Hochchinesisch
| Standardchinesisch 標準漢語 / 标准汉语 Hochchinesisch 普通話 / 普通话 – Pǔtōnghuà 國語 / 国语 – Guóyǔ 華語 / 华语 – Huáyǔ | ||||||||||||
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Gesprochen in |
Volksrepublik China, Republik China (Taiwan), Singapur | |||||||||||
| Linguistische Klassifikation |
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| Amtssprache in | • • Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) Welttourismusorganisation (UNWTO) | |||||||||||
| Sprachcodes | ||||||||||||
| ISO 639-1 | zh (Chinesische Sprachen) | |||||||||||
| ISO 639-2 | (B) chi (Chinesische Sprachen) | (T) zho (Chinesische Sprachen) | ||||||||||
| ISO 639-3 | cmn, zho (Makrosprache, Chinesische Sprachen) | |||||||||||
| bilabial | labio- dental |
dental/ alveolar |
postalveolar/retroflex | alveopalatal/ palatal |
velar | |||||||
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| nasp | asp | nasp | asp | nasp | asp | nasp | asp | nasp | asp | nasp | asp | |
| Plosive | p (b) | pʰ (p) | t (d) | tʰ (t) | k (g) | kʰ (k) | ||||||
| Affrikate | ts (z) | tsʰ (c) | tʂ (zh) | tʂʰ (ch) | tɕ (j) | tɕʰ (q) | ||||||
| Nasale | m (m) | n (n) | ŋ (ng) | |||||||||
| Frikative | f (f) | s (s) | ʂ (sh) | ɕ (x) | x (h) | |||||||
| Approximanten | w (w) | ɹ̺ (r) | j (y) | |||||||||
| Lateral | l (l) | |||||||||||
- asp = aspiriert; nasp = nicht aspiriert
- postalveolar, genauer: apiko-postalveolar (<lat. apex „[Zungen-]Spitze“) = retroflex
- Die beiden Nasale und sind die einzigen Konsonanten, die Silben schließen können (anders als im Kantonesischen und anderen chinesischen Sprachen).
- kommt nicht als Silbenanlaut vor.
- Der in Pinyin als „r“ geschriebene Laut wird im Anlaut auch als , also das stimmhafte Pendant zu „sh“, angesehen.
Vokale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Standard-Chinesisch hat 21 Vokale:
/i, y, a, ə, u/
Der mittelhohe Vokal /ə/ erscheint je nach lautlicher Umgebung auch als [e], [o], [ɔ] oder [ɤ].[10]
ai, au, ou, uo, ei (nur in offener Silbe, also CV)
ye, ie, ia, ua (in offener und geschlossener Silbe, CV/CVN)
uə, iu (nur in geschlossener Silbe, also CVN)
(C: Konsonant, V: Vokal(e), N: Nasallaut)
iau, uai, iou, uei (nur CV)
Eine Tabelle mit allen phonotaktischen Möglichkeiten findet sich in Artikel Pinyin.
Töne
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Standardchinesisch ist, wie alle anderen chinesischen Sprachen auch, eine tonale Sprache. Eine Silbe kann einen der vier Töne oder auch gar keinen haben. Ein anderer Ton bedeutet dabei in der Regel einen anderen Sinn, aber eine Silbe kann jeweils nur einen Ton haben, unabhängig von der Gemütsverfassung des Sprechers oder der Stellung des Wortes im Satz; so ist eine ansteigende Tonhöhe nicht mit einer Frage und eine abfallende Tonhöhe nicht mit einer Aussage gleichzusetzen. Die verschiedenen Töne sind:
- Erster Ton (hoher Ton):
- Die Tonhöhe ist konstant und hoch. Beispiel: 媽 / 妈 mā (Mutter).
- Zweiter Ton (steigender Ton):
- Die Tonhöhe steigt von der unteren bis mittleren in die hohe Tonlage, ähnlich der Intonation einer Frage im Deutschen. Beispiel: 罵 / 麻 má (Hanf).
- Dritter Ton (niedriger oder niedrig-fallend-steigender Ton):
- Die Tonhöhe sinkt aus mittlerem Niveau nach unten und kann wieder in das mittlere Niveau ansteigen. Der Anstieg findet sich aber nur, wenn die tontragende Silbe am Satzende oder vor einer Pause steht, also z. B. auch bei einem isolierten Beispielwort, wie im Beispiel 馬 / 马 mǎ (Pferd). Ansonsten ist der dritte Ton ein insgesamt tiefer Ton.
- Vierter Ton (fallender Ton):
- Die Tonhöhe fällt scharf nach unten und die Silbe wird kürzer mit mehr Affekt ausgesprochen, vergleichbar mit der deutschen Betonung eines Befehls (z. B. „geh!“). Beispiel: 罵 / 骂 mà (schimpfen).
Der leichte Ton, neutrale Ton, nullte Ton oder fünfte Ton (輕聲 / 轻声, qīng shēng – „leichter Ton“) wird häufig extra behandelt: Er klingt kurz und leicht und wird deshalb häufig nicht als ein eigener Ton betrachtet. In den meisten nordchinesischen Dialekten gibt es mehrsilbige Wörter, bei denen die zweite Silbe weniger stark ausgesprochen wird als die erste; siehe oben. Im Pinyin wird dieser Ton durch einen Punkt oder gar nicht markiert. Beispiele: 媽媽 / 妈妈 māma = Mama und 爸爸 bàba = Papa.
Die Aussprache der Töne ändert sich nach den Regeln des Tonsandhi. Das häufigste Auftreten des Tonsandhi ist, wenn von zwei aufeinanderfolgenden Silben im dritten Ton die erste Silbe im zweiten Ton ausgesprochen wird. Folgen drei Silben im dritten Ton aufeinander, so liegt es an den regionalen Gewohnheiten und den persönlichen Präferenzen, ob die erste Silbe einen dritten oder zweiten Ton bekommt.
Mit einer Anzahl von unter 450 ist im Standardchinesischen die Silbenzahl ohne Berücksichtigung des Tons verhältnismäßig klein. Jede Silbe wird nach dem Muster (optionaler) Anlaut + Vokal + (optionaler) nasaler Auslaut gebildet. Nicht jede Silbe, die nach diesem Muster gebildet werden könnte, wird tatsächlich benutzt. So gibt es im Standardchinesisch kein -m im Auslaut (wohl aber in anderen „Dialekten“, z. B. im Hakka). Deshalb gibt es ohne Berücksichtigung des Tons nur einige hundert Silben – ein Inventar, das ohne die Töne wegen übermäßiger Homophonie nicht genügend Möglichkeiten zur Differenzierung der Morpheme und zur Wortbildung böte.
Grammatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehnwörter im Standardchinesischen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erscheinungsformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei einer Entlehnung werden die Phoneme des Vorbildes durch Phoneme der entlehnenden Sprache ersetzt. Das Chinesische verfügt dabei im Prinzip über eine etwa ebenso große Anzahl an Phonemen wie beispielsweise das Englische. Charakteristisch ist jedoch zum Beispiel, dass Konsonantencluster aus anderen Sprachen bei der Entlehnung in das Chinesische aufgrund bestehender phonetischer Differenzen mit anderen Phonemfolgen ersetzt werden müssen; die betroffene Silbe muss im Chinesischen segmentiert werden. Will man die Lehnwörter im Chinesischen zusätzlich schriftlich fixieren, so werden dafür im Normalfall die Zeichen seiner eigenen Schrift verwendet. Da die chinesische Schrift eine Silben- bzw. Morphemschrift ist, können oft nicht einzelne Laute in der Schrift wiedergegeben werden, sondern nur Silben. Diese Art der Entlehnung aus zumeist europäischen Sprachen wird häufig als yinyi 音譯 / 音译 (Lautentlehnung) bezeichnet. Beispiele:
- 幽默 youmo < englisch humour
- 邏輯 / 逻辑 luoji < englisch logic
Eine weitere Besonderheit ist, dass bei Entlehnungen aus anderen asiatischen Sprachen wie dem Japanischen eine der superstraten Sprache differierende Aussprache bei konstanter Graphemik geschaffen wird, und zwar aufgrund des Vorhandenseins der japanischen Zeichen, die selbst auf einen chinesischen Ursprung zurückgehen (Kanji). Diese Schriftzeichen werden in das chinesische Zeichensystem integriert, aber nach chinesischer Lautung gesprochen. Diese Art der Entlehnung wird manchmal als xingyi 形譯 / 形译 (Formübertragung) bezeichnet. Die Besonderheit ist, dass diese Entlehnung über den schriftlichen, also visuellen, nicht über den auditiven Weg erfolgte. Beispiele:
- 手續 / 手续 shouxu < japanisch 手続き te-tsuzuki (Formalität)
- 場合 / 场合 changhe < japanisch 場合 baai (Sachlage, Umstände)
- 服務 / 服务 fuwu < japanisch 服務 fukumu (Dienst)
Gerade die japanischen Gelehrten der frühen Meiji-Zeit gaben zu, sich von konfuzianischem und buddhistischem Schriftentum aus China sowie Nachschlagewerken zur klassischen chinesischen Literatur inspirieren zu lassen und auf deren Basis japanische Wortprägungen erschaffen zu haben. So wurden also bestimmte Wörter zwischen Japan und China hin- und insbesondere nach dem verlorenen chinesisch-japanischen Krieg (1894/95) wieder in die andere Richtung entlehnt, so dass bei der Bestimmung der genauen Wortherkunft gründliche Recherche gefordert ist.
Da die chinesische Schrift aus Morphemen besteht, hat im Prinzip jede fixierte Silbe wiederum eine eigene Bedeutung. Wurde die phonetische Sequenz deshalb mit chinesischen Silben (=Morphemen) fixiert, so kann es sein, dass die Bedeutung dieser Sequenz sich nicht über die Übersetzung der einzelnen Morpheme erschließen lässt. Um ein Lehnwort in der chinesischen Sprache schneller als solches erkennen zu können, werden deshalb einerseits oft Grapheme benutzt, die sonst nur selten in der chinesischen Schrift auftreten. Es gibt im Chinesischen in diesem Zusammenhang auch phonetische Entlehnungen mit Schriftzeichenneubildung. Beispiele:
- 咖啡 kafei < englisch coffee
- 檸檬 / 柠檬 ningmeng < englisch lemon
- 乒乓 pingpang < englisch ping-pong
Schriftzeichenneubildungen findet man insbesondere auch bei der Bezeichnung chemischer Elemente. Man versucht in China aber andererseits infolge des Bedeutungsgehaltes der Morpheme entsprechende Grapheme zu finden, die auch mit der Bedeutung des Lehnwortes in Verbindung stehen. So entstehen auch so genannte Hybridbildungen (混合詞 / 混合词 hunheci), eine (oft auf zwei oder drei Silben reduzierte) Mischung aus Laut- und Bedeutungsübertragung, z. B.
- 維他命 / 维他命 weitaming (Vitamin, wörtl. „eines Anderen Leben erhaltend“)
- 可口可樂 / 可口可乐 kekoukele (Coca-Cola, wörtl. „durstlöschend und erfrischend“)
- 啤酒 pi-jiu (Bier, wörtl. „Bier-Alkohol“)
- 芭蕾舞 balei-wu (Ballett, wörtl. „Ballett-Tanz“)
Rein semantische Entlehnungen werden oben angedeuteter Klassifikation folgend als yiyi 意譯 / 意译 (Bedeutungsübertragung) bezeichnet. Beispiel:
- 熱狗 / 热狗 regou < englisch hotdog (wörtl. „heißer Hund“)
Oft existieren Lautübertragungen und Bedeutungsübertragungen bzw. Hybridbildung nebeneinander, z. B. bei 因特網 / 因特网 yintewang – wang=„Netz“ und 互聯網絡 / 互联网络 hulian wangluo – hulian=gegenseitig verbunden sein; wangluo=Netzgeflecht (beides steht für „Internet“).
Historische Kategorisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Han-Dynastie war der Einfluss von Entlehnungen aus Mittelasien und den nördlichen Nomadenstämmen nachweisbar, wie
- 獅 / 狮, shī (Löwe) < persisch sher/shir
- 葡萄 putao (Weintrauben) < protoiranisch bataka, budawa > literarisch persisch bada, bade (Wein)
- 胭脂 yanzhi (Rouge, rote Schminke) < ? (entlehnt vom Volk der Xiongnu)
Von der Han- bis zur Tang-Dynastie schlug sich der Einfluss des Buddhismus in mannigfaltigen Entlehnungen aus dem Sanskrit nieder. Beispiel:
- 玻璃 boli (Glas) < sanskrit sphatika (Bergkristall)
- 蘋果 / 苹果 pingguo (Apfel) < pinpoluo < sanskrit bimba(ra)
- 佛陀 fotuo (Buddha) < sanskrit Buddha (der Erleuchtete)
- 刹那 chana (Augenblick) < sanskrit ksana
Aus der Yuan-Dynastie sind einige wenige mongolische Lehnwörter erhalten:
- 衚衕 / 胡同 hutong (Gasse) < mongolisch gudum (Brunnen)
- 蘑菇 mogu (Pilz) < mongolisch moku
- 俄羅斯 / 俄罗斯 eluosi (russisch) < mongolisch oros
Ende der Ming- bis zur mittleren Qing-Dynastie tauchten die ersten christlichen Missionare in China auf. Es wurden Begriffe der abendländischen Wissenschaften, der christlichen Terminologie und politisch-diplomatische Begriffe aus den europäischen Sprachen entlehnt, wie
- 幾何 / 几何 jihe (Geometrie) < italienisch geometria
- 彌撒 / 弥撒 misa (Messe) < spätlateinisch missa
- 伯理璽天德 / 伯理玺天德[11] bolixitiande (President) < englisch president
Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts dominiert durch die verlorenen Opiumkriege der Einfluss des Englischen, durch die Niederlage im Chinesisch-Japanischen Krieg 1894/95 bis zu den 1930er Jahren auch der Einfluss des Japanischen. Typische Beispiele aus dieser Epoche sind:
- 密司特 misite < englisch mister
- 古的拜 gudebai < englisch good-bye
- 苦力 kuli < englisch coolie/cooly < hindi Kuli (Volksstamm in Gujarat, dessen Angehörige als Fremdarbeiter dienten)
- 德謨克拉西 / 德谟克拉西, démókèlāxī < englisch democracy
- 德律鳳 / 德律凤, délǜfèng < englisch telephone
- 工業 / 工业, gōngyè (Industrie)< japanisch kogyo
- 文化, wénhuà (Kultur) < japanisch bunka
Die englischen und anderen europäischen Entlehnungen kamen in der Mehrzahl bald wieder aus der Mode, es wurden stattdessen später die schriftlichen Entlehnungen aus dem Japanischen wieder verwendet wie Demokratie = 民主, mínzhǔ, Telefon = 電話 / 电话, dìanhuà.
Die Entlehnungen aus dem Englischen in die chinesische Standardsprache geschahen teilweise über den Umweg über Hongkong, wo sie während der Kolonialzeit entstanden:
- chocolate (Schokolade) > kantonesisch 朱古力 – zyugulik > chinesisch qiaokeli 巧克力
- tip (Tipp / Hinweis) > kantonesisch 貼士 / 贴士 – tipsi > chinesisch tieshi 貼士 / 贴士
Gerade bei Betrachtung der modernen chinesischen Standardsprache darf der Einfluss über den Umweg der chinesischen Regionalsprachen, wie Peking, Guangzhou (Kanton) und Shanghai, zum Beispiel über Fernsehserien, nicht vernachlässigt werden. Dabei sollen die Entlehnung des Englischen über den Umweg des Kantonesischen zwar zahlreich, jedoch nur regional einflussreich sein. Die Entlehnungen über den Shanghai-Dialekt sollen sich in der Standardsprache stärker ausprägen. Zum Beispiel sieht man den dominanten Einfluss des Shanghai-Dialekts bei der Entlehnung an der Aussprache von
- 沙發 / 沙发 shafa < Shanghai-Dialekt sa-fa < englisch sofa, Aussprache eigentlich [ˈsəʊfə] (britisch) bzw. [ˈsoʊfə] (amerikanisch)
Weitere Beispiele für Entlehnungen über den Umweg der Regionalsprachen:
- 小蜜 xiaomi hübsches Mädchen (Peking-Dialekt)
- 大腕 dawan einflussreiche Person, v. a. in der Unterhaltungsbranche (Peking-Dialekt)
- 減肥 / 减肥 jianfei abnehmen, schlank werden (Guangzhou/Kanton)
- 炒魷魚 / 炒鱿鱼 chao youyu jm. kündigen, jn. entlassen (Guangzhou/Kanton)
- 發燒友 / 发烧友 fashaoyou Fan, Anhänger eines Hobbys (Guangzhou/Kanton)
- 搭脈 / 搭脉 damai Macht, etw. über jemanden herauszufinden (Shanghai)
- 搖張 / 摇张 yaozhang durch etw. viel Geld verdienen (Shanghai)
Eine weitere Besonderheit sind Entlehnungen, bei denen auch graphemische Elemente wie lateinische Buchstaben Einzug in das Chinesische gehalten haben. Bei Lehnwörtern aus der englischen Sprache werden in diesem Falle aus den Anfangsbuchstaben des englischen Wortes Akronyme gebildet:
- ATM-機 / ATM-机 (ATM-ji) = Geldautomat
- T-恤 (T-xu) = T-Shirt
- X-光 (X-Guang) = Röntgenstrahlen
Umschriftsysteme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit Reisende aus dem Westen nach China kommen und versuchen, Chinesisch zu lernen, bestand der Bedarf nach einem phonetischen Umschriftsystem (Romanisierungssystem, Transkription), um die Aussprache der chinesischen Zeichen niederzuschreiben. Mehrere solche Systeme sind seitdem entstanden. Das erste, das eine weite Verbreitung fand, war das nach ihren Erfindern benannte Wade-Giles-System im 19. Jahrhundert. Dieses System wird bis heute benutzt, jedoch nicht in der Volksrepublik China. Man kann es in alten (oder englischsprachigen) Lehrbüchern und Geschichtsbüchern finden.
Im 20. Jahrhundert wurden von Seiten der Sprachwissenschaftler verschiedene Umschriftsysteme eingeführt. Das erfolgreichste dieser Systeme war das Hànyǔ Pīnyīn, das 1958 von der Volksrepublik China als offizielles Umschriftsystem für die chinesische Sprache anerkannt wurde. Später entschlossen sich auch die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen, Pīnyīn zu übernehmen. In den 1950er Jahren, als der Kampf gegen das Analphabetentum geführt wurde, gab es sogar Überlegungen, die chinesischen Zeichen zugunsten von Pīnyīn abzuschaffen. Dies wurde jedoch aus verschiedenen Gründen wieder verworfen, etwa wegen der hohen Anzahl von Homonymen im Chinesischen und der Tatsache, dass die chinesische Schrift für alle „Dialekte“ praktisch gleich ist, während ein Alphabet die großen sprachlichen Unterschiede sicht- und spürbar machten und möglicherweise ein Problem für die Einheit des Staates darstellte.
In Taiwan wird eine Reihe von verschiedenen Umschriftssystemen benutzt. Die Regierung der Republik China beschloss 2002 die Verwendung von Tongyong Pinyin und wechselte 2009 zu Hànyǔ Pīnyīn, jedoch dürfen die lokalen Regierungen auch andere Umschriften benutzen. In Schulen wird die Aussprache mit Hilfe von Zhùyīn gelehrt. Bestrebungen, Zhùyīn zugunsten von Pīnyīn abzuschaffen, sind nicht sehr weit gediehen.
Politische Diskussionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Missfallen vieler Chinesen, deren Muttersprache nicht Standardchinesisch bzw. der nördliche Dialekt ist, hat die vorherrschende Rolle des Standardchinesischen dazu geführt, dass außerhalb Chinas das Standardchinesische als einzige chinesische Sprache angesehen wird. Obwohl sowohl die Volksrepublik China als auch Taiwan einen standardisierten Pekinger Dialekt zur Amtssprache erklärt haben und sich für die landesweite Verbreitung einsetzen, gibt es Bestrebungen, die örtlichen Sprachen und Dialekte zu erhalten. Das Standardchinesische ist auch weit davon entfernt, diese zu ersetzen, denn besonders im Süden der Volksrepublik und auf Taiwan werden nach wie vor die dort heimischen Sprachen im täglichen Leben verwendet. Jene, die nur Standardchinesisch sprechen, sind in diesen Gegenden sozial benachteiligt, denn viele Menschen sprechen dort nur sehr schlecht oder gar kein Standardchinesisch; dies trifft vor allem auf alte Leute zu, die jüngeren haben die Standardsprache meist in der Schule gelernt.
In den Regionen der Volksrepublik China, wo mehrheitlich Han-Chinesen leben, ist die Koexistenz zwischen Standardchinesisch und den anderen Sprachen und Dialekten im Allgemeinen problemlos. Standardchinesisch wird als gemeinsame Arbeits- und Kommunikationssprache gefördert, gleichzeitig ist die Führung der Volksrepublik China vorsichtig, was den Status der anderen Sprachen angeht, und will deren Benutzung nicht einschränken. Standardchinesisch wird deshalb vor allem aus praktischen Gründen gelernt und gesprochen, weil es häufig die einzige Möglichkeit der Verständigung zwischen Leuten aus verschiedenen Regionen darstellt. Zuweilen kommt es schließlich sogar vor, dass zwei chinesische Sprachen aus sehr nah beieinander gelegenen Gebieten für die Sprecher der jeweils anderen Sprache nicht verständlich sind.
In der Republik China (Taiwan) ist die Beziehung zwischen Standardchinesisch und den lokalen Sprachen und Dialekten, speziell dem Taiwanischen, bedeutend komplizierter. Nur eine Minderheit der Taiwaner spricht einen nördlichen Dialekt als Muttersprache, selbst unter den nach der Gründung der Volksrepublik nach Taiwan geflohenen Chinesen: Diese sprechen vor allem den Min-Dialekt. Dazu gibt es eine ganze Reihe einheimischer Sprachen und Dialekte. Bis in die 1980er Jahre versuchte die Regierung, die Nutzung des Taiwanischen zu beschränken und gab ihm ein Image des Primitiveren. Das Standardchinesische wurde gefördert, um den Anspruch, der rechtmäßige Nachfolger der 1911 gegründeten Republik China zu sein, aufrechtzuerhalten. Dies hat sich in den 1990er Jahren stark geändert, was sich unter anderem in der vermehrten Benutzung des Taiwanischen in Film, Funk und Fernsehen niederschlägt. Extreme Befürworter der Unabhängigkeit Taiwans lehnen das Standardchinesische zugunsten der taiwanischen Sprache ab, so dass die Verwendung des Taiwanischen zunehmend auch eine Frage der politischen Gesinnung ist. Der Grad ihrer Benutzung ist regional unterschiedlich, es ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auszumachen mit Norden (Taipeh) als Standardchinesisch- und Süden (Kaohsiung) als Taiwanisch-Hochburg. Bemühungen, Standardchinesisch als Amtssprache durch Taiwanisch oder einen mehrsprachigen Standard abzulösen, haben bisher aber noch keine Fortschritte gezeigt.
Didaktik des Standardchinesischen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den 1990er Jahren haben sich auch in China beträchtliche Wandlungen im Sprachunterricht für das Chinesische vollzogen. Die früher gängige Methodik, in drei aufeinander folgenden Phasen chinesisch sprechen und schreiben zu vermitteln, nämlich zuerst die Schriftzeichen lehren, anschließend Lesen üben, dann Aufsätze schreiben, wurde durch neuere Ansätze reformiert, in denen im Unterricht primär das Sprechen in der Standardsprache und die Durchführung speziellen mündlichen Trainings in den Grundschulen betont wird.
Dies wird vor allem damit begründet, dass im Alltag das Sprechen und das Hörverständnis am wichtigsten sei, fast jeder Mensch könne sprechen und zuhören, aber nicht unbedingt lesen und schreiben. Auch in den Sprachkursen für Europäer geht die Tendenz dahin, stärkeres Gewicht auf die mündlichen Fähigkeiten zu legen, man beginnt mit dem Zuhören und mit dem Imitieren einfacher chinesischer Sätze und führt einfache Dialoge durch.
Das mündliche Training wird in der Volksrepublik China und in nicht-chinesischen Sprachkursen durch das Erlernen der Umschrift Hanyu Pinyin unterstützt. In China wurde diesbezüglich unter der Parole Zhuyin shi zi, tiqian du xie (注音识字,提前读写, zu Deutsch: „Mit der Lautschrift die Schriftzeichen lernen und damit früher lesen und schreiben lernen“) der Sprachunterricht in Chinas Grundschulen vorangetrieben. Die Parole steht für den 1982 mit Heilongjiang an der Spitze startenden Reformversuch im Unterricht des Standardchinesischen in Grundschulen. Wenn die Kinder fließend die Standardsprache sprechen können, dann können sie diese auch schnell und einfach mit der Umschrift aus lateinischen Buchstaben fixieren. Dabei wird der Wortschatz nicht durch eine etwa zu geringe Menge an gelernten chinesischen Schriftzeichen in Schranken gehalten.
Beim Leseunterricht werden dann die chinesischen Schriftzeichen nach und nach in den Lese- und Schreibprozess miteinbezogen. Erst wenn die sprachlichen Fähigkeiten sich voll entfaltet haben, wird das Lesen größerer Mengen an Schriftzeichen und das Verfassen von Aufsätzen geübt.
Das frühe Erlernen des Hanyu Pinyin hat weiter den Vorteil, dass man die chinesischsprachige Eingabe am Computer später leicht bewältigen kann.
Chinesisch als Fremdsprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weltweit lernen derzeit etwa 40 Millionen Menschen (Standard-)Chinesisch als Fremdsprache[12]. China unterstützt das Erlernen des Chinesischen mit den Konfuzius-Instituten, von denen es insgesamt 322 in 96 Ländern und Regionen gibt (Stand Dez. 2010). Die Zahl der Chinesisch-Lerner nimmt rasch zu, 2005 wurde noch von 30 Millionen gesprochen[13]. Mit Dong bu dong? (懂不懂?) erschien 2008 das erste deutschsprachige Schulbuch für Standardchinesisch, das für die Sekundarstufe ausgelegt ist.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kathrin Reiser-von Loh: Sprachführer Chinesisch, Polyglott Verlag, München 1990, ISBN 3-493-61142-0.
- Chen, Ping: Modern Chinese. History and Sociolinguistics. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-64572-7.
- Hauser, Françoise: Gebrauchsanweisung Chinesisch: So funktioniert die meistgesprochene Sprache der Welt. Reclam, 2015. ISBN 978-3-15-010993-9.
- Karlgren, Bernhard: Schrift und Sprache der Chinesen. 2. Auflage. Springer 2001, ISBN 3-540-42138-6 (Anm.: Karlgrens Ansichten sind heute größtenteils widerlegt worden)
- Kneussel, Gregor: Grammatik des modernen Chinesisch. Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 2005, ISBN 7-119-04262-9.
- Lackner, Michael (Hrsg.): New Terms for new Ideas: western knowledge and lexical change in late imperial China. Brill, Leiden 2001, ISBN 90-04-12046-7.
- Lee, Wai-Sum; Zee, Eric: Standard Chinese (Beijing). Journal of the International Phonetic Association. 33 (1): 109–112. Cambridge University Press 2003, doi:10.1017/S0025100303001208.
- Li, Charles N. und Sandra A. Thompson: Mandarin Chinese. A Functional Reference Grammar. University of California Press, Berkeley 2003, ISBN 0-520-06610-3.
- Norman, Jerry: Chinese. Cambridge University Press, 1988, ISBN 0-521-29653-6.
- Mey, Monika: Chinesisch. Lesen – Verstehen – Sprechen Wiesbaden, 2009, ISBN 978-3-89500-635-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemein
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christian Lehmann: Chinesisch
- Fachverband Chinesisch e. V.
- XuexiZhongwen.de (Nicht-kommerzielle Seite zum Chinesischlernen für Deutsche)
- Growing up with Chinese, Online-Videokurs in 100 Lektionen (englisch) vom chinesischen Fernsehen CCTV
Wörterbücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- DeHanCi: «德汉词» chinesisch–deutsches, deutsch–chinesisches Wort- und Satzlexikon
- HanDeDict 漢德詞典 chinesisch–deutsches, deutsch–chinesisches Wörterbuch (Projekt eingestellt – Datenbank in HanDeDict@Zydeo überführt und fortgesetzt)
- HanDeDict@Zydeo 汉德词典 chinesisch–deutsches, deutsch–chinesisches Wörterbuch mit handschriftlicher Schriftzeicheneingabe
- Leo-Wörterbuch chinesisch-deutsch, deutsch–chinesisch
- Indexbasiertes Wörterbuch Chinesisch–Deutsch (mit Strichreihenfolgen und Beispielsätzen)
- Zhongwen.com (Chinesisch–Englisch)
- Tasty Mantou Chinese (Chinesisch–Deutsch, Deutsch–Chinesisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bingwen Liu, Lei Xiong (Hrsg.): 100 unter 1 Milliarde: Gespräche mit Chinesen über Alltagsleben, Hoffnungen und Ängste. Aus dem Chinesischen von Liangjion Li und Renate Zantis, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1989, DOI:10.1007/978-3-322-91586-3_89.
- ↑ Lin Liu, Hwei Ann: Die Teilung Chinas und ihre sprachlichen Folgen. In: Lebende Sprachen. Band 40, Nr. 1, 2009, S. 5–8, DOI:10.1515/les.1995.40.1.5.
- ↑ Im Original: 「以北京语音为标准音,以北方话为基础方言,以典型的现代白话文著作为语法规范」. Konferenz zur Standardisierung des Modernen Chinesisch, 1956. Zitiert in Ping Chen: Modern Chinese. History and Sociolinguistics. Cambridge University Press, Cambridge 1999, S. 24.
- ↑ Jerry Norman: Chinese. Cambridge University Press, Cambridge 1988, S. 251.
- ↑ Sihua Liang: Language Attitudes and Identities in Multilingual China. A Linguistic Ethnography. Springer, Cham u. a. 2015, S. 45.
- ↑ Chris Luo: One-third of Chinese do not speak Putonghua, says Education Ministry. In: South China Morning Post (online), 22. September 2014.
- ↑ . Ausgewertet am 12. Januar 2006
- ↑ . Ausgewertet am 12. Januar 2006.
- ↑ . Ausgewertet am 12. Januar 2006.
- ↑ Richard Wiese: Silbische und Lexikalische Phonologie. Studien zum Chinesischen und Deutschen. de Gruyter Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-484-30211-9, S. 42 ff.
- ↑ 清 薛福成 «出使四国日记·光绪十六年十二月二十九日»:“ 美洲各国及欧洲之瑞士与法国皆民主之国也,其政权全在议院,而伯理璽天德(译作总统)无权焉.”亦省作“ 伯理 ”.
- ↑ Laut china.org.cn vom 14. Dezember 2010, abgerufen am 25. Mai 2011
- ↑ Laut China Radio International, abgerufen am 25. Mai 2011.
Fußnote
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der Fachbegriff Mandarin ist üblicherweise ein Oberbegriff für die nordchinesische Sprachgruppe, welche neben dem standardisierten Hochchinesisch weitere Varianten und Dialekte der nordchinesische Sprachen beinhaltet. Die heutige ungenaue umgangssprachliche Nutzung des Begriffs Mandarin verweist hingegen oft allein auf das standardisierte Hochchinesisch und ist auf den Einfluss des Englischen im Deutschen (Anglizismus) zurückzuführen.







