Siegenit
| Siegenit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Seg[1] |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.01 II/D.01-080[4] 2.DA.05 02.10.01.06 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse; Symbol | hexakisoktaedrisch; 4/m32/m |
| Raumgruppe | Fd3m (Nr. 227) |
| Gitterparameter | a = 9,41 Å[2] |
| Formeleinheiten | Z = 8[2] |
| Zwillingsbildung | nach dem Spinellgesetz {111} und polysynthetisch, aber eher selten[5] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5 bis 5,5 (VHN10 = 459–548 kg/mm2)[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 4,5 bis 4,8; berechnet: 4,83[6] |
| Spaltbarkeit | unvollkommen nach {001}[6] |
| Bruch; Tenazität | schwach muschelig bis uneben[6]; spröde[5] |
| Farbe | hellgrau bis stahlgrau; leicht kupferrot bis grauviolett anlaufend |
| Strichfarbe | schwärzlichgrau[4] |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | unlöslich in Salzsäure, löslich in Salpetersäure[5] |
| Kristallstruktur von Siegenit |
|
| Farbtabelle: _ Co _ Ni _ S |
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siegenit ist unlöslich in Salzsäure, aber ähnlich wie die anderen Minerale der Linneit-Reihe löslich in Salpetersäure unter Bildung von Schwefel. Vor dem Lötrohr ist das Mineral auf Kohle schmelzbar. Die entstehende Schmelzkugel ist bronzegelb und hat magnetische Eigenschaften.[5]
Bildung und Fundorte
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(Sichtfeld 8 mm)

Siegenit bildet sich als akzessorischer Bestandteil in intramagmatischen Sulfid-Lagerstätten. Er kann aber auch hydrothermal entweder in Siderit-Lagerstätten oder untergeordnet in Blei-Zink-Erzen sowie durch Verdrängung älterer Kobalt-Nickel-Sulfiden entstehen.[5] Als Begleitminerale können Cu-Ni-Fe-Sulfide wie unter anderem Chalkopyrit, Gersdorffit, Millerit, Pyrit, Pyrrhotin und Ullmannit sowie allgemein Sulfide wie Galenit und Sphalerit auftreten.[6]
Durch Verwitterung von Siegenit entsteht sogenannter „Gelber Erdkobalt“, ein Gemenge aus Erythrin und Pitticit.[5]
Als eher seltene Mineralbildung kann Siegenit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 265 Fundstellen dokumentiert (Stand 2020).[13] Außer seiner Typlokalität, den Gruben Jungfer oder Stahlberg bei Müsen (Siegen), konnte Siegenit im Kreis Siegen-Wittgenstein bzw. Siegerland (NRW) noch in vielen Fundstätten wie beispielsweise der Peterszeche und Eisenzecher Zug (auch „Eisenzeche“) sowie den Gruben Altenberg, Heinrichssegen und Victoria, Ludwigseck, Pfannenberger Einigkeit, Brüderbund, Landeskrone und Bautenberg gefunden werden. Daneben fand sich Siegenit in Nordrhein-Westfalen unter anderem noch in der ehemaligen Zeche Zollverein und der Grube Vereinigtes Glückauf sowie mehreren Gruben im Rheinisch-Bergischen Kreis. Des Weiteren trat das Mineral in Deutschland noch in der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, der Grube Neue Weintraube im Magdgrabtal nahe Braunlage in Niedersachsen, in mehreren Gruben im Kreis Altenkirchen und der Grube Saarsegen im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, der Grube Warndt im Saarland sowie an kleineren Fundpunkten im Erzgebirgskreis und im Landkreis Bautzen in Sachsen auf.
In Österreich fand sich Siegenit bisher an der Kluidscharte im Zirknitztal in Kärnten und an der Nord- und Südflanke des Brennkogel zwischen Kärnten und Salzburg, in mehreren Stollen im Bergbaurevier Schwarzleo bei Leogang in Salzburg, am Kaskogel in der Gemeinde Veitsch in der Steiermark, im Gertraudstollen am Reither Kogel nahe St. Gertraudi in Tirol und auf der Vilifau Alp im Rellstal in Vorarlberg.
In der Schweiz konnte das Mineral bisher nur auf der Mürtschenalp im Kanton Glarus, auf der Alp Taspin (Taspegn) (auch Alp Taspegn oder Taspegn Alp) im Kanton Graubünden und in der „Mine de Tignousa Inférieur“ (auch Tignausa) im Kanton Wallis gefunden werden.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Korea, Namibia, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, im Tschad, Tschechien, Uganda, Uzbekistan, im Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.[14]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie alle Minerale der Linneit-Reihe ist auch Siegenit aufgrund seines insgesamt eher geringen Vorkommens als Erz unbedeutend, wird aber aufgrund der Paragenese mit anderen Cobaltmineralen zusammen mit diesen abgebaut.[5]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- James Dwight Dana: A System of Mineralogy. 3. Auflage. George P. Putnam, New York und London 1850, S. 687, Linnaeite–Siegenite – Analyses of octahedral crystals from Siegen by Schnabel (englisch, rruff.info [PDF; 88 kB; abgerufen am 14. November 2020]).
- Chung-Hsi Huang, Osvald Knop: Chalkogenides of the transition elements. VIII An X-ray and neutron diffraction study of spinel CoNi2S4. In: Canadian Journal of Chemistry. Band 40, 1971, S. 598–602, doi:10.1139/v71-096 (englisch, cdnsciencepub.com [PDF; 280 kB; abgerufen am 14. November 2020]).
- Jordana Minčeva-Stefanova, Ivan Kostov: On siegenite and the „miscibility“ between linnaeite and polydymite. In: Geochemistry, Mineralogy and Petrology. Band 4, 1976, S. 35–56 (englisch).
- Jordana Minčeva-Stefanova: Paragenetische und geochemische Bedeutung der Mineralien von den Bravoit-, Cobaltin- und Linneit-Gruppen in den Polymetallvererzungen des "Strata-Bound"-Typs in den Balkaniden. In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Nr. 3, 1978, S. 419–435 (zobodat.at [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 14. November 2020]).
- Marek A. Zakrzewski: Minerals of the bravoite – villamaninite series and cuprian siegenite from Karniowice, Poland. In: The Canadian Mineralogist. Band 22, 1984, S. 499–502 (englisch, rruff.info [PDF; 328 kB; abgerufen am 14. November 2020]).
- Karl-Ludwig Weiner, Rupert Hochleitner: Steckbrief: Siegenit. In: Lapis. Jahrgang 14, Nr. 6. Weise, München 1989, S. 7–9.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Siegenit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Siegenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
- David Barthelmy: Siegenite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).
- Siegenite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Siegenite. In: rruff.geo.arizona.edu. (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- 1 2 3 4 5 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 93 (englisch).
- 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- 1 2 3 4 5 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- 1 2 3 4 5 6 7 Karl-Ludwig Weiner, Rupert Hochleitner: Steckbrief: Siegenit. In: Lapis. Jahrgang 14, Nr. 6. Weise, München 1989, S. 7–9.
- 1 2 3 4 5 6 Siegenite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 63 kB; abgerufen am 14. November 2020]).
- ↑ C. F. Rammelsberg: Handwörterbuch des chemischen Theils der Mineralogie: Repertorium des chemischen Theils der Mineralogie. 4. Supplement, 1847–1849. Verlag von C. G. Lüderitz, Berlin, S. 117 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Artur Wittern: Mineralfundorte und ihre Minerale in Deutschland. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65202-9, S. 117.
- ↑ James Dwight Dana: A System of Mineralogy. 3. Auflage. George P. Putnam, New York und London 1850, S. 687, Linnaeite–Siegenite – Analyses of octahedral crystals from Siegen by Schnabel (englisch, rruff.info [PDF; 88 kB; abgerufen am 14. November 2020]).
- ↑ Ferdinando Bosi, Cristian Biagioni, Marco Pasero: Nomenclature and classification of the spinel supergroup. In: European Journal of Mineralogy. Band 31, Nr. 1, 12. September 2018, S. 183–192, doi:10.1127/ejm/2019/0031-2788 (englisch, online zum Download verfügbar bei pubs.geoscienceworld.org [abgerufen am 14. November 2020]).
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ Strunz-mindat (2025) Classification - M:S = 3:4. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. März 2025 (englisch).
- ↑ Localities for Siegenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. November 2020 (englisch).
- ↑ Fundortliste für Siegenit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 14. November 2020.
