Chudobait entwickelt isometrische, flächenreiche Kristalle bis zu 5mm Größe, die als jüngste Bildung Konichalcit, Cuproadamin und Zinkolivenit auf- und eingewachsen sind.[3]
Als Entdecker des Chudobaits gilt Hugo Strunz, der das Mineral 1957 auf der 1000-m-Sohle der Tsumeb Mine in SW-Afrika gesammelt hatte. Entsprechende Untersuchungen führten zur Feststellung des Vorliegens eines neuen Minerals, welches kurze Zeit später, im Jahre 1960, von ihm als Chudobait beschrieben werden konnte.[3] Benannt wurde das Mineral nach dem deutschen Mineralogen und Petrologen sowie Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn Professor Karl Franz Johann Chudoba (1898–1976).[3] Chudoba war Autor des Edelsteinkundlichen Handbuches und auch Herausgeber der Ergänzungsbände II bis IV von Carl HintzesHandbuch der Mineralogie.
Chudobait gehört zu den ersten Mineralen, die während der Gründungszeit der International Mineralogical Association (IMA) und deren Kommission für neue Minerale, Mineralnamen und Klassifikation nachträglich anerkannt wurden. Das Mineral wurde einstimmig als eigenständige Mineralart anerkannt und diese 1962 in einer Sammelpublikation veröffentlicht.[13] Chudobait wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1962 s.p.“ (special procedure) geführt.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Chudobait die System- und Mineralnummer 39.02.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige saure Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige saure Phosphate etc., H2(AB)5(XO4)4 × x(H2O)“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 39.02.06, in der auch Geigerit eingeordnet ist.
Nach der ursprünglichen Analyse[3] hatte Chudobait die gemessene Zusammensetzung (Na0,74K0,19Ca0,08)Σ=1,01(Mg1,37Zn0,65Cu0,01Mn0,13)Σ=2,16H0,66[AsO4]1,99·4H2O, was zu (Na,K)(Mg,Zn)2H[AsO4]2·4H2O idealisiert wurde. Neueren Angaben[16][4] zufolge sind die Gehalte an Natrium, Kalium und Calcium wohl auf Verunreinigungen zurückzuführen, da sie in den dort angegebenen Formeln nicht mehr auftauchen. Für Chudobait wird eine vereinfachte Formel mit (Mg,Zn)5(AsO4)2(AsO3OH)2·10H2O angegeben, die Gehalte von 12,43% ZnO, 15,82% MgO, 50,13% As2O5 und 21,62% H2O erfordert.[7]
Chudobait ist das Magnesium-/Zink-dominante Analogon zum mangandominierten Geigerit.[5]
Die Kristallstruktur des Chudobaits baut sich parallel (010) (beste Spaltbarkeit!) aus Schichten auf mit vier (Mg,Zn)O6-Oktaedern, die untereinander über Kanten und mit den AsO4-Tetraedern über Ecken verbunden sind. Die Schichten werden durch ein fünftes (zentrosymmetrisches) (Mg,Zn)O6-Oktaeder und durch Kristallwassermoleküle zusammengehalten.[4] Wie in allen Mineralen der Chudobait-Gruppe sind im Chudobait die M[6]-Oktaeder mit den AsO4- und AsO3OH-Tetraedern über gemeinsame Ecken verknüpft und bilden ein dreidimensionales Gerüst.[6]
Chudobait bildet isometrische, flächenreiche Kristalle bis zu 5mm Größe, wobei die Pinakoide {100}, {010} und {001} die trachtbestimmenden Kristallformen sind. Kanten- und eckenabstumpfend treten {110}, {120}, {180}, {101}, {184} und wahrscheinlich auch {186} auf, letztere Kristallform allerdings mit stark verrundeten Kanten (vgl. dazu die nebenstehende Abbildung).[3]
Die Kristalle des Chudobaits von Tsumeb sind rosa und zeigen eine ähnliche Farbe wie die Spodumen-Varietät Kunzit.[3] Außerdem werden farblose bis weiße Kristalle beschrieben.[17][7] Die Strichfarbe wird nicht angegeben, die Pulverfarbe der rosafarbenen Kristalle dürfte jedoch weiß mit schwachem Rosastich, die der weißen Kristalle ebenfalls weiß sein. Die Oberflächen der klar durchsichtigen Kristalle weisen einen „mittleren bis guten Glanz“[3] auf, der auch als Glasglanz beschrieben wird.[8]
Das Mineral besitzt zwei verschiedene Spaltbarkeiten. Es spaltet sehr gut nach b {010} und gut nach a {100}.[3] Mit einer Mohshärte von 2,5 bis 3 gehört Chudobait zu den mittelharten Mineralen, die sich etwas leichter als Referenzmineral Calcit mit einer Kupfermünze ritzen lassen. Die gemessene Dichte des Minerals beträgt 2,94g/cm³[3], seine berechnete Dichte liegt bei 2,93g/cm³.[7] Bereits in der Originalpublikation wurde darauf verwiesen, dass Chudobait weder im lang- noch im kurzwelligen UV-Bereich fluoresziert und auch keine Pyroelektrizität oder Piezoelektrizität aufweist.[3]
Als sehr seltene Mineralbildung konnte Chudobait bisher nur von wenigen Fundorten beschrieben werden. Bisher (Stand 2016) sind erst zwei Fundpunkte bekannt.[18][19] Als Typlokalität gilt die weltberühmte Cu-Pb-Zn-Ag-Ge-Cd-Lagerstätte der „Tsumeb Mine“ (Tsumcorp Mine) in Tsumeb, Region Oshikoto, Namibia, wo Chudobait erstmals auf der 1000-m-Sohle gefunden worden ist. Er stellt die jüngste Bildung dar und fand sich auf- und eingewachsen in
gelbgrünem Konichalcit, blaugrünem Cuproadamin und dunkelolivgrünem, stark glänzendem Zinkolivenit, wobei alle Minerale makroskopisch idiomorph kristallisiert und nicht alteriert waren. Die Erzmatrix besteht aus derbem Chalkosin und Bornit.
Ein zweiter Chudobait-Fund gelang in der Tsumeb Mine erst Jahrzehnte später. Hier waren farblose, sehr flache Chudobait-Kristalle zu einem 2×2cm großen Aggregat verwachsen, welches fast vollständig in Chalkosin saß.[17]
Ein drittes Mal wurde Chudobait in Tsumeb 1993 im Zusammenhang mit dem auf der 44. Sohle gelungenen letzten großen Cuproadaminfund identifiziert. Hier wurden sowohl winzige farblose Kriställchen von ca. 1mm Größe auf Ferrilotharmeyerit als auch weiße, skelettartige Kerne in Cuproadamin als Chudobait bestimmt.[17]
Chudobait ist ein typisches Sekundärmineral und bildete sich in der zweiten (unteren) Oxidationszone der in Dolomitsteinen sitzenden hydrothermalenpolymetallischen Erzlagerstätte Tsumeb aus den sulfidischen und arsenidischen Primärerzmineralen. Die Bildung erfolgte wohl aus schwach sauren wässerigen
Lösungen bei ca. 40 °C und bei ungefähr 1000 m Wasserdruck. Das Arsenat ist durch Oxidation arsenidischer Erze, wahrscheinlich Tennantit, entstanden, das Zink dürfte aus Sphalerit hervorgegangen sein, Magnesium, Calcium und vielleicht auch Mangan aus dem dolomitischen Nebengestein, Natrium und Kalium aus den Feldspäten des Pseudoaplites.[3]
Rainer Dorner, Kurt Weber:Die Kristallstruktur von Chudobait, (Mg,Zn)5H2[AsO4]4·10H2O. In: Die Naturwissenschaften. Band63, Nr.5, 1976, S.243, doi:10.1007/BF00610915.
Chudobaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 65kB; abgerufen am 2.Juni 2019]).
Hugo Strunz:Chudobait, ein neues Mineral von Tsumeb. In: Neues Jahrbuch Mineralogie, Monatshefte. 1960, S.1–7.
123Rainer Dorner, Kurt Weber:Die Kristallstruktur von Chudobait, (Mg,Zn)5H2[AsO4]4•10H2O. In: Die Naturwissenschaften. Band63, Nr.5, 1976, S.243, doi:10.1007/BF00610915.
12Stefan Graeser, Hans Schwander, Riccardo Bianchi, Tullio Pilati, Carlo Maria Gramaccioli:Geigerite, the manganese analogue of chudobaite: Its description and crystal structure. In: American Mineralogist. Band74, 1989, S.676–684 (englisch).
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.478 (englisch).
12345678910
Chudobaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 65kB; abgerufen am 2.Juni 2019]).
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International Mineralogical Association: Commission on new minerals and mineral names. In: Mineralogical Magazine. Band33, 1962, S.260–263 (englisch, rruff.info[PDF; 168kB; abgerufen am 6.November 2023]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
↑Rainer Dorner:Die Kristallstruktur des Chudobaits, Mg(Mg,Zn)4[(H2O)8|(HOAsO3)2|(AsO4)2]·2H2O. Technische Universität, Berlin 1976 (Dissertation, Fachbereich 16 – Bergbau u. Geowissenschaften).
123Georg Gebhard:Tsumeb: A Unique Mineral Locality. 1. Auflage. GG Publishing, Grossenseifen 1999, ISBN 978-3-925322-03-7, S.258–259 (englisch).
↑Anthony R. Kampf, Barbara P. Nash, Maurizio Dini, Arturo A. Molina Donoso:Magnesiokoritnigite, Mg(AsO3OH)·H2O, from the Torrecillas mine, Iquique Province, Chile: the Mg-analogue of koritnigite. In: Mineralogical Magazine. Band77, Nr.8, 2013, S.3081–3092, doi:10.1180/minmag.2013.077.8.03 (englisch).