlin 2014, ISBN 978-3-360-01864-9.
- Edward Snowden: Permanent Record. Pan Books, 2019, ISBN 978-1-5290-3566-7 (englisch).
Weblinks
Offizielles
- National Security Agency (englisch)
- Cryptolog (englisch). Im März 2013 veröffentlichte, bis dahin geheim gehaltene Ausgaben der NSA-internen Zeitschrift Cryptolog der Jahre 1974 bis 1997. In den 1950er Jahren hieß sie NSA Technical Journal.
- Sicherheitsnetz der NSA für Linux (englisch)
Berichte
- Nancy Pelosi: The Gap in Intelligence Oversight, in: Washington Post, 15. Januar 2006 (englisch)
- Kai Billen: Echelon – Das globale Abhörnetzwerk ( vom 23. Februar 2007 im Internet Archive)
- Tim Schorrock: Watching What You Say, in: The Nation, 11. Mai 2006. (englisch)
- Spiegel Online, Kolumne von Sascha Lobo, 2. Juli 2013: NSA-Lauscher: Das konnte doch keiner ahnen! Oder?
- die Tageszeitung, 18. Juli 2013, Interview mit Thomas Drake: „Sie sind besessen“
- Spiegel Online, 26. Juli 2013: Wie die Zeit vergeht mit … NSA-Skandalen
- Badische Zeitung, Interview mit dem US-Journalist James Bamford, 5. Juli 2013: badische-zeitung.de: Experte: „Die NSA macht es, weil sie es kann“ (4. August 2013)
- Jacob Appelbaum u. a.: Snowden-Dokumente: Was die NSA knacken kann – und was nicht, Spiegel Online am 29. Dezember 2014
- NSA-Affäre auf dem Informationsportal zur politischen Bildung
- Spitzelnde Freunde. Deutschland und der amerikanische Geheimdienst NSA SWR2-Feature
Einzelnachweise
- ↑ USA, NSA director and his deputy fired. Abgerufen am 4. April 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ National Security Agency Current Leadership. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Christoph Dernbach: Wie die Geheimdienste Internet-Daten überwachen. In: Impulse. 27. Juni 2013.
- ↑ Neue Snowden-Enthüllung: Das geheime Budget der US-Geheimdienste. In: stern.de. 30. August 2013.
- 1 2 United States SIGINT System January 2007 Strategic Mission List. (PDF; 2,0 MB) National Security Agency, 8. Januar 2007, abgerufen am 5. November 2013.
- 1 2 SIGINT Mission Strategic Plan FY 2008–2013. (PDF; 2,7 MB) National Security Agency, 3. Oktober 2007, abgerufen am 5. November 2013.
- ↑ NSA/CSS: Frequently Asked Questions Oversight
- ↑ Federal Business Opportunities: J--Installation Maintenance Contract for the U.S. Army Garrison Stuttgart, Solicitation Number: W564KV12R0017. Abgerufen am 19. Mai 2012.
- ↑ NSA: Amerikas großes Ohr. In: Der Spiegel. Nr. 8, 1989, S. 30–49 (online).
- ↑ Pieter Bakker Schut: Stammheim. Der Prozess gegen die Rote Armee Fraktion. Neuer Malik Verlag, Kiel, 1986, S. 33 ISBN 3-89029-010-8
- ↑ Spionage: 2 X U-2. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1962, S. 67 f. (online – 19. September 1962).
- ↑ Georg Mascolo: Spurenvernichtung im Amt. In: Der Spiegel. Nr. 30, 1999, S. 52–53 (online).
- ↑ Matthew M. Aid, William Burr: Secret Cold War Documents Reveal NSA Spied on Senators. Foreign Policy, 25. September 2013
- ↑ Sascha Lobo: NSA-Lauscher: Das konnte doch keiner ahnen! Oder? In: Spiegel Online vom 2. Juli 2013.
- ↑ NSA-Überwachung: Merkels Handy steht seit 2002 auf US-Abhörliste. In: Spiegel Online. 26. Oktober 2013, abgerufen am 16. Mai 2015.
- ↑ DPA: Wusste Obama von den Abhöraktionen? In: FAZ.net. 27. Oktober 2013, abgerufen am 16. Mai 2015.
- ↑ Günter Bannas: Es regiert der Konjunktiv. In: FAZ.net. 25. Oktober 2013, abgerufen am 16. Mai 2015.
- ↑ Jacob Appelbaum, Nikolaus Blome, Hubert Gude, Ralf Neukirch, René Pfister, Laura Poitras, Marcel Rosenbach, Jörg Schindler, Gregor Peter Schmitz, Holger Stark: Der unheimliche Freund. In: Der Spiegel. Nr. 44, 2013, S. 20–26 (online – 28. Oktober 2013).
- ↑ Spiegel Online: NSA hörte Zentrale der Vereinten Nationen in New York ab. In: Der Spiegel. 25. August 2013, archiviert vom am 8. April 2023; abgerufen am 30. August 2013.
- ↑ Abhör-Skandal: US-Präsident Obama billigt Lauschangriff auf Kanzlerin Merkel. In: bild.de. 16. Mai 2015, abgerufen am 16. Mai 2015.
- ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung-Autor made: Amerikanische Botschaft in Berlin: Das Dachgeschoss gehört den Spionen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Oktober 2013, archiviert vom am 18. Januar 2014; abgerufen am 26. Februar 2014.
- ↑ Rüdiger Ditz: Harald Range und die NSA-Überwachungsaffäre. In: Spiegel Online. 13. Dezember 2014, abgerufen am 9. Mai 2015.
- ↑ Hintertür für Spione.
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„Notz: [regt sich auf.] Was ist denn das für ein Laden? Ist ihnen bekannt, dass unmittelbar an ihrem Standort eine Backbone-Trasse für Kommunikationskabel verläuft, wo Carrier wie Level3, Telefonica und Colt ihre Daten vorbeischicken. Wissen sie das?“
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- ↑ Friedhelm Greis: BND-Außenstelle Gablingen: Herr Nöbauer sagt ständig Nö. In: golem.de. 26. November 2015, abgerufen am 26. November 2015.
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- ↑ Heise Online vom 21. Juni 2013: Bericht: Facebooks Ex-Sicherheitschef arbeitet für die NSA.
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- ↑ Jonas Rest: Google-Konkurrenz bewirbt Datenschutz. 2. Juli 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
- ↑ Thomas „Tom“ Wannenmacher: Weltverschwörung 2.0: Illuminati = Itanimulli = NSA?. In: Mimikama.at. Abgerufen am 19. Mai 2017.
- ↑ David Mikkelson: 'Illuminati' Spelled Backwards Points to the NSA?. In: Snopes.com. Abgerufen am 19. Mai 2017.
Koordinaten: 39° 6′ 28″ N, 76° 46′ 15″ W
- National Security Agency
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