Cotunnit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt prismatische, entlang der a-Achse [100] nadelige oder tafelige Kristalle[6] bis etwa 2mm[4] Größe mit einem diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Bekannt sind auch zepterförmige oder skelettartige Kristalle sowie radialstrahlige, büschelige, körnige bis derbe Mineral-Aggregate und krustige Überzüge, die dann eher seiden- oder perlmuttähnlich schimmern. In reiner Form ist Cotunnit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine hellgrüne bis hellgelbe Farbe annehmen.
Da der Cotunnit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Cotunnit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[9] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Cotunnit lautet „Cot“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/D.08-10. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxihalogenide“, wo Cotunnit zusammen mit Brontesit, Challacolloit, Fiedlerit, Hephaistosit, Laurionit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Steropesit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/D.08 bildet.[11]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cotunnit in die erweiterte Abteilung der „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb (As, Sb, Bi) ohne Cu“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.DC.85 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 09.02.07.01. Dies entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung der „Halogenide“. Hier ist er als Namensgeber der „Cotunnitgruppe“ mit der Systemnummer 09.02.07 und den weiteren Mitgliedern Hydrophilit (diskreditiert 2006) und Coccinit innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX2“ zu finden.
Cotunnit ist namensgebend für die Cotunnit-Struktur, in der neben Blei(II)-chlorid weitere Salze wie Bariumchlorid, Calciumhydrid oder Blei(II)-bromid kristallisieren.
T. Monticelli, N. Covelli:Cotunnia (Piombo muriato). In: Prodromo della Mineralogia Vesuviana. Band1, 1825, S.47–52 (rruff.info[PDF; 204kB; abgerufen am 4.November 2025]).
Y. Z. Nozik, L. E. Fykin, L. A. Muradyan:Crystal structure of contunnite PbCl2 determined more precisely by application of the neutron diffraction method. In: Soviet Physics – Crystallography. Band21, 1976, S.38–40.
Martine Lumbreras, J. Schram, Joop Schoonman, E. J. L. Schouler:Electrical conductivity of mixed lead halides PbCl2xBr2(1−x). In: Solid State Ionics. Band28–30, Nr.2, 1988, S.1305–1309, doi:10.1016/0167-2738(88)90376-1.
Cotunnite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 27.Oktober 2022(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.179.
↑David Barthelmy:Cotunnite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 4.November 2025(englisch).
12345
Cotunnite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 70kB; abgerufen am 4.November 2025]).
12345Cotunnite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 27.Oktober 2022(englisch).
↑Marco E. Ciriotti, Lorenza Fascio, Marco Pasero:Italian Type Minerals. 1. Auflage. Edizioni Plus - Università di Pisa, Pisa 2009, ISBN 978-88-8492-592-3, S.92.
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.