Hessit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet bis zu 1,7Zentimeter große, pseudokubische, irregulär gewachsene Kristalle, kommt aber auch in Form kompakter Massen oder feiner Körner vor. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak). Die Kristalle sind von blei- bis stahlgrauer Farbe und weisen auf den Oberflächen einen metallischen Glanz auf. Mit der Zeit können die Oberflächen schwarz anlaufen.
Das Mineral wurde erstmals 1830 von Gustav Rose beschrieben. Dieser untersuchte ein Erz, das aus der Sawodinski-Mine in der Region Altai (Sibirien) stammte und im Museum in Barnaul ausgestellt wurde. Dort war es für Argentit gehalten worden. Durch Untersuchungen mit dem Lötrohr und weitere Tests erkannte Rose jedoch schnell, dass es sich um ein Silber-Tellur-Mineral handeln müsse, und bezeichnete es entsprechend als Tellursilber.[2]
Seinen bis heute gültigen Namen Hessit erhielt das Mineral 1843 durch Julius Fröbel, der es nach dem schweizerisch-russischen Chemiker und Mineralogen Germain Henri Hess (1802–1850) benannte.[10]
Da der Hessit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Hessit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hessit lautet „Hes“.[1]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hessit in die Abteilung „Metallsulfide, M:S>1:1 (hauptsächlich 2:1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.BA.30c bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hessit die System- und Mineralnummer 02.04.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:1“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.04.02, in der auch Cervelleit eingeordnet ist.
In Deutschland konnte Hessit bisher nur in einem Gabbro-Steinbruch (auch Bärensteinbruch) im Radautal nahe Bad Harzburg in Niedersachsen sowie in der Lagerstätte Schlema-Alberoda und in zwei Steinbrüchen nahe Neustadt in Sachsen gefunden werden.
In Österreich fand sich das Mineral bisher im Steinbruch „Holler“ bei Badersdorf im Burgenland, an mehreren Stellen in Kärnten (Klausengrube, Kluidscharte, Maltaberg, Reißeck, Stallhofen), in einer Tonlagerstätte bei Aspangberg-St. Peter in Niederösterreich, an einigen Orten im Salzburger Land (Mitterberg, Rotgülden, Schellgaden, Zell am See), bei Wolfsgruben, Dürnstein und Gasen in der Steiermark sowie auf der Freschalpe im Silbertal in Vorarlberg.
In der Schweiz kennt man Hessit bisher nur aus dem Val Calnègia im Tessin sowie aus Anniviers, vom Lac de Cleuson und aus dem Simplonpassgebiet im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Belgien, Bolivien, Botswana, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, der Dominikanischen Republik, in Dschibuti, Ecuador, auf der Fidschi-Insel Viti Levu, in Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Guyana, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Korea, Kuba, Malaysia, Mali, Mexiko, der Mongolei, in Marokko, Myanmar, Nepal, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, auf den Philippinen, in Polen, Portugal, Rumänien, Saudi-Arabien, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tansania, im Tschad, Tschechien, der Türkei, Ukraine, Ungarn, Uruguay, im Vereinigten Königreich (Nordirland, Schottland, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Arizona, Colorado, Kalifornien, Michigan und anderen).[15]
Auch in Mineralproben vom Mittelatlantischen Rücken, genauer aus dem Hydrothermalfeld „Semyenov-2“, konnte Hessit nachgewiesen werden.[15]
Julius Fröbel:4. Zunft: Monotrimetrische Pyritoïden. 1. Familie: Pyrrhotinen. Hessit. In: Grundzüge eines Systemes der Krystallologie oder der Naturgeschichte der Unorganischen Individuen. Druck und Verlag des Literarischen Comptoirs, Zürich und Winterthur 1843, S.48–50 (rruff.info[PDF; 327kB; abgerufen am 30.Dezember 2023]).
Alfred J. Frueh, jr.:The structure of hessite, Ag2Te-III. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band112, 1959, S.44–52 (rruff.info[PDF; 3,0MB; abgerufen am 30.Dezember 2023]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.303.
Hessite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 30.Dezember 2023(englisch).
12Gustav Rose:Über zwei Tellurerze von Altai. In: Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie. Band18, 1830, S.64–71 (DigitalisataufGallica).
12A. Schrauf:Ueber die Tellurerze Siebenbürgens. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band2, 1878, S.242ff. (rruff.info[PDF; 3,4MB; abgerufen am 30.Dezember 2023]).
↑Carl Hintze:Handbuch der Mineralogie. Band1. Abteilung 1. Elemente, Sulfide, Oxyde, Haloide, Carbonate, Sulfate, Borate. Veit & Comp., Leipzig 1904, S.449–455 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 5.August 2024]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.66 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Hessite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 30.Dezember 2023]).