Der Tatra87 wurde 1937 präsentiert. Er hatte eine viertürige halbselbsttragende Karosserie mit Mittelträgerrahmen mit Y-förmigen Auslegern. Beim Vorgänger 77a war es noch eine Karosserie in Gemischtbauweise (Holzgerippe mit aufgenagelten, in Form tiefgezogenen oder getriebenen Stahlblechteilen) auf einem Plattformrahmen gewesen.[1] Seine gegenüber dem Vorgängertyp etwas veränderte Karosserieform ergibt einen Strömungswiderstandskoeffizienten () von 0,36 (1979 im VW-Klimawindkanal ermittelt und durch neuere Messungen in Großbritannien und Schweden bestätigt) und war mit einem Schiebedach ausgestattet. Der Einbau eines Autoradios war werksseitig vorbereitet (im Handbuch abgebildet ist der Telefunken-Autosuper IA-39).
Der Hubraum des Motors war bei gleichbleibender Leistung etwas reduziert worden, das Gesamtgewicht war bei etwas geringerer Baulänge um 470kg gesunken, was insbesondere auf die Verwendung leichterer Materialien zurückzuführen ist (der Motor- und Getriebeblock sowie weitere Bauteile bestehen aus Elektron, einer extrem leichten Magnesiumlegierung). Ebenso wie bei seinem Vorgänger war im Tatra87 der luftgekühlte V8-Motor im Heck eingebaut, jedoch wurde die Kühlluftzufuhr bei höherer Geschwindigkeit verbessert. Für die damals neuen Autobahnen konzipiert, erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 150 bis 160km/h, als Reisegeschwindigkeit wurden 135km/h empfohlen.
Im Jahr 1948 wurde die bisher im Art déco gestaltete Karosserie unter Beteiligung von František Kardaus modernisiert – mit in den voluminöseren vorderen Kotflügeln versenkten Scheinwerfern, modifizierten Stoßfängern und einer veränderten Innenausstattung (Instrumente in Elfenbein statt Schwarz) mit mehr Chromzierteilen am Armaturenbrett. Diese ab 1948 gebaute Version ist auch als Modell „Diplomat“ bekannt. Die neue Front ist jener des kleineren Tatra 600 ähnlich.
Von 1936 bis 1950 wurden 3.023 Fahrzeuge gebaut (eine andere Quelle nennt 3.056 Fahrzeuge),[2] davon 1.371 bis 1945, die restlichen 1.652 Stück ab 1946. Die höchste Jahresproduktion lag 1948 bei 700 Fahrzeugen.
Tatra 87 (1937–1948), Front
Tatra 87 (1937–1948), Heck
Tatra 87 (1937–1948), Dach mit serienmäßigem, hier geschlossenen Schiebedach
Zwischen 1950 und 1953 wurden einige Exemplare des Typs87 mit dem neuen OHV-Motor des 603A ausgerüstet. Diese Versuchsfahrzeuge erhielten den Namen Tatra87-603.
Hans Ledwinka, der langjährige Konstrukteur der Tatra-Wagen, fuhr als Rentner in München noch einige Jahre lang einen bei der Ringhoffer AG in Wien restaurierten Tatra 87, den ihm sein Freund Felix Wankel geschenkt hatte. Dieses Exemplar ist nun im Deutschen Museum in München ausgestellt.
Der Motor des Tatra87 wurde für verschiedene Zwecke verwendet, unter anderem für den Prototyp des Amphibienfahrzeugs SG7 (1943) von Hans Trippel und stationäre Stromerzeugungsaggregate. Auch im motorisierten Schneeschlitten TatraV855, der auf dem Typ87 basiert, wurde dieser Motor verwendet.
Antriebsart: Heckantrieb über die gelenklose Tatra-Pendelachse mit auf zwei Antriebsritzeln abwälzenden Tellerrädern
Bremssystem: hydraulisch (ATE-Lockheed)
Stoßdämpfer: Hebel (Boge) oder Teleskop (Delco Remy Direct Acting)
Vorderachse: Parallelogrammfederachse
Hinterachse: Halbelliptikfedern (cantilever) im Winkel von 45°
Lenkung: Zahnstange
Räder und Reifen
Felgen: V/H: 16″
Reifen: 6,50 × 16″
Elektrische Anlage
12-Volt-Batterie Bosch, alternativ Scintilla oder PAL
Zündkerzen: Bosch W175T1 (W7AC), Beru 175/14 (14-8 AU), Champion L85 (L87YC), alternativ NGK B5HS oder Brisk N15YC
Zündverteiler: Bosch VL8/VG8, alternativ Scintilla NBN8d oder PAL 02/9208.04 (linkslaufend)
Zündspule: Bosch TE 12/1 oder TK 12/3, Scintilla 1BX oder PAL
Lichtmaschine: Bosch RJJ 150/12/1400 L8 mit Reglerschalter SSM 23/65 Z bzw. RJJK 150/12/1400 A L19 mit Reglerschalter RS/GK 130..150/12/2, Scintilla oder PAL 150W (linkslaufend)
Anlasser: Bosch BJH 1,4/12 LS 32 oder BJH 1,4/12 L3 Z9, Scintilla 10FR 1,3HP (später 1,5HP) oder PAL
Sonstige elektrische Ausrüstung (Bosch): Horn FDE 12/3, FDE 12/4. Abblendschalter SSH 11/5 Z. Schaltkasten (Lichtschalter) SSH 59/7 Z. Winkerschalter SSH 55/8 Z. Bremslichtschalter SSH 3/5 Z. Sicherungsdose SEA 18 L 6 Z. Wischmotor WV 12 S 177 mit Zubehörgruppe DZU 522/29 Z. Breitstrahler NE 170/12 A 2. Batterie BKK 667 C 2.
Ivan Margolius & John G Henry: Tatra - The Legacy of Hans Ledwinka, Veloce, Dorchester 2015. ISBN 978-1-84584-799-9.
Ringhoffer-Tatra-Werke A.G. Werk Nesselsdorf: Vollstromlinienwagen Tatra 87, ca. 1939.
Ringhoffer-Tatra-Werke A.G. Werk Nesselsdorf: Handbuch für den Stromlinienwagen Tatra Type 87, ca. 1939.
Ringhoffer-Tatra-Werke A.G. Werk Nesselsdorf: Bestandteilverzeichnis für die Type 87. 1940.
Ringhoffer-Tatra-Werke A.G. Werk Nesselsdorf: Werbebroschüre Tatra 87. ca. 1938.
Wolfgang Schmarbeck: Tatra – Die Geschichte der Tatra-Automobile. Verlag des Internationalen Auto- und Motorrad-Museums Deutschland, Bad Oeynhausen 1977.
Karel Rosenkranz: Personenkraftwagen Tatra – 100 Jahre. GT Club – Motormedia, Prag 1998.
B.I.O.S. (British Intelligence Objectives Subcommittee) Final Report No. 922, Item No.19 Tatra Car, Type 87, V8 Aircooled Engine at Rear (15th July, 1946), London.
H. Kremser:Der Aufbau schnellaufender Verbrennungskraftmaschinen für Kraftfahrzeuge und Triebwagen. In: Hans List (Hrsg.): Die Verbrennungskraftmaschine. Band11. Springer, Wien 1942, ISBN 3-7091-5016-7, S.212–214, doi:10.1007/978-3-7091-5016-0 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).