Erste Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Uman lassen sich bis 3000 v. Chr. nachweisen, durch ständige Konflikte mit einfallenden Horden dürfte eine durchgehende Besiedlung bis ins 16.Jahrhundert jedoch unwahrscheinlich gewesen sein.
Nach mehreren erfolgreichen Feldzügen des polnisch-litauischen HetmansRoman Sanguszko gegen die Tataren, wurde das mehrheitlich von Ukrainern bewohnte Gebiet ab 1566 schrittweise in den polnischen Staat eingegliedert und Teil der neu geschaffenen polnischen Woiwodschaft Bracław. Der Name der heutigen Stadt fand seine erste urkundliche Erwähnung als Umań jedoch erst 1609. Eine so bezeichnete Wüstung war dem polnischen MagnatenWalenty Kalinowski übertragen worden, der in der Folge an der Stelle eine Festung errichten ließ und polnische Siedler anwarb. 1616 wurde die rasch wachsende Siedlung im Schatten der Festung zur Stadt erhoben und war bis 1629 auf rund 6000 Einwohner angewachsen, die mehrheitlich aus Polen sowie Angehörigen der jüdisch-polnischen Minderheit bestanden.
Uman entwickelte sich ab dem 18.Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum sowohl der polnischen als auch der jüdischen Kultur. Mit knapp über 31.000 Einwohnern war sie zu jener Zeit auch die zweitgrößte Stadt in der historischen Region Podolien. Die Stadt war darüber hinaus einer der wichtigsten Schauplätze des Novemberaufstandes von 1830. Nach dessen Niederschlagung verlor die polnische, zumeist katholische, Bewohnerschaft jedoch an Bedeutung. Bis 1914 lebten nur noch 2.100 Polen in Uman, gleichzeitig wuchs der Anteil der jüdischen Einwohner durch Neuankömmlinge kontinuierlich an. So waren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges mehr als 60Prozent der Einwohner Umans Juden.[2]
Im Zweiten Weltkrieg kam es in Uman zu zahlreichen Massakern des NKWD sowie 1941 in der Nähe der Stadt zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee zur Kesselschlacht bei Uman. Diese dauerte vom 3. bis 8.August 1941, wobei beide Kriegsparteien große Verluste erlitten. Rund 100.000 sowjetische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft. Nach der Einnahme der Stadt durch die Wehrmacht wurde am nordöstlichen Stadtrand ein Feldflughafen eingerichtet. Am 28.August 1941 besuchte Hitler die Front bei Uman. Nachdem die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Uman besetzt hatten, wurden am 15.September 1941 alle Juden des Ghettos von Uman auf einem Platz versammelt. Man werde sie nach Palästina schicken, hatte man ihnen gesagt. Doch auf dem besagten Platz angekommen, brachte man sie zu einem Ort namens Suchyj Jar. Dort wurden Tausende Juden ermordet. Die genaue Zahl ist nicht bekannt.[4]
Nachdem die Rote Armee mit einem Keil schon Ende Januar 1944 fast bis zum Feldflughafen vorgedrungen war, gelang ihr in der ersten Märzwoche 1944 die Rückeroberung von Uman im Zuge der Uman-Botosaner Operation. Unverzüglich danach wurde am Stadtrand vom NKWD das Sammellager Nr.33 für Kriegsgefangene eingerichtet. Während der deutschen Besatzungszeit waren ferner über 14.000 Juden aus Uman deportiert worden.
1991 wurde Uman mit seinen damals etwa 91.000 Einwohnern Teil der unabhängigen Ukraine. Die jüdische Gemeinde der Stadt wächst seitdem wieder kontinuierlich und zieht auch Einwanderer aus Israel an, die im Tourismus tätig sind.
Im Verlauf des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde Uman durch russische Artillerie beschossen, wobei ein Fahrradfahrer ums Leben kam.[5] Bei einem russischen Raketenangriff auf einen Wohnblock im weitab der Front gelegenen Uman wurden am frühen Morgen des 28.April 2023 mindestens 23Menschen getötet.[6]
Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Uman (ukrainischУманська міська громадаUmanska miska hromada), zu dieser zählt auch das Dorf Poljanezke[7]– bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Uman (Уманська міська радаUmanska miska rada) unter Oblastverwaltung im Westen des ihn umgebenden Rajons Uman.
Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon Uman.[8]
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Uman Teil der Gemeinde:
Uman hat sich zu einer bedeutenden Pilgerstätte des Chassidismus entwickelt.
1963 erreichte der in New York lebende RabbinerGedaliah Fleer auf der Suche nach dem Grab des für die Chassiden bedeutenden Rabbiners Nachman von Bracław das damals militärisch gesperrte Uman, nachdem er im Jahr zuvor bei einem ersten Versuch kurz vor der Stadt festgenommen worden war. Dieser Erfolg sprach sich schnell herum. Danach folgten zunächst weitere illegale Reisen chassidischer Juden; in der späteren Sowjetzeit gab es einzelne Uman-Reisen, die von der offiziellen Agentur Intourist organisiert wurden.[9]
Nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickelte sich die Stadt zu einer jüdischen Pilgerstätte. Mittlerweile kommen allein an Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrstag, jährlich etwa 30.000 Pilger nach Uman.[10][11]
Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Stadt liegt auf dem Maschinenbau und der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Uman liegt an den FernstraßenM 05 (Kiew–Odessa) und M12 (Winnyzja–Kropywnyzkyj), welche sich in der Stadt kreuzen.
↑Konrad Schuller: Im neuen Schtetl. Die Juden im ukrainischen Uman wurden von Stalin deportiert, von Hitler ermordet. Das Grab des großen Rabbis verschwand unter Beton. Jetzt sind die Chassiden wieder da. Zu Tausenden kommen sie aus New York und Israel, singen und tanzen. Ihr höchstes Gebot ist echte Freude. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22. September 2013.
↑Cathrin Kahlweit: Zu Gott tanzen. Wenn die Juden Neujahr feiern, herrscht in Uman Ausnahmezustand. In: Süddeutsche Zeitung vom 26. September 2014, S. 13.
↑Міжнародні зв'язки.In:uman-rada.gov.ua.Uman,abgerufen am 8.November 2021(ukrainisch).