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Nokdim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Nokdim
נוֹקְדִים
Blick auf Nokdim vom Herodium, Juli 2021
Gebiet: Westjordanland
Gemeindeart: Gemeinschaftssiedlung
Regionalverwaltung: Gusch Etzion
Gegründet: 5. Juli 1982
Koordinaten: 31° 39′ N, 35° 15′ OKoordinaten: 31° 38′ 44″ N, 35° 14′ 37″ O
Höhe: 570 m
Einwohner: 3.922 (2026)
Postleitzahl: 9091600
Nokdim (Palästinensische Autonomiegebiete)
Nokdim (Palästinensische Autonomiegebiete)
Nokdim

Nokdim (hebräisch נוקדים) ist eine israelische Siedlung im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland mit 2.764 Einwohnern (Stand: Januar 2022).[1] 2016 betrug die Einwohnerzahl 2052.[2] Die Siedlung wurde am 5. Juli 1982 als El-David (hebr. אל דוד) gegründet und liegt südlich von Betlehem in der Region Gusch Etzion in den Judäischen Hügeln in der Nähe der Siedlung Tekoa.

Nach einem Bericht der israelischen Organisation Schalom Achschaw befinden sich 31,2 % des Landes, auf dem die Siedlung errichtet wurde, in palästinensischem Privatbesitz, so dass die Siedlung nach israelischem Recht nicht hätte gebaut werden dürfen.[3]

Völkerrechtlicher und administrativer Status

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Nokdim liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.[4][5]

Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH)[6][7] stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.[8][9]

Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen.[10] Die israelische Regierung bestreitet[11] die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV[12] auf das Westjordanland[13] unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen,[14][15][16] und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.[17]

Der ursprüngliche Name El-David geht auf zwei Männer zurück, die in der jüdischen Siedlung Tekoa lebten und 1982 umkamen. Eli Pressman, ein Einwanderer aus Frankreich, fiel 1982 im Libanon-Krieg, David Rosenfeld, ein Einwanderer aus den USA, war im Juli 1982 von seinen palästinensischen Angestellten ermordet worden. Nach dem Begräbnis von David Rosenfeld stellten sechs Familien aus Tekoa ihre Zelte an diesem Ort auf und nannten ihn El-David. Im Dezember 1982 wurden die Zelte durch Wohnwagen ersetzt. Nachdem die Zahl der Siedler auf über 200 gestiegen war, erhielt der Ort 1993 den Status einer offiziellen Siedlung. Im gleichen Jahr wurden erstmals feste Behausungen gebaut und der Ort in „Nokdim“, deutsch „Schafzüchter“, umbenannt, nach dem biblischen Propheten Amos, der der Überlieferung gemäß 1,1 LUT „Schafzüchter in Tekoa war“.[18]

Avigdor Lieberman, der Vorsitzende der Partei Jisra’el Beitenu und zwischen 2009 und 2018 Außen- beziehungsweise Verteidigungsminister des Staates Israel, lebt in Nokdim.[19]

Im Juni 2010 wurden mehrere aus Russland stammende israelische Familien, die sich in der Siedlung niederlassen wollten, abgewiesen. Die Bewohner der Siedlung machten geltend, die nach dem jüdischen Religionsgesetz nicht als Juden geltenden Mitglieder der Familien könnten die Moral der jüdischen Bewohner zersetzen und deren Assimilation begünstigen. Außerdem drohte den jüdischen Kindern Beeinflussung durch Perversionen und es bestünde die Gefahr, dass die Nicht-Juden Götzen anbeten würden[20].

Einzelnachweise

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  1. ↑ POPULATION IN LOCALITIES WITH 2,000 RESIDENTS OR MORE/REGIONAL COUNCILS - PRELIMINARY ESTIMATES FOR THE END OF January 2022. In: אוכלוסייה2020 (Excel--Datei). Central Bureau of Statistics, The State of Israel, Januar 2022, abgerufen am 12. März 2022 (englisch, hebräisch).
  2. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 17. Mai 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Israelisches Zentralbüro für Statistik abgerufen am 3. Juni 2018
  3. ↑ Peace Now: Breaking the Law in the West Bank - The Private Land Report (Memento vom 13. September 2010 im Internet Archive) Settlement Watch, November 2006;
    Settlements ‘violate Israeli law’ BBC, 21. November 2006;
    Rory McCarthy: 39% of Israeli settlements ‘on private land’ The Guardian, 22. November 2006;
    Nadav Shragai: Peace Now: 40 percent of settlements' land is owned by private Palestinians Haʾaretz, 22. November 2006;
    Dror Etkes: A settlements mafia Haʾaretz, 22. November 2006;
    Nadav Shragai: Blow to settlement movement Haʾaretz, 23. November 2006 (englisch), abgerufen: 12. Juli 2010
  4. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
    Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  5. ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
  6. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  8. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  9. ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  11. ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  12. ↑ Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. In: icrc.org. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
  13. ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
  14. ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
  15. ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
  16. ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
  17. ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
  18. ↑ Wolfgang Scheel: Lexikon biblischer Ortsbenennungen im modernen Israel, 3. Auflage, Hammerbrücke 2003, ISBN 3-933750-32-6, S. 123.
  19. ↑ Martin Doerry und Christoph Schult: Wir führen einen Kulturkampf. Israels Außenminister Avigdor Lieberman, 51, über die Siedlungspolitik seines Landes, die Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm und die Ausweglosigkeit des Konflikts mit den Palästinensern Der Spiegel, 22. März 2010, abgerufen: 12. Juli 2010
  20. ↑ Chaim Levinson: Lieberman's settlement bars Russian-Israeli families from buying homes. Settlers in Nokdim, home to Russian-born FM, fear new residents not classified as Jewish by halakhic law could corrupt local morals. Haʾaretz, 11. Juli 2010 (englisch), abgerufen: 12. Juli 2010