Humberstonit findet sich meist in Form massiger Mineral-Aggregate, bildet aber auch hexagonale, tafelige Kristalle bis etwa 0,3 Millimetern Größe aus. In reiner Form ist Humberstonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Erstmals entdeckt wurde Humberstonit auf dem Bergbaugelände „Oficina Alemania“ -25.158055555556-69.906666666667, einer Nitrat-Mine rund 60km nordöstlich von Taltal in der chilenischen Región de Antofagasta[9] und beschrieben durch George E. Ericksen, Joseph J. Fahey, Mary E. Mrose, die das Mineral zu Ehren des Chemikers James Thomas Humberstone (1850–1939) benannten. Dessen wissenschaftlichen Beiträge ermöglichten einen kostengünstigere Abbau der Nitrate aus den chilenischen Lagerstätten.
Ericksen, Fahey und Mrose sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1967 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1967-015[1]), die den Humberstonit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Mineralogen stellten ihre Neuentdeckung im gleichen Jahr zunächst bei einem Meeting der Geological Society of America vor. Die vollständige Erstbeschreibung wurde 1970 im Fachmagazin American Mineralogist publiziert.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Humberstonit lautet „Hbe“.[2]
Den Vermutungen von Ericksen, Fahey und Mrose nach könnte dasselbe Mineral bereits 1928 durch Walter Wetzel beschrieben worden sein, der es aufgrund der vermuteten Verwandtschaft mit Löweit vorläufig als Chile-Löweit bezeichnete. Den Beschreibungen von Wetzel zufolge (Habitus, Brechungsindizes, spezifische Gewicht) würden die Daten im Wesentlichen mit denen von Humberstonit übereinstimmen. Allerdings lassen sich die Untersuchungen aufgrund fehlender Beleg-Exemplare in Museumssammlungen nicht verifizieren.[10]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[5]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Humberstonit in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Art der zusätzlichen Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen bis mittelgroßen Kationen; mit NO3, CO3, B(OH)4, SiO4 oder IO3“ zu finden ist, wo es zusammen mit Klinoungemachit und Ungemachit die „Ungemachitgruppe“ mit der Systemnummer 7.DG.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Humberstonit die System- und Mineralnummer 32.02.02.01. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ (und Verwandte) und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Sulfate“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 32.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Sulfate (wasserhaltig) mit einfacher doppelanionischer Formel“ zu finden ist.
Außer an seiner Typlokalität Oficina Alemania in der Provinz Antofagasta trat das Mineral in Chile bisher nur noch in der Grube Lautaro in Morro Moreno sowie in den Gruben Maria Elena, Pedro de Valdivia und Santa Ana bei María Elena in der Provinz Tocopilla auf.
Daneben fand sich Humberstonit bisher nur noch in verschiedenen Tälern und Salzseen in den Bezirken Aksu, Aral, Qakilik (Bayingolin) und Gaochang (Turpan) im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang in China, in der Hosabes playa im Walvis Bay-Land in der namibischen Region Erongo sowie in den Gemeinden Aspe und Orihuela in der spanischen Provinz Alicante (Stand 2025).[12]
George E. Ericksen, Joseph J. Fahey, Mary E. Mrose:Humberstonite, Na7K3Mg2(SO4)6(NO3)2·6H2O: A new saline mineral from the Atacama Desert, Chile. In: Geological Society of America, Abstracts Annual Meetings. 1967, S.59 (englisch, rruff.info[PDF; 66kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.507–511 (englisch, rruff.info[PDF; 346kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
Mary E. Mrose, Joseph J. Fahey, George E. Ericksen:Mineralogical studies of the nitrate deposits of Chile. III. Humberstonite, K3Na7Mg2(SO4)6(NO3)2·6H2O, a new saline mineral. In: American Mineralogist. Band55, 1970, S.1518–1533 (englisch, rruff.info[PDF; 1000kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
Peter C. Burns, Frank C. Hawthorne:The crystal structure of humberstonite, a mixed sulfate-nitrate mineral. In: The Canadian Mineralogist. Band32, 1994, S.381–385 (englisch, rruff.info[PDF; 378kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.671.
Humberstonite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 3.Juli 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.410 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Humberstonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).
1234Humberstonite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.Juli 2025(englisch).
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Typlokalität Oficina Alemania, Taltal, Antofagasta, Chile beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. Juli 2025.
12Mary E. Mrose, Joseph J. Fahey, George E. Ericksen:Mineralogical studies of the nitrate deposits of Chile. III. Humberstonite, K3Na7Mg2(SO4)6(NO3)2·6H2O, a new saline mineral. In: American Mineralogist. Band55, 1970, S.1518–1533 (englisch, rruff.info[PDF; 1000kB; abgerufen am 3.Juli 2025]).