Coccinit entwickelt nur millimetergroße Kristalle und pulvrige Überzüge bzw. Krusten von scharlachroter oder orangeroter bis brauner Farbe bei orangeroter Strichfarbe.
Erstmals entdeckt wurde Coccinit bei Casas Viejas in Mexiko und beschrieben 1829 von Del Rio als Iodure de Mercure (deutsch: Iodmercur[9] bzw. Iodquecksilber oder Quecksilberjodid[2]).
Seinen bis heute gültigen Namen erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm von Haidinger, der es in Anlehnung an seine Farbe nach dem lateinischen Wort coccineus für „scharlachrot“ benannte.[10]
Da der Coccinit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Coccinit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[11] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Coccinit lautet „Cci“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[12]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Coccinit in die neu definierte Abteilung „Einfache Halogenide ohne H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall zu Halogenid. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:X=1:2“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.AB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Coccinit die System- und Mineralnummer 09.02.07.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Halogenide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX2“ in der „Cotunnitgruppe“, in der auch Cotunnit und der 2006 diskreditierte Hydrophilit eingeordnet sind.
Aufgrund der extremen Seltenheit von Coccinit ist bisher wenig über die Bildungsbedingungen des Minerals bekannt. Selbst die Typlokalität Casas Viejas und bisher einziger bekannter Fundort in Mexiko gilt laut Mindat.org aktuell als nicht gesichert (Stand 2025).[14] 1997 konnte allerdings der deutsche Mineraloge Thomas Witzke durch einen Coccinitfund im ehemaligen Uran-Tagebau Lichtenberg (Thüringen, siehe auch Lagerstättenbeschreibung bei der Wismut AG) feststellen, dass Coccinit als Sublimationsprodukt beim Verbrennen von pyritischem, graptolithischem Schiefer entstehen kann. Ihm zufolge sind aber auch andere Vorkommen bekannt, bei denen teilweise keine Verbrennung stattfindet.
Außer im Tagebau Lichtenberg in Thüringen konnte das Mineral in Deutschland nur noch in den Gruben Backofen und Carolina am Moschellandsberg in Rheinland-Pfalz entdeckt werden. Der einzige weitere bekannte Fundort weltweit ist Broken Hill (New South Wales) in Australien (Stand 2025).[15]
Wilhelm Haidinger:Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S.570–572, Zweite Klasse: Geogenide. XV. Ordnung. Blenden. IV. Rubinblende. 3. Peritome. Coccinit (rruff.info[PDF; 178kB; abgerufen am 3.November 2025]).
Thomas Witzke:New data on the mercury iodide mineral coccinite, HgI2. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band11, 1997, S.505–510, doi:10.1127/njmm/1997/1997/505 (englisch).
John L. Jambor, Nikolai N. Pertsev, Andrew C. Roberts:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band83, Nr.7–8, 1998, S.907–911;hier:911, New Data. Coccinite (englisch, minsocam.org[PDF; 71kB; abgerufen am 3.November 2025]).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Coccinite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 3.November 2025(englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.152 (englisch).
123Thomas Witzke:New data on the mercury iodide mineral coccinite, HgI2. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band11, 1997, S.505–510, doi:10.1127/njmm/1997/1997/505 (englisch).
12Coccinite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.November 2025(englisch).
↑Carl Friedrich Naumann:Elemente der Mineralogie. W. Engelmann, Leipzig 1859, S.379 (Digitalisatin der Google-Buchsuche).
↑Albert Huntington Chester:A dictionary of the names of minerals including their history and etymology. New York, London 1896, S.62 (englisch, online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 3.November 2025]).