GT Interactive wurde 1993 als Abteilung von Good Times Home Video gegründet, einem Distributor von VHS-Cassetten im Besitz der Cayre-Familie. Im selben Jahr wurde Doom veröffentlicht, das sich durch diverse Publisher, darunter GT Interactive, 2,9 Millionen Mal verkaufte.[2] Im ersten Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 10,3 Millionen US-Dollar.[3]
1994, im zweiten Jahr der Firmenexistenz, stieg der Umsatz um 880 % und betrug bereits 101 Millionen Dollar, der Gewinn betrug 18 Millionen.[4] GT Interactives Geschäftsbeziehung mit id Software bescherte dem Unternehmen einen weiteren Verkaufshit, Doom 2: Hell on Earth, der im Oktober des Jahres veröffentlicht wurde und über zwei Millionen Mal verkauft wurde.
Im Februar 1995 erwarb GTIS die Publishingrechte für Computerspiele auf Grundlage der Werke des US-amerikanischen Kinderbuchautoren Mercer Mayer, einschließlich dessen Figur Little Critter und der Buchreihe Little Monster.[5] GT Interactive errichtete in den Supermarktketten Kmart und Walmart zudem Stände für günstige Softwarespiele.[6] Mit Walmart unterzeichnete GTIS zudem ein exklusives Softwarelieferabkommen,[7] wodurch das Unternehmen gemäß einer Aussage des UBS-Securities-Analysten Michael Wallace eine besondere Vormachtstellung erlangte: „Jeder Softwareentwickler muss mit GT verhandeln, wenn er bei Wal-Mart verkaufen möchte.“[3]
Im Dezember 1995 wurde GT Interactive unter dem Kürzel GTIS erstmals an der Technologiebörse NASDAQ gehandelt, der Börsengang brachte dem Unternehmen 140 Millionen US-Dollar und war damit der zweitgrößte Börsengang des Jahres nach Netscape Communications.[8][9][10] Insgesamt bot GT Interactive öffentlich 10 Millionen Anteilsscheine für jeweils 14 US-Dollar an.[9] Bei Börsengang veräußerte die Gründerfamilie Cayre mehr als 1,4 Millionen Anteilsscheine, 9,2 % ihres Gesamtanteils, und erhielt dafür im Gegenzug 20 Millionen US-Dollar.[9] Für das Geschäftsjahr 1995 konnte GTIS im Vergleich zum Vorjahr abermals ein starkes Umsatzwachstum von 134 % vermelden, auf insgesamt 234,4 Millionen US-Dollar. Weniger stark stieg der Umsatz, um 23 % auf 22,6 Millionen Dollar.[11]
Im Januar 1996 erhielt GT Interactive die Publishingrechte für den langerwarteten Ego-Shooter Quake von id Software.[12] Im Februar unterzeichneten GTIS und Target ein Abkommen, durch das GT Interactive US-weit zum primären Zulieferer von Verbrauchersoftware für alle 675 Target-Läden wurde.[13] Im Juni 1996 erwarb GTIS im Austausch für 2,4 Millionen Firmenanteile das Entwicklerstudio WizardWorks, das die Jagdsimulation Deer Hunter entwickelten, und für weitere eine Million Firmenanteile oder umgerechnet 17 Millionen US-Dollar FormGen, die die Publishingrechte für Duke Nukem innehielten.[10][14] Ebenfalls im Juni wurde Quake für Windows veröffentlicht. 1,8 Millionen Kopien des Spiels wurden verkauft und Quake entwickelte sich zu einem bedeutenden PC-Spieleklassiker.[15]
Im Juli 1996 wurde das Entwicklungsstudio Humongous Entertainment von GT Interactive für 3,5 Millionen Firmenanteile oder umgerechnet 76 Millionen US-Dollar erworben.[16] 1995 war Humongous Entertainments Umsatz um 233 % von drei auf zehn Millionen Dollar gestiegen.[16] Durch diesen Deal erhielt GT Interactive die Rechte an erfolgreichen Kindersoftware-Titeln wie Töff-Töff (englisch: Putt-Putt), Fritzi Fisch (englisch: Freddie the Fish) und Spy Fox. Am 17. September 1996 erwarb den 50%igen Firmenanteil des Investors Creative Programming and Technology Ventures, Inc. am Entwicklerstudio Oddworld Inhabitants und erwarb damit auch die weltweit exklusiven Veröffentlichungsrechte an dessen Erstlingswerk Oddworld: Abe’s Oddysee.[17] Im November 1996 erwarb GTIS Warner Interactive Europe für 6,3 Millionen in bar, wodurch GTIS Zugang zu den Softwaremärkten in Westeuropa erhielt.[10] Im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr konnte GTIS schließlich ein Gewinnwachstum von 11 % auf 25,1 Millionen US-Dollar vermelden. Das Umsatzwachstum war auf 56 % abgesunken, insgesamt betrug der Umsatz 365 Millionen US-Dollar. Mit dem im Vergleich zum Vorjahr um 16,8 % auf 8,5 Millionen US-Dollar zurückgegangenen Nettoertrag im vierten Quartal zeichneten sich jedoch erste Probleme ab.[11]
Im Januar 1997 erwarb GTIS One Stop, einen europäischen Publisher für Budgetspiele, für 800.000 US-Dollar in bar.[10] Im Juni unterzeichnete GTIS ein Abkommen mit dem Musiksender MTV über die Publishingrechte für Spiele zu den Zeichentrickserien Beavis and Butt-Head und Aeon Flux.[18] Im Oktober übernahm GTIS für 14,7 Millionen US-Dollar, davon 5,4 Millionen in bar und 9,3 Millionen in Form von Anteilsscheinen, den Spieleentwickler SingleTrac, der die Rechte an Spielen wie Twisted Metal und Jet Moto hielt.[19] Im September veröffentlichte das Humongous-Label Cavedog Entertainment sein erstes Spiel, Total Annihilation,[20] das sich über eine Million Mal verkaufte.[11]
Am 5. Oktober 1997 kündigte GTIS an, dass das Unternehmen einen Vertrag über den Erwerb des Entwicklers und Publishers MicroProse für 250 Millionen US-Dollar in Anteilsscheinen unterzeichnet habe. Der Vertrag war von den Board of Directors beider Unternehmen einhellig angenommen worden, der Abschluss des Deals wurde für Ende des Jahres erwartet.[21][22] Doch am 5. Dezember wurde die Übernahme abgeblasen, da nach Aussage der beiden Geschäftsführer „die Zeit einfach noch nicht richtig sei“ für diesen Deal. MicroProses Börsenwert stürzte nach Bekanntwerden dieser Information ab.[23][24]
GTISs Geschäftsergebnisse für 1997 fielen ebenfalls negativ aus, da GTIS im März sein Exklusivabkommen mit Walmart eingebüßt hatte, da die Supermarktkette beschlossen hatte, ihre Software zukünftig direkt von den Publishern zu beziehen.[25][26] GT Interactives Anteil am Markt für Unterhaltungssoftware, der in der Spitze noch 9 und 10 % betragen hatte, fiel auf den historischen Tiefststand von 6,4 %. Lediglich im Markt für Arcade- und Actionspiele blieb GT Interactive mit einem Marktanteil von 20,3 % Marktführer. Allerdings besaß GT Interactive einen hohen Verschuldungsgrad von 41 %, während der des Konkurrenten Electronic Arts lediglich 8 % betrug. 1997 betrug GTISs Kapitalrendite daher −16,14 %.[27] Über das Jahr gesehen konnte GTIS den Umsatz um 45 % auf 530 Millionen US-Dollar steigern, was eine weitere Abnahme des Umsatzwachstums bedeutete.[28] Erstmals musste GT Interactive Verlust melden, insgesamt verlor das Unternehmen über das Jahr 25 Millionen US-Dollar.[11]
Im Mai 1998 veröffentlichte GT Interactive Epic Games Ego-Shooter Unreal der in den ersten zehn Monaten über 800.000 Exemplare absetzen konnte. Dieselben Absatzzahlen konnte auch das im Oktober veröffentlichte Deer Hunter 2 verzeichnen.[11] Im November 1998 erwarb GTIS für 17,2 Millionen US-Dollar in Aktien One Zero Media, wodurch GTIS zum ersten Spielepublisher mit einer eigenen Entertainment-Website wurde.[19] Im Dezember 1998 wurden weiterhin Legend Entertainment für rund zwei Millionen US-Dollar[19] und Reflections Interactive für 2,3 Millionen Anteilsscheine oder umgerechnet 13,5 Millionen US-Dollar übernommen.[19][29] Im Oktober 1998 ließ GT Interactive in den Laemmle Theaters in Los Angeles einen Zusammenschnitt von Zwischensequenzen aus dem zweiten Spiel von Oddworld Inhabitants, Oddworld: Abe’s Exoddus, ausstrahlen. Mit diesem Film bewarben sich Entwickler und Publisher für die Oscar-Preisverleihung 1999, wurden jedoch nicht berücksichtigt.[30][31] Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 1998 vermeldete GT Interactive einen Nettogewinn von 16,7 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 246,3 Millionen.[32] Auf das Gesamtjahr gesehen hatte sich GT Interactives Umsatz um gerade einmal 10 % auf 584 Millionen US-Dollar gesteigert, dafür konnte das Unternehmen mit einem Nettogewinn von 20,3 Millionen die Rückkehr in die Gewinnzone vermelden.[32][11]