Das MineralBaileychlor ist ein selten vorkommendes Schichtsilikat (Phyllosilikat) aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Zn,Fe2+,Al,Mg)6[(OH)2|(OH)6|(Si,Al)4O10].[3] Baileychlor ist damit chemisch gesehen bei idealisierter Zusammensetzung ein Zink-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Zink, Eisen, Aluminium und Magnesium sowie Silicium und Aluminium können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Stoffmengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Baileychlor stellt zudem das Zinkendglied der Chloritgruppe dar.
Baileychlor kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist feinkörnige oder faserige Mineral-Aggregate mit einem perlmuttähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Baileychlorkristalle sind im Allgemeinen durchsichtig und von gelbgrüner bis dunkelgrüner oder auch hellblauer Farbe, wobei die Farbzentren auch zoniert auftreten können.[9] Die Strichfarbe des eigenfarbigen Minerals ist hellgrün.
Entdeckt wurde Baileychlor in Mineralproben aus der „Red Dome Mine“ in der Nähe der Ortschaften Chillagoe und Herberton im australischen Tablelands Regional Council. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Audrey C. Rule und Frank Radke, die ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1986 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1986-056[1]) sandte. Diese erkannte den Baileychlor als eigenständige Mineralart an.
Da der Baileychlor erst 1986 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Baileychlor die System- und Mineralnummer 71.04.01.06. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen, abwechselnd 1:1, 2:1 und oktaedrisch“ in der „Chloritgruppe (Tri-Dioktaedrisch)“, in der auch Donbassit, Cookeit, Sudoit, Klinochlor, Nimit, Chamosit, Pennantit und Borocookeit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Baileychlor nur an wenigen Orten nachgewiesen, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[12] In Australien fand man das Mineral außer an seiner Typlokalität „Red Dome Mine“ (Queensland) noch in der Lagerstätte Prairie Downs im Meekatharra Shire von Westaustralien sowie in der „Kara Mine“ und bei bodenkundlichen Untersuchungen in Zeehan auf Tasmanien.
Das für Österreich angegebene Vorkommen im Marmor-SteinbruchMalaschofsky bei Brunn am Walde (Gemeinde Lichtenau im Waldviertel, Niederösterreich) ist vermutlich falsch, da das als Baileychlor angesprochene Material einen für dieses Mineral untypisch hohen Magnesiumgehalt aufwies. Es könnte sich daher möglicherweise auch um ein neues, bisher unbekanntes Glied aus der Chloritgruppe handeln. Das untersuchte Material hatte der Sammler Erwin Löffler einem Mineralogenteam um Gerhard Niedermayr zur Verfügung gestellt.[13]
In der Schweiz trat das Mineral in der Grube Lengenbach und in einem natürlichen Aufschluss am nahe gelegenen Messerbach (auch Mässerbach) bei Fäld im Binntal auf.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem[14]
in Europa:
die Steinbrüche La Caravantié und Le Rivet bei Peyrebrune in der französischen Gemeinde Montredon-Labessonnié (Okzitanien)
Audrey C. Rule, Frank Radke:Baileychlore, the Zn end member of the trioctahedral chlorite series. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.135–139 (rruff.info[PDF; 927kB; abgerufen am 25.November 2024]).
Seungyeol Lee, Huifang Xu:Powder XRD and TEM study on crystal structure and interstratification of Zn-chlorite (baileychlore). In: Powder Diffraction. Band32, 2017, S.118–123, doi:10.1017/S0885715617000410 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 2,3MB; abgerufen am 25.November 2024]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.673 (englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Baileychlore. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 76kB; abgerufen am 25.November 2024]).
12345Baileychlore.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 25.November 2024(englisch).
12Audrey C. Rule, Frank Radke:Baileychlore, the Zn end member of the trioctahedral chlorite series. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.135–139 (englisch, rruff.info[PDF; 927kB; abgerufen am 25.November 2024]).
↑Gerhard Niedermayr, Christian Auer, Franz Bernhard, Hans-Peter Bojar, Franz Brandstätter, Andreas Ertl, Karl Ettinger, Vera M. F. Hammer, Barbara Leikauf, Walter Postl, Markus Sabor, Ralf Schuster, Robert Seemann, Franz Walter:Neue Mineralfunde aus Österreich LIV. In: Carinthia II. Band195, 2005, S.277–315;hier:296 (opac.geologie.ac.at[PDF; 20,8MB; abgerufen am 25.November 2024]).
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Fundortliste für Baileychlor beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. November 2024.