Calaverit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist blättrige oder kurzprismatische, längs gestreifte und flächenreiche Kristalle, kommt aber auch in Form körniger bis massiger Aggregate vor. Das Mineral ist stets undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der messinggelben bis silberweißen Kristalle einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist dagegen grünlich bis gelblichgrau.
Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3 liegt Calaverit an der Grenze zu den mittelharten Mineralen. Er lässt sich mit einem Fingernagel nicht mehr ritzen, jedoch leichter als das Referenzmineral Calcit (Härte 3) mit einer Kupfermünze.
Calaverit wurde zuerst in der Stanislaus Mine bei Carson Hill im Calaveras County (Kalifornien) in den Vereinigten Staaten gefunden. Die Erstbeschreibung erfolgte 1868 durch Friedrich August Genth, der die entsprechenden Mineralproben von I. Adelberg und Louis Beckers sowie Jas. B. Hodgkin und E. Balbach, Sen. erhielt. Genth fand neben dem neuen Mineral Calaverit, dass er nach dessen Typlokalität benannte, noch vollkommen reinen Altait und hoch goldhaltigen Hessit (Petzit).[7]
Da der Calaverit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Calaverit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Calaverit lautet „Clv“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals nicht dokumentiert.[8]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.16-040. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall: S,Se,Te < 1: 1“, wo Calaverit zusammen mit Honeait, Kostovit, Krennerit und Sylvanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.16 bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Calaverit dagegen in die Abteilung „Metallsulfide mit M:S≤1:2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:S=1:2; mit Cu, Ag, Au“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.EA.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Calaverit die System- und Mineralnummer 02.12.13.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ in der „Krenneritgruppe“, in der auch Krennerit, Sylvanit und Kostovit eingeordnet sind.
Die idealisierte, theoretische Zusammensetzung von Calaverit besteht aus 43,56 Gew.-% Gold (Au) und 56,44 Gew.-% Tellur (Te). Bei natürlichen Calaveritproben finden sich allerdings oft geringe Fremdbeimengungen von Silber. Genth selbst konnte bei seinen Analysen des Typmaterials aus der Stanislaus Mine einen Silbergehalt zwischen 3,08 und 3,52% nachweisen.[10] Bei Mineralproben aus Cripple Creek (Colorado) in den USA fanden sich durchschnittlich 0,77% und aus Kalgoorlie in Australien 0,60% Silber.[6]
Vor dem Lötrohr färbt Calaverit die Flamme blaugrün und es entwickelt sich weißer Rauch. Auf Kohle entsteht ein Goldkorn und im Glasrohr Sublimate aus schwarzem Tellur und gelblichweißer Telluriger Säure.[12]
Als eher selten vorkommende Mineralbildung kann Calaverit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten weltweit bisher rund 400 Fundorte.[13] Außer an seiner Typlokalität, der Stanislaus Mine bei Carson Hill, trat das Mineral in Kalifornien noch in den nahe gelegenen Gruben Melones und Morgan-Melones sowie in der French and Wood Mine bei Altaville im Calaveras County; in der Darling Mine bei Spanish Flat im El Dorado County und in der Golden Rule Mine bei Jamestown im Tuolumne County auf.
Bekannt aufgrund bedeutender Vorkommen von Calaverit zusammen mit Hessit ist zudem Cripple Creek. In der ebenfalls im Teller County von Colorado gelegenen Cresson Mine fanden sich zudem Calaveritkristalle von bis zu einem Zentimeter Durchmesser entdeckt.[14]
Weitere bekannte Fundorte in den USA sind Juneau in Alaska, Bisbee in Arizona, sowie einige Fundpunkte in Georgia, Montana, Nevada, New Mexico, North Carolina, South Dakota, Utah, Washington und Wisconsin.
In Deutschland ist bisher kein Fundort für Calaverit dokumentiert.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist der Annastollen, eine ehemals reichhaltige Goldlagerstätte mit Uran-Anreicherungen in den Bergehalden, etwa 2,5km nordöstlich vom Mitterberg in der Gemeinde Mühlbach am Hochkönig im Salzburger Land.[15]
Auch in der Schweiz kennt man Calaverit bisher nur aus einem Fundort und zwar von der Alpe Formazzolo (Formazzöö) mit goldhaltigen Quarzgängen nahe Cevio im Tessiner Valle Maggia.[16]
Weitere Fundorte mit größeren Vorkommen liegen unter anderem in Australien, Chile, China, Finnland, Kanada und Russland.[17]
Friedrich August Genth:Contributions to mineralogy – No. VII. In: American Journal of Science and Arts. Band95, 1868, S.305–321, e. Calaverite, a new mineral ab S. 314 (englisch, rruff.info[PDF; 887kB; abgerufen am 21.Oktober 2024]).
S. L. Penfield, W. E. West:Ueber den Calaverit. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band35, 1902, S.430–451 (rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 21.Oktober 2024]).
Calaverite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy;abgerufen am 21.Oktober 2024(englisch).
Calaverite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 21.Oktober 2024(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234W. J. Schutte, J. L. de Boer:Valence fluctuations in the incommensurately modulated structure of calaverite AuTe2. In: Acta Crystallographica. B44, Oktober 1988, S.486–494, doi:10.1107/S0108768188007001 (englisch).
1234
Calaverite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 21.Oktober 2024]).
↑Friedrich August Genth:Contributions to mineralogy – No. VII. In: American Journal of Science and Arts. Band95, 1868, S.309 (englisch, rruff.info[PDF; 887kB; abgerufen am 21.Oktober 2024]).
↑Friedrich August Genth:Contributions to mineralogy – No. VII. In: American Journal of Science and Arts. Band95, 1868, S.314 (englisch, rruff.info[PDF; 887kB; abgerufen am 21.Oktober 2024]).