Chinesische Sprachwissenschaftler und die meisten westlichen Sinologen betrachten Wu als eine Gruppe von Dialekten (方言, fāngyán–„Regionalsprache“) der chinesischen Sprache. Als repräsentative Vertreter dieser Gruppe werden in der Regel die Dialekte von Suzhou und Wenzhou herangezogen.
Ein weiterer bekannter Wu-Dialekt ist Shanghaiisch, das jedoch durch die Zuwanderung von Sprechern anderer Dialekte insbesondere aus historisch-phonologischer Sicht schwieriger zu analysieren ist als andere Wu-Dialekte.
Geographische Verbreitung der chinesischen Sprachen
Die meisten Wu-Dialekte haben die drei Reihen der Verschlusslaute aus dem Mittelchinesischen bewahrt – stimmlos nicht aspiriert, stimmlos aspiriert, stimmhaft (z.B. p, pʰ, b) –, während viele andere Dialekte keine stimmhaften Verschlusslaute mehr haben. Der Großteil der Wu-Dialekte haben sieben oder acht Töne; der Dialekt von Shanghai mit nur fünf Tönen ist hier eine bedeutende Ausnahme.
Grammatische Hilfswörter (Partikel und Suffixe) unterscheiden sich stark vom Hochchinesischen. Die Reihenfolge der Morpheme bei der Wortbildung ist im Vergleich zum Hochchinesischen häufig umgekehrt. Ein auffallendes Merkmal der Wu-Dialekte ist die Verwendung des Personalpronomens nong (儂/侬, nóng) für die zweite Person Singular, statt wie beim Hochchinesisch ni (你, nǐ).