Kalininit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von unregelmäßigen, schlackeähnlichen Körnern bis etwa 0,5mm Größe entdeckt werden. Das vollkommen undurchsichtige (opake) Mineral zeigt auf den Oberflächen der schwarzen Körner einen diamantähnlichen bis metallischen Glanz. Gelegentlich können die Kornoberflächen auch buntfarbig angelaufen sein. Im Auflicht erscheint Kalininit dagegen cremefarben. Als idiochromatisches Mineral ist seine Strichfarbe allerdings immer schwarz.
Entdeckt wurde Kalininit im Marmor-SteinbruchPereval (auch Grube Kaber) bei Sljudjanka nahe dem Baikalseein der Oblast Irkutsk der russischen Region Südsibirien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch L. S. Resnizki, Je. W. Skljarow und S. F. Uschtschapowskaja (russisch: Л. З. Резницкий, Е. В. Скляров, З. Ф. Ущаповская), die das Mineral nach dem sowjetischen Mineralogen, Petrologen und Forscher der südlichen Baikalregion Pawla Wassiljewitscha Kalinina (englisch: Pavel Vasil’evich Kalinin; russisch: Павла Васильевича Калинина; 1905–1981) benannten.
Rsnizki, Skljarow und Uschtschapowskaja reichten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1984 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1984-028[1]), die den Kalininit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte ein Jahr später im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества, englischZapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva) und wurde 1987 mit der Publikation der New Mineral Names im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist nochmals bestätigt.
Die bekannten und zunächst nach chemischer Zusammensetzung ordnenden Mineralsystematiken sortieren den Kalininit in die Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ ein.
Da der Kalinini erst 1984 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet. Einzig im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/D.01-110. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] Metall:S,Se,Te<1:1“, wo Kalininit zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Carrollit, Cuprokalininit, Daubréelith, Fletcherit, Florensovit, Indit, Greigit, Linneit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit und Violarit die „Linneit-Gruppe“ bildet (Stand 2018).[4]
Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kalininit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M:S=3:4 und 2:3“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:S=3:4“ zu finden ist, wo es zusammen mit Bornhardtit, Cadmoindit, Carrollit, Cuproiridsit, Cuprorhodsit, Daubréelith, Ferrorhodsit (diskreditiert, da identisch mit Cuprorhodsit; IMA 2017-H), Fletcherit, Florensovit, Greigit, Indit, Linneit, Malanit, Polydymit, Siegenit, Trüstedtit, Tyrrellit, Violarit und Xingzhongit die „Linneitgruppe“ System-Nr. 2.DA.05 bildet.[9]
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation, die sich im Aufbau nach der 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik richtet, führt in der Gruppe 2.DA.05 auch die nach 2009 neu beschriebenen Spinelle Berndlehmannit, Cuprokalininit, Joegoldsteinit, Nickeltyrrellit und Shiranuiit auf. Die Spinelle Ezochiit und Grimmit werden hier zusammen mit Ferrodimolybdänit (FeMo2S4), Zaykovit (Rh3Se4) und Zolenskyit (FeCr2S4) der allgemeineren Gruppe 2.DA (Metallsulfide mit M:S=3:4) zugewiesen.[10]
Insgesamt 9 Mikrosondenanalysen an 3 natürlichen Mineralproben des Typmaterials aus dem Steinbruch Pereval ergaben dagegen eine leicht abweichende, durchschnittliche Zusammensetzung von 18,89Gew.%Zn, 34,10Gew.%Cr und 42,22Gew.%S sowie zusätzlich geringe Beimengungen von 2,73Gew.%Kupfer (Cu), 0,73Gew.%Antimon (Sb) und 0,61Gew.%Vanadium (V). Aus diesen Werten wurde die empirische Zusammensetzung Zn0,870Cu0,130Cr1,977V0,036Sb0,019S3,968 errechnet und zur eingangs genannten Formel idealisiert.[6]
Fundorte für Kalininit sind bisher nur in Russland bekannt. Außer an dessen Typlokalität im Marmor-Steinbruch Pereval bei Sljudjanka in der Oblast Irkutsk (Südsibirien) fand sich das Mineral noch in dem aus Pyroxeniten und Duniten bestehenden Koswa-Massiv nahe Karpinsk in der zur Uralregion gehörenden Oblast Swerdlowsk und am Vulkan Mutnowski an der Südspitze der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten.[12]
Л. З. Резницкий, Е. В. Скляров, З. Ф. Ущаповская:Калининит ZnCr2S4 – Новая природная сульфошпинель. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band114, Nr.5, 1985, S.622–627 (russisch, rruff.info[PDF; 530kB; abgerufen am 12.Dezember 2020] englische Transliteration: L. Z. Reznitsky, E. V. Sklyarov, Z. F. Ushchapovskaya: Kalininite ZnCr2S4 – a new natural sulphospinel. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
F. C. Hawthorne, K. W. Bladh, E. A. J. Burke, E. S. Grew, R. H. Langley, J. Puciewicz, A. C. Roberts, R. A. Schedler, J. E. Shigley, D. A. Vanko:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.222–230 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 12.Dezember 2020]).
Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.109.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.94 (englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Kalininite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 63kB; abgerufen am 10.Dezember 2020]).
123F. C. Hawthorne, K. W. Bladh, E. A. J. Burke, E. S. Grew, R. H. Langley, J. Puciewicz, A. C. Roberts, R. A. Schedler, J. E. Shigley, D. A. Vanko:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.222–230 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 10.Dezember 2020]).