Diesel ist ein Deonym nach Rudolf Diesel, dem Erfinder des Dieselmotors. In einigen Ländern werden für den Kraftstoff an Tankstellen Begriffe wie Gazole, Gasolio verwendet, abgeleitet von Gasöl, dem zugehörigen Mitteldestillat aus der Erdölfraktionierung, Grundlage für Dieselkraftstoff und für Heizöl EL.[8] (Im amerikanischen Englisch steht Gasoline jedoch für Motorenbenzin.[9])
Biodiesel ist zwar unter Vorkehrungen auch zum Betrieb von Motoren nach dem Dieselverfahren geeignet, ist aber chemisch ein anderer Stoff.
Auf dem deutschen Markt werden derzeit mehrere Sorten auf Mineralöl basierender Dieselkraftstoffe für PKW angeboten, die alle gemäß §4 der 10.BImSchV die Anforderungen der DINEN590 erfüllen müssen:
Gerade bei den Premium-Kraftstoffen ist zu erkennen, dass Markenfirmen durch spezielle Zusätze bzw. Qualitätsverbesserung versuchen, sich von Mitanbietern abzugrenzen.
Nach Anpassung der DIN EN590 (Ausgabe Mai 2010) an die Anforderungen der EG-Richtlinie 98/70/EG ist zur Erfüllung der Biokraftstoffquote eine FAME-Zumischung von bis zu 7Vol.-% („B7-Diesel“) erlaubt. Die nationale Norm DIN 51628 (letzte Ausgabe August 2008) für B7-Diesel wurde nicht mehr benötigt und zurückgezogen.
Seit dem Jahr 2013 ist ein Dieselkraftstoff mit erhöhtem Anteil an regenerativen Komponenten entwickelt worden, der R33 genannt wird.[10] Dabei wird, zusätzlich zum Biokraftstoff, hydriertes Pflanzenöl zugemischt, so dass 33% aus nicht fossilen Quellen kommen.[11]
paraffinischer Dieselkraftstoff nach der DIN EN 15940[12]
Das Europäische Komitee für Normung (CEN) hat eine neue europäische Norm für Paraffin-Dieselkraftstoff verabschiedet: EN 15940. Diese Norm legt Anforderungen und Prüfverfahren für Paraffin-Dieselkraftstoff fest, der bis zu 7% (V/V) Fettsäuremethylester (FAME) enthält und in Dieselmotoren von Fahrzeugen verwendet werden darf. Paraffin-Dieselkraftstoffe sind flüssige Kraftstoffe, die synthetisch aus verschiedenen Rohstoffen wie Erdgas (GTL), Biomasse (BTL) oder Kohle (CTL) oder durch Hydroverarbeitung von Pflanzenölen und tierischen Fetten (HVO) gewonnen werden können. Diese Kraftstoffe sollen sauberer als herkömmliche Dieselkraftstoffe sein, die aus Erdöl gewonnen werden, und zu einer geringeren Luftverschmutzung beitragen. Ihre Verbrennung soll weniger schädliche Stickoxide und Feinstaub erzeugen, als herkömmliche Dieselkraftstoffe. Zudem enthalten sie keine weiteren Schadstoffe, was die Luftqualität weiter verbessert. Daher kann es nicht nur als 100%iger Kraftstoff verwendet, sondern auch in einem bestimmten Verhältnis mit Dieselkraftstoffen gemischt werden, um deren Eigenschaften zu verbessern und Schadstoffemissionen zu reduzieren.[13] Das Bundesumweltministerium sieht den Einsatz von paraffinischen Dieselkraftstoffen kritisch. Die Herstellung aus fossilen Kohlenwasserstoffen könne keinesfalls als nachhaltig eingestuft werden. Selbst wenn das Ausgangsmaterial pflanzlichen Ursprungs ist (Hydriertes Pflanzenöl, HVO), muss mit den Auswirkungen von Landverbrauch und Landnutzungsänderung, speziell Rodung von Wäldern oder Trockenlegung von Mooren sowie dem Verlust von Biodiversität gerechnet werden.[14]
Diesel ist ein Gemisch aus Kerosin, verschiedenen Mitteldestillatfraktionen, derzeit bis zu sieben Volumenprozent Biodiesel sowie verschiedenen Additiven (im ppm-Bereich). Kerosin und Gasöl werden großteils durch Fraktionierung von Erdöl als Mitteldestillatfraktionen gewonnen und für die Dieselherstellung entschwefelt (siehe: Hydrodesulfurierung). Daneben kommen Mitteldestillatfraktionen aus Crackanlagen zum Einsatz [z.B. Hydrocracker-Kerosin (HCU), HCU-Gasöl]. Diesel ist eine auf die erforderlichen Qualitäten zugeschnittene Mischung, ein Blend. Die zur Verfügung stehenden Komponenten können stark schwankende Qualitäten (rohölabhängig) aufweisen, so dass jede Charge ggf. mit unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (Kerosin/Leichtgasöl/Schwergasöl) hergestellt werden muss, um alle erforderlichen Spezifikationen erfüllen zu können. Weiterhin stehen die Produkte HeizölEL und Jet bzgl. (fast) aller Komponenten in direkter Konkurrenz zum Dieselkraftstoff (siehe auch: Kuppelproduktion). Unterschiedliche Bedarfsvolumina der Mitteldestillatprodukte haben deshalb einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Diesels.
Um die Kälteeigenschaften von Dieselkraftstoff zu beeinflussen, insbesondere das Ausflocken zu verhindern, muss im Winter ein erhöhter Anteil Kerosin beigemischt werden (s.u. CFPP).
Dieselkraftstoff ist wesentlich kürzer haltbar als Motorenbenzin. Luftdicht verschlossen (Kraftstofftanks sind nicht luftdicht) wird zumeist eine Lagerdauer von 6 Monaten angenommen. Hersteller garantieren gemäß EN 590 eine 90-tägige Lagerfähigkeit in Tanks und Fahrzeugen.
Um die Zündwilligkeit auf vorgegebene Spezifikationswerte anzuheben und so die Zündwilligkeit des Dieselkraftstoffes zu verbessern, kann Amylnitrat oder 2-Ethylhexylnitrat zugegeben werden. Diese Zusätze erhöhen zum Teil die Giftigkeit (Toxizität) des Kraftstoffs. Maßstab für die Zündwilligkeit ist die Cetanzahl(CZ). Je höher die Cetanzahl, desto geringer der Zündverzug, welcher die Zeitspanne zwischen Einspritzbeginn und Selbstzündung des Kraftstoffs kennzeichnet.
Der Cloudpoint sowie die Filtrierbarkeitsgrenze (engl. cold filter plugging point, CFPP) können durch entsprechende Additive reduziert werden. Speziell im Winter sind solche Additive erforderlich, damit der Dieselfilter des Fahrzeugs bei Minusgraden nicht verstopft.[15] Alternativ können auch geringe Mengen an Kerosin (CZ≈45) dem Diesel (CZ>51) (Winterdiesel) zugemischt werden, wodurch jedoch die Cetanzahl etwas absinkt.
Durch schmiereigenschaftserhöhende Zusätze (lubricity additives) kann die Schmierfähigkeit des Dieselkraftstoffes garantiert werden (s.u.). Die Schmiereigenschaft wird mit dem HFRR-Wert spezifiziert.
Neben diesen wichtigsten Additiven werden noch eine Vielzahl weiterer Additive, wie Oxidationsinhibitoren, Anti-Schaum-Mittel, Korrosionsschutzmittel, Detergentien zum Schutz vor Ablagerungen im Einspritzsystem, Leitfähigkeitsverbesserer, Aromastoffe und Biozide zugesetzt.
In Deutschland wurden 2007 circa 35,3Millionen Tonnen Dieselkraftstoff (inkl. Binnenschifffahrtsdiesel) hergestellt.[16]
Die Hauptbestandteile des Dieselkraftstoffes sind vorwiegend Alkane, Cycloalkane und aromatischeKohlenwasserstoffe mit jeweils etwa 10bis 22Kohlenstoff-Atomen pro Molekül[17] und einem Siedebereich zwischen 170°C und 390°C. Dieser Kraftstoff hatte vor 1995 einen sehr breiten Fraktionierbereich, weshalb die vergleichsweise vielen schweren Anteile zum Rußen des Motors führen konnten. Die verschärften Spezifikationen (Dichte, 95-%-Punkt, s.u.) haben dieses Risiko jedoch reduziert.
Weitere Eigenschaften werden durch die Spezifikationen bestimmt.
Andere Inhaltsstoffe und Eigenschaften werden durch die Europäische Norm EN590 geregelt. Die Norm wurde in Deutschland als DIN-Norm veröffentlicht und hat hier als DIN EN590 die früher gültigen DIN51601 und DIN51628 abgelöst. Weiterhin setzen viele Markenfirmen zusätzliche interne Spezifikationen[2] bzw. verschärfen die Spezifikationen bzgl. der Norm.
Nach §13 der 10.BImSchV ist die Qualität von Kraftstoffen an den Zapfsäulen sowie an der Tankstelle deutlich sichtbar zu machen. In Deutschland findet man deshalb an allen Diesel-Zapfsäulen die in der 10.BImSchV (Anlage3) geforderten runden Aufkleber mit dem Text Dieselkraftstoff schwefelfrei.
B7 Diesel ist konventioneller Diesel, dem sieben Prozent Biodiesel beigemischt werden darf. B10 Diesel darf 10 Prozent Biodiesel beigemischt werden. Vor Betankung mit B10 sollten Autofahrer überprüfen, ob ihre Fahrzeuge eine Freigabe des Herstellers für die Kraftstoffe haben, warnt das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV).[18] Dieselkraftstoff ohne Bioanteile entspricht der EN 590.
Das Tankstellensymbol XTL steht für Dieselkraftstoff, der synthetisch aus einer beliebigen Quelle erzeugt worden ist. Die Buchstaben TL sind dabei das Kürzel für to liquid und X ist der Platzhalter für ein beliebiges Ausgangsmaterial. XTL-Diesel wird mittels Fischer-Tropsch-Verfahren aus Kohle, Erdöl, Erdgas oder Biomasse hergestellt.[19] Sofern der Kraftstoff ausschließlich aus Pflanzenöl hergestellt wird, darf er sich auch HVO (Hydrogenated Vegetable Oil), in reiner Form HVO100 nennen. In der 10. BImSchV §4(3) wird das alles als paraffinischer Dieselkraftstoff bezeichnet und unterliegt der DIN EN 15940.[12]
Alle Fahrzeughalter, die keinen Nachweis über die Verträglichkeit von XTL haben, sollten ausschließlich die bisherige Dieselsorte „Diesel B7“ tanken. Der Energiebedarf kann nicht mit Anbau von Pflanzen gedeckt werden und der Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung wird in der Gesamtschau eher kritisch bewertet, da die Flächen nicht für die Nahrungsproduktion eingesetzt werden können und Naturflächen, etwa Regenwälder, der Produktion zum Opfer fallen. Zudem könnten Erzeuger dazu neigen, deutlich mehr Pestizide und Düngemittel zu verwenden. Altspeiseöle kommen als Ausgangsbasis zwar auch in Frage, werden aber bereits heute vollständig als Beimischung eingesetzt.[20]
Der Dieselkraftstoff in den USA hat im Vergleich mit europäischen Standards eine geringere Cetanzahl und kannte bis 2006 keine verpflichtende Reduktion des Schwefelanteils. Seit 1.Juni 2006 müssen die Raffinerien zu 80% schwefelarmen Diesel produzieren und seit dem 15. Oktober 2006 darf nur noch dieser für den Gebrauch im Straßenverkehr verwendet werden. Der sogenannte ultra-low sulfur diesel (kurz ULSD; englisch für ultra-schwefelarmer Diesel) setzt die neue Höchstgrenze auf 15ppm fest – vorher waren 500ppm in den USA erlaubt. Übergangsregelungen existierten für andere Verwendungen, etwa Schiffsdiesel in der Seefahrt, die jedoch in mehreren Schritten bis zum 1.Juni 2010 ausgelaufen sind. Ein unmittelbarer Übergang konnte nicht erfolgen, da schwefelarmer Diesel geringere Schmiereigenschaften hat, die durch synthetische Additive oder die Beimengung von Biodiesel angeglichen werden müssen. Kalifornien meldet einen Anteil von 50% Dieselkraftstoff aus erneuerbaren Quellen im Jahr 2023.[21]
Inhaltsstoffe und Eigenschaften für Marinedieselöl werden durch die Norm ISO8217 geregelt; Diesel für die deutsche Binnenschifffahrt durch §4 der 10.BImSchV. Es handelt sich dabei um einen dichteren Diesel als den für Kraftfahrzeuge. Er kommt beispielsweise in kleineren Schiffsdieselmotoren zum Einsatz.
Größere Schiffsdiesel laufen jedoch meist mit Schiffstreibstoff, einem Gemisch aus Schweröl und Diesel. Abgasreinigung ist technisch mit Katalysatoren und Partikelfiltern machbar; für ältere Schiffe, die die Mehrheit ausmachen, jedoch aufwändig, teuer und noch nicht vorgeschrieben. Die Grenzwerte für Stickoxide werden oft überschritten, zudem werden Schwefeloxide und Feinstaub freigesetzt.[22]
Weitgehend klimaneutraler Diesel kann auch als Alternativer Kraftstoff als e-Fuel aus mit Hilfe regenerativer Energien gewonnenem Wasserstoff produziert werden. Insbesondere für die Deckung des Energiebedarfs für die Schifffahrt stellt dies eine denkbare Option dar. Energetisch sinnvoll ist dies aufgrund des hohen Energiebedarfs nur im Falle eines großen Energieüberschusses.[23]
Um Emissionen wie Ruß, Stickoxide und andere zu reduzieren, werden gerade stationäre Dieselmotoren mit sog. Emulsionskraftstoffen betrieben. Dabei werden dem Dieselkraftstoff Wasser und ein Emulgator beigemischt. Dadurch erreicht man eine bessere Verteilung des Kraftstoffes im Brennraum, was zur Emissionsreduzierung beiträgt. In der Praxis werden durch derartige Verfahren teure Rußfilter eingespart.
In Deutschland wurden 2015 circa 36,75Millionen Tonnen Dieselkraftstoff (inkl. Binnenschifffahrtsdiesel)[16] verbraucht. Im Jahr 2019 waren es 37,8 Mio. t[24], davon stammten 15,9 Mio. t aus dem Import, 6,5 Mio. t wurden exportiert. Der Verbrauch von Ottokraftstoff und Heizöl liegt bei jeweils ungefähr der Hälfte, Kerosin weniger als ein Drittel.
Deutschland verbraucht deutlich mehr Diesel, als im hierzulande raffinierten Erdöl enthalten ist, und exportiert überschüssiges Benzin. Dies ist eine Folge der ungleichen Besteuerung, die seit Mitte der 1990er Jahre den Ottokraftstoff mit ca. 20 Cent benachteiligt.
Statt spezifikationsgerechtem Dieselkraftstoff funktioniert auch HeizölEL in Dieselmotoren. Die Risiken und rechtlichen Konsequenzen sind unter Heizöl EL beschrieben.
Die Abgase von Verbrennungsmotoren enthalten unter anderem Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2) und Stickoxide (NO und NO2). Bei Dieselmotoren werden zusätzlich Dieselrußpartikel freigesetzt.[25] Die Zusammensetzung der Abgase ist auch abhängig von Motortyp, Kraftstoff und Betriebsweise (Lastzustand, Wartungszustand, Fahrverhalten u.a.). Bei Verwendung von Abgasnachbehandlungssystemen können weitere Emissionen auftreten wie z.B. Kohlenwasserstoffe, Ammoniak, Distickstoffmonoxid.[26]
Die Gefährdung geht bei Dieselmotoren im Wesentlichen von den krebserzeugenden Dieselrußpartikeln aus. Seit 1988 gelten die Abgase aus Dieselmotoren als „potenziell krebserregend“. Nach Untersuchungen der International Agency for Research on Cancer(IARC) änderte die Weltgesundheitsorganisation(WHO) diese Bewertung im Juni 2012 auf „krebserregend“; damit kamen Dieselabgase in die Gruppe1 der Gefahrstoffe. Die WHO ließ die Bewertung für Motorenbenzin damals unverändert („möglicherweise krebserregend“, Gruppe2B der Gefahrstoffe).[27]
Dieselkraftstoff wird an Rohstoffbörsen gehandelt, zum Beispiel an der Intercontinental Exchange (ICE) in Rotterdam und an der Börse Frankfurt[28].
Der Diesel wird in US-Dollar pro Tonne (US-$/t) gehandelt.
Der Handel verwendet als Referenzdichte 0,845kg/dm³ (wie bei HeizölEL). 1 Tonne Diesel hat dann ein Volumen von 1.183,4 Liter.
Der Diesel-Großhandelspreis, die Transportkosten und Gewinnspannen des Handels beeinflussen den Dieselpreis für Endverbraucher.
Preise für Diesel in deutschsprachigen Gebieten und den umliegenden Ländern (Juni 2011 nach Erhebung des ADAC,[29] 2012 bis 2024 nach Erhebung des Touring Club Schweiz)[30] pro Liter in Euro:
Preis 2008 bis 2024 für Dieselkraftstoff in Euro pro Liter im deutschsprachigen Raum und umliegenden Ländern
1 Preise in LiechtensteinLiechtenstein orientieren sich an der Schweiz
In Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 lagen Preise für Kraftstoffe in jenem Jahr höher als sonst. In Ländern, in denen Diesel in der Regel günstiger ist, überstieg der Preis des Dieselkraftstoffs den von Benzin bisweilen.
Superbenzin wird 22 Cent pro Liter (18 Cent/l netto plus Umsatzsteuer ca. 4 Cent) höher besteuert als Diesel, obwohl Superbenzin eine etwas geringere Dichte als Diesel hat. Ein Liter Superbenzin ist etwas leichter als ein Liter Diesel und enthält deshalb weniger Energie.
Mit dem Produktpreis und dem Deckungsbeitrag (in dem der Erdölbevorratungsbetrag enthalten ist) sowie der Energiesteuer (früher „Mineralölsteuer“) wird ein „neuer“ Nettopreis ermittelt, auf den dann die Umsatzsteuer von 19% erhoben wird.
Zusammensetzung des Kraftstoffpreises im Juni 2012[32]
Super ct/L
%
Diesel ct/L
%
Deutschland
Produktpreis
054,90
057,20
Notierung Rotterdam und Raffineriekosten
Deckungsbeitrag
+
014,59
015,63
Transport, Lagerhaltung, Vertrieb, Verwaltung, Beimischung, … enthält Erdölbevorratungsbetrag von 0,27(S) bzw. 0,35 ct/L(D)[33]
Nettopreis
=
069,49
072,83
Nettopreis der Mineralölgesellschaft
Mineralölsteuer
+
065,45
047,04
Energiesteuer, pro Sorte fester Wert je Liter; enthält jeweils 15,4ct/L Ökosteuer. Diesel enthält über die höhere Dichte etwa 4% mehr Heizwert je Volumen, der Energiesteuersatz auf Diesel ist jedoch um 18,41ct/L geringer als der auf Benzin.[34]
vor Umsatzsteuer
=
134,94
119,87
Nettopreis entspr. Energiesteuergesetz
Umsatzsteuer
+
025,64
022,77
19%
Verbraucherpreis
=
160,58
100
142,64
100
davon Steuern
091,09
56,73
069,81
48,94
Seit 2021 an müssen laut Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) für CO2-Emissionen, die durch das Inverkehrbringen des Produkts entstehen, Zertifikate gekauft werden.
Das Umweltbundesamt (UBA) verkaufte diese 2021 zu einem Festpreis von 25 Euro je Tonne. Rechnerisch ergaben sich daraus ohne Mehrwertsteuer für Superbenzin CO2-Kosten in Höhe von 5,8 Cent je Liter sowie für Diesel und Heizöl von jeweils 6,625 Cent pro Liter. Inklusive Mehrwertsteuer waren es für Superbenzin CO2-Kosten von 6,9 Cent je Liter sowie für Diesel und Heizöl von jeweils 7,884 Cent pro Liter.[35]
Der gewerbliche Verbraucher hatte im Jahr 1935 für Diesel 13Pfennige(Pf.) pro Liter zu bezahlen, 1937 20bis 22Pf., 1939 32Pf. und Anfang der 1950er Jahre 39Pf. (Information des Zentralbüros für Mineralöl).[36] Am 17. Oktober 2021 erreichte der Preis pro Liter mit 1,55 Euro im bundesweiten Tagesdurchschnitt in Deutschland ein neues Rekordhoch.[37]
Für Dieselkraftstoff wird in Österreich pro Liter weniger Mineralölsteuer erhoben als für Benzin, obwohl ein Liter Diesel durch seine höhere Dichte mehr Masse hat als Ottokraftstoff (Benzin) und Diesel darüber hinaus pro Masse mehr Verbrennungsenergie enthält als Benzin, weil Diesel im Vergleich zu Benzin mehr Kohlenstoff und weniger Wasserstoff enthält.
In Österreich fahren mehr als die Hälfte der Pkw (mehr als in vielen anderen europäischen Ländern) und ein Großteil der Lastkraftwagen mit Dieselmotoren.
Im Zuge der Klimakrise wird die Forderung nach einem Anheben des Mineralölsteuersatzes für Diesel auf denjenigen für Benzin lauter.
Auch ohne ausgesprochenen Tanktourismus tanken Fahrzeuge des Transitverkehrs nach Möglichkeit mehr als sie in Österreich verbrauchen. Die Lenker dieser Fahrzeuge trachten danach, Österreichs erste Tankstelle mit möglichst leerem Tank zu erreichen und das Land mit möglichst vollem Tank zu verlassen.
Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) regte an, zu prüfen, wie der Dieselpreis für durchfahrende Lkw verteuert werden kann.[38]
Walter Obwexer, Europarechtler an der Universität Innsbruck, würde eine Erhöhung des Dieselpreises nur für Transit-Lkw als unionsrechtswidrig sehen. Eine nach seiner Äußerung am 12. August 2019 zu prüfende Variante wäre die Anhebung der MöSt auf Diesel und die Refundierung eines Teils davon für im Inland zugelassene Lkw. „Andere EU-Staaten wie Italien, Belgien und die Niederlande würden diesen Weg bereits gehen.“ Letztlich sprach er sich stattdessen für eine gänzliche Aufhebung des Dieselprivilegs, also die Angleichung der Mineralölsteuersätze aus. Mit Erhöhung der Pendlerpauschale für Pkw-Pendler könnte das Autofahren von Arbeitnehmern gefördert werden.[38] Die Tiroler Wirtschafts- und Arbeiterkammer hatten sich zuvor beide gegen einen höheren Dieselpreis ausgesprochen.[38]
Fahrverbot für Transit-Lkw zu bestimmten Tankstellen
Im Sommer 2019 wurden im Bundesland Tirol spezielle Fahrverbote für Lkw mit einer Gesamtlänge von mehr als zwölf Metern auf Autobahn nahen, zu Billigtankstellen führenden Straßenstücken erlassen, damit diese nicht mehr vom Transit-Lkw-Verkehr blockiert werden. Die Maßnahmen galten vom 1. August 2019 bis zum 14. Jänner 2020 von Montag bis Samstag von 6Uhr bis 10Uhr zwischen Wattens und Fritzens bzw. von 7Uhr bis 18Uhr bei der Autobahnausfahrt Innsbruck-Süd.[39] Davon unabhängig existieren diverse Fahrverbote für bestimmte Tageszeiten, (Nachtfahrverbote), Euroklassenverbote und sektorale Fahrverbote.[40]
↑Grgić, Zlatko:Nova europska norma EN 15940 - za čišće izgaranje dizelskog goriva. Neue europäische Norm EN 15940 – für eine sauberere Verbrennung von Dieselkraftstoff. In: Goriva i Maziva. Vol. 55, Issue 3, 2016, S.p228–237 (kroatisch).
↑Marlene Weiss: Dicke Luft über dem Wasser. Im Vergleich zu vielen Schiffsmotoren sind Dieselfahrzeuge im Strassenverkehr geradezu sauber. Auf hoher See wird Schweröl verbrannt, auf Flüssen wie dem Rhein sind Partikelfilter und Katalysoren unüblich. In: Tages-Anzeiger. 16. August 2017, S.36.