Ramsbeckit (IMA-Symbol Rbe[2]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Cu15(SO4)4(OH)22·6H2O[1] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltigesKupfer-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Da bei natürlichen Ramsbeckiten oft ein geringer Anteil des Kupfers durch Zink ersetzt (substituiert) ist, wird in verschiedenen Quellen auch die Mischformel (hier als Kristallchemische Strukturformel) in der Form (Cu,Zn)15[(OH)22|(SO4)4]·6H2O[4] angegeben. Zudem können auch bis zu zwei Gitterplätze der Kupfer/Zink-Anteile unbesetzt sein (Gitterfehler, Leerstelle), die mit der Formel (Cu,Zn)13☐2Zn2[(OH)22|(SO4)4]·6H2O[5] dargestellt werden.
Ramsbeckit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt flächenreiche, tafelige Kristalle mit einem leicht gerundeten rhombischen Habitus bis etwa drei Millimeter Größe[3] mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Die Kristalle sind durchsichtig bis durchscheinend und von grüner bis blaugrüner Farbe. Als idiochromatisches Mineral hat Ramsbeckit auch eine hellgrüne Strichfarbe.
Erzbergwerksmuseum Ramsbeck und Besucherbergwerk aus der Vogelperspektive
Entdeckt wurde Ramsbeckit erstmals in Mineralproben aus der ehemaligen Grube Bastenberg bei Ramsbeck in Nordrhein-Westfalen. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Renate von Hodenberg, Werner Krause, Günther Schnorrer-Köhler und H. Täuber, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten. Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1984 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1984-067[1]), die den Ramsbeckit als eigenständige Mineralart anerkannte. Publiziert wurde die Erstbeschreibung ein Jahr später im Fachmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte.
Da der Ramsbeckit erst 1984 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ramsbeckit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.DD.60 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Ramsbeckit die System- und Mineralnummer 31.04.09.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)4(XO4)Zq × x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.04.09.
Orthoserpierit (blau) mit Ramsbeckit (grün, unten links) aus der Grube Pontinha Nr. 3, Souto Maior (Sabrosa), Portugal (Sichtfeld: 2,8 mm)Ramsbeckit (blaugrüne, pulvrige Kruste) auf Matrix aus der Herzog-Julius-Hütte bei Astfeld, Niedersachsen, Deutschland
Als seltene Mineralbildung konnte Ramsbeckit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 80 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[12] Außer an seiner Typlokalität in der Grube Bastenberg trat das Mineral in Nordrhein-Westfalen noch in der ebenfalls bei Ramsbeck gelegenen Grube Alexander (Hochsauerlandkreis) sowie in verschiedenen Gruben und Zechen wie beispielsweise Brüderbund, Fürst Moritz und Wilder Mann im Kreis Siegen-Wittgenstein, den Gruben Vereinigte Glückauf bei Hefel und Castor bei Loope sowie möglicherweise in der Duisburger Kupferhütte als Schlackenfund. Weitere bekannte Fundstellen in Deutschland sind unter anderem die Grube Wilhelmine bei Sommerkahl im bayerischen Landkreis Aschaffenburg, einige Schlacken- und Haldenfunde im Landkreis Goslar in Niedersachsen, in vielen Gruben in Rheinland-Pfalz, in der Grube Christine bei Hasserode in Sachsen-Anhalt sowie in den Gruben Gelbe Birke bei Beierfeld und Gnade Gottes bei Frauenstein (Erzgebirge) in Sachsen.[13]
Das bisher einzige dokumentierte Vorkommen in der Schweiz liegt in der Region Malcantone im Kanton Tessin.[13]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, New Hampshire, Pennsylvania).[13]
R. von Hodenberg, W. Krause, G. Schnorrer-Köhler, H. Täuber:Ramsbeckite, (Cu,Zn)7(SO4)2(OH)10·5H2O, a new mineral. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1985, S.550–556 (englisch).
Frank C. Hawthorne, K. W. Bladh, E. A. J. Burke, E. S. Grew, R. H. Langley, J. Puciewicz, Andrew C. Roberts, R. A. Schedler, J. E. Shigley, D. A. Vanko:New mineral names. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.222–230 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 3.April 2025]).
H. Effenberger:Ramsbeckite, (Cu,Zn)15(OH)22(SO4)4·6(H2O): Revision of the chemical formula based on a structure determination. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1988, S.38–48 (englisch).
John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz:New mineral names. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.505, New Data. Ramsbeckite (englisch, rruff.info[PDF; 584kB; abgerufen am 3.April 2025]).
Ramsbeckite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 3.April 2025(englisch).
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Ramsbeckite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 56kB; abgerufen am 3.April 2025]).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.404 (englisch).