Dieser Artikel behandelt den belgischen Ort. Zum französischen Schriftsteller und Publizisten siehe Jean Donneau de Visé, zur Untereinheit des Oberkarbon siehe Viséum.
Die Maas in Visé mit der Eisenbahnbrücke Pont des Allemands der „Montzenroute“ (2013)Zerstörte Häuser im Jahr 1914
Grenzübergang von Petit Lanaye in der Gemeinde Visé nach Maastricht
Ein Teil der Gemeindegrenzen ist mit der belgisch-niederländischen Grenze identisch. Visé liegt an der Maas etwa 35km westlich von Aachen, 20km nordöstlich von Lüttich und 15km südlich von Maastricht. Sie gilt als die nördlichste Stadt in Wallonien. Die Höhe wird mit 60 bis 85m angegeben.
Die erste urkundliche Erwähnung Visés ist unter den Herausgebern der Regesta Imperii umstritten. Mit dem in Urkunden von 814 und 841 genannten „Wasitico“ soll eher Wasseiges gemeint sein. Dann ist das im Teilungsvertrag von Meerssen 870 erwähnte „Veosatum“ die früheste urkundliche Erwähnung Visés, es kam hier als Grenzort zum neuen Reich Karls des Kahlen.[3] 942 traf sich Otto I. „in Veusegus“ mit König Ludwig IV. von Frankreich, um einen Freundschaftsvertrag abzuschließen.[4] Im gleichen Jahr stellte der Kaiser in „Wegesata“ eine Schenkungsurkunde aus.[5] Beide Ortsnamen sollen zu Visé gehören, weil sie den Zusatz „super Mosam“ (über der Maas) tragen. 983 schenkte Otto II. dem Bischof von Lüttich den Marktzoll „in villa Viesato“.[6] Mit Recht gilt die Zeit vom 9. Jahrhundert bis zum 13. Jahrhundert als die Blütezeit der Stadt. Im Zuge des Investiturstreits wurden am Gründonnerstag 1106 die Truppen von Heinrich V. an der Maasbrücke bei Visé vollständig geschlagen.
Im Jahre 1330 wurde die Stadtbefestigung gebaut. 1468 wurde die Stadt belagert. 1673 diente Visé dem französischen König Ludwig XIV. als Hauptquartier, als er Maastricht belagerte.
Am Anfang des Ersten Weltkriegs wurde die Stadt 1914 von deutschen Truppen fast vollständig zerstört, 23 Einwohner starben dabei.
In Visé förderte die Kohlengrube „Charbonnage du Hasard a Cheratte“. Die denkmalgeschützten Teile der Tagesanlagen samt Malakow-Turm sind bis heute erhalten.
Kirche Collégiale Saints-Martin-et-Hadelin. Sie wurde ursprünglich von einer Tochter des Karls des Großen gestiftet, am Anfang des Ersten Weltkriegs zerstört und nach dem Jahr 1925 wiederaufgebaut.
Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Lüttich–Maastricht (L40) und wird jeweils stündlich von der S43 Lüttich–Maastricht und der S44 Waremme–Visé der S-Bahn Lüttich angefahren. Während der Hauptverkehrszeit verkehren zusätzliche P-Züge nach und von Brüssel. Nördlich des Bahnhofs von Visé kreuzt die Güterumgehungsbahn, Bahnstrecke Aachen–Tongern (L24, „Montzenroute“). Die beiden Bahnstrecken sind über eine Verbindungskurve miteinander verbunden. Die Stadt Visé verfügt darüber hinaus über einige regionale Buslinien der Gesellschaft TEC, unter anderem nach Lüttich.
Wichtigster Schifffahrtsweg ist hier nicht die Maas selbst (Schiffe bis 600 Tonnen), sondern der westlich parallel dazu gebaute Canal Albert (bis 2000 Tonnen). Die Maas ist vor Visé nur zwischen den Stauwerken Pont-Barrage de Lixhe (Maas km 127,5) und Pont Barrage de Monsin (Maas km 115) auf einer Länge von ca. 12km für jegliche Schifffahrt nutzbar.
Der 1,1 km lange Canal de Haccourt à Visé mit der SchachtschleuseÉcluse de Visé (Maas km 126,5) verbindet seit 1850 die Maas mit dem damaligen Lüttich-Maastricht-Kanal und seit 1939 mit dem Albertkanal. Mit einer Breite von 7m und einer Länge von 55m ist diese Schleuse für den Frachtverkehr heute von untergeordneter Bedeutung. Bedeutende Häfen liegen in den Stadtteilen Lixhe und Argenteau, der Hafen Port de plaisance de Visé im Canal de Haccourt à Visé dient dem Freizeitverkehr. Neben der Écluse de Visé ist der Flussabschnitt vor Visé auch über die Ecluse de l’Île de Monsin (Maas km 117,5) in Lüttich mit dem Albertkanal verbunden.