Reevesit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt pseudohexagonale Täfelchen bis etwa 0,1mm Größe, findet sich aber auch in Form feinkörniger Aggregate mit perlmuttähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchscheinend und von hellgelber bis grünlichgelber Farbe, kann in dünnen Schichten aber auch goldgelb erscheinen. Auch seine Strichfarbe ist gelb.
Die Analyse und Erstbeschreibung von Reevesit und Cassidyit erfolgte durch John S. White jr., E. P. Henderson und Brian Mason, die das erstgenannte Mineral nach dem Explorationsgeologen Frank Reeves (1886–1986) benannten. Dieser hatte 1947 den Meteoriten Wolf Creek gefunden. White, Henderson und Mason sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1966 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA:1966-025[1]), die den Reevesit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin American Mineralogist publiziert.[9]
Der Wolf-Creek-Meteorit gilt auch als Typlokalität (erster Fundort) für den 1969 von George T. Faust, Joseph J. Fahey, Brian Mason, Edward J. Dwornik erstbeschriebenen Pecorait.[10]
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Reevesit noch zur gemeinsamen Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Carbonate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Hydrotalkit, Pyroaurit, Stichtit und dem inzwischen als identisch mit Takovit diskreditierten Eardleyit die „Pyroaurit-Reihe“ mit der System-Nr. Vb/D.02b innerhalb der „Sjögrenit-Pyroaurit-Gruppe“ (Vb/D.02) bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. V/E.03-60. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Reevesit zusammen mit Comblainit, Desautelsit, Fougèrit, Hydrotalkit, Karchevskyit, Mössbauerit, Putnisit, Pyroaurit, Sergeevit, Stichtit, Takovit und Trébeurdenit die „Hydrotalkit-Gruppe“ bildet.[4]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Reevesit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Comblainit, Desautelsit, Hydrotalkit, Pyroaurit, Stichtit und Takovit die „Hydrotalkitgruppe“ mit der System-Nr. 5.DA.50 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Reevesit wie die veraltete 8. Auflage der Strunz’schen Systematik in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung und gleichnamige Unterabteilung der „Carbonate – Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er zusammen mit Comblainit und Takovit in der „Sjögrenit-Hydrotalkitgruppe (Hydrotalcit-Untergruppe: Rhomboedrisch)“ mit der System-Nr. 16b.06.03 zu finden.
Als seltene Mineralbildung konnte Reevesit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 50 Fundstätten dokumentiert sind.[12] Außer in seiner Typlokalität, dem bei Halls Creek in Westaustralien gefundenen Wolf-Creek-Meteoriten, fand sich Reevesit noch in folgenden Meteoriten:
Rowena, ein 1962 in New South Wales entdeckter Chondrit der Klasse H6
Daneben kommt Reevesit auch an verschiedenen irdischen Fundstätten vor. In Deutschland fand er sich bisher in den aufgelassenen Gruben Rotenbach bei Feldberg in Baden-Württemberg und Friedrichssegen nahe Bad Ems im Rhein-Lahn-Kreis von Rheinland-Pfalz.
In Österreich kennt man das Mineral aus dem Daniel- und dem Barbarastollen im Bergbaurevier Schwarzleo in der Salzburger Gemeinde Leogang.
Des Weiteren fand sich das Mineral unter anderem in der Nickelerz-Grube San Santiago (ehemals Solitaria) bei Jagüé im argentinischen Departamento Vinchina, in verschiedenen Nickelerz-Gruben auf Tasmanien und Western Australia, im Bergwerk El Dragón im Landkreis Porco (Potosí) in Bolivien, im ehemaligen Bergbaubezirk Lavrio in der griechischen Region Attika, an mehreren kleinen Fundstätten in den Regionen Emilia-Romagna und Toskana in Italien, bei Inveraray und auf Unst in Schottland (UK) sowie an mehreren Orten in Arizona, Kalifornien und New Mexico in den USA.[13]
John S. White jr., E. P. Henderson, Brian Mason:Secondary minerals produced by weathering of the Wolf Creek meteorite. In: American Mineralogist. Band52, 1967, S.1190–1197 (englisch, rruff.info[PDF; 512kB; abgerufen am 26.Mai 2022] Cassidyit ab S. 1193).
H. F. W. Taylor:Crystal structures of some double hydroxide minerals. In: Mineralogical Magazine. Band39, Nr.304, 1973, S.377–389 (englisch, rruff.info[PDF; 785kB; abgerufen am 26.Mai 2022]).
Reevesite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 25.Mai 2022(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.314 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Reevesite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 73kB; abgerufen am 25.Mai 2022]).
↑John S. White jr., E. P. Henderson, Brian Mason:Secondary minerals produced by weathering of the Wolf Creek meteorite. In: American Mineralogist. Band52, 1967, S.1190–1197 (englisch, rruff.info[PDF; 512kB; abgerufen am 25.Mai 2022] Cassidyit ab S. 1193).
↑George T. Faust, Joseph J. Fahey, Brian Mason, Edward J. Dwornik:Pecoraite, Ni6Si4O10(OH)8, Nickel Analog of Clinochrysotile, formed in the Wolf Creek Meteorite. In: Science. Band165, Nr.3888, 1969, S.59–60, doi:10.1126/science.165.3888.5 (englisch).