Ullmannit, veraltet auch als Antimonnickelglanz bzw. -kies, Nickelantimonglanz bzw. -kies oder Nickelspießglaserz bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung NiSbS und damit chemisch gesehen ein Nickel-Antimon-Sulfid.
Ullmannit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt meist Kombinationen kubischer Kristalle und Durchdringungszwillinge, kommt aber auch in Form derber Mineral-Aggregate vor. Frische Ullmanitproben sind von silberweißer oder bleigrauer bis stahlgrauer Farbe, die nach einiger Zeit an der Luft schwarz oder bunt anlaufen.
Da der Ullmannit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Ullmannit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Ullmannit lautet „Ull“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Ullmannit die System- und Mineralnummer 02.12.03.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide einschließlich Selenide und Telluride“. Hier findet er sich in der „Cobaltitgruppe“, in der auch Cobaltit, Gersdorffit, Willyamit, Tolovkit, Platarsit, Irarsit, Hollingworthit, Jolliffeit, Padmait, Michenerit, Maslovit und Testibiopalladit eingeordnet sind.[5]
Als Korynit oder auch Corynit wird eine eisen- und arsenhaltige Varietät des Ullmannit, aber auch eine antimon- bzw. arsenhaltige Varietät des Gersdorffit (Arsenantimonnickelkies) bezeichnet.[13]
Ullmannit aus der Grube Petersbach, Siegerland – Ausgestellt im Mineralogischen Museum der Uni BonnEinige große Mineralproben aus der Mineralsammlung der Brigham Young Universität, Fakultät Geologie, Provo, Utah
Als eher seltene Mineralbildung kann Ullmannit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026).[14] Neben seiner Typlokalität, der Grube Storch & Schöneberg, trat das Mineral in Deutschland noch in der Grube Tannenboden bei Wieden in Baden-Württemberg; den Erzgruben bei Lichtenberg und Lam (Fürstenzeche) in Bayern; auf der Bangertshöhe bei Hochstädten (Bensheim) in Hessen; im Steinbruch Am Heimberg bei Wolfshagen im Harz und in der Grube Roter Bär bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen; in der Grube Lüderich im Bensberger Erzrevier, der Grube Klappertshardt bei Hummerzheim, den Gruben Aurora und Dörnberg bei Ramsbeck im Sauerland in Nordrhein-Westfalen; in vielen weiteren Gruben im Siegerland und in der Eifel von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz; im Steinbruch Reimersgrün bei Limbach und der Grube Hoff auf Gott bei Bösenbrunn im Vogtland in Sachsen sowie bei Ronneburg, Tännig (Bad Lobenstein) und Kamsdorf in Thüringen zutage.[15]
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus Gesteinsproben, die beim Bau des Gotthardtunnels nahe Göschenen und beim Bau des Furka-Basistunnels bei Realp im Kanton Uri gewonnen wurden, sowie aus der Grube Plantorin in der Gemeinde Ayer und auf der Küferalp im Illgraben im Kanton Wallis.[15]
Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Ullmannitfunde ist unter anderem ein unbenanntes Bergwerk am Monte Narba bei Sarrabus-Gerrei auf der italienischen Insel Sardinien, in dem bis zu zwei Zentimeter durchmessende Kristalle zutage traten. Immerhin noch einen Zentimeter große Kristalle wurden bei Kšice in Tschechien entdeckt.[16]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bolivien, Bulgarien, Burkina Faso, China, Finnland, Frankreich, Ghana, Indien, Irland, Japan, Kanada, Kasachstan, Luxemburg, Marokko, Norwegen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansanie, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (England, Wales) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Colorado, Nevada).[15]
Julius Fröbel:Grundzüge eines Systems der Krystallologie oder der Naturgeschichte der unorganischen Individuen. Druck und Winterthur, Zürich 1843, S.42–50, 2. Ordnung: Wahre Pyritoïden. 1. Zunft: Isometrische Pyritoïden. 3. Familie: Pyriteen. 7. Ullmannit (Nickelspiessglanz von Eisern und Freusburg) (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
L. S. Ramsdell:The crystal structure of some metallic sulfides. In: American Mineralogist. Band10, Nr.9, 1925, S.281–304 (englisch, minsocam.org[PDF; 1,6MB; abgerufen am 7.Juni 2026]).
Ullmannite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 7.Juni 2026(englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.125–126.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.105 (englisch).
12345678
Ullmannite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 48kB; abgerufen am 7.Juni 2026]).
↑Julius Fröbel:Grundzüge eines Systems der Krystallologie oder der Naturgeschichte der unorganischen Individuen. Druck und Winterthur, Zürich 1843, S.42–50, 2. Ordnung: Wahre Pyritoïden. 1. Zunft: Isometrische Pyritoïden. 3. Familie: Pyriteen. 7. Ullmannit (Nickelspiessglanz von Eisern und Freusburg) (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Ullmannite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 6.Juni 2026(englisch).