ICE 3
| ICE 3 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nummerierung: | Baureihen 403 406 407 408 | ||||||||
| Anzahl: | BR 403: 50 gebaut, 49 in Betrieb BR 406: 17 gebaut, alle ausgemustert BR 407: 17 BR 408: 90 bestellt, 44 in Betrieb[1] | ||||||||
| Hersteller: | BR 403/406: Siemens/Bombardier BR 407/408: Siemens | ||||||||
| Plattform: | BR 407/408: Siemens Velaro | ||||||||
| Baujahr(e): | BR 403/406: 1997–2006 BR 407: 2009–2012 BR 408: ab 2021 | ||||||||
| Achsfolge: | Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’+2’2’+2’2’+Bo’Bo’+2’2’+Bo’Bo’ | ||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||
| Länge über Kupplung: | BR 403/406: 200,84 m Endwagen: 25 835 mm Mittelwagen: 24 775 mm[2] BR 407/408: 200,72 m | ||||||||
| Breite: | bis 2950 mm[3] | ||||||||
| Höhe: | BR 403/406: 3890 mm[3] BR 407/408: 4343 mm | ||||||||
| Drehzapfenabstand: | 17 375 mm[3] | ||||||||
| Leermasse: | 409 t BR 406/407: 463,257 t betriebsbereit | ||||||||
| Dienstmasse: | BR 406: 495,670 t normale Zuladung 520,040 t Maximalzuladung | ||||||||
| Radsatzfahrmasse: | BR 406: 15,64 t betriebsbereit 16,80 t normale Zuladung 17,59 t maximale Zuladung | ||||||||
| Höchstgeschwindigkeit: | BR 403/406: 330 km/h (Wechselstrom) 220 km/h (Gleichstrom) BR 407/408: 320 km/h (Wechselstrom) 200 km/h (Gleichstrom) | ||||||||
| Dauerleistung: | 8000 kW[4] 4300 kW (Gleichstrom) | ||||||||
| Leistungskennziffer: | 19,6 kW/t (BR 403) 18,4 kW/t (BR 406) 17,6 kW/t (BR 407) 17,4 kW/t (BR 408) | ||||||||
| Anfahrzugkraft: | 300 kN[3] | ||||||||
| Stromsystem: | Baureihe 403: 15 kV, 16,7 Hz~ Baureihe 406: 15 kV, 16,7 Hz~ 25 kV, 50 Hz~ 1,5 kV = 3 kV =[5] | ||||||||
| Stromübertragung: | Oberleitung | ||||||||
| Fahrmotoren: | 16 | ||||||||
| Antrieb: | achsreitende Getriebe mit Bogenzahnkupplung zwischen Gestellmotor und Ritzelwelle | ||||||||
| Bremse: | Elektromotorische Bremse, Wirbelstrombremse, Scheibenbremse, Federspeicherbremse | ||||||||
| Kupplungstyp: | Scharfenberg | ||||||||
| Zugbeeinflussung: | PZB90, LZB, ETCS
Crocodile (nur BR 406/407/408) | ||||||||
| Steuerung: | Siemens SIBAS 32[6] | ||||||||
| Sitzplätze: | 1. Kl./2. Kl./gesamt BR 403 (1. Serie): 98/331/429[7] BR 403 (2. Serie): 98/344/442[7] BR 403 Redesign: 101/349/450[7] BR 406: 93/326/419[7] BR 406 Redesign: 99/345/444[7] BR 407: 111/333/444[7] BR 408: 99/340/439[8] | ||||||||
| Fußbodenhöhe: | 1250 mm über SO | ||||||||
| Ordnungsnummer | [x9] | [x8] | [x7] | [x6] | [x5] | [x4] | [x3] | [x2] | [x1] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Baureihe 403 (8 Wagen) | 5 403.0 | 5 403.1 | 5 403.2 | 5 403.3 | 5 403.8 | – | 5 403.7 | 5 403.6 | 5 403.5 |
| Baureihe 406 (8 Wagen) | 5 406.0 | 5 406.1 | 5 406.2 | 5 406.3 | 5 406.8 | – | 5 406.7 | 5 406.6 | 5 406.5 |
| Baureihe 407 (8 Wagen) | 5 407.0 | 5 407.1 | – | 5 407.2 | 5 407.3 | 5 407.8 | 5 407.7 | 5 407.6 | 5 407.5 |
| Baureihe 408 (8 Wagen) | 5 408.0 | 5 408.1 | – | 5 408.2 | 5 408.3 | 5 408.8 | 5 408.7 | 5 408.6 | 5 408.5 |
Die Triebzüge sind achsensymmetrisch aufgebaut. Die ersten und letzten vier Wagen bilden jeweils eine Traktionseinheit:
- Wagen 1 und 8: Endwagen
- Wagen 2 und 7: Trafowagen
- Wagen 3 und 6: Stromrichterwagen
- Wagen 4 und 5: Mittelwagen
Hervorgehobene Einheiten sind angetrieben
Besonderheiten:
- Wagen 5 403.0/5 406.0/5 407.0: Endwagen der ersten Klasse mit Führerstand
- Wagen 5 403.1/5 406.1/5 407.1: Trafowagen erster Klasse, mit Stromabnehmer
- Wagen 5 403.5/5 406.5/5 407.5: Endwagen der zweiten Klasse mit Führerstand
- Wagen 5 403.6/5 406.6/5 407.6: Trafowagen zweiter Klasse, mit Stromabnehmer
- Wagen 5 403.3/5 406.3/5 407.2: Bordbistro / Bordrestaurant





Die Fahrzeugbegrenzungslinie entspricht weitgehend dem Standard des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC). Die Fahrzeuge sind damit prinzipiell in Europa freizügig einsetzbar. Die Wagenlänge der Endwagen liegt bei 25 675 mm, die der Mittelwagen bei 24 775 mm.[3] Die Wagenkastenbreite liegt mit maximal 2950 mm bis zu 23 mm über der Vorgabe des maßgebenden UIC-Merkblattes 505. Diese Maßüberschreitung wurde mit den benachbarten Bahnen vereinbart.[10] Die Großraumbereiche des Zuges sind bis zu 2,25 m hoch, die Vorräume 2,05 m.[17] Die ICE 3 der ersten Bauserie (auch ICE 3M/MF) verfügten bei Auslieferung über einen Speisewagen (Ordnungsnummer 25/35)[3] mit Bistro und Restaurant. Im Zug der Einführung eines neuen Gastronomiekonzeptes, das eine verstärkte Bedienung am Platz vorsah, wurde der Restaurantbereich durch zwölf Sitzplätze sowie einen zusätzlichen Bistrobereich mit vier Stehtischen ersetzt. Die ICE-3-Züge der zweiten Bauserie wurden bereits mit dieser Ausstattung ausgeliefert. Bei Auslieferung der ersten Serie waren noch zwei von acht Wagen für Raucher vorgesehen.[49] Seit Ende 2008 sind die Fahrzeuge reine Nichtraucherzüge.
Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ICE 3 stellen neben dem parallel entwickelten ICE T einen Technologiesprung im deutschen und europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr dar.
So sind sie die ersten europäischen Hochgeschwindigkeits-Serienzüge,
- bei denen alle Antriebskomponenten unter der Fußbodenebene auf mehrere Wagen verteilt sind (ohne Triebköpfe),
- die mit Wirbelstrombremsen und
- die mit einer „Lounge“, aus der Reisende dem Lokführer „über die Schulter“ schauen können, versehen sind.
Verteilter Antrieb
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Die wesentliche Neuerung der Züge gegenüber den Vorgängerbauarten ICE 1 (ab 1991) und ICE 2 (ab 1996), ist der verteilte Antrieb. Fast die gesamte elektrische Ausrüstung (Fahrmotoren, Traktionsstromrichter, Transformatoren u. a.) ist über die gesamte Länge des Zuges verteilt unter den Wagenböden angebracht. Auf Triebköpfe mit ihrer relativ hohen Achslast wurde verzichtet. Acht Wagen, von denen vier angetrieben sind, bilden einen betrieblich nicht trennbaren Triebzug bzw. einen ICE-3-Halbzug.
Jeder der Triebzüge besteht aus zwei Traktionseinheiten, die jeweils gleich aufgebaut und, wie unter Wagen-Reihung und -einrichtung beschrieben, zueinander achsensymmetrisch sind. Von der Mitte ausgesehen folgt in jede Richtung ein antriebsloser Mittelwagen mit je zwei Laufdrehgestellen. Dahinter folgt jeweils ein angetriebener Stromrichterwagen (SR) mit je zwei Triebdrehgestellen, von denen jedes über zwei Fahrmotoren verfügt. Ihren Namen haben die Stromrichterwagen von den ebenfalls dort untergebrachten Stromrichtern, welche sich allerdings auch in den im Folgenden erwähnten Endwagen befinden. Der in jede Richtung darauf folgende Wagen ist ein nicht angetriebener Transformatorwagen (TR) mit Stromabnehmer und Transformator (5 MW Leistung je Wagen). Die beiden Endwagen beinhalten die gleichen Traktionsbauteile wie die Stromrichterwagen sowie zusätzlich die Führerstände.[2][3] Beim Einsystem-Halbzug sind die Stromabnehmer für Wechselstrom auf den Transformatorwagen 2 und 7 angebracht. Im Mehrsystem-Halbzug sind die Stromrichterwagen 3 und 6 zusätzlich mit je einem Stromabnehmer für Gleichstrom ausgestattet.[121]
Die angetriebenen Wagen werden von je vier 500 kW starken Motoren (je 750 kg Masse) angetrieben, die eine Drehzahl von rund 4100 Umdrehungen pro Minute und eine planmäßige Laufleistung von etwa 2,3 Millionen Kilometern (bis Austausch) erreichen.[122] Bei den Triebzügen der Baureihen 403 und 406 wurden noch GTO-Umrichter eingesetzt,[123] während die Baureihen 407 und 408 mit IGBT-Umrichtern ausgerüstet sind.[124] Mit einer Antriebsleistung von 8 MW je Halbzug ergibt sich bei einer maximalen Dienstmasse von 420 Tonnen eine spezifische Leistung von 19 kW/t; diese liegt etwa doppelt so hoch wie die eines ICE 1.[3] Ein ICE 3 kann damit in 49 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen[125] und im Planbetrieb größere Steigungen bewältigen als seine Vorgängerbaureihen. Die ICE 3 waren bis zur Einführung der ICE 4 die einzigen personenbefördernden Züge, die die mit Neigungen bis 40 ‰ trassierte Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main planmäßig befahren dürfen.
Durch die Aufteilung der Antriebsleistung auf viele Achsen reduziert sich die Haftwertbeanspruchung, durch die gleichmäßigere Verteilung des Gewichts sank die maximale Achslast auf 17 Tonnen. Ersteres sorgt für eine geringere Schleuderneigung der Antriebsachsen, wodurch bei ungünstigen Traktionsverhältnissen eine bessere Beschleunigung erzielt werden kann. Durch das verringerte Gewicht sollte nicht zuletzt die Beanspruchung des Oberbaus minimiert werden. Der Vorteil der Unterflurtechnik ist in der besseren Lärmdämmung der unter den Fahrgasträumen liegenden Aggregate durch Lärmschutzwände zu sehen. Als Nachteil gilt hingegen die fehlende Möglichkeit, die Triebzüge zu trennen[2] sowie die höhere Seitenwindanfälligkeit.[126] Berechnungen in der Frühphase der Entwicklung hatten ergeben, dass bei einem Antrieb der Hälfte der Achsen ein Optimum aus Kraft auf der Schiene, Zahl der Motoren, Gewicht und zurückgewinnbarer Bremsenergie erreicht werden kann.[127] Dieses Konzept ermöglicht Fahrgästen an beiden Zugenden eine freie Sicht auf die Strecke. Von den Lounge-Plätzen kann man, nur durch eine Glasscheibe getrennt, dem Triebfahrzeugführer über die Schulter schauen. Gleichzeitig konnte die Sitzplatzzahl bei gleicher Zuglänge um etwa 15 Prozent erhöht werden.
Zur Erprobung des verteilten Antriebs wurde Ende der 1990er Jahre ein angetriebener Mittelwagen in einen als ICE D verkehrenden, regulären ICE eingereiht und der neue Versuchszug ICE S beschafft.[5]
Der Leistungsbedarf von zwei in Doppeltraktion (an)fahrenden ICE 3 wird mit bis zu 18 Megawatt angegeben.[128] Bei einer Laufleistung von durchschnittlich rund 500 000 Kilometern verbrauchte jeder ICE 3 im Jahr 2009 rund 10 Gigawattstunden Energie.[129]
Wirbelstrombremsen
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Die ICE 3 sind der ersten europäischen Serienzüge, die mit Wirbelstrombremsen ausgerüstet sind.[26] Als Betriebsbremse kommt das System nur auf den mit 300 km/h befahrbaren Schnellfahrstrecken Köln–Rhein/Main, Nürnberg–Ingolstadt sowie den Neubaustrecken der VDE 8 zum Einsatz. Für den Einsatz bei Schnellbremsungen wurden darüber hinaus weitere Strecken ertüchtigt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist dann bei den Baureihen 403 und 406 auf 250 km/h beschränkt, um eine thermische Überlastung[130] der Scheibenbremsen zu vermeiden. Neuere ICE 3 der Baureihe 407 bzw. Velaro D dürfen dagegen auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und der Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart 280 km/h fahren.
Im Zusammenspiel mit der generatorischen Bremse, deren Bremsleistung bei niedrigen Geschwindigkeiten am größten ist und bei höheren Geschwindigkeiten abnimmt, werden betrieblich erforderliche Betriebsbremsverzögerungen verschleißfrei erreicht.[131] Die maximale Leistungsaufnahme der Wirbelstrombremsen je Halbzug liegt bei rund 800 kW. Je zwei Magnete von 1290 mm Länge in jedem Laufdrehgestell erzeugen je Halbzug eine Bremskraft von bis zu 200 kN.[3]
Die Wirbelstrombremse war zunächst nur für Schnellbremsungen freigegeben und wurde als Betriebsbremse einer Betriebserprobung unterzogen. Für den uneingeschränkten Betriebseinsatz auf dafür geeigneten Strecken ist sie seit Dezember 2002 freigegeben.[132]
Knautschzonen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ICE 3 sind darüber hinaus die nach den TGV Duplex zweite Hochgeschwindigkeitszugbauart in Europa, die über integrierte „Knautschzonen“ verfügen. Im Fall einer Kollision nehmen die Kupplung und in einer weiteren Stufe gezielt verformbare Elemente an den Wagenübergängen die kinetische Energie auf.[2][3][43] Ein dreistufiges System von zylindrischen Energieabsorbern vor dem Führerraum nimmt die Aufprallenergie durch kontrollierte Stauchungen auf.
Übrige Technik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Motoren und Stromversorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die fremdbelüfteten Fahrmotoren und die Wirbelstrombremsen werden über einen gemeinsamen Gleichspannungs-Zwischenkreis versorgt. Die Motoren übertragen ihr Drehmoment über eine Bogenzahnkupplung auf die Radsatzgetriebe; der Anbau von Koppeldämpfern ist vorbereitet. Die beiden Transformatorwagen sind über eine Hochspannungs-Dachleitung miteinander verbunden, sodass mit nur einem angehobenen Stromabnehmer gefahren werden kann.[3] Umrichter im Transformatorwagen von 2 × 250 kVA Leistung speisen die beiden Zugsammelschienen der beiden Zughälften mit einer Gleichspannung von 670 V. Aus der Zugsammelschiene werden Drehrichter mit 70 kVA Leistung in den einzelnen Wagen gespeist. Einphasige 50-Hz-Verbraucher werden über 10-kVA-Wechselrichter gespeist, für die Hauptheizung stehen je Wagen 20 kVA mit 670 V zur Verfügung.[133] Fallen beide Umrichter in einer Hälfte des Zuges aus, werden die Sammelschienen zwischen benachbarten Traktionseinheiten durchgekuppelt. Wagenbeleuchtung, Tür- und Bremssteuerung, das Fahrgastinformationssystem sowie Antriebs- und Zugsteuergeräte werden aus einer 110-V-Batteriesammelschiene versorgt. Ein Batterieladegerät wandelt 670 Volt auf 110 Volt, versorgt die Sammelschiene und lädt gleichzeitig die Batterien.[3]
Drehgestelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Drehgestelle unter den Wagen (Typ SGP 500) sind eine Weiterentwicklung der Wagendrehgestelle der ICE 2. Angetriebene und nicht angetriebene Drehgestelle sind dabei gleich aufgebaut und unterscheiden sich nur durch die an ihnen angebrachten Fahrmotoren (an angetriebenen Achsen) beziehungsweise Wirbelstrombremsen (nicht angetriebene Achsen). Alle Radsätze tragen jeweils zwei (Baureihe 403) beziehungsweise drei (Baureihe 406) Bremsscheiben.[2]
Spezielle Absorber reduzieren den Radschall um fünf bis acht Dezibel.[134] Die Züge bestehen aus feuerhemmenden Materialien. Die Radsätze müssen unter Vollbrand-Bedingungen wenigstens 15 Minuten lauffähig bleiben.[135]
Bremsen
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Die Radsätze sind mit pneumatischen Hochleistungsbremsen ausgerüstet, mit zwei Radbremsscheiben an den Triebradsätzen und zwei (Baureihe 403) bzw. drei (Baureihe 406) Wellenbremsscheiben an den nicht angetriebenen Radsätzen, jeweils mit hoher Energieaufnahmefähigkeit durch hochlegierten Stahlguss gepaart mit Sintermetallbelägen. Die Fahrmotoren an angetriebenen Radsätzen fungieren als Motorbremse, Wirbelstrombremsen sind an den nicht angetriebenen Radsätzen des Zuges angebracht.[136]
Die Bremssysteme werden über einen Bremssteuerrechner gesteuert. Der Großteil der Betriebsbremsleistung wird dabei durch elektromotorische Bremsen erbracht, abschnittsweise unterstützt durch Wirbelstrombremsen; die maximale Bremsleistung der 16 Motoren liegt bei insgesamt 8,2 MW.[26] Kleine und mittlere Verzögerungen werden durch Wirbelstrom- und Motorbremsen realisiert.[136] Über Scheibenbremsen wird dabei eine Bremskraft von bis zu 300 kN hergestellt, die Wirbelstrombremsen erreichen ihre größte Bremskraft mit rund 150 kN oberhalb von 180 km/h.[125] Lediglich im niedrigen Geschwindigkeitsbereich oder bei starken Betriebs- beziehungsweise Schnellbremsungen kommen die Scheibenbremsen zum Einsatz. Triebfahrzeugführer können darüber hinaus die Scheibenbremsen bei Bedarf zuschalten.[2]

Der Vollbremsweg aus 300 km/h wird mit 2800 m, der aus 330 km/h mit 3300 Metern angegeben.[2] Die Bremsleistung der Wirbelstrombremse übersteigt im oberen Geschwindigkeitsbereich jene der elektromotorischen Bremse. Die Vollbremsverzögerung beträgt bis 160 km/h 1,1 m/s² und sinkt darüber, für anzeigegeführte Fahrten (LZB, ETCS) auf 0,6 m/s² ab. Schnellbremsungen erfolgen in zwei Stufen, mit einer Umschaltung von der niedrigeren in die höhere Stufe bei etwa 170 km/h.[136] Die im Lastenheft für die Züge geforderten Mindestbremsverzögerungen liegen zwischen 1,00 m/s² (aus 330 km/h) und 1,26 m/s² (aus 140 km/h).[137] In Bremsversuchen wurden Momentanverzögerungen zwischen rund 1,1 m/s² (über 160 km/h) und knapp 1,8 m/s² (zwischen 60 und 160 km/h) gemessen.[138]
Die Bremssand-Behälter der Züge nehmen insgesamt 440 kg Sand auf.[139]
Kupplungen
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Die selbsttätigen Scharfenbergkupplungen an den Führerstandsenden verbinden Hauptluftleitung und Hauptluftbehälterleitung sowie Steuerungs- und Informationsleitungen.[2][3] Insgesamt werden zwölf Steck- und 44 Federkontakte miteinander verbunden.[59] Zwei ICE-3-Halbzüge können zu einem Vollzug gekuppelt werden. Die Kupplung von ICE 3 mit ICE T und ICE TD ist ebenfalls grundsätzlich möglich.[2][3] Mittels einer neuen Software sollen die Züge auch mit Zügen der Baureihe 407 gekuppelt werden können.[140]
Leitsystem
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Leitsystem der Züge baut auf dem Train Communication Network auf, das von der International Electronical Commission 1995 als Normentwurf vorgelegt wurde. Die Bussysteme sind redundant ausgeführt. Als übergeordnetes System übernehmen je zwei Zentrale Steuergeräte (ZSGs) in den beiden Endwagen die Steuerung und Überwachung der beiden Traktionseinheiten. Diagnosemeldungen werden von diesen Geräten erstellt und dem Zugpersonal zugeleitet.[3] Dieses ZSG vereinigt die vormals getrennt voneinander realisierten Funktionen von AFB, Zentraler Weg- und Geschwindigkeitserfassung (ZWG), Sicherheitsfahrschaltung (Sifa), Diagnosesystem (DAVID) und der Zentraleinheit für Überwachung und Steuerung (ZEUS) in sich.[2]
Fahrgastinformationssystem und öffentliche Kommunikation
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Das Fahrgastinformationssystem wird aus einer Zentrale im Zugbegleiterabteil gesteuert. Zur Kommunikation wurde eine zugweite Lautsprecheranlage, schnurlose Telefone sowie Notsprechstellen (bei Ausfall der Zentrale) für das Zugbegleitpersonal eingerichtet. Zur optischen Kommunikation stehen Anzeigen an allen Einstiegsbereichen (innen und außen) sowie LED-Anzeigen im Deckenbereich an beiden Enden der Großraumbereiche jedes Wagens zur Verfügung.[3] Während außen bei Halten der Zuglauf eingeblendet wird, wird innen zeitweilig die aktuelle Fahrgeschwindigkeit eingeblendet, an den Großanzeigen am Wagenende darüber hinaus zwei- bis dreizeilige Werbetexte. Ein elektronisches Reservierungssystem mit LED-Displays an jedem Platz informiert über Reservierungen. Zahlreiche weitere Ideen zum Fahrgastinformationssystem, beispielsweise Video-on-Demand, Fernsehempfang, die Anbindung eines Geldautomaten sowie der Verkauf von Fahrscheinen, Eintrittskarten und dergleichen, wurden nicht realisiert.
Die öffentliche Kommunikation, zu der ein Faxgerät im Zugbegleiterabteil gehörte, wurde anfangs über das C-Netz, später über GSM-Netze abgewickelt. In jedem Zug befinden sich Wagen mit Handyverstärkern (D- und E-Netze). Der Bereich der ersten Klasse ist mit Serviceruf-Tasten ausgestattet.[3] Die in der ersten Bauserie vorhandenen Terminals zur Fahrplaninformation wurden später wieder außer Betrieb genommen.
Klimaanlagen und Toiletten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Besonderheit der ICE-3-Klimaanlagen ist der Aufbau als Kühlturbine, die nur Luft und kein gesondertes Kältemittel nutzt. Die Anwendung des seit längerer Zeit in der Luftfahrt verwendeten Verfahrens wurde ab 1991 für Eisenbahn-Klimaanlagen untersucht. Nach der Entwicklung von Labormustern ab 1992 wurden sie zuerst in ICE-1-Wagen betriebserprobt. Im Januar 1996 fiel die Entscheidung, die ICE-3-Züge mit dieser Technik auszustatten. Im Vergleich zur ICE 1-Klimaanlage mit 1,1,1,2-Tetrafluorethan (R134a) als Kältemittel konnten rund 500 kg Gewicht pro Wagen eingespart werden.[3] Ebenfalls wird dadurch das Treibhauspotenzial des zur Familie der Fluorkohlenwasserstoffe zählenden R134a vermieden.
Nach zahlreichen Ausfällen der Klimaanlagen im Sommer 2003 erwiesen sich die Wärmetauscher in Untersuchungen als zu klein sowie die Ansaug- und Ausblasöffnungen auf dem Dach als aerodynamisch ungünstig.[141] In der Folge wurden im Herbst 2003 stärkere Geräte eingebaut, die als markante eckige Kästen auf den Dächern an den Wagenenden erkennbar sind, während die ursprünglichen Klimaanlagen bündig mit dem Dach abschlossen. Bei der zweiten Bauserie wurde ein neuer, aerodynamisch gestalteter Aufbau verwendet.
Zwischen Ende 2014 und Herbst 2015 wurden auch an einem Triebzug der ersten Serie luftgestützte Klimaanlagen erprobt.[142]
Mit einem Wasserverbrauch pro Spülung von 0,4 Litern[134] (andere Quelle: 1,5 Liter[143]) gelten die Toiletten als umweltfreundlich.[134]
Instandhaltung
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Die Züge wurden nach ihrer Inbetriebnahme am ICE-Werk München beheimatet.[144] Die Instandhaltung der Züge erfolgt in den Betriebswerken Frankfurt, München und Dortmund sowie in den kleineren Werken Köln und Basel.[122] Die ICE-3M-Züge sind im Werk Frankfurt-Griesheim beheimatet. Nur dort können die Mehrsystemkomponenten des Zuges unterhalten werden. Dazu können die vier Betriebsspannungen in die Oberleitung des Werkes eingespeist werden.
Nach Angaben der Deutschen Bahn AG werden pro Jahr und Fahrzeug mehr als eine Million Euro für Instandhaltung aufgewendet.[145] Eine große Revision der Züge, notwendig nach je 1,65 Millionen Kilometern (ursprünglich 1,4 Millionen) kostet rund 1,2 Millionen Euro.[146] Sie wird im DB-Ausbesserungswerk in Krefeld ausgeführt.
2003 war eine kleine Revision (so genannte „IS 600“) nach 1,2 Millionen Kilometern notwendig, eine große Revision (so genannte „IS 700“) nach 2,4 Millionen Laufkilometern. Mit Ausnahme dieser beiden Großprogramme wurden alle übrigen Instandhaltungsarbeiten nachts durchgeführt.[42]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Krische: ICE – InterCityExpress – ICE 1 · ICE 2 · ICE 3 · ICE TD · ICE T · ICE S. GeraMond, München 2004, ISBN 3-7654-7110-0.
- Heinz Kurz: InterCityExpress. Die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Deutschland. EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-228-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Tagesaktuelle Einsatzübersicht der ICE auf bahnapp.online
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Dieter Eikhoff: Alles über den ICE. transpress-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-71277-5, S. 41–52.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Heinz Kurz: ICE 3 und ICE T – Neue Triebwagengeneration für die Deutsche Bahn. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 9/1999, S. 549–559.
- ↑ Faktenblatt: Eckdaten zur ICE-Familie. (PDF; 364 kB) Deutsche Bahn AG Kommunikation, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juli 2013; abgerufen am 28. April 2013 (zweiseitiges Dokument mit Stand 1. August 2006).
- 1 2 Ansgar Brockmeyer, Thomas Gerhard, Edzard Lübben, Manfred Reisner, Monika Bayrhof: High-speed trains: from power car to distributed traction. In: European Railway Review. Vol. 13, Nr. 3, 2007, ISSN 1351-1599, S. 67–79.
- ↑ Siemens AG Transportation Systems (Hrsg.): SIBAS 32 Das Steuerungssystem für alle Schienenfahrzeuge. (tram-bus-basel.ch [PDF]).
- 1 2 3 4 5 6 Deutsche Bahn: Fahrzeuglexikon für den Fernverkehr. Juni 2021, archiviert vom am 1. Januar 2022; abgerufen am 28. Juli 2024 (deutsch).
- ↑ Deutsche Bahn: ICE 3neo BR 408 Daten und Fakten. Dezember 2023, abgerufen am 28. Juli 2024 (deutsch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Christian Tietze: Die Premiere des ICE 3. In: Eisenbahn Magazin, Heft 12/1998, S. 20 ff, ISSN 0342-1902.
- 1 2 Peter Lankes: Die dritte Generation: Der ICE2.2. In: Eisenbahn-Kurier, Nr. 278, November 1998, ISSN 0170-5288, S. 36–41.
- 1 2 3 4 Alexander Neumeister: Das äußere Gesicht. In: DB Reise&Touristik AG, Konsortium ICE T (Hrsg.): ICE T. BR 411, 415 und 605. Hestra-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-7771-0288-1, S. 24–27.
- ↑ Die Züge mit Neigetechnik der Deutschen Bahn. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 49, Nr. 5/2000, S. 295–306.
- 1 2 3 Blick nach vorn. In: Der Spiegel. Heft 7/1995, 13. Februar 1995, ISSN 0038-7452, S. 92.
- 1 2 Michael Krische: „Ein optimaler Kompromiss“. In: BahnExtra: 20 Jahre ICE. Ausgabe 6/2004, ISBN 3-89724-175-7, S. 48–52.
- ↑ Alexander Neumeister: Das Innendesign. In: DB Reise&Touristik AG, Konsortium ICE T (Hrsg.): ICE T. BR 411, 415 und 605. Hestra-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-7771-0288-1, S. 28–32.
- 1 2 3 4 Elke Trappschuh: Schneller, weiter, schöner. In: Alex Buck (Hrsg.): Alexander Neumeister. Designermonographien 8. Verlag Form, Frankfurt am Main 1999, S. 16–51.
- 1 2 3 4 Armin Scharf: Der ICE 3 und der deutsche Pendolino. In: Hochparterre. 1997, Nr. 4, S. 36 f.
- 1 2 3 Interview mit Alex Neumeister: Je komplexer, desto besser. In: Buck (1999), S. 69–81.
- ↑ Meldung ICE T: Seit Ende Mai 1999 im Fahrplanbetrieb. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 6/1999, S. 398.
- 1 2 3 4 5 Die neuen Renner. In: ZUG, Nr. 11/1996, ohne ISSN, S. ;20–24.
- ↑ ICE auf Tauchstation. In: ZUG, Nr. 11/1995, ohne ISSN, S. 14 f.
- ↑ Volker Albus, Achim Heine: Die Bahn. Positionen der Markenkultur. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2002, ISBN 3-87584-055-0, S. 62 ff.
- ↑ Bahn bestellt für drei Milliarden DM neue Züge. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 196, 1996, ISSN 0174-4917, S. 23.
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