Fiedlerit entwickelt tafelige, leistenförmige Kristalle und Kombinationen bis etwa zwei Millimeter Größe mit diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form sind die Kristalle farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung können diese aber auch weiß erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.
Erstmals entdeckt wurde Fiedlerit in den alten Schlackehalden bei Lavrio in der griechischen Region Attika und beschrieben 1887 durch Gerhard vom Rath, der das Mineral nach dem sächsischen Kommissar für Bergbau Karl Gustav Fiedler (1791–1853) benannte.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/D.08-040. Dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Oxihalogenide“, wo Fiedlerit zusammen mit Brontesit, Challacolloit, Cotunnit, Hephaistosit, Laurionit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Steropesit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/D.08 bildet.[6]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Fiedlerit die System- und Mineralnummer 10.03.02.01. Das entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide mit der Formel A3(O,OH)2Xq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 10.03.02.
Als seltene Mineralbildung konnte Fiedlerit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) etwas mehr als 10 Fundorte bekannt sind.[8] An seiner TyplokalitätLavrio in Griechenland fand man das Mineral auf mehreren alten Schlackehalden wie unter anderem im Hafen von Laurion, bei St. Nikolas, Mikrolimanou, Oxygon, Panormos, Passa Limani, Sounion, Thorikos, Tourkolimanon und Vrissaki.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die Zeche Christian Levin in Essen und in Österreich kennt man Fiedlerit bisher nur aus einer Schlackenhalde bei Waitschach in Kärnten.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind Baratti in der italienischen Gemeinde Piombino, Argent in der südafrikanischen Provinz Gauteng und die Schlackenlokalität „The Gannel Smelter“ bei Crantock nahe St Agnes in der englischen Grafschaft Cornwall.[9]
Gerhard vom Rath: Einige mineralogische und geologische Mittheilungen. In: Niederrheinische Gesellschaft für Natur und Heilkunde in Bonn. Band 102 (1887), S. 149–154.
Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.370.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.176.
123Fiedlerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 70,5 kB)
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.