Jitzhar
| Jitzhar יִצְהָר | ||
|---|---|---|
| Gebiet: | Westjordanland | |
| Regionalverwaltung: | Schomron | |
| Gegründet: | 1984 | |
| Koordinaten: | 32° 10′ N, 35° 14′ O | |
| Einwohner: | 1.726 | |
Jitzhar (hebräisch: יִצְהָר, deutsch: frischgepresstes Olivenöl) ist eine israelische Siedlung im nördlichen Westjordanland. Die Siedlung wurde 1984 gegründet und gehört zur Regionalverwaltung Schomron. Sie wurde nach einem althebräisch-bilbischen Wort[1] für Olivenöl benannt.
Die internationale Gemeinschaft betrachtet Jitzhar, wie alle israelischen Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten, gemäß dem Völkerrecht als illegal. Israel bestreitet dies.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jitzhar liegt östlich der israelischen Sperranlage, rund 6 Kilometer südlich von Nablus und 7,5 Kilometer nordöstlich von Ariel. Die Siedlung liegt nahe der Landstraße 60, die das Westjordanland in Nord-Süd-Richtung durchquert, auf einem Hügel, der von einer Reihe an palästinensischen Ortschaften (Madama, Asira al-Qibliya, Urif, Einabus, Huwara und Burin) umgeben ist. Nahe der Siedlung befindet sich eine Reihe zur Siedlung gehörender Außenposten.
Israelisch-Palästinensischer Konflikt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In und um Jitzhar kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern, israelischen Siedlern und Soldaten. Die Einwohner Jitzhars werden einem besonders radikalem Teil der Siedlerbewegung zugerechnet und die Siedlung gilt als Epizentrum der sogenannten „Preisschild-Attacken“.[2] Bei solchen Attacken werden unbeteiligte palästinensische Zivilisten und ihr Eigentum (Häuser, Autos, Felder usw.) als Reaktion auf palästinensische Gewalt oder gegen die Siedlungen gerichtete Maßnahmen israelischer Behörden angegriffen.
Auch von palästinensischer Seite kam es mehrfach zu teils tödlichen Angriffen auf die Siedler:
- Am 5. August 1998 wurden zwei Siedler erschossen, als sie sich auf Patrouille nahe der Siedlung befanden.[3] Bei dem darauffolgenden Trauerzug, der von Jerusalem durch das Westjordanland führte, kündigten Siedler eine Expansion der Siedlung an. Die Ankündigung wurde von Ministerpräsident Netanjahu unterstützt.[4]
- Am 13. September 2008 drang ein Palästinenser in den Außenposten Shalhevet ein und setzte ein Gebäude in Brand. Ein 9-jähriges Kind, welches die Brandstiftung bemerkte und Hilfe holen wollte, griff der palästinensische Angreifer mit einem Messer an und verletzte es leicht. Als Reaktion auf den Vorfall stürmten Dutzende Siedler aus Jitzhar das Dorf Asira al-Qibliya, beschädigten Autos und Fensterscheiben, schossen mit scharfer Munition um sich und verletzten acht palästinensische Bewohner des Dorfes.[5] Eine Woche später wurde ein 14-jähriger Palästinenser erschossen, als er sich auf dem Weg zur Siedlung machte, um einen Molotowcocktail auf die Siedlung zu werfen. Später teilte die Polizei mit, bei dem getöteten Angreifer handele es sich um denjenigen, der bereits eine Woche zuvor für die Brandstiftung und den Messerangriff verantwortlich war.[6]
Völkerrechtlicher und administrativer Status
[Quelltext bearbeiten]Jitzhar liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.[7][8]
Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH)[9][10] stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.[11][12]
Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen.[13] Die israelische Regierung bestreitet[14] die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV[15] auf das Westjordanland[16] unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen,[17][18][19] und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.[20]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Amos Harel: „Denounce and Forget: Don't Be Too Impressed by Israel's Condemnation of Settler Violence“, Haaretz, 20. Oktober 2019
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ z. B. Deuteronomium 11,14
- ↑ Jacob Magid: Yitzhar settlement viewed as epicenter of surge in ‘price tag’ attacks. In: The Times of Israel. Abgerufen am 23. März 2019 (englisch).
- ↑ Fatal Terrorist Attacks in Israel (Sept 1993 - 1999). Abgerufen am 15. Juli 2019.
- ↑ Gunmen kill two Jewish settlers. 6. August 1998, abgerufen am 15. Juli 2019 (englisch).
- ↑ West Bank Villager: Settlers Went From House to House Firing at Random. In: Haaretz. 13. September 2008 (haaretz.com [abgerufen am 16. Juli 2019]).
- ↑ Jonathan Lis: Police: Palestinian Teen Killed in Yitzhar Saturday Had Infiltrated Before. In: Haaretz. 22. September 2008 (haaretz.com [abgerufen am 16. Juli 2019]).
- ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026. - ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
- ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
- ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
