Carrollit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt oft oktaedrische oder würfelförmige Kristalle und kubische Kombinationen wie beispielsweise Kuboktaeder, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. Die undurchsichtigen (opaken) Kristalle sind von hellgrauer bis stahlgrauer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen metallischen Glanz. Mit der Zeit können die Flächen kupferrot bis grauviolett, gelegentlich auch buntfarbig,[8] anlaufen.
Entdeckt wurde Carrollit in Mineralproben aus dem Eisen- und Kupferbergwerk Patapsco bei Finksburg im Carroll County des US-Bundesstaates Maryland. Die Erstbeschreibung erfolgte 1852 durch den Metallurgen und Bergbauingenieur W. L. Faber, der das Mineral nach dem County benannte, in dem dessen Typlokalität liegt.
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht bekannt.[9]
Carrollit war bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) 1958 bekannt und als Mineral in der Fachwelt meist anerkannt, auch wenn er unter anderem nach Hans Jürgen Rösler als Varietät von Linneit mit 10 bis 19% Kupfer anstelle von Cobalt angesehen wurde.[10] Als sogenanntes grandfatheredMineral (G) wurde die Anerkennung von Carrollit als eigenständige Mineralart von der Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen.[2]
Die bekannten und zunächst nach chemischer Zusammensetzung ordnenden Mineralsystematiken ordnen den Carrollit in die Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ ein.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.01-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall: S,Se,Te < 1: 1“, wo Carrollit zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Cuprokalininit, Daubréelith, Fletcherit, Florensovit, Greigit, Indit, Kalininit, Linneit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit und Violarit die „Linneitgruppe“ mit der Systemnummer II/D.01 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Carrollit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Metallsulfide mit M: S = 3: 4 und 2: 3“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „M: S = 3: 4“ zu finden, wo es zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Cuproiridsit, Cuprorhodsit, Daubréelith, Fletcherit, Florensovit, Greigit, Indit, Kalininit, Linneit, Malanit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit, Violarit und Xingzhongit die „Linneitgruppe“ mit der Systemnummer 2.DA.05 bildet.
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation, die sich im Aufbau nach der 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik richtet, führt in der Gruppe 2.DA.05 auch die nach 2009 neu beschriebenen Spinelle Berndlehmannit, Cuprokalininit, Ezochiit, Joegoldsteinit, Nickeltyrrellit und Shiranuiit auf (Stand 2025). Die Spinelle Ezochiit und Grimmit werden hier zusammen mit Ferrodimolybdänit (FeMo2S4), Zaykovit (Rh3Se4) und Zolenskyit (FeCr2S4) der allgemeineren Gruppe 2.DA (Metallsulfide mit M:S=3:4) zugewiesen.[13]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Carrollit die System- und Mineralnummer 02.10.01.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=3:4“ in der „Linneitgruppe (Isometrisch: Fd3m)“, in der auch Linneit, Fletcherit, Tyrrellit, Bornhardtit, Siegenit, Polydymit, Violarit, Trüstedtit, Greigit, Daubréelith, Indit, Kalininit, Florensovit, Cuproiridsit, Cuprorhodsit, Malanit, Ferrorhodsit und Cadmoindit eingeordnet sind.
Die Endgliedzusammensetzung CuCo2S4 besteht aus 20,52% Kupfer (Cu), 38,06% Cobalt (Co) und 41,41% Schwefel (S). Bei natürlichen Proben weichen die prozentualen Gewichtsanteile allerdings durch Mischkristallbildung beziehungsweise Fremdbeimengungen mehr oder weniger stark ab. So wurden unter anderem bei den analysierten Proben aus der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire), Gladhammar in Schweden und Siegen in Deutschland geringe Beimengungen von Eisen (Fe) zwischen 0,6 und 2,25% gemessen.[6]
Fast perfekter Carrollit-Kuboktaeder aus der Kamoya South II Mine, Demokratische Republik Kongo (Größe2,3cm×1,4cm×1,2cm)Carrollit (silbrig glänzender Oktaeder) und Chalkopyrit (goldfarbig) auf Calcit aus der Kamoya South II Mine, Demokratische Republik Kongo (Größe52mm×46mm×41mm)Bunt angelaufener Carrollit (größter Kristall 7 mm) aus der Kamoto Principal Mine, Demokratische Republik Kongo
Als eher seltene Mineralbildung kann Carrollit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher sind rund 160 Fundorte[14] für Carrollit dokumentiert (Stand 2018). Außer an seiner Typlokalität im Bergwerk Patapsco konnte das Mineral im Carroll County noch in den Eisen- und Kupfergruben Mineral Hill bei Louisville sowie Florence und Springfield nahe Sykesville gefunden werden. Ein weiterer Fundort im Bundesstaat Maryland ist die Kupfergrube Bare Hills nahe dem gleichnamigen Ort im Baltimore County. Des Weiteren kennt man einige Fundpunkte in verschiedenen US-Bundesstaaten wie unter anderem Alaska, Colorado, Missouri, Montana und Wyoming.
In Österreich konnte das Mineral bisher nur im Bergbaurevier Neufinkenstein-Grabanz am Mallestiger Mittagskogel in Kärnten und am Kaiblinggraben im Kleinveitsch-Tal (Veitschtal) in der Steiermark entdeckt werden.
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist die Mine de Baicolliou bei Grimentz im Kanton Wallis.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Carrollitfunde ist die Provinz Katanga in der Demokratischen Republik Kongo und hier insbesondere die Erzlagerstätten um Kamoya im Kreis Kambove sowie Kolwezi in der Provinz Lualaba, wo gut ausgebildete, hochglänzende Carrollit-Oktaeder und Kuboktaeder von bis zu 2cm Größe zutage traten.[15]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, China, Kanada, Norwegen, Polen, Russland, Sambia, Schweden und in weiteren Bundesstaaten der USA.[16]
W. L. Faber:On carrollite, a new cobalt mineral. In: American Journal of Science and Arts. Band13, 1852, S.418–419 (englisch, rruff.info[PDF; 204kB; abgerufen am 30.März 2020]).
W. F. Foshag:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band13, 1928, S.32–34 (englisch, rruff.info[PDF; 183kB; abgerufen am 30.März 2020]).
Thomas Wagner, Nigel J. Cook:Carrollite and related minerals of the linnaeite group: Solid solutions and nomenclature in the light of new data from the Siegerland District, Germany. In: The Canadian Mineralogist. Band37, 1999, S.545–558 (englisch, rruff.info[PDF; 1,5MB; abgerufen am 30.März 2020]).
Carrollite In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
Carrollite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 30.März 2020(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.93.
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Carrollite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 117kB; abgerufen am 30.März 2020]).
↑Carrollite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.März 2020(englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.320.
↑Ferdinando Bosi, Cristian Biagioni, Marco Pasero:Nomenclature and classification of the spinel supergroup. In: European Journal of Mineralogy. Band31, Nr.1, 12.September 2018, S.183–192, doi:10.1127/ejm/2019/0031-2788 (englisch).