Biodiesel
| Biodiesel | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Biodieselprobe | |||||||
| Andere Namen |
Fettsäuremethylester (FAME), „Fettsäuren, C16–18- und C18-ungesättigt, Methylester“[1] | ||||||
| Kurzbeschreibung | Kraftstoff für selbstzündende Kolbenmotoren (Dieselkraftstoffe), Lösungsmittel | ||||||
| Herkunft |
biosynthetisch | ||||||
| CAS-Nummer | |||||||
| Eigenschaften | |||||||
| Aggregatzustand | flüssig | ||||||
| Viskosität |
7,5 mm²/s (bei 20 °C)[2] | ||||||
| Dichte |
(0,875 … 0,885) kg/L (bei 20 °C)[1] | ||||||
| Heizwert |
37 MJ/kg[3] | ||||||
| Brennwert |
40 MJ/kg[4] | ||||||
| Cetanzahl |
54–56 CZ[5] | ||||||
| Schmelzbereich | −10 °C[1] | ||||||
| Siedebereich | |||||||
| Flammpunkt |
173 °C[1] | ||||||
| Zündtemperatur | circa 250 °C[6] | ||||||
| Sicherheitshinweise | |||||||
| |||||||
| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | |||||||
| Jahr | Reinkraftstoff (in Mio. Liter) |
Gesamt[3][111][114] (in Kilotonnen) |
|---|---|---|
| 2000 | keine Angaben | 340 |
| 2001 | 163 | 450 |
| 2002 | 190 | 550 |
| 2003 | 360 | 810 |
| 2004 | 477 | 1.180 |
| 2005 | 589 | 1.970 |
| 2006 | 539 | 2.870 |
| 2007 | 2.150 | 3.320 |
| 2008 | 1.230 | 2.700 |
| 2009 | 270 | 2.430 |
| 2010 | 330 | 2.530 |
| 2011 | 110 | 2.420 |
| 2012 | 100 | 2.230 |
Der Anbau von Raps als Rohstoff für die Biodieselherstellung führte zu einer Ausdehnung der Anbauflächen, die in Deutschland zum großen Teil in den ostdeutschen Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen liegen. Gleichzeitig stieg auch die Herstellungskapazität für Biodiesel, allein zwischen 2004 und 2007 vervierfachte sich die Kapazität von 1,2 auf 4,8 Millionen Tonnen.[111] Im Jahr 2011 standen bereits 22,12 Millionen Tonnen Kapazität zur Verfügung.[115]
Im Jahr 2012 produzierten in Deutschland insgesamt 51 Hersteller Biodiesel, davon waren 31 Unternehmen in den neuen Bundesländern ansässig.[116] In der Biodieselbranche waren 2012 insgesamt 17.900 Menschen beschäftigt.[117] Aufgrund der politischen Rahmenbedingungen und der Marktlage werden die Kapazitäten jedoch vielfach nicht ausgelastet. Lag die Anlagenauslastung im Jahr 2006 noch bei etwa 81 %, so sank sie bis 2010 auf etwa 43 %.[115]
Die Europäische Union dominierte 2012 als größter Hersteller und Verbraucher den globalen Biodieselmarkt. Dies erklärt sich aus dem Marktanteil der zugelassenen Personenkraftwagen mit Dieselmotor. Er liegt in Westeuropa bei etwa 55 %, verglichen mit einem Anteil von 2,6 % in den Vereinigten Staaten.[118] Im Jahr 2010 stellten Deutschland und Frankreich die größten Mengen Biodiesel her, gefolgt von Spanien und Italien.[115] Mit dem Wegfall der steuerlichen Begünstigung und der Einführung der mengendefinierten Beimischungsquoten ergab sich für die Raffinerien der Anreiz zur Beimischung von preiswerten Importbiodiesel auf Soja- und Palmölbasis.
Bis zum Jahr 2009 stammte ein Großteil des importierten Biodiesels aus den Vereinigten Staaten. Der Grund lag in der 2004 vom Kongress der Vereinigten Staaten erlassenen Steuervergünstigung für Biodiesel. Sie ermöglichte es, Biodiesel in die Vereinigten Staaten zu importieren, mit weniger als 1 % Petrodiesel zu B99 zu mischen und nach Inanspruchnahme der Steuervergünstigung von etwa 1 USD pro Gallon dieses in die EU zu exportieren.[115] Die ab März 2009 von der EU auf B99 erhobenen Zölle beendeten diese so genannte Splash-and-Dash-Praxis (‚Splash and Dash‘ bezeichnet einen aus dem Motorsport übernommenen Begriff für einen kurzen Zwischenstopp). Seit März 2009 stieg daraufhin der Importanteil von Biodiesel aus Ländern wie Kanada und Singapur. Dabei handelte es sich um US-Biodiesel, der über diese Drittländer exportiert wurde.[119] Im Jahr 2010 exportierte Argentinien 64 bis 73 % des dort aus Sojaöl hergestellten Biodiesels in die Europäische Union. Argentinien erhebt auf landwirtschaftliche Erzeugnisse einen hohen Exportzoll, während der Zoll auf verarbeitete Produkte wie Biodiesel niedriger ist. Der Preisvorteil liegt bei etwa 140 bis 150 Euro pro Tonne Sojaölmethylester im Vergleich zu Sojaöl.[115] Indonesien exportierte im Jahr 2010 etwa 80 % der heimischen Produktion auf Basis von Palmöl in die EU, vor allem in die Niederlande, nach Italien und Spanien.[115]
| Rohstoff | Anteil |
|---|---|
| Raps | 52,9 % |
| Soja | 12,1 % |
| Altspeisefett UCO (used cooking oil) | 28,9 % |
| Palm | 1,3 % |
| tierische Fette | 2,2 % |
| andere | 2,6 % |
Das in Deutschland verwendete UCO wird hauptsächlich aus China importiert. Der Anstieg dieser Importe fällt zeitlich mit dem verstärkten Import von Palmöl durch China zusammen.[121]
| Produktion
(in Mio.t) |
Absatz
(in Mio. t) | |
|---|---|---|
| 2010 | 2,8 | 2,53 |
| 2011 | 2,8 | 2,42 |
| 2012 | 2,6 | 2,48 |
| 2013 | 2,6 | 2,19 |
| 2014 | 3 | 2,29 |
| 2015 | 3 | 2,15 |
| 2016 | 3,1 | 2,15 |
| 2017 | 3,1 | 2,2 |
| 2018 | 3,2 | 2,3 |
| 2019 | 3,4 | 2,2 |
| 2020 | 3,4 | 3,01 |
Ökologische Aspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da Biodiesel aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, ersetzt sein Gebrauch Kraftstoffe auf Erdölbasis, deren künftige Verfügbarkeit bereits mittelfristig als begrenzt angesehen wird. Zudem mindert Biodiesel als erneuerbarer Energieträger die Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung im Kraftfahrsektor, da momentan kein Alternativantrieb in ausreichender Menge und Effizienz zur Verfügung steht. Biokraftstoffe trugen 2011 mit 120 PJ zum Primärenergieverbrauch in Deutschland bei.[9] Die Senkung der Kohlenstoffdioxidemissionen war das ursprüngliche Ziel des Biodieseleinsatzes. Die Ökobilanz muss neben dem mit Treibhausgasemissionen verbundenen Fremdenergieeinsatz bei der Gewinnung von Biodiesel auch die durch Landnutzungsänderung verursachten Effekte betrachten.
Biologische Abbaubarkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Untersuchung der biologischen Abbaubarkeit von Biodiesel und dessen Blends durch die Messung der Kohlenstoffdioxidentwicklung zeigte, dass Biodiesel verschiedener Herkunft leicht biologisch abbaubar und daher bei Leckagen weniger umweltbelastend als herkömmlicher Diesel ist.[123] Letzterer ist als wassergefährdend in die Wassergefährdungsklasse 2 eingestuft, während Biodiesel als schwach wassergefährdend in die Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft wurde. Reines Pflanzenöl gilt als nicht wassergefährdend.[124] Es wurden für Biodiesel verschiedener Herkunft Abbauraten zwischen 84 und 89 % innerhalb von 24 Stunden gefunden. Die Werte sind vergleichbar mit dem Abbau von Dextrose. Reines Pflanzenöl wurde langsamer abgebaut, wobei Raten zwischen 76 und 78 % gefunden wurden. Reiner Diesel wurde zu 18 % abgebaut.[123]
Gaschromatografische Untersuchungen des Abbaus von B50 zeigten, dass sich die Abbaurate des Dieselanteils gegenüber der von reinem Diesel verdoppelte.[123] Daher wurde Biodiesel für die Reinigung ölverschmutzter Strände in Betracht gezogen. Untersuchungen zeigten, dass sich die mikrobiologischen Gemeinschaften durch den Abbau von Biodiesel und seinen Blends auf den kontaminierten Böden veränderten.[125]
Die schnelle biologische Abbaubarkeit des Biodiesels kann sich im praktischen Einsatz in Kraftfahrzeugen als Nachteil auswirken, da sie einhergeht mit einer schlechten Alterungsbeständigkeit. Nach unsachgemäßer und langer Lagerung von Biodiesel oder dessen Blends können mikrobiologischer Befall, Oxidation und Wasseranreicherung die Eigenschaften des Biodiesels verschlechtern und zu einem biologischen Teilabbau führen.[126] Dem kann durch Zufügen kleiner Mengen an Petrodiesel – schon 1 % Petrodiesel reicht aus – entgegengewirkt werden.[127]
Abgasemissionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der geringe Aromaten- und Schwefelgehalt von Biodiesel reduziert den Ausstoß von Schwefeldioxid und Partikeln. Im Vergleich zu Dieselkraftstoff wird eine Reduktion der Emissionen von Kohlenwasserstoffen, Kohlenstoffmonoxid und Feinstaub gefunden.[128] Dies wird vor allem auf den Sauerstoffgehalt von Biodiesel zurückgeführt. So wurde gefunden, dass die Emissionsrate für Kohlenwasserstoffe wie 2,2,4-Trimethylpentan, Toluol, Xylolen sowie für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe beim Einsatz von Biodiesel und Blends um bis zu 90 % reduziert wird. Die Reduktion bei sauerstoffhaltigen Komponenten wie Formaldehyd oder Acetaldehyd lag bei 23 bis 67 %, wobei die Ergebnisse nicht eindeutig sind.[129] Es wurde eine signifikante Abhängigkeit vom Anteil ungesättigter Fettsäuren im Biodiesel auf die Emissionscharakteristik festgestellt.[130] Die Emission von flüchtigen organischen Verbindungen von Blends wie B20 lag 61 % unter der von Diesel.[131]
Demgegenüber wird in den meisten Studien über erhöhte Emissionen von Stickstoffoxiden berichtet. Neben biodieselspezifischen Faktoren wie der verwendeten Rohstoffquelle hängt das Maß der Stickoxidemissionen von motortechnischen Faktoren wie Einspritzzeitpunkt, Zündverzug oder der adiabatischen Flammentemperatur ab.[132] Moderne Motoren mit optimierter Einspritztechnik oder Abgasrückführung sowie fortschrittliche Katalysatorsysteme reduzieren die Stickoxidemissionen erheblich.[128] Moderne Fahrzeuge erfüllen beim Betrieb mit Biodieselblends wie B7 die Emissionsstandards für Dieselmotoren. Verringert werden kann die Rohemission durch NOx-Speicherkatalysatoren oder selektive katalytische Reduktions-Systeme.[133]
Kuppelprodukte
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Bei der Produktion von Biodiesel aus Ölpflanzen fallen kaum Abfälle an, da alle Kuppelprodukte verwertet werden. Rapsstroh wird gehäckselt und in den Boden als organischer Dünger eingearbeitet. Es trägt zum Erhalt des Humuskörpers und damit zur Bodenfruchtbarkeit bei.[134] Die Produktion von Ölpflanzen im Mischfruchtanbau oder im Rahmen der Fruchtfolge kann die Auslaugung von Böden verhindern und den Ertrag an Lebensmitteln auf Dauer steigern, wodurch der Einsatz von Herbiziden verringert werden kann. Entsprechende Versuche wurden bereits in der Praxis durchgeführt und sind positiv verlaufen.[135] Die in Deutschland hauptsächlich verwendete Biodieselquelle Raps wird etwa alle 3 bis 4 Jahre auf demselben Feld angebaut.
Rapskuchen und Sojakuchen, die bei der Pressung mit einem Restölgehalt von etwa 10 % anfallen, werden als hochwertige Futtermittel genutzt.[136]
Das bei der Umesterung entstehende Glycerin kann in der chemischen Industrie weiterverwertet werden, etwa in der Kosmetik. Monomere wie 1,3-Propandiol, Epichlorhydrin, Acrylsäure und Propen können aus Glycerin hergestellt werden. Die Funktionalisierung von Glycerin führt zu Ethern, Acetalen, Ketalen und Estern, die als Kraftstoffadditiv für Ottokraftstoffe oder Diesel verwendet werden können.[137][138][139] Mit genetisch veränderten Escherichia-coli-Stämmen lässt sich 1,2-Propandiol aus dem bei der Biodieselherstellung anfallenden Rohglycerin herstellen.[52]
Klimawirkung
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Die Klimaneutralität von Biodiesel ist umstritten. Der Kohlenstoffdioxidbindung beim Wachstum der Pflanze müssen nicht nur die Kohlenstoffdioxidfreisetzung bei der Verbrennung gegenübergestellt werden, ebenso sind die bei Anbau, Herstellung und Nutzung anfallenden Emissionen klimarelevanter Stoffe zu berücksichtigen. Neben Kohlendioxid spielen hier vor allem die in ihrer Höhe umstrittenen Distickstoffmonoxid-Emissionen eine Rolle, die als eine bedeutende Quelle ozonschädlicher Emissionen gelten.[140] Für den Anbau von Raps wird ein Emissionsfaktor für Distickstoffmonoxid aus der Anwendung von Stickstoffdüngern mit 0,0125 kg N2O/kg pro Kilogramm aufgebrachten Stickstoffäquivalents angenommen.[141] Je nach Studie wird die Klimabilanz von Biodiesel um etwa 20 bis 86 % günstiger eingeschätzt als die von Mineralöldiesel. Die US-amerikanische Umweltbehörde, die Environmental Protection Agency (EPA), veröffentlichte 2010 eine umfangreiche Studie zur Ökobilanz von Biodiesel auf Sojaöl- und Altfettbasis, die auch durch den Ölpflanzenbau verursachte Landnutzungsänderungen betrachtete.[142] In Betracht gezogen wurden unter anderem die für die Biodieselproduktion benötigte Energie, die internationale Landnutzungsänderung, die benötigten Betriebsmittel, der Düngereinsatz, der Verbrauch mineralischer Kraftstoffe für die Distribution, die direkte Landnutzungsänderung sowie Methanemissionen. Dabei wurde eine 57%ige Reduktion der Treibhausgase gegenüber mineralischem Diesel gefunden, wobei in einem Vertrauensintervall von 95 % Werte von 22 bis 86 % ermittelt wurden. Für Biodiesel aus Altfetten wurde eine 86%ige Reduktion ermittelt.[142] Durch die Denitrifikation von stickstoffhaltigem Dünger entstehen Distickstoffmonoxid-Emissionen, die den Beitrag zum Klimaschutz beim Anbau von Ölsaaten für Biokraftstoffe vollständig zunichtemachen.[143][144]
Fremdenergiebedarf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Produktion der 1 kg Dieseläquivalent entsprechenden Menge an Biodiesel erfordert selbst erhebliche Energiemengen für die Herstellung von Methanol, Düngemitteln, Transport und den Verarbeitungsprozess.
Für die Energiemengen (Gesamtenergie), (Energiebedarf der Biodieselproduktion selbst) und (tatsächlich verfügbare Energiemenge an Biodiesel) gilt:
- ,
wobei das Verhältnis k vergleichbar ist zum Carnot-Wirkungsgrad einer Wärmepumpe.
Bei der Gewinnung, einschließlich der Weiterverarbeitung zu Biodiesel (Pflügen, Säen, Behandeln mit Pflanzenschutz, Düngen, Ernten, Verestern), muss eine Energiemenge von 25 MJ/kg aufgewendet werden. Demgegenüber hat Biodiesel einen Heizwert von 37 MJ/kg.
Das Verhältnis k (vgl. Erdöl: k etwa 10) beträgt demnach
im Gegensatz zu
- .
Bei dieser Darstellung wird nicht berücksichtigt, dass beim herkömmlichen Diesel zusätzlich chemisch gebundene Energie (Rohöl) zugeführt werden muss, die aus einem endlichen Reservoir entnommen wird. Beim Biodiesel wird im Gegenzug die Strahlungsenergie der Sonne vernachlässigt, die sowieso vorhanden und praktisch unerschöpflich ist. Unter der Annahme k = 1,48 verdreifacht sich die benötigte Anbaufläche in etwa; es werden etwa 29,8 m² Anbaufläche für 1 kg bereitgestelltes Dieseläquivalent benötigt. Ein Grund dafür, dass die Energieausbeute verhältnismäßig gering ist, liegt darin, dass nur die Ölfrüchte verwendet werden und der verbleibende Biomassenrest (Rapsstroh und Rapsschrot) nicht energetisch genutzt wird. Bei einer alternativen Form der Kraftstoffgewinnung aus Biomasse zu Sundiesel wird die gesamte Pflanze verwendet, wodurch sich der Bruttokraftstoffertrag in etwa verdoppelt.
Bei Untersuchungen des Rapsanbaus für die Biodieselerzeugung in Polen und den Niederlanden wurden für den Erntefaktor (englisch: Energy Return On Energy Invested, EROEI) Werte zwischen 1,73 und 2,36 in Polen und von 2,18 bis 2,60 in den Niederlanden gefunden.[145]
Flächenbedarf
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Das Umweltbundesamt stellte in einem Bericht vom 1. September 2006 fest:[146]
„Wegen der beschränkten Ackerflächen kann mit in Deutschland angebautem Raps maximal etwa fünf Prozent des im Verkehrssektor benötigten Dieselkraftstoffs ersetzt und ein bis vier Prozent der Treibhausgasemissionen in diesem Bereich vermieden werden. Hierzu müsste bereits die Hälfte der gesamten deutschen Ackerfläche zum Biodiesel-Rapsanbau in vierjähriger Fruchtfolge genutzt werden, was eher unrealistisch ist. Das tatsächliche Potential liegt deshalb eher in der Größenordnung von 1 bis 2 % der Dieselmenge.“
In den USA würde die Verarbeitung der gesamten Sojaernte zu Biodiesel lediglich 6 % der Nachfrage decken. Bezogen auf den Weltbedarf an dieselähnlichen Kraftstoffen könnte Palmölmethylester sowohl von der Ölergiebigkeit der Pflanze als auch von der Größe des potentiellen Anbaugebiets ein wichtiger Kraftstoff werden. Die für die Herstellung von zum Beispiel 1 kg Biodiesel erforderliche Fläche ergibt sich aus folgender Rechnung:
Pro Quadratmeter beträgt der Ertrag an Biodiesel etwa 0,12 bis 0,16 l Biodiesel pro Jahr.[147] Bei einer Dichte von 0,88 kg/l sind dies etwa 0,14 kg Biodiesel/m². Im Jahr 2015 wurden in Deutschland rund 37 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff verbraucht.[148] Diesel hat einen Heizwert, der um etwa 9 % höher als der von Biodiesel ist. Um 1 kg Dieseläquivalent bereitzustellen, wird also der Ertrag von etwa 7,8 m² Anbaufläche benötigt. Um 37 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff durch Biodiesel zu ersetzen würde, da Raps wegen Selbstunverträglichkeit nicht in den zwei bis drei Folgejahren angebaut werden kann, ca. 4 × 7,8 m²/kg × 37.000.000 t = 1.154.400 km² Ackerfläche benötigt.
Im Jahr 2006 wurden etwa 50 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland von 357.121 km² für die landwirtschaftliche Produktion genutzt, also wäre mehr als das 6 fache der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von Deutschland erforderlich, um aus Raps ausreichend Biodiesel zu gewinnen.
Schon 2006 überschritt der Bedarf an Pflanzenölen als Biodiesel und Pflanzenölkraftstoff mit 3,4 Millionen Tonnen den inländischen Anbau von Raps von 1,5 Millionen Tonnen, sodass der Rest importiert werden musste.[149]
Biodiversität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Umwandlung von natürlichen Lebensräumen durch die Bevölkerungsentwicklung und die damit verbundene Ausdehnung von Siedlungsflächen und der Versorgungsinfrastruktur ist einer der Hauptfaktoren für die Reduktion der Biodiversität. Um diesen Effekt nicht durch den Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biodiesel zu verstärken, müssen Flächen mit hoher Artenvielfalt geschützt werden.[9] Eine zentrale Forderung für die nachhaltige Produktion von Biodiesel ist der Erhalt der biologischen Vielfalt (englisch: biological diversity oder biodiversity) beim Anbau von Energiepflanzen.
Pflanzenöle für die Produktion von Biodiesel, der gemäß der Erneuerbare-Energien-Richtlinie als nachhaltig produziert gelten soll, dürfen nicht auf Flächen mit großer biologischer Vielfalt gewonnen werden. Dazu zählen alle nach dem Jahr 2008 nicht für Agrarzwecke umgewandelte Flächen wie Primärwälder, Naturschutzgebiete und Gebiete mit bedrohten oder gefährdeten Ökosystemen.[95] Die Anwendung der Regeln für Biodiversität gilt als Kriterium, um gefährdete Flächen vor einer Landnutzungsänderung zu schützen. Biodiversität gilt als Schutzgut mit globaler Wirkungstiefe und kann gemäß den Regeln der Welthandelsorganisation als verbindliche Eigenschaft von Handelsgütern gefordert werden.[9]
Dabei sind sowohl in Bezug auf die angebaute Pflanze als auch auf die geografische Lage Unterschiede in Bezug auf die Entwicklung der Biodiversität erkennbar.[150] So wurde festgestellt, dass zwischen 1990 und 2005 über 50 % der Neuölpalmenanpflanzungen in Malaysia und Indonesien in Regenwaldgebieten zu Lasten der Biodiversität erfolgte.[151] Bei der Bepflanzung von Brachflächen mit ölliefernden, xerophytischen Pflanzen wie Jatropha curcas wird erwartet, dass dies zu einer Verbesserung der Biodiversität führt.[152]
Landnutzungsänderung
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Die Mengen an Ölpflanzen aus heimischer Landwirtschaft sind für die Eigenversorgung zu gering, weshalb Importe notwendig würden, um größere Mengen Treibstoff zu ersetzen. Gegen Biodiesel wird oft vorgebracht, dass seine Herstellung Auswirkungen auf Naturlandschaften und hierbei besonders auf Regenwälder habe.
Der Begriff der Landnutzungsänderung bezieht sich auf die Nutzung einer Fläche vor dem Anbau von Energiepflanzen. Ein Beispiel für eine direkte Landnutzungsänderung ist die Umwandlung von Grasland in Ackerland für den Anbau von Raps oder Sojabohnen, eine indirekte Landnutzungsänderung ist die Umwandlung von Ackerland für den Anbau von Nahrungspflanzen in Ackerland für den Anbau von Energiepflanzen. Die Änderung der Pflanzenwelt durch Landnutzungsänderung beeinflusst das Kohlenstoffdioxidbindungsvermögen, wobei je nach Bewirtschaftung sowohl mehr Kohlenstoffdioxid gebunden als auch freigesetzt werden kann.[9][153][150]
Der Einfluss der direkten und indirekten Landnutzungsänderung auf die Ökobilanz wird uneinheitlich bewertet. Aufgrund der Auswirkungen auf die Treibhausbilanz als auch auf soziale Aspekte wird dieses Konzept jedoch in vielen Gesetzeswerken über Biokraftstoffe herangezogen. Die Ansätze zur Berechnung der Auswirkung sind komplex, mit Unsicherheiten behaftet und daher umstritten.[154][155]
Es besteht bei den meisten untersuchten Szenarien jedoch die Übereinkunft, das es von Vorteil ist, Energiepflanzen zu fördern, die geringe Landnutzungsänderungsquoten aufweisen und die Kultivierung von bereits gerodetem und brachliegenden Land zu fördern.[9] Durch Kultivierung und nachhaltige Bewirtschaftung degradierter Flächen könnte Biodiesel eine stabile Einkommensquelle schaffen. Die Größe der in Frage kommenden Flächen wird auf 500 bis 3500 Millionen Hektar geschätzt.[156]
Eine potentielle Auswirkung der Landnutzungsänderung ist die Verknappung von Lebensmitteln. Der Anbau von Ölsaaten auf bestehenden Ackerflächen oder die Verwendung von Pflanzenölen zur Herstellung von Biodiesel kann zu einer Verknappung oder Verteuerung von Lebensmitteln führen, wobei die genauen Auswirkungen umstritten sind. In einer Studie des Jahres 2011 konnten auf europäischer und nationaler Ebene keine quantitativen Versorgungsprobleme im Bereich der Nahrungs- und Futtermittelversorgung durch die Energiepflanzenproduktion nachgewiesen werden, wobei diese aber als denkbar bezeichnet wird.[157]
Beim Rapsanbau fallen nur 40 %, beim Sojabohnenanbau nur 20 % als Öl an, die restlichen 60 bis 80 % der Pflanzen werden als Raps- und Sojakuchen für die Futtermittelproduktion genutzt. Rapsextraktionsschrot und Rapskuchen werden vermehrt für die Milchviehfütterung eingesetzt, kann aber auch in der Schweine- und Geflügelmast eingesetzt werden.[158]
Die Verteuerung von Nahrungsmitteln ist ein zentrales Problem der Biodieselgewinnung, zum Teil als Agflation bezeichnet. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie legte der EU-Kommission die Verpflichtung auf, die Auswirkungen der Erzeugung von Biokraftstoffen sowohl in den Mitgliedstaaten der EU als auch in Drittländern zu bewerten.[95]
Toxikologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Studien zur Toxikologie von Biodiesel konnten keine Todesfälle und nur geringe toxische Wirkungen bei Verabreichungen von bis zu 5000 mg pro Kilogramm Körpergewicht auf Ratten und Kaninchen gefunden werden.[123]
Befürchtungen, dass die Aufnahme von Biodiesel im Körper durch Hydrolyse Methanol freisetzen und zur Schädigung von Nervenzellen durch das physiologische Abbauprodukt Ameisensäure führen könnte, wurden nicht bestätigt. Bei Verabreichung von Dosen von 5 bis 500 mg Biodiesel pro kg Körpergewicht im Tierversuch konnte auch nach Wochen kein oder nur ein minimal erhöhter Plasmaspiegel für Methanol oder Ameisensäure bei allen Versuchsgruppen gefunden werden.[159]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Philipp Dera: „Biodiesel“ – Wachstumsmarkt mit Nachhaltigkeitsgarantie? Sozioökonomische Dimensionen der Palmölproduktion in Indonesien. regiospectra, Berlin 2009, ISBN 978-3-940132-10-9.
- Gerhard Knothe, Jon Harlan Van Gerpen, Jürgen Krahl: The Biodiesel Handbook. AOCS Press, 2005, ISBN 1-893997-79-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Eintrag zu Fettsäuren, C16-18- und C18-ungesättigt, Methylester in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 15. April 2008. (JavaScript erforderlich)
- ↑ Mustafa E. Tat, Jon H. Gerpen: The kinematic viscosity of biodiesel and its blends with diesel fuel. In: Journal of the American Oil Chemists’ Society. 76, 1999, S. 1511–1513, doi:10.1007/s11746-999-0194-0.
- 1 2 3 Basisdaten Bioenergie Deutschland – August 2013. (PDF; 3,3 MB) Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. April 2014; abgerufen am 13. April 2017.
- ↑ X. Lang: Preparation and characterization of bio-diesels from various bio-oils. In: Bioresource Technology. 80, S. 53–62, doi:10.1016/S0960-8524(01)00051-7.
- ↑ Zbigniew Stepien, Kornel Dybich, Marek Przybek: Influence of RME contents in diesel fuels on Cetane number determination quality. In: Journal of KONES Powertrain and Transport. 18.3 (2011).
- 1 2 Sicherheitsdatenblatt zu Rapsölmethylester. (PDF; 94 kB) Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 8. Oktober 2007; abgerufen am 15. Mai 2013.
- ↑ nicht spezifiziert nach EN 14214.
- ↑ Agrardieselvergütung. BMEL, 14. November 2013, abgerufen am 1. Mai 2013.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Jörg Adolf, Horst Fehrenbach, Uwe Fritsche, Dorothea Liebig: Welche Rolle können Biokraftstoffe im Verkehrssektor spielen?. In: Wirtschaftsdienst. 93, 2013, S. 124–131, doi:10.1007/s10273-013-1496-2.
- ↑ Patrick Duffy: XXV. On the constitution of stearine. In: Quarterly Journal of the Chemical Society of London. 5, 1853, S. 303, doi:10.1039/QJ8530500303
- ↑ Rob. Henriques: Über partielle Verseifung von Ölen und Fetten II. In: Zeitschrift für Angewandte Chemie. 11, 1898, S. 697–702, doi:10.1002/ange.18980113003.
- 1 2 3 4 Gerhard Knothe: The History of Vegetable Oil-Based Diesel Fuels. In: Gerhard Knothe, Jon Harlan Van Gerpen, Jürgen Krahl: The Biodiesel Handbook, S. 4–16, AOCS Press, 2005, ISBN 1-893997-79-0.
- ↑ Gerhard Knothe – Historical perspectives on vegetable oil-based diesel fuels. (PDF; 40 kB) Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 15. Mai 2013; abgerufen am 6. April 2013.
- ↑ M. Köpke, S. Noack, P. Dürre: The Past, Present, and Future of Biofuels – Biobutanol as Promising Alternative. (PDF; 727 kB) In: Marco Aurelio Dos Santos Bernardes (Hrsg.) Biofuel Production-Recent Developments and Prospects. InTech, Kapitel 18, 2011, ISBN 978-953-307-478-8, S. 452.
- ↑ M. Van Den Abeele: L’huile de palme matière première pour la préparation d’un carburant lourd utilisable dans les moteurs à combustion interne (Palm Oil as Feedstock for the Manufacture of a Heavy Fuel for Diesel Engines). In: Bull Agric Congo Belge. Band 33, 1942, S. 3–90.
- ↑ G. Chavanne: Sur un mode d’utilisation possible de l’huile de palme à la fabrication d’un carburant lourd. In: Bull Soc Chim. Band 10, 1943, S. 52–58.
- ↑ SAE Technical Paper series no. 831356. SAE International Off Highway Meeting, Milwaukee, Wisconsin, USA, 1983.
- ↑ Edgar Behrendt: Pionier-Betrieb wird zur Industriebrache, In: Ostfriesenzeitung, 23. Dezember 2015.
- ↑ 2012 Minnesota Statutes – 239.77 Biodiesel Content Mandate. Abgerufen am 7. April 2013.
- 1 2 Biodiesel 2010/2011 – Sachstandsbericht und Perspektive. (PDF; 4,5 MB) Abgerufen am 7. April 2013.
- 1 2 3 4 Jon Van Gerpen, Gerhard Knothe: Basics of the Transesterification Reaction in: Gerhard Knothe, Jon Van Gerpen, Jürgen Krahl: The Biodiesel Handbook, S. 26–41, AOCS Press, 2005, ISBN 1-893997-79-0.
- ↑ Produkte aus dem ChemCoast Park. ChemCoast Park, abgerufen am 15. Oktober 2024.
- ↑ Gabriella P. A. G. Pousa, André L. F. Santos, Paulo A. Z. Suarez: History and policy of biodiesel in Brazil. In: Energy Policy. 35, 2007, S. 5393–5398, doi:10.1016/j.enpol.2007.05.010.
- ↑ Jon Van Gerpen: Biodiesel processing and production. In: Fuel Processing Technology. 86, 2005, S. 1097–1107, doi:10.1016/j.fuproc.2004.11.005.
- 1 2 Umfrage: Heimischer Biodiesel fast ausschließlich aus Rapsöl. Abgerufen am 26. April 2013.
- ↑ Markus Quirin, Sven Gärtner, Martin Pehnt, Guido Reinhardt (IFEU-Institut): CO2-Mitigation through Biofuel in the Transport Sector. Status and Perspectives. Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Heidelberg August 2003. S. 23 (Volltext; PDF; 1,9 MB).
- ↑ J.M. Dias, J.M. Aranjo, J.F. Costa, M.C.M. Alvim-Ferraz, M.F. Almeida: Biodiesel production from raw castor oil. In: Energy. 53, 2013, S. 58–66, doi:10.1016/j.energy.2013.02.018.
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