Rafzerfeld

Das Rafzerfeld ist eine 50 Quadratkilometer grosse, rechtsrheinische Ebene im Norden des Schweizer Kantons Zürich.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem vom Bodensee-Thurgletscher aufgeschotterten Rafzerfeld sind zahlreiche archäologische Fundstellen bekannt. Neben Mammutzähnen in den Kiesgruben kamen einige Silexkomplexe und bronze- und eisenzeitliche Grabfunde sowie Einzelfunde – Steinbeile, Münzen, Keramik – zutage. Ihre archäologische Aufarbeitung brachte neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte dieser Landschaft, welche die ältesten Fundstellen des Kantons Zürich birgt, die bis 10'000 v. Chr. zurückreichen. Älteste Siedlungsspuren weisen ins Mesolithikum und mittlere Neolithikum (5. Jh. v. Chr.). Fundstellen im benachbarten und deutschen Gebiet liefern interessante Befunde, etwa die Oppida von Altenburg und Rheinau.
Erste archäologische Luftbildflüge brachten 1991 Bewuchs- und Bodenmerkmale ins Visier; Feldbegehungen analysierten fotografische Strukturen und gaben Hinweise auf historische Siedlungs-, Werk- und Lagerplätze, alte Wege, Grenzen und landwirtschaftliche Tätigkeiten. Schon früh waren Lokalforscher an der Arbeit: Abraham Zimmermann (1897–1976), Rafzer Lehrer und Gründer des Ortsmuseums, Autor der Rafzer Chronik 1970 und Ehrenbürger. Er entdeckte über 20 prähistorische Fundstellen im Rafzerfeld und sammelte Tausende Silices: älteste nacheiszeitliche Belege einer Besiedlung des Kantons Zürich.[1]
Als im Bauernkrieg 1525 die Klettgauer Bauern hart bedrängt wurden, strömten ihnen auch über hundert Bauern aus dem Rafzerfeld zu. Die Klettgauer, Waldshuter und Rafzerfelder Bauern sammelten sich in der Gegend von Grießen in einer Stärke von über 1000 Mann. Doch unter dem Befehl von Christoph Fuchs von Fuchsberg näherte sich ein großes Heer von 1300 Söldnern und 500 Reitern. Am 4. November 1525 kam es nahe Grießen zur Schlacht. 200 Bauern wurden getötet, an die 100 gefangen genommen. Etwa 100 Bauern konnten sich auf den Friedhof von Grießen flüchten, mussten sich aber schließlich ergeben.[2] In den Chroniken gibt es starke Abweichungen bei der Schilderung der Schlacht. „Einige verlegen das Kampfgeschehen sogar ins Rafzerfeld, was aber sehr unwahrscheinlich ist“, so der Lokalhistoriker Peter Schweizer.[3]
Das Rafzerfeld und Rafz gelangten 1651 mit den hohen Gerichten an Zürich, da die Grafen von Sulz sich gezwungen sahen, ihre Schulden bei den Zürchern durch Abtretung eines Teils ihrer Landeshoheit im Klettgau abzutragen. Es ist dies ein seltener Fall des Verkaufs von Reichsboden an die Schweiz. 1656 wurde auch der obere Klettgau an die Stadt Schaffhausen verkauft.
Topografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gebiet umfasst von West nach Ost die Gemeinden Wasterkingen, Hüntwangen, Wil, Rafz und Eglisau und liegt nördlich des Rheins.
Geologie
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Das Rafzerfeld stellt geologisch den Sander eines grossen Alpengletschers dar, weshalb die abgelagerten Kiesschichten mehrere dutzend Meter mächtig sind. Mehrere Kieswerke bauen diesen Rohstoff ab.
Natur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Rafzerfeld gibt es eine Anzahl von Naturschutzprojekten, die die ursprüngliche Artenvielfalt wiederherstellen möchten. Bei diesen Projekten arbeiten Landwirte, Kiesgrubenbesitzer und Naturschutzvereine zusammen. Der 1996 gegründete Verein Natur vom Puur (Natur vom Bauern) initiiert Vernetzungsprojekte, mit denen die Verbreitung und Ansiedlung anspruchsvoller Pflanzen und Tiere mittels ökologischer Ausgleichsflächen, Buntbrachen und speziellem Saatgut gefördert werden sollen. Im Jahre 2003 hat das Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich das Vernetzungsprojekt Rafzerfeld genehmigt. Durch die Kiesgewinnung sind neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstanden. Die Rekultivierung der Kiesgruben ermöglicht, spezielle Biotope mit Mager- und Trockenwiesen oder Kiesflächen einzurichten. Im Rafzerfeld können neben einer vielfältigen Pflanzenwelt die Feldlerche, der Flussregenpfeifer, Uferschwalben, die Goldammer und der Feldhase beobachtet werden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Hofer: Wirtschafts- und Siedlungsgeographie des Rafzerfeldes und seiner angrenzenden Gebiete, in: Mitteilungen der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft Zürich, Band 40, 1939–1940, S. 1–136 + Tafeln (Digitalisat)
Zeitungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schaffhauser Gratiszeitung Schaffhauser Bock publiziert seit September 2017 eine Lokalausgabe für das Rafzerfeld. Hierfür tauscht sie jeweils auf den ersten vier Seiten Inhalte der Normalausgabe mit solchen aus, die spezifisch das Rafzerfeld sowie den unteren Schaffhauser Kantonsteil (Buchberg und Rüdlingen) betreffen.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Natur vom Puur im Rafzerfeld Landschaftsqualitäts-Projekt 2015–2022
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koordinaten: 47° 35′ 44,1″ N, 8° 31′ 26,2″ O; CH1903: 681627 / 272220
- ↑ Patrick Nagy, Dorothea Spörri: Archäologische Forschungen im Rafzerfeld. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 14. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 1998, ISBN 3-905647-88-5, S. 285–297.
- ↑ Peter Schweizer: Wil. Die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld. Politische Gemeinde Wil (ZH), 1993, S. 70–74.
- ↑ Peter Schweizer: Wil. Die Geschichte eines Bauerndorfes auf dem Rafzerfeld. Politische Gemeinde Wil (ZH), 1993, S. 349.