Wohlen
| Wohlen | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Staat: | ||||||||||||||
| Kanton: | ||||||||||||||
| Bezirk: | Bremgarten | |||||||||||||
| BFS-Nr.: | 4082 | |||||||||||||
| Postleitzahl: | 5610 Wohlen 5611 Anglikon | |||||||||||||
| UN/LOCODE: | CH WHL | |||||||||||||
| Koordinaten: | 663379 / 244897 | |||||||||||||
| Höhe: | 420 m ü. M. | |||||||||||||
| Höhenbereich: | 406–550 m ü. M.[1] | |||||||||||||
| Fläche: | 12,48 km²[2] | |||||||||||||
| Einwohner: | 17'816 (31. Dezember 2024)[3] | |||||||||||||
| Einwohnerdichte: | 1428 Einw. pro km² | |||||||||||||
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 42,9 % (31. Dezember 2024)[4] | |||||||||||||
| Gemeindeammann: | Roland Vogt | |||||||||||||
| Website: | www.wohlen.ch | |||||||||||||
Ansicht von Süden her | ||||||||||||||
| Lage der Gemeinde | ||||||||||||||
| Jahr | 1700 | 1798 | 1850 | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 | 2020 | 2023 |
| Einwohner | ca. 780 | 1397 | 2909 | 3695 | 5862 | 6670 | 8636 | 12'024 | 11'704 | 12'498 | 13'329 | 14'483 | 16'881 | 17'481 |
Am 31. Dezember 2024 lebten 17'816 Menschen in Wohlen; der Ausländeranteil betrug 42,9 % und lag somit etwas mehr als einen Drittel über dem Kantonsdurchschnitt von 27,8 %. Gemäss der Volkszählung vom 1. Januar 2015 stammten von den damals 5951 Einwohnern mit ausländischer Staatsbürgerschaft 24,7 % aus Italien (knapp ein Zehntel der Gesamtbevölkerung), 16,4 % aus Kosovo, 11,1 % aus Deutschland, 7,0 % aus Mazedonien, 6,3 % aus Portugal, 5,3 % aus der Türkei und 4,9 % aus Serbien.[63] 79,8 % der Bevölkerung gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, gefolgt von Italienisch (8,1 %), Albanisch (3,1 %), Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (2,3 %), Türkisch (1,4 %), Portugiesisch (0,8 %), Spanisch (0,7 %) und Französisch (0,5 %).[64]
Nach der Rekatholisierung von 1531 war die Bevölkerung Wohlens rund drei Jahrhunderte lang ausschliesslich römisch-katholisch. Angehörige der reformierten Konfession liessen sich erst wieder Anfang des 19. Jahrhunderts nieder, als die Industrialisierung einsetzte; ihre Zahl stieg insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark an. Bedingt durch die Einwanderung aus Südosteuropa und der Türkei sind sunnitische Muslime zur drittgrössten Glaubensgemeinschaft angewachsen. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 45,8 % als römisch-katholisch und 12,9 % als reformiert; 41,3 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[63]
Politik und Recht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Politische Gemeinde (im Kanton Aargau Einwohnergemeinde genannt) nimmt sämtliche kommunalen Aufgaben wahr, die nicht durch übergeordnetes Recht zum Wirkungskreis eines anderen Gemeindetyps (beispielsweise der Kirchgemeinden der Landeskirchen) erklärt worden sind.
Legislative
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anstelle einer in kleineren Gemeinden üblichen Gemeindeversammlung vertritt seit 1966 das von den Wohler Stimmberechtigten gewählte Gemeindeparlament, der Einwohnerrat, die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern, die für jeweils vier Jahre im Proporzwahlverfahren gewählt werden. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Ebenso erlässt er Reglemente, kontrolliert die Amtsführung der Exekutive und entscheidet über Einbürgerungen. Die Einwohnerräte können parlamentarische Vorstösse (Motion, Postulat, kleine Anfrage) einreichen. Tagungsort ist das Casino.
Die rechts stehende Grafik zeigt die Sitzverteilung nach der Wahl vom 30. November 2025.[65] Bei den bisherigen Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:[66]
| Partei | 1973 | 1977 | 1981 | 1985 | 1989 | 1993 | 1997 | 2001 | 2005 | 2009 | 2013 | 2017 | 2021 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SVP | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 | 6 | 9 | 10 | 12 | 13 | 11 | 10 | 13 |
| Die Mitte (bis 2020 CVP) | 17 | 13 | 14 | 14 | 12 | 11 | 12 | 10 | 10 | 9 | 10 | 7 | 8 | 7 |
| SP | 5 | 8 | 6 | 4 | 5 | 3 | 3 | 4 | 5 | 5 | 4 | 7 | 6 | 5 |
| GLP | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | 3 | 3 | 6 | 6 |
| FDP | 11 | 10 | 9 | 10 | 10 | 10 | 9 | 7 | 6 | 5 | 5 | 6 | 4 | 4 |
| Grüne / Eusi Lüüt | – | – | 5 | 7 | 8 | 6 | 6 | 4 | 2 | 4 | 3 | 3 | 3 | 3 |
| Dorfteil Anglikon | 2 | 2 | 2 | 2 | 1 | 2 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 2 | 2 |
| EVP | 1 | 1 | 1 | 1 | – | 1 | 1 | 1 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | – |
| Freis Wohle | – | – | – | – | – | – | – | 4 | 4 | 3 | - | – | – | – |
| Auto-Partei | – | – | – | – | 2 | 4 | 1 | – | – | – | – | – | – | – |
| LdU | 1 | 2 | 1 | – | – | 1 | – | – | – | – | – | – | – | – |
| Euse Maa | – | 2 | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – |
| Team 67 | 1 | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – | – |
Dabei ist festzustellen, dass die Mitteparteien CVP und FDP bis Ende der 1990er Jahre die Dorfpolitik dominierten und zusammen mehr als die Hälfte der Sitze stellten. Ihr allmählicher Niedergang ging – ähnlich wie auf kantonaler und nationaler Ebene – einher mit dem Aufstieg der rechtskonservativen SVP zur grössten Partei, die zuvor nur eine marginale Rolle gespielt hatte. Im linken Parteienspektrum sind die Sozialdemokraten am stärksten. Die Grünen traten bis 2008 als unabhängige Gruppierung Eusi Lüüt («Unsere Leute») auf, die wiederum auf die Liste Euse Maa («Unser Mann») des späteren Kabarettisten Peach Weber zurückgeht.[67] Seit jeher im Einwohnerrat vertreten ist die Gruppierung Dorfteil Anglikon, die sich für die Anliegen der Bevölkerung Anglikons einsetzt.
Auch auf der Ebene der Einwohnergemeinde finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie die Volksinitiative zu.
Exekutive
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird vom Volk für jeweils vier Jahre im Majorzverfahren gewählt. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Einwohnergemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Vorsteher der Exekutive ist der Gemeindeammann.

Die fünf Gemeinderäte der Amtsperiode 2026–2029 sind:
- Roland Vogt (SVP), Gemeindeammann
- Sonja Isler-Rüttimann (Mitte), Vizeammann
- Thomas Geissmann (FDP)
- Claudia Hauri (SVP)
- Olivier Parvex-Käppeli (GLP)
Judikative
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Wohlen ist Sitz des Friedensrichterkreises VI, der den westlichen Teil des Bezirks umfasst.[68]
Nationale Wahlen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Wohlen: SVP 35,4 % (+4,9 %), SP 16,1 % (−1,1 %), FDP 14,1 % (−1,2 %), Die Mitte 13,7 % (−2,3 %), Grüne 6,5 % (−1,9 %), glp 8,1 % (+0,5 %), EVP 3,6 % (+0,1 %), andere 3,0 % (+1,0 %).[69][70]
Ortsbürger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ortsbürgergemeinde gehören jene Einwohner an, die das Bürgerrecht von Wohlen besitzen. Hauptaufgabe ist die Verwaltung des Ortsbürgervermögens, dessen Ursprung in den Bürgergütern liegt, die aus der Zeit des Ancien Régime übernommen wurden. Im Falle der Ortsbürgergemeinde Wohlen sind dies 220 ha Wald, 618 ha Baurechtsland und 68 ha Kulturland. Der Wald wird von einem eigenen Forstbetrieb bewirtschaftet. Ebenfalls in ihrem Eigentum befinden sich das Restaurant Sternen und die Villa Isler. Legislative ist die Ortsbürgerversammlung, Exekutive der Gemeinderat der Einwohnergemeinde (dem auch Nicht-Ortsbürger angehören).[71]
Partnergemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Partnergemeinde von Wohlen ist Lermoos im österreichischen Bundesland Tirol. Nachdem im Mai 1945 zwei Lermooser Ortsteile von der US-Armee teilweise zerstört worden waren, übernahm Wohlen 1946 eine Hilfspatenschaft und unterstützte die Bevölkerung mit materiellen Gütern. 2001 wurde die Patenschaft in eine Gemeindepartnerschaft umgewandelt.[72] Ebenfalls eng verbunden (jedoch ohne offizielle Partnerschaft) ist Wohlen mit der Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine. Dies geschieht durch den 2005 gegründeten Verein Help-Point Sumy, der jährlich mit behördlicher Unterstützung Lieferungen von Hilfsgütern wie technisches Material für Spitäler oder Feuerwehrfahrzeuge und -ausrüstung durchführt.[73]
Wirtschaft
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Gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) gibt es in Wohlen rund 7800 Arbeitsplätze. Davon entfallen 0,8 % auf die Land- und Forstwirtschaft (Primärsektor), 22,6 % auf die Industrie (Sekundärsektor) und 76,6 % auf den Dienstleistungsbereich (Tertiärsektor).[74] Als Zentrum einer Subagglomeration am Rande der Metropolregion Zürich weist Wohlen starke Pendlerströme auf. Das Verhältnis der Zu- und Wegpendler ist – im Gegensatz zu zahlreichen Gemeinden in der Region mit einer eindeutig feststellbaren Ausrichtung der erwerbstätigen Bevölkerung auf die Zentren – bedeutend ausgeglichener. Gemäss der Volkszählung 2000 pendelten 4842 Personen hierhin, während 6081 Personen in anderen Regionen einer Beschäftigung nachgingen (davon ein Drittel in Zürich und Umgebung).[75]
Seit dem Niedergang der Strohgeflechtindustrie gibt es in Wohlen im industriellen Sektor keine dominierende Branche mehr. Es bildete sich jedoch eine Präferenz für den Maschinen-, Messinstrumenten- und Werkzeugbau sowie die Herstellung von Kunststoffen und Verpackungsmaterialien heraus. Das einzige Unternehmen der Strohgeflechtindustrie, das sich in neuen Bereichen etablieren konnte, war die aus der 1855 gegründeten Hutgeflechtfabrik Gebr. Dreifuss hervorgegangene Cellpack, die sich auf die Herstellung von Kunststoffen und elektrischen Schaltungen spezialisierte. Die Cellpack, mittlerweile Teil der Holding Behr Bircher Cellpack BBC und im benachbarten Villmergen domiziliert, war bis 2001 mit einem Isolatoren-Werk in Wohlen vertreten, welches seither zum Konzern Tyco Electronics gehört.[76][77]
Zu den weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Gasanalyse, Leckdetektion und Dichtheitsprüfung gehört die Wilco AG, während die zum Sulzer-Konzern gehörende Sulzer Metco AG eine ebensolche Rolle in den Bereichen Oberflächentechnik und thermische Beschichtung einnimmt. Auf dem Gebiet der Temperatur- und Regeltechnik ist die Camille Bauer AG international tätig. Ebenfalls von Bedeutung ist die Winkler Livecom AG, die Beleuchtungs- und Eventkonzepte für internationale Konzerne und Messen sowie Kultur- und Sportveranstaltungen entwickelt. Die Hallen des ehemaligen Eisenwerks Ferrowohlen werden nach dem Scheitern des Städtebauprojekts Ferropolis an Nachnutzer als Produktionsstätte und Lager vermietet. 2009 zogen die ersten Mieter ein, darunter das Logistikzentrum des Elektronikhandelsunternehmens Digitec Galaxus. Das weitläufige Gelände wird sukzessive zu einem Industriepark ausgebaut.[78]
Zahlreiche produzierende Unternehmen und Dienstleistungsbetriebe sind im Handwerker- und Gewerbeverein zusammengeschlossen. Neben der gemeinsamen Wahrung und Förderung der wirtschaftlichen und politischen Interessen zählt zu seinen Hauptaufgaben die Organisation der alle fünf Jahre stattfindenden Gewerbeausstellung HAGEWO.[79] Das Einkaufsangebot in Wohlen wird massgeblich von den in Bahnhofsnähe gelegenen Zentren von Coop und Migros geprägt. Daneben existieren zahlreiche Ladengeschäfte.
1850 fanden in Wohlen die ersten Märkte statt, nachdem die Kantonsregierung das Marktrecht markant ausgeweitet hatte. Für die Organisation war zunächst eine private Marktkommission zuständig, seit 1864 die Gemeinde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Märkte wieder ab, da das örtliche Gewerbe die meisten benötigten Waren selbst anbieten konnte. Aus Kostengründen wurde 1902 der Fasnachtsmarkt abgeschafft.[80] Weiterhin durchgeführt werden der Maimarkt und der Herbstmarkt im Oktober, an denen auch Fahrgeschäfte zu finden sind, sowie ein kleiner Wochenmarkt.
Verkehr und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Strassen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wohlen liegt am Schnittpunkt mehrerer Strassen. Die wichtigste ist die durch das Dorfzentrum führende Hauptstrasse 1 von Genf über Bern und Zürich nach Kreuzlingen. Bis zum Bau der Autobahnen in den 1960er und 1970er Jahren war sie die bedeutendste West-Ost-Verbindung der Schweiz. Am westlichen Dorfrand zweigt die Hauptstrasse 25 über Zug nach Arth ab. Ortsverbindungsstrassen führen über Villmergen ins westlich angrenzende Seetal, nach Büttikon, nach Waltenschwil, über Niederwil in Richtung Baden sowie über Dottikon in Richtung Brugg. Die nächstgelegenen Anschlussstellen der Autobahn A1 befinden sich bei Lenzburg und Mägenwil, beide rund zehn Kilometer entfernt.
Das innerörtliche Strassennetz ist auf eine Ringstrasse im Zentrum ausgerichtet, mehrere Kreisel entlasten die Knotenpunkte. Der Durchgangsverkehr in Nord-Süd-Richtung wird weitgehend an der Peripherie vorbeigeführt, nicht jedoch jener von Westen nach Osten. Es gibt politische Forderungen nach einer Südumfahrung, die aber im kantonalen Richtplan nur eine geringe Priorität besitzt. Hauptargument gegen den Bau war bisher die Tatsache, dass der Ziel- und Quellverkehr weitaus bedeutender ist als der Durchgangsverkehr. Ob die Eröffnung der östlich gelegenen Autobahn A4 im November 2009 geänderte Verkehrsströme verursacht hat, soll durch neue Erhebungen abgeklärt werden.[81]
Öffentlicher Verkehr
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Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs ist der 1874 eröffnete Bahnhof Wohlen der Schweizerischen Bundesbahnen. Es verkehren halbstündlich Züge der Linie S26 der S-Bahn Aargau von Rotkreuz nach Aarau sowie stündlich Züge der Linie S25 von Muri nach Brugg. Darüber hinaus gibt es in der Abend- bzw. Morgenspitze einzelne Direktzüge von und nach Zürich. Der Bahnhofvorplatz ist der westliche Endpunkt der halbstündlich als S17 verkehrenden schmalspurigen Bremgarten-Dietikon-Bahn, die zusätzlich die Haltestelle Wohlen Oberdorf bedient.
Vom Bahnhof aus verbinden mehrere Postautolinien Wohlen mit den Nachbargemeinden. Sie führen nach Dottikon, Hägglingen, Mellingen, Muri und Uezwil. Die Gesellschaft Limmat Bus betreibt eine Buslinie nach Meisterschwanden, als Ersatz für die 1997 stillgelegte Wohlen-Meisterschwanden-Bahn. Seit 1990 besitzt Wohlen ein Ortsbusnetz (1993 definitive Einführung nach dreijährigem Probebetrieb). Es besteht aus sechs Linien, die für die Feinerschliessung sorgen und jährlich von rund 425'000 Fahrgästen genutzt werden.[82] An Wochenenden wird Wohlen von Nachtbussen aus Richtung Lenzburg und Dietikon erschlossen. Das gesamte öffentliche Verkehrsnetz ist Teil des Tarifverbunds A-Welle.
Versorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die IB Wohlen AG (ibw) versorgt die Gemeinde mit Elektrizität, Erdgas und Trinkwasser. Das Unternehmen ist zu 100 % im Besitz der Einwohnergemeinde und entstand 1961 durch die Zusammenlegung und Verselbständigung der gemeindeeigenen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke.[83]
1865 erhielt Wohlen zwölf Petroleumlampen geschenkt, die erstmals eine Strassenbeleuchtung ermöglichten.[84] Als 1893 die Zürcher Escher Wyss AG an der Reuss das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon errichtete, musste sie gemäss Konzession einen Teil der Produktion zu Vorzugspreisen im Aargau verkaufen. Wohlen sicherte sich diesen Anteil, überliess aber die Verteilung der «Electricitäts-Gesellschaft Wohlen», die 1894 in der ehemaligen Zehntenscheune ein Umspannwerk errichtete und die elektrische Strassenbeleuchtung installierte. 1906 kaufte die Gemeinde sämtliche Anteile an der Elektrizitätsgesellschaft.[85] Anglikon erhielt 1915 ebenfalls Anschluss ans Elektrizitätsnetz.

Problematisch war die geringe Kapazität der Trinkwasserquellen. Eine kurzfristige Entlastung brachte 1898 die Fassung von Quellen am Niesenberg oberhalb von Kallern. 1905 und 1916 kamen weitere Quellen in Büttikon hinzu, 1921 entstand die erste Grundwasserfassung in Waltenschwil. Doch auch diese genügten der steigenden Nachfrage bald nicht mehr. 1947 und 1949 blieben die höher gelegenen Quartiere im Sommer ohne Wasser. Schliesslich beteiligte sich Wohlen ab 1959 zusammen mit Lenzburg am Bau einer ergiebigen Grundwasserfassung in Niederlenz. Das Wasserproblem konnte 1961 mit der Fertigstellung einer zehn Kilometer langen Leitung durch das Bünztal endgültig gelöst werden.[86] Anglikon verfügte seit 1899 über eine eigene Wasserversorgung, die erst 1964 mit jener Wohlens verbunden wurde.[87] Wegen zu hohen Rückständen des Pflanzenschutzmittels Chlorthalonil wurde 2019 das Grundwasser-Pumpwerk Eichholz bis auf Weiteres geschlossen.[88]
1913 wurde in Wohlen eines der letzten Steinkohle-Gaswerke der Schweiz eröffnet. Der Betrieb erfolgte zunächst durch das deutsche Unternehmen Aug. Klönne, das das Gaswerk auch errichtet hatte. 1920 übernahm die Gemeinde selbst den Betrieb. Drei Jahrzehnte später erwies sich die Produktion von Stadtgas als immer weniger rentabel. An ihre Stelle trat 1961 die erste Leichtbenzin-Spaltanlage des Landes. Mit dem Anschluss Wohlens an das Erdgasnetz des Gasverbundes Mittelland wurde das Gaswerk 1978 stillgelegt.[89]
Zwar war 1903 die erste Kanalisation in Betrieb genommen und in der Folge schrittweise ausgebaut worden, doch die Abwässer flossen ungeklärt in die Bünz. Sie verwandelten den Fluss bereits Ende der 1930er Jahre in eine übelriechende Kloake und vernichteten den Fischbestand. Die Abwasserreinigungsanlage, ein Gemeinschaftswerk der Gemeinden Wohlen, Waltenschwil und Villmergen, wurde 1974 eröffnet, nachdem die Planungen mehrmals dem raschen Wachstum von Bevölkerung und Industrie angepasst werden mussten.[90]
Bildung
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Als Regionalzentrum des südöstlichen Aargaus besitzt Wohlen ein umfassendes Bildungsangebot, so dass es den meisten Wohler Kindern und Jugendlichen möglich ist, ihre gesamte Schulzeit hier zu absolvieren. Die vom Volk gewählte fünfköpfige Schulpflege trägt die Verantwortung für die ordentliche Erfüllung sämtlicher Aufgaben der Volksschule und ist primär auf strategischer Ebene tätig. Für operative Aufgaben setzt sie Schulleitungen ein, welche die pädagogische, personelle und administrative Leitung im Rahmen der ihr übertragenen Kompetenzen übernehmen.

In Wohlen gibt es zehn Kindergärten (darunter einen Sprachheilkindergarten) und drei Schulzentren (Halde, Bünzmatt und Junkholz), in Anglikon ein Schulhaus mit zusätzlicher Kindergartenabteilung. Es werden sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet, bestehend aus der Primarschule bis zum 6. Schuljahr sowie – je nach Leistungsvermögen – der Realschule, der Sekundarschule und der Bezirksschule bis zum 9. Schuljahr. Ausserdem werden eine Heilpädagogische Sonderschule und eine Musikschule geführt. Mit 2300 Schülern und 350 Lehrpersonen ist Wohlen die zahlenmässig grösste Schulgemeinde des Kantons.[91] In die Zuständigkeit der Kantonsbehörden fällt das Berufsbildungszentrum Freiamt, Standort der gewerblichen und kaufmännischen Berufsschule mit über 800 Schülern, in der eine Berufsmaturitätsschule integriert ist. Die Kantonsschule Wohlen ist eine weiterführende Kantonsschule (Gymnasium), deren Abschluss (Matura) zum Universitätsstudium berechtigt.
Bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde der Schulunterricht ausschliesslich in Privathäusern abgehalten. 1810 musste die Gemeinde auf Druck der Kantonsbehörden das erste Schulhaus errichten. Verschiedene Personen, die mit dem mangelhaften Bildungsangebot unzufrieden waren (insbesondere Vertreter der Strohgeflechtindustrie), gründeten 1835 auf eigene Kosten die Bezirksschule. Aufgrund finanzieller Probleme der Initianten und geringer Subventionen musste sie 1841 den Betrieb wieder einstellen. Erst 1854, nach dem Bau des Schulhauses Halde und finanziellen Zusicherungen des Kantons, konnte die Bezirksschule auf eine dauerhafte Grundlage gestellt werden.[92] Mit Ausnahme der Primarschule Anglikon (1914) und Erweiterungen des Haldenschulhauses kamen über ein Jahrhundert lang keine neuen Schulgebäude hinzu. Die Berufsschule wurde 1957 erbaut und 1970 erweitert. Es folgten die Schulanlagen Bünzmatt (1966/71, Architekt Dolf Schnebli) und Junkholz (1973/74). Das 1966 erbaute Seminar diente zunächst der Ausbildung von Lehrern und erhielt zehn Jahre später den Status einer Kantonsschule; 1984/88 wurde diese um einen mehrfach grösseren Erweiterungsbau ergänzt.
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Villa Isler beherbergt seit 2013 das Schweizer Strohmuseum, das sich mit der Entwicklung, der Blüte und dem Niedergang der aargauischen Strohgeflechtindustrie befasst. Neben zahlreichen Erzeugnissen wie Garnituren und Hüten werden auch Werkzeuge, Maschinen und Halbfabrikate präsentiert.[93] Die Sammlung befand sich zuvor seit 1976 unter der Bezeichnung «Freiämter Strohmuseum» in einem aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden ehemaligen Bankgebäude am Kirchenplatz. In diesem ist heute noch die Gemeindebibliothek untergebracht.
Kulturelle Veranstaltungen wie Theatervorführungen und Konzerte werden in der Regel im Sternensaal, im Chappelehof-Saal und im Casino durchgeführt. Das Kanti-Forum ist eine unabhängige kulturelle Institution mit Sitz an der Kantonsschule, das sich an ein Publikum mit gehobenen Ansprüchen richtet. Der Circolo ACLI (Associazioni Cristiane Lavoratori Internazionali) setzt sich mit kulturellen und sozialen Projekten für den Dialog mit der grossen italienischsprachigen Minderheit ein. Darüber hinaus gibt es in Wohlen ein Kino; neben den üblichen aktuellen Filmen zeigt es in Zusammenarbeit mit dem Filmklub Wohlen mehrmals jährlich wenig bekannte Autorenfilme.[94]

Der Circus Monti ist ein in der ganzen Schweiz bekannter Zirkus, der in Wohlen gegründet wurde und hier sein Winterquartier hat. Seit 2001 finden in unregelmässigen Abständen auf einem Feld östlich des Dorfes Openair-Festivals statt. Zu den hier auftretenden Interpreten gehörten unter anderem a-ha, Krokus, Melanie C, Status Quo und Toto. Während zu Beginn unter der Bezeichnung «Soundarena» der Schwerpunkt auf Rock- und Popmusik lag, folgte 2011 eine Konzeptänderung: Seither wird das Gelände vom Festival Touch the Air genutzt, das auf Hip-Hop, RnB und Electro spezialisiert ist.
Wie in den übrigen katholischen Gebieten des Aargaus hat auch in Wohlen die Fasnacht eine jahrhundertealte Tradition, die wesentlich von der Luzerner Fasnacht geprägt wird. Höhepunkt der Fasnacht ist neben zahlreichen Maskenbällen der alle zwei Jahre stattfindende Umzug am Sonntag zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch. Ein seit 1941 bestehender Brauch ist der «Chlausauszug» am zweiten Adventssonntag, der von der Jungwacht und der katholischen Kirchgemeinde organisiert wird. Die Samichläuse (Nikoläuse) treten am frühen Abend aus der Pfarrkirche und beschenken zusammen mit den Schmutzli die zahlreichen anwesenden Kinder und Erwachsenen. Anschliessend besuchen sie während drei Tagen gegen 200 Familien in Wohlen und Anglikon.[95] Ebenfalls gepflegt wird im November der Brauch des Räbeliechtli.
Sport
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Die Wohler Sportanlagen sind überwiegend in den Niedermatten konzentriert. 2004 wurde dort das grösste Sportzentrum des Kantons eröffnet, bestehend aus dem Stadion Niedermatten, zwei Fussball-Trainingsplätzen, einem Leichtathletikstadion mit 400-Meter-Rundbahn, einem Inlinehockeyplatz, einer Finnenbahn und neun Tennisplätzen. Das benachbarte Schwimmbad mit drei Schwimmbecken in einer parkartigen Landschaft wurde 1965 eröffnet, die Kunsteisbahn besteht seit 1976. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich auch eine Minigolf- und eine Pétanque-Anlage, eine Reithalle sowie eine Halle für Tennis und Squash. An anderen Standorten gibt es darüber hinaus mehrere Turn- und Sporthallen sowie einen Vitaparcours.
Der weitaus bekannteste Sportverein ist der FC Wohlen, der von 2002 bis 2018 in der Challenge League, der zweithöchsten Fussball-Spielklasse der Schweiz, spielte und seine Heimspiele im Stadion Niedermatten austrägt. Das Männerteam des Squashclubs SC Wohlen wurde in der Saison 2007/08 erstmals Schweizer Meister und wiederholte diesen Erfolg in den zwei darauf folgenden Saisons. Der HC Wohlen Freiamt spielt Eishockey in der 3. Amateurliga der Männer. Die Frauen des TV Wohlen sind in der Handball-Nationalliga B vertreten, die Männer in der 1. Liga (zweit- bzw. dritthöchste Spielklasse).[94]
Seit 1967 findet jährlich am Pfingstsamstag der Pfingstlauf statt, eine international besetzte Laufsportveranstaltung mit durchschnittlich 1'000 Teilnehmern.[96] Zwei bekannte Sportinstitutionen tragen die Bezeichnung Wohlen im Namen, ohne jedoch in der Gemeinde angesiedelt zu sein. Es handelt sich einerseits um den Motorsport-Club Wohlen, der in Hilfikon jährlich nationale und internationale Motorradsport-Geländerennen durchführt, andererseits um die Kartbahn Wohlen in Waltenschwil.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anton Bruggisser (1835–1905), Politiker
- Johann Peter Bruggisser (1806–1870), Nationalrat und Richter
- Kaspar Leonz Bruggisser (1807–1848), Jurist und Politiker
- Philippe Bruggisser (* 1948), Manager
- Rocco Cipriano (* 1968), Kickboxer
- Albert Dubler (1857–1903), Pathologe
- Bernhardt Edskes (1940–2022), niederländisch-schweizerischer Organist und Orgelbauer
- Roland von Flüe (* 1961), Jazzmusiker
- Gertrud Heinzelmann (1914–1999), katholische Theologin
- Hermann Huber (1863–1915), Regierungsrat
- Peter J. Huber (* 1934), Statistiker
- Andy Hug (1964–2000), Kickboxer
- Jacob Isler (1758–1837), Pionier der Strohgeflechtindustrie
- Jakob Isler (1809–1862), Nationalrat, Ständerat, Industrieller
- Peter Emil Isler (1851–1936), Ständerat, Nationalrat, Mitbegründer der Kantonalbank
- Luca Iodice (* 1978), Fussballspieler und -trainer
- Viktor Kortschnoi (1931–2016), Schachspieler
- Albert Kuhn (1839–1929), Kunsthistoriker
- Georges Meyer-Darcis (1860–1913), Unternehmer, Botaniker und Entomologe
- Hugo Müller (1883–1961), Bergsteiger und Autor
- Linda Nartey (* 1968), Ärztin und Bundesbeamte
- Stefan M. Schmid (* 1943), Geologe
- Seven (* 1978), Sänger und Musiker
- Ciriaco Sforza (* 1970), Fussballer
- Walter Thurnherr (* 1963), Bundeskanzler (wuchs in Wohlen auf)
- Ernst Walser (1878–1929), Romanist
- Agnes Weber (* 1951), Politikerin, Nationalrätin
- Leonhard Weber (1883–1968), Kristallograph, Mineraloge und Hochschullehrer
- Peach Weber (* 1952), Kabarettist, Komiker
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anton Wohler: Wohlen (AG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Anne-Marie Dubler, Jean-Jacques Siegrist: Wohlen – Geschichte von Recht, Wirtschaft und Bevölkerung einer frühindustrialisierten Gemeinde im Aargau. In: Argovia, Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 86. Verlag Sauerländer, Aarau 1975, ISBN 3-7941-1367-5.
- Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band IV (Bezirk Bremgarten). Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6.
- Harold Külling, Walter Meyer, Herbert Notter, Anton Wohler: Wohlen 1887–1987: 100 Jahre Handwerker- und Gewerbeverein. Hrsg.: Handwerker- und Gewerbeverein Wohlen. Wohlen 1987 (mit detaillierten Informationen zur Ortsgeschichte).
- Div. Autoren: Ortsführer Wohlen 2010. Hrsg.: Kasimir Meier AG, Einwohnergemeinde Wohlen. Wohlen 2010 (Orientierungsschrift für Einwohner).
- Dieter Kuhn, Jörg Meier, Eduard Kiener, Michael Kohn: 100 Jahre Elektrizitäts- und Wasserversorgung. Hrsg.: Industrielle Betriebe Wohlen. Wohlen 1994.
- Emil Suter: Die Flurnamen der Gemeinde Wohlen AG. Historische Gesellschaft Freiamt, Wohlen 1934
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
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