Tainiolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt pseudohexagonale, tafelige Kristalle bis etwa 3,5cm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Er kommt aber auch in Form von schuppigen oder lamellenförmigen sowie kryptokristallinen Mineral-Aggregaten vor, die einen eher seidenähnlichen Schimmer aufweisen.
In reiner Form ist Tainiolith farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß oder grau sein und durch Fremdbeimengungen eine braune bis grünlichbraune Farbe annehmen, wobei die Farbtöne typischerweise konzentrisch zoniert sind.
Entdeckt wurde Tainiolith erstmals in den Pegmatiten auf dem Narssârssuk-Plateau nahe Igaliku in der Kommune Kujalleq an der Südspitze Grönlands. Die Erstbeschreibung erfolgte 1901 durch den schwedischen Mineralogen Gustaf Flink (1849–1931), der das Mineral nach dem altgriechischen Wort ταινίαtainia für „Binde, Band“ in Anlehnung an dessen oft tafeligen Kristallhabitus und λίθοςlithos für „Stein“ nannte.
Da der Tainiolith bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Tainiolith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[4] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Tainiolith lautet „Tai“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tainiolith die System- und Mineralnummer 71.02.02b.09. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ in der „Glimmergruppe (Biotit-Untergruppe)“ mit der Systemnummer 71.02.02b, in der auch Phlogopit, Tetraferriphlogopit, Shirozulith, Fluorophlogopit, Biotit, Annit, Fluorannit, Tetraferriannit, Siderophyllit, Eastonit, Hendricksit, Lepidolith, Polylithionit, Trilithionit, Sokolovait, Zinnwaldit, Norrishit, Masutomilith, Aspidolith, Wonesit, Preiswerkit, Ephesit und Suhailit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Tainiolith nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 50 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[11] Außer an seiner Typlokalität im Narssârssuk-Pegmatit in Kujalleq trat das Mineral in Grönland nur noch im alkalischen Werner-Bjerge-Komplex im Nordost-Grönland-Nationalpark auf.
In Deutschland fand sich Tainiolith bisher nur im Corneliaschacht (auch Grube Cornelia ) bei Hagendorf-Süd in der Oberpfalz (Bayern) und in der Grube Luise nahe Klingenthal im sächsischen Vogtlandkreis.
Gust. Flink:On the minerals from Narsarsuk on the Firth of Tunugdliarfik in Southern Greenland. In: Meddelelser om Grønland. Band24, 1901, S.115–120, 25. Tainiolite (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 21.Dezember 2025]).
Milan Rieder, Giancarlo Cavazzini, Yurii S. D’Yakonov, Viktor A. Frank-Kamenetskii, Glauco Gottardt, Stephen Guggenheim, Pavel V. Koval, Georg Müller, Ana M. R. Neiva, Edward W. Radoslovich, Jean-Louis Robert, Francesco P. Sassi, Hiroshi Takeda, Zdeněk Weiss, David R. Wones:Nomenclature of the micas. In: The Canadian Mineralogist. Band36, 1998, S.905–912 (englisch, minsocam.org[PDF; 420kB; abgerufen am 21.Dezember 2025]).
H. Toraya, S. Iwai, F. Marumo, M. Hirao:The crystal structure of taeniolite, KLiMg2Si4O10F2. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band146, Nr.1–3, 1977, S.73–83 (englisch).
Tainiolite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 21.Dezember 2025(englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Tainiolite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 82kB; abgerufen am 21.Dezember 2025]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.668 (englisch).