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Cevio

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Cevio, in der alpinlombardischen Ortsmundart Scevi, Cevi [ˈʃevi, ˈtʃevi],[5] ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin und zugleich Hauptort des Kreises Rovana und des Bezirks Vallemaggia.

Cevio liegt 23 km nordwestlich von Locarno im oberen Maggiatal. Der Talboden entlang der Maggia bildet eine gut erhaltene natürliche Flusslandschaft und ist als Auenschutzgebiet Maggia ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung.[6]

Im Jahr 2009 waren 37,1 % des Gemeindeareales von 151,31 km² von Wald und Gehölz bedeckt. Über die Hälfte (genau 56,0 %) waren unproduktive Flächen (meist Bergland), 6,0 % landwirtschaftliche Nutzfläche und 1,0 % Siedlungsgebiet.[7]

Die Gemeinde besteht neben dem Taldorf Cevio noch aus den Dörfern Bignasco und Cavergno sowie einigen Weilern und isoliert stehenden Häusergruppen im Bavonatal. Die Weiler sind (von Südosten nach Nordwesten) Mondada, Fontana, Alnedo, Sabbione, Ritort (Ritorto), Foroglio, Rosed (Roseto), Fontanelada (Fontanellata), Faed (Faedo), La Bola, Sonlèrt (Sonlerto), San Carlo.

Nachbargemeinden sind in der Schweiz Bedretto, Lavizzara, Maggia, Bosco/Gurin, Campo (Vallemaggia), Linescio und Cerentino sowie auf italienischem Territorium Formazza.

Bergstrasse nach Linescio. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1954)

Eine Dorfgenossenschaft (vicinia) ist erstmals 1230 belegt. Im 15. Jahrhundert bildeten Cevio, Cavergno, Bignasco und die Gemeinden des Valle di Campo die Landschaft (comunità) Rovana superior. 1858 wurde die Gemeinde Linescio von Cevio abgetrennt.[8]

Am 22. Oktober 2006 fusionierte Cevio mit Cavergno und Bignasco zur Gemeinde Cevio. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor dem Bundesgericht hängig war.[9] Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht jedoch abgewiesen. Cevio bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde; sie umfasst auch Linescio.[10][11]

Bevölkerungsentwicklung

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Cevio (ab Gemeindefusion 22. Oktober 2006)

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Cevio
Wappen von Cevio
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5310i1f3f4
Postleitzahl: 6675 Cevio
6676 Bignasco
6690 Cavergno
6690 S. Carlo (Val Bavona)
Koordinaten: 689604 / 130175Koordinaten: 46° 19′ 1″ N,  36′ 7″ O; CH1903: 689604 / 130175
Höhe: 421 m ü. M.
Höhenbereich: 387–3273 m ü. M.[1]
Fläche: 151,31 km²[2]
Einwohner: 1111 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
13,2 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsidentin: Wanda Dadò (Alleanza Moderata)
Website: www.cevio.ch
Cevio
Cevio
Lage der Gemeinde
Karte von Cevio
Karte von Cevio
{w
Bevölkerungsentwicklung Cevio seit 2005 (Fusion 22. Oktober 2006)
1.500
1.000
500
0
1.264
2005
1.251
2006
1.230
2007
1.218
2008
1.222
2009
1.203
2010
1.174
2011
1.155
2012
1.163
2013
1.186
2014
1.185
2015
1.177
2016
1.177
2017
1.159
2018
1.146
2019
1.142
2020
1.118
2021
1.110
2022
1.109
2023
1.111
2024
Quelle: Einwohnerzahlen:[12]

Cevio (inkl. Bignasco und Cavergno; Eingemeindung 22. Oktober 2006)

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Cevio fusionierte am 22. Oktober 2006 mit den Gemeinden Bignasco und Cavergno.

Die kumulierte Einwohnerzahl der drei ehemaligen Gemeinden entwickelte sich folgendermassen:

Bevölkerungsentwicklung Cevio ab 1769 (inkl. Bignasco und Cavergno; Eingemeindung 22. Oktober 2006)
1.500
1.000
500
0
1.148
1769
1.214
1799
1.191
1808
1.245
1860
1.224
1870
1.137
1880
1.106
1888
965
1900
952
1910
881
1930
893
1941
1.089
1950
1.169
1960
1.273
1970
1.174
1980
1.119
1990
1.271
2000
1.264
2005
Quelle: Volkszählungsdaten[13][14]

Ehemalige Gemeinde Cevio (heutiger Ortsteil Cevio)

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Zwischen 1801 und 1850 wuchs die Bevölkerung stark an, vor allem wegen der Funktion von Cevio als Oberzentrum des Tales.[15] Bis 1888 ging die Einwohnerzahl zwar zurück, jedoch geringer als in anderen Gemeinden des Maggiatals. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte die grosse Auswanderungswelle in die Zentren des Tessins und nach Übersee (Kalifornien, Australien) ein (1888–1920: − 36 %).

In den 1940er- und 1960er-Jahren gab es erneut ein Bevölkerungswachstum (1941–1970: + 61 %), dem zwischen 1970 und 1990 eine weitere grosse Auswanderungswelle (1970–1990: − 27 %) in urbanere Regionen des Tessins folgte. Einem starken Wachstum in den 1990er-Jahren (1990–2000: + 20 %) folgte wiederum ein Bevölkerungsrückgang kleineren Umfangs (2000–2005: − 4,6 %).

Bevölkerungsentwicklung Cevio 1769 bis 2005
700
600
500
400
300
200
100
0
566
1769
523
1799
516
1808
602
1860
570
1870
535
1880
511
1888
398
1900
387
1910
326
1920
356
1930
350
1941
504
1950
504
1960
562
1970
438
1980
413
1990
497
2000
474
2005
Quelle: Volkszählungsdaten[16][17]

In Cevio wird eine lombardische Mundart gesprochen, die sich stark vom Standarditalienisch unterscheidet. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 77,87 % (1970 noch 95,73 %) Italienisch als Hauptsprache an. Weitere 10,87 % (1970 noch 1,42 %) sprachen Deutsch, 4,23 % (1970 noch 2,31 %) Spanisch.

Religionen – Konfessionen

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In früherer Zeit gehörte die gesamte Einwohnerschaft der römisch-katholischen Kirche an. Im Jahr 2000 waren 78,27 % römisch-katholische (Bistum Lugano), 7,66 % evangelisch-reformierte (Chiesa evangelica riformata nel Ticino) und 1,61 % orthodoxe Christen. 5,63 % bezeichneten sich als konfessionslos und 1,81 % als Muslime. 4,62 % der Einwohner machten keine Angabe zu ihrem Glaubensbekenntnis. Die Muslime sind bosnischer und albanischer Herkunft.

Herkunft – Nationalität

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Ende 2020 waren 85,3 % Schweizer Bürger.[18] Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Spanien, Portugal, Bosnien-Herzegowina und Sri Lanka. Der für die Region relativ hohe Anteil von Zugewanderten ist auf die grosse Zahl von Arbeitsplätzen in Industrie (Steinbrüche) und Gesundheitswesen (Spital) zurückzuführen.

Der Gemeinderat (consiglio comunale) bildet die Legislative und besteht aus 25 Personen.

Cevio ist einer der wenigen Orte im Maggiatal mit einer Minderheit von Berufspendlern. 120 Erwerbstätige (= 57,4 %) arbeiten in der eigenen Gemeinde. Von den 89 Wegpendlern verdient die Mehrheit ausserhalb des Maggiatals ihr Geld – vor allem in Locarno, Losone, Bellinzona und Minusio. Cevio könnte unschwer allen Arbeitssuchenden der Gemeinde einen Erwerb bieten, denn den 89 Wegpendlern stehen nicht weniger als 235 Zupendler gegenüber. So sind von den 355 Erwerbstätigen in Cevio nur ein Viertel (25,1 %) Einheimische. Die Steinbrüche, das Bezirksspital und die öffentliche Verwaltung bieten vielen Menschen einen Arbeitsplatz. Die Landwirtschaft (Ackerbau, Weinbau und Viehzucht) ist kaum noch von Bedeutung.

Die Gemeinde lag von 1907 bis 1965 an der Linie der Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Bahn. Seit der Umstellung auf Busbetrieb ist Cevio auf der Hauptstrasse 407 durch die Linie 315 der FART, Locarno – Cavergno, ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Die ehemalige Eisenbahn-Fachwerkbrücke bei Visletto wurde restauriert und dient seither als Fussgänger- und Velobrücke.

Cevio ist Ausgangspunkt der Postautolinien Cevio – Bosco/Gurin und Cevio – Cimalmotto. Die Strasse von Locarno ins Maggiatal ist wintersicher.

Bei einem extremen Hochwasser der Maggia am 30. Juni 2024 fiel ein Teil der Strassenbrücke bei Visletto zusammen.[19] Die Schweizer Armee baute danach eine Mabey-Johnson-Hilfsbrücke auf, um den Strassenverkehr in das obere Maggiatal wieder zu ermöglichen.

Sehenswürdigkeiten

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Cevio Vecchio

  • Pfarrkirche Santi Maria Assunta e Giovanni Battista, Zentralbau aus dem 16. Jahrhundert mit Erweiterungen und Umbauten aus dem 17., 19. und frühen 20. Jahrhundert; Beinhaus von 1739[20]
  • Case Franzoni, stattliche Gruppe herrschaftlicher Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert[20]
  • Palazzo Franzoni (heute Museum des Maggiatals, 1. Ausstellungsgebäude), erbaut 1630, mit Wand- und Sgraffito-Malereien von 1688[20]
  • Casa Franzoni, mit zweiarmiger Treppe und Portal sowie freskierten Wappen aus dem 18. Jahrhundert[20]
  • Casa Respini-Moretti (heute Museum des Maggiatals, 2. Ausstellungsgebäude), erbaut im 17. und umgebaut im 18. Jahrhundert[20][21]

Cevio Piazza

  • Dorfplatz, erbaut nach dem Baureglement von 1833[20]
  • Casa Calanchini-Respini già Franzoni, erbaut im 17. Jahrhundert, früherer Wohnsitz der Landvögte[20][22]
  • Villa Respini, erbaut 1890, mit raffinierter Dekorationsmalerei[20]
  • Pretorio, ehemaliges Vogteigebäude aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, mit freskierten Wappen der Kantone und der Landvögte aus dem 17. und 18. Jahrhundert[20][23]

Rovana

  • Kirche Beata Vergine del Ponte, 1615 erbaut, enthält eine der reichsten Stuckdekorationen des Sopraceneri[20][24]

Visletto

  • Associazione per la Protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia (APAV)[25]
  • Associazione del Museo di Valmaggia[26]

Persönlichkeiten

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Commons: Cevio – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
  4. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
  5. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 227.
  6. Objektblatt «Maggia» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung.
  7. Regionalporträts 2021. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, abgerufen am 7. Mai 2024.
  8. Daniela Pauli Falconi: Cevio. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Januar 2017.
  9. Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  10. Patriziato di Cevio-Linescio (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati (abgerufen am 27. August 2024).
  11. Patriziato di Cevio e Linescio (italienisch) auf patriziatoceviolinescio.ch (abgerufen am 27. August 2024).
  12. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2024. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 1. Mai 2026.
  13. Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 1. Mai 2026.
  14. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 1. Mai 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  15. Daniela Pauli Falconi: Cevio. In: Historisches Lexikon der Schweiz HLS. 23. September 2022, abgerufen am 26. März 2025.
  16. Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 1. Mai 2026.
  17. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 1. Mai 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  18. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 26. März 2025 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  19. ValleMaggia, maltempo tragico: tre morti in Bavona, un disperso, giù il ponte a Visletto. In: Giornale del Ticino, 30. Juni 2024.
  20. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearbeitete Ausgabe, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 652–655.
  21. Museum des Maggiatals (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  22. Casa Calanchini-Respini già Franzoni (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ub
  23. Pretorio (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  24. Kirche Beata Vergine del Ponte (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  25. Associazione per la Protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia (APAV) auf portal.dnb.de
  26. Associazione del Museo di Valmaggia (mit Fotos) (italienisch) auf museovalmaggia.ch/