Die Abteilung umfasst die Aufklärung staatsfeindlicher, extremistischer, terroristischer und generell politischer Aktivitäten im Inland, die vom Kreml als Bedrohung für die gegenwärtige politische Ordnung gesehen werden. Das beinhaltet auch den Kampf gegen Protestbewegungen, Oppositionelle werden von ihr oft wegen Verletzung von Gesetzen gegen den Extremismus belangt. Gleichfalls ist sie zuständig für Ermittlungen gegen ethnische Gruppen innerhalb des organisierten Verbrechens. Sie betreibt ferner Aufklärung und Spionageabwehr im Bildungs- und Kulturbereich, im religiösen Bereich, im Gesundheitssystem und generell in nicht-ökonomischen Organisationen.[12]
Alexander Nawalny und seine Rechercheure warfen ihrem Leiter Sedow vor, große Reichtümer zu besitzen, darunter ein Anwesen in Moskau im Werte von 16 Millionen US-Dollar.[13] Der Abteilung werden Giftanschläge auf Nawalny und Wladimir Kara-Mursa zugeordnet. Nach exilrussischen Berichten wurde der Abteilung Anfang 2026 auch Verantwortung im Bereich der Kontrolle des Internets zugewiesen, die vorher dem FSB-eigenen Zentrum für Informationssicherheit aufgetragen war. Die zweite Abteilung soll hinter dem Vorgehen gegen den Messengerdienst Telegram und gegen VPN stehen, die App Max wird dem FSB zugerechnet.[14]
Leiter: Nikolai Juriew[15]
Die Abteilung DWKR (Department Wojeinnoi Konttraswedki) ist für militärische Gegenspionage zuständig und übt über diesen Zusammenhang hinausgehend eine Kontrollfunktion über das Militär aus. Sie gilt als personalstark und dem Regime loyal ergeben, ihre Aktivitäten haben seit Beginn der Invasion in der Ukraine 2022 stark zugenommen und umfassen Teilnahme an militärischen und polizeilichen Maßnahmen in den besetzten Gebieten wie auch Aktivitäten in Russland selbst, wo Mitte 2024 ein Vize-Verteidigungsminister und mehrere Generäle vom FSB unter Beschuldigungen der Korruption verhaftet wurden, was als Machtdemonstration und Warnung gegenüber der Armee interpretiert wird.[16] Eine gleichartige Kontrollfunktion übt die Abteilung über die Nationalgarde aus.[17]
Offiziere des DWKR sind auch in Botschaften in NATO-Staaten eingesetzt, ihr Aufgabenfeld dort ist unklar. Die Abteilung sichert russisches Militär im Ausland, Angehörige von ihr sind auch innerhalb des GRU, des Auslandsdienstes SWR, der Nationalgarde, des FSO und der militärischen Einheiten des Katastrophenschutzes tätig. Untereinheiten der Abteilung sind in die Strukturen und Einheiten des Militärs eingebettet, darunter die Hauptquartiere der Militärdistrikte. Der DWKR hat Zugang zu sämtlichen Personalakten von Militärangehörigen, dies erleichtert das Anwerben von Mitarbeitern und Informanten. Offiziere des DWKR arbeiten oft unerkannt in anderen Verwendungen in den überwachten Strukturen und Organisationen.[18]
Ehemaliger Analyse-, Prognose- und strategischer Planungsdienst, ist heute beauftragt, Geheimdienstoperationen auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR durchzuführen.
Leiter: Sergei Beseda (seit 2009),[19] (zeitweilig verhaftet), nach einem ukrainischen Medium abgetreten[20].
Der FSB ist kein reiner Inlandsgeheimdienst, sondern er blieb nach dem Zusammenbruch der UdSSR für die Gebiete früherer Sowjetrepubliken zuständig, darunter die Ukraine.[21] Sein zuständiger Fünfter Dienst war für die schweren Fehleinschätzungen zu Anfang der Invasion 2022 mitverantwortlich, was zu (zeitweiligen) Strafmaßnahmen gegen FSB-Offiziere führte.[22][23] Ziel der Aktivitäten in den ehemaligen Sowjetrepubliken ist die Beeinflussung dortiger Eliten und die Förderung russlandfreundlicher Akteure.[24] Er soll auf Veranlassung von Wladimir Putin zu seiner Zeit als Chef des FSB persönlich aufgebaut worden sein[25]. Der Dienst ist auch mit bestimmten Auslandskontakten befasst, darunter US-Stellen[26].
Der Dienst unterteilt sich in einen Bereich, der für Internationale Beziehungen (DIR) zuständig ist und einen für Operative Informationen (DOI), welcher als Unterstützungsbereich Mitarbeitern der russischen Botschaften und in internationalen Institutionen die für Spionage notwendige Infrastruktur (wie Diplomatenpost, Finanzwege, Unterkünfte etc.) zur Verfügung stellt. DIR hingegen ist für die strategische Planung und die Steuerung der Agentenführer zuständig, denen interessierende Zielbereiche vorgegeben werden, verschiedene Unterabteilungen, Sektionen, Arbeitsgruppen sind jeweils für ein Zielland zuständig. Für die Ukraine ist dies das neunte Direktorat der fünften Abteilung/des fünften Dienstes des FSB. Traditionell bleiben Agentenführer für die von ihnen angeworbenen Quellen verantwortlich, waren sie zur Zeit der Quellengewinnung nicht für den fünften Dienst tätig, werden sie ihm unterstellt.[27]
Nach der Euromaidan-Revolution tauchten Beamte des 5. Dienstes in Belarus, Moldawien und Abchasien auf. Ihre Hauptaufgabe dort war nicht die klassische Spionage, sondern die Unterstützung kremlfreundlicher Kandidaten bei den Kommunalwahlen, und war damit an der Auslösung des Kriegs im Donbas beteiligt. Für den DPI stellte die Ukraine die Priorität des gesamten postsowjetischen Raumes dar.
Im März 2022 berichtete der Journalist Andrei Soldatow über die Festnahme Besedas und seines Stellvertreters Anatoli Boluch, vermutlich weil der FSB Putin im Hinblick auf die Erfolgsaussichten in die Irre geführt hatte. Der 5. Dienst war dafür verantwortlich, Wladimir Putin am Vorabend der Invasion mit Informationen über die politischen Ereignisse in der Ukraine zu versorgen. Zunächst wurden Beseda und sein Stellvertreter unter Hausarrest gestellt. Ihm wird auch die Unterschlagung von Geldern vorgeworfen, die für die Separatisten bestimmt und für Operationen bereitgestellt waren. Im April wurde berichtete, dass Beseda in das FSB-eigene Lefortowo-Gefängnis gebracht wurde[25].
Allerdings wurde Beseda nach einiger Zeit wieder auf seinem alten Posten eingesetzt, Putin kann es sich vermutlich nicht leisten auf die Mitarbeit des FSB in der Ukraine zu verzichten. Die Arbeitsweise des FSB in der Ukraine hat sich deutlich verschärft, der Dienst ist in den besetzten Gebieten nun Repressionsorgan und betreibt Filtrationslager, in denen – wie in den FSB-Gefängnissen Russlands – zahlreiche Ukrainer gefangen sind. Vermutlich sind zigtausende durch dieses System gegangen, Ziel ist weniger sie dort festzuhalten, als unter ihnen geeignete Personen zu identifizieren und unter Druck zur Arbeit für den FSB zu bewegen. Repression und Aufklärung gehen so wie zu den Zeiten Stalins ineinander über. Aus den über Russland verteilten FSB-Büros und aus allen – nicht allein den zuständigen – Abteilungen werden Mitarbeiter regelmäßig für mehrere Monate für Einsätze in die Ukraine abkommandiert. Es lässt sich vermuten, dass die Radikalisierung und Militarisierung der Arbeit des FSB von Dauer sein wird.[28][29]
Letztlich trat Beseda nach Berichten des Kyiv Independent zurück, blieb aber Berater des FSB-Chefs und wurde 2025 als Teil einer Delegation für Gespräche mit den USA in Saudi-Arabien verwendet[20]. Andrej Soldatow wertet das als generellen Bedeutungsgewinn der Geheimdienste im russischen Regierungsapparat[30].
Die fünfte Abteilung soll auch für Cyberangriffe auf das österreichische Außenministerium verantwortlich sein.[31]