Gibbsit entwickelt nur kleine, tafelige oder durch Verzwillingung pseudohexagonale Kristalle bis etwa drei Zentimeter[5] Größe. Meist findet er sich in Form blättriger, schuppiger, traubiger oder erdiger Mineral-Aggregate sowie krustiger Überzüge. Unverletzte Kristalloberflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig und krustig-erdige Aggregate sind matt. In reiner Form ist Gibbsit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, grünliche oder bläuliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3,5 gehört Gibbsit zu den weichen bis mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Calcit (3) noch mit einer Kupfermünze oder wie Fluorit (4) leicht mit einem Taschenmesser ritzen lassen.
Aufgrund seiner Ähnlichkeit in Form und Farbe kann Gibbsit mit Chalcedon, Hemimorphit, Smithsonit und Wavellit verwechselt werden. Allerdings sind alle genannten Minerale härter als Gibbsit.
Erstmals entdeckt wurde Gibbsit bei Richmond im Berkshire County des US-Bundesstaates Massachusetts und beschrieben 1822 durch John Torrey, der das Mineral nach General George Gibbs (1776–1833) benannte, einem US-amerikanischen Mineraliensammler, dessen Mineraliensammlung im 19. Jahrhundert von der Yale University aufgekauft wurde.[8][9]
Das Synonym Hydra(r)gillit ist eine Zusammensetzung aus den altgriechischen Worten ὕδωρ [hydōr] für Wasser und ἄργιλλος [árgillos] für weißer Ton oder Töpfererde.[10][11]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/F.02-010. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der präzisierten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Gibbsit zusammen mit Bayerit, Doyleit und Nordstrandit die unbenannte Gruppe IV/F.02 bildet.[3]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Gibbsit in die Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der zusätzlichen Anwesenheit von H2O und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Bayerit, Doyleit und Nordstrandit die „Gibbsitgruppe“ mit der System-Nr. 4.FE.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Gibbsit die System- und Mineralnummer 06.03.01.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 06.03.01 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit (OH)3- oder (OH)6-Gruppen“ zu finden.
Die Kristallstruktur von Gibbsit besteht aus Hydroxid-Doppelschichten parallel (100). In den Oktaederlücken dieser Schichten sind nach [001] Al3+-Ionen eingelagert. Zwischen den Doppelschichten wirken nur schwache Coulombsche und Van-der-Waals-Kräfte, was die Ursache für die leichte Spaltbarkeit nach [001] ist.
Das Mineral hat einen starken tonhaltigen Geruch.[5]
Beim Erhitzen auf über 100°C verliert Gibbsit einen Teil seines Kristallwassers und wandelt sich in Diaspor (α-AlO(OH)) um. Weiteres Erhitzen auf etwa 300°C treibt das restliche Kristallwasser aus.[13]
Bläulicher Gibbsit aus Baoshan (Yunnan), China (Größe: 6,1cm×4,3cm×1,6cm)Weißer Gibbsit aus der Typlokalität Richmond, USA (Größe: 8,9cm×4,8cm×3,9cm)Bauxit-Exponat (Gibbsit und Diaspor), Fundort Guayana
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Gibbsitfunde ist unter anderem Slatoust im Ural in Russland, wo bis zu 10cm große, tafelige Kristalle entdeckt wurden.[15]
In Deutschland kennt man Gibbsit bisher aus der Grube „Haus Württemberg“ bei Freudenstadt und dem Steinbruch „Michelsberg“ am Katzenbuckel in Baden-Württemberg; aus der Grube Glücksrad bei Oberschulenberg in Niedersachsen; den Kupfergruben bei Marsberg und dem Grubenverbund Eisenzecher Zug bei Eiserfeld in Nordrhein-Westfalen; am Schellkopf bei Brenk, bei Bad Ems und in der Grube Friedrichssegen bei Frücht in Rheinland-Pfalz sowie im Steinbruch Bärenstein und der Grube „Deutschlandschacht“ bei Oelsnitz/Erzgeb. in Sachsen.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Albanien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, China, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), der Dominikanischen Republik, Ecuador, Frankreich, Griechenland, Grönland, Guinea, Guyana, Indien, Indonesien, Iran, Irak, Irland, Israel, Italien, Jamaika, Japan, Kambodscha, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kolumbien, Kuba, Luxemburg, Madagaskar, Malaysia, Mauretanien, Namibia, den Niederlanden, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Peru, Polen, Rumänien, Schweden, Serbien, den Seychellen, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Sudan, Surinam, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Wales).[16]
Das Verbundmaterial Corian (Markenname von Dupont) besteht zu etwa 66% seines Gewichts aus sehr feinkörnigem Gibbsit als Füllstoff und zu etwa 33% aus Polymethylmethacrylat (PMMA), das die Matrix bildet. Corian wird zur Gestaltung von nicht-porösen, fugenlosen Oberflächen in Küchen, Labors und Krankenhäusern insbesondere für Arbeitsflächen verwendet.
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.420–421.
Gibbsite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 28.Mai 2024(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.238 (englisch).
12345678
Gibbsite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 56kB; abgerufen am 28.Mai 2024]).
12Gibbsite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 28.Mai 2024(englisch).
12Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u.a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.58.