Wavellit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten größere, prismatisch-isometrische bis langgestreckte Kristalle. Meist findet er sich in Form halbkugeliger bis kugeliger sowie traubiger und radialstrahliger Mineral-Aggregate mit bis zu vier Zentimetern Durchmesser. Er kommt aber auch in Form krustiger Überzüge vor. In reiner Form ist Wavellit farblos und durchsichtig.[8] Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung erscheint er jedoch meist durchscheinend weiß oder nimmt je nach Fremdbeimengung eine grünlichweiße bis grüne, gelbe bis gelblichbraune, türkisblaue oder braune bis braunschwarze Farbe an. Auch zonare Färbungen ähnlich wie bei einigen Mineralen der Turmalingruppe sind möglich. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle und Aggregate zeigen auf den Oberflächen einen harz- bis glasähnlichen oder perlmuttähnlichen Glanz.
Erstmals gefunden wurde Wavellit vom britischen Physiker William Wavell (1750–1829[7]) im Steinbruch High Down bei Filleigh in North Devon, England. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Humphry Davy, der seine Erstbeschreibung 1805 veröffentlichte. Seiner Beschreibung nach hatte William Babington vorgeschlagen, das Mineral nach dessen Entdecker zu benennen, wobei Davy den Namen des Entdeckers mit nur einem ‚l‘ schrieb. Davy schlug auch eine alternative Benennung vor. Falls ein Name, basierend auf dessen chemischer Zusammensetzung, bevorzugt würde, könne es auch Hydrargillit heißen, nach den altgriechischen Worten ὕδωρ [hydōr] für Wasser und ἄργιλλος [árgillos] für Ton.[9] In der Fachwelt setzte sich allerdings Babingtons Vorschlag Wavellit durch. Hydrargillit wurde später zum Synonym für Gibbsit.
Da der Wavellit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Wavellit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Wavellit lautet „Wav“.[2]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.13-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Wavellit zusammen mit Allanpringit, Fluorwavellit und Kingit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.13 bildet.[4]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Wavellit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.):RO4=1:1 und <2:1“ zu finden, wo es zusammen mit Allanpringit die „Wavellitgruppe“ mit der Systemnummer 8.DC.50 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Wavellit die System- und Mineralnummer 42.10.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3(XO4)2Zq × x(H2O)“ in der „Wavellitgruppe“, in der auch Allanpringit eingeordnet ist.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bei Nischne Tagilsk im Ural eine neue Varietät von Wavellit gefunden, die man zunächst für ein eigenständiges Mineral hielt und nach Gotthelf Fischer von Waldheim (1771–1853) als Fischerit bezeichnete. Der einzigen Beschreibung von R. Hermann nach bestand der Fischerit aus durchsichtigen, kristallinen Rinden und kurzen, prismatischen Kriställchen von grasgrüner bis olivgrüner und spangrüner Farbe, die auf Klüften von Sandstein und Toneisenstein gefunden wurden. Bei späteren Analysen stellte sich jedoch heraus, dass Fischerit mit Wavellit identisch ist. Nach Slavik wurde der Fischerit auch als Uhligit bezeichnet.[12]
Seltene, weiße Wavellit-Kristallstufe aus Montgomery County, ArkansasRöhrenförmiges Wavellit-Aggregat aus der Siglo Veinte Mine (auch Llallagua Mine), Potosí , Bolivien
Als relativ seltene Mineralbildung kann Wavellit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen für Wavellit dokumentiert (Stand 2025).[13] Außer an seiner Typlokalität im Steinbruch High Down sowie im nahe gelegenen Steinbruch Downrew in North Devon trat das Mineral in England noch in vielen Steinbrüchen und Gruben in Cornwall und in einer Kobaltgrube bei Above Derwent im ehemaligen Distrikt Allerdale in Cumbria auf. Daneben fand sich Wavellit noch an drei Fundstellen im Gebiet um Swansea in Südwales.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Burundi, China, Finnland, Frankreich, Guinea, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Kolumbien, der Republik Kongo, in Liberia, Madagaskar, Mali, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Peru, auf den Philippinen, in Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Ruanda, Schweden, im Senegal, der Slowakei, Spanien, Sri Lanka, Südafrika, im Sudan, in Tschechien, Uganda, Ungarn, Usbekistan und den Vereinigten Staaten.[14]
Humphry Davy:VII. An account of some analytical experiments on a mineral production from Devonshire, consisting principally of alumine and water. In: Philosophical Transactions Of The Royal Society Of London. Band95, 1805, S.155–162, doi:10.1098/rstl.1805.0009 (englisch, royalsocietypublishing.org[PDF; 1,5MB; abgerufen am 7.Dezember 2025]).
Takaharu Araki, Tibor Zoltai:The crystal structure of wavellite. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band127, 1968, S.21–33, doi:10.1524/zkri.1968.127.1-4.21 (englisch, rruff.net[PDF; 545kB; abgerufen am 7.Dezember 2025]).
David Ian Green, Tom F. Cotterell, Ian Jones, David Cox, Ron Cleevely:Wavellite: Its discovery and occurrences in the British Isles. In: UK Journal of Mines & Minerals. Band28, 2007, S.11–30 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 2,2MB; abgerufen am 7.Dezember 2025]).
Wavellite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 7.Dezember 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.502 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789
Wavellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 7.Dezember 2025]).
↑David Barthelmy:Wavellite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 7.Dezember 2025(englisch).
123456Wavellite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.Dezember 2025(englisch).
↑Humphry Davy:VII. An account of some analytical experiments on a mineral production from Devonshire, consisting principally of alumine and water. In: Philosophical Transactions Of The Royal Society Of London. Band95, 1805, S.155–162, doi:10.1098/rstl.1805.0009 (englisch, royalsocietypublishing.org[PDF; 1,5MB; abgerufen am 7.Dezember 2025]).
↑E. Fischer:Über die Selbstständigkeit des Minerals Fischerit. In: Heidelberger Beiträge zur Mineralogie und Petrographie. Band4, 1955, S.522–525, doi:10.1007/BF01129858.
↑Localities for Wavellite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 10.Dezember 2025(englisch).
12
Fundortliste für Wavellit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 7. Dezember 2025.