Wikinews war ein freies Nachrichtenportal und ein Wikimedia-Projekt. Es setzte wie seine Schwesterprojekte die Wiki-Software MediaWiki ein. Das Projekt sollte die Idee des Bürgerjournalisten (auch Graswurzel-Journalismus) verbreiten, hatte aber von Anfang an mit einer geringen Beteiligung zu kämpfen.
Die Plattform bestand in 31Sprachen. Die englische Sprachversion wurde als erste am 15.November 2004 gegründet, die deutsche als zweite folgte am 3.Dezember 2004. Vom 4.Mai 2026 bis zum 7.Mai 2026 wurden alle Sprachversionen des Projekts nach und nach geschlossen; sie können seit diesem Zeitpunkt nur noch gelesen, aber nicht mehr bearbeitet werden.
Nachdem das Projekt vorgestellt worden war und sich eine klare Mehrheit der Abstimmenden dafür ausgesprochen hatte, entschied sich der Wikimedia-Vorstand (Board of Trustees) am 15. November 2004, eine Demo-Version zu starten. Als sich die englischsprachige Demo-Version zwei Wochen lang gut entwickelte, wurde sie am 2. Dezember 2004 zur Beta-Version „befördert“. Am 3. Dezember 2004 folgte eine Beta-Version in deutscher Sprache. Von Januar bis März 2005 folgten als weitere Sprachen eine niederländische, französische, spanische, schwedische, bulgarische, polnische, portugiesische, rumänische und ukrainische Wikinews-Ausgabe (in dieser Reihenfolge). Am 13. März 2005 überschritt die englische Wikinews-Version die Marke von 1.000 Artikeln. Am 14. März 2006 ging die chinesische Wikinews-Version online. Am 31. März 2005 startete die italienische Wikinews-Version, Wikinotizie, für die bis zum März 2013 9.000 Artikel geschrieben wurden.[3] Seit dem 24. Oktober 2006 war es in der deutschsprachigen Wikinews nach dem Vorbild der englischsprachigen Version möglich, dass auch ein anonymer Benutzer Informationen aus erster Hand (sogenannte Originalberichterstattung) veröffentlichen konnte. Voraussetzung zur Anwendung des „englischen Prinzips“ war die ausführliche Darlegung der Quelle auf der Diskussionsseite.
Das Projekt erhielt unmittelbar nach seinem Start große internationale Medienaufmerksamkeit. Die veröffentlichten Artikel wurden ähnlich wie in der Wikipedia in Kategorien einsortiert. Außerdem gab es zu vielen Themen entsprechende Portale, in denen die Artikel in chronologischer Folge erschienen. Am 26. Dezember 2020 lag die Website laut Alexa Internet auf Platz 58.821 der globalen Seitenabrufe.[4]
Am 30. März 2026 beschloss das Board of Trustees der Wikimedia Foundation nach einer öffentlichen Anhörung der Community die Schließung von Wikinews.[5] Wie bei geschlossenen Wikis üblich, ist Wikinews seit dem 4.Mai 2026 zwar weiterhin lesbar, man kann es aber nicht mehr bearbeiten. Die Schließung wurde damit begründet, dass die Erwartungen, die in das Projekt gesetzt wurden, sich nicht erfüllt hätten und dass Berichte über aktuelle Ereignisse vor allem in Wikipedia erschienen seien. Bereits 2018 äußerte die damalige Wikimedia-Geschäftsführerin Katherine Maher Zweifel, mehr Ressourcen in die Plattform zu investieren. Die Anzahl der aktiven Autoren in allen Wikinews-Sprachversionen belief sich zuletzt auf nur noch etwas über 700.[5][6] Die deutschsprachige Ausgabe von Wikinews wurde am 6.Mai 2026 geschlossen.
Wikinews gab es zuletzt in 31 Sprachversionen.[6] Die Versionen auf Englisch und Russisch sind mit Abstand am aktivsten. Danach folgen Portugiesisch, Chinesisch, Polnisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch und Deutsch. In der unteren Liste sind alle Sprachversionen von Wikinews aufgeführt.[7]
Spiegel Online bewertete im Dezember 2004 Wikinews folgendermaßen: „So, wie sich Wikinews anlässt, wird daraus allenfalls eine Konkurrenz für automatisierte Sammelseiten wie Yahoo-News, juristisch nur schlechter abgesichert.“[8]
Die FAZ schrieb im August 2005, Wikinews könne „in Ländern wie China zur Sprengung strenger Hierarchien und des staatlichen Informationsmonopols beitragen“.[9]
Über das Ergebnis einer vergleichenden Untersuchung von Wikinews und einschlägigen Tageszeitungen schrieb der Publizistikwissenschaftler Stefan Bosshart im März 2014: „Die Studie zeigt, dass Wikinews für den professionellen Journalismus keine Konkurrenz darstellt. Die Plattform erbringt allenfalls eine komplementäre Funktion.“[10]
Phoebe Ayers, Charles Matthews, Ben Yates:How Wikipedia works: and how you can be a part of it. No Starch Press, San Francisco 2008, ISBN 978-1-59327-176-3, S.430–432 (englisch, auf Wikibooks).
David Blackall, Leigh T Blackall, Brian Mcneil:Wikinews – a safe haven for learning journalism, free of the usual suspects of spin and commercial agendas. In: ANZCA 2012 Adelaide: Communicating Change and Changing Communication the the 21st Century. (englisch, handle.net[abgerufen am 15.Mai 2026] Konferenzbeitrag).
Einar Thorsen:Journalistic objectivity redefined? Wikinews and the neutral point of view. In: New Media & Society. Band10, Nr.6, Dezember 2008, ISSN1461-4448, S.935–954, doi:10.1177/1461444808096252 (englisch, sagepub.com[abgerufen am 14.Mai 2026]).
↑Christian Nuernbergk:Rezension zu Bosshart, Stefan: Bürgerjournalismus im Web. Kollaborative Nachrichtenproduktion am Beispiel von „Wikinews“. In: Publizistik. Band62, Nr.3, 10.Juni 2017, ISSN0033-4006, S.353–355, doi:10.1007/s11616-017-0344-6.
↑Redaktion Merz:Bosshart, Stefan (2017). Bürgerjournalismus im Web. Kollaborative Nachrichtenproduktion am Beispiel von „Wikinews“. Konstanz: UKV. 416 S., 54 €. In: merz | medien + erziehung. Band61, Nr.4, 20.Juli 2017, ISSN0176-4918, S.90–91, doi:10.21240/merz/2017.4.24 (merz-zeitschrift.de[abgerufen am 14.Mai 2026]).