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Ankerit

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Ankerit, veraltet auch als Braunspat oder Eisen-Dolomit bzw. Eisendolomit und Ferrodolomit bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ (ehemals Nitrate, Carbonate und Borate) mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung CaFe[CO3]2 [6] und damit chemisch gesehen ein Calcium-Eisen-Carbonat.

Ankerit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist rhomboedrische Kristalle mit gewölbten oder sattelförmigen Flächen bis etwa 5 cm Größe. Er findet sich aber auch in Form säulenförmiger, stalaktitähnlicher, körniger oder massiger Mineral-Aggregate.

In reiner Form ist Ankerit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch meist durchscheinend weiß und kann durch Fremdbeimengungen eine graubraune oder braungelbe Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Ankerit bildet eine Mischreihe mit Dolomit (CaMg[CO3]2) und Kutnohorit (CaMn[CO3]2), weshalb die chemische Zusammensetzung in verschiedenen Quellen auch als Mischformel in der Form Ca(Fe2+,Mg,Mn2+)[CO3]2 angegeben wird.[2][7] Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Eisen, Magnesium und Mangan können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Zudem muss der Eisengehalt stets bei über 50 % liegen, um als Ankerit zu gelten.

Etymologie und Geschichte

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Erstmals entdeckt wurde Ankerit im Erzberg in der Steiermark (Österreich) und beschrieben 1825 von Wilhelm Ritter von Haidinger, der das Mineral nach dem österreichischen Mineralogen Matthias Joseph Anker (1771–1843) benannte.

Da der Ankerit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Ankerit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[5] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Ankerit lautet „Ank“.[1]

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]

In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ankerit zur Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Dolomit und Kutnohorit in der „Dolomit-Reihe“ mit der Systemnummer Vb/A.03a innerhalb der „Dolomit-Norsethit-Gruppe“ steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/B.03-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate [CO3]2−, ohne fremde Anionen“, wo Ankerit zusammen mit Benstonit, Dolomit, Huntit, Kutnohorit, Minrecordit und Norsethit die „Dolomitgruppe“ mit der Systemnummer V/B.03 bildet.[2]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ankerit in die Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in die Abteilung „Carbonate ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Erdalkali- (und andere M2+) Carbonate“ zu finden, wo es zusammen mit Dolomit, Kutnohorit und Minrecordit die „Dolomitgruppe“ mit der Systemnummer 5.AB.10 bildet.[11]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Ankerit die System- und Mineralnummer 14.02.01.02. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Carbonate“. Hier findet er sich in der „Dolomitgruppe“, in der auch Dolomit, Kutnohorit und Minrecordit eingeordnet sind.[12]

Kristallstruktur

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Ankerit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3 (Raumgruppen-Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 mit den Gitterparametern a = 4,84 Å und c = 16,19 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Bildung und Fundorte

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Weiße Ankerit-Kristallstufe aus Freiberg, Sachsen; ausgestellt im Mineralogischen Museum der Universität Bonn
Durch Limonit bräunlich verfärbter Ankerit auf Pyrit aus dem Spruce Claim (Spruce Ridge), Goldmyer Hot Springs, King County (Washington), USA

Ankerit bildet sich in mittel- bis niedriggradigen, hydrothermalen Gängen, aber auch durch Metamorphose oder Sedimentation in verschiedenen „Eisensteinen“ (Magnetit, Limonit, Hämatit) und Karbonatiten, wo es meist in Paragenese mit Siderit und Dolomit anzutreffen ist.[7]

Als häufige Mineralbildung konnte Ankerit an vielen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 4300 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[13] Außer an seiner Typlokalität am Erzberg in der Steiermark wurde das Mineral in Österreich noch bei Badersdorf, Stadtschlaining und Redlschlag im Burgenland; in vielen Gegenden von Kärnten; bei Kirchberg am Wechsel und Semmering in Niederösterreich; in mehreren Regionen von Salzburg und der Steiermark; in Nord- und Osttirol sowie im Montafontal im Vorarlberg gefunden.

In Deutschland wurde Ankerit unter anderem im Schwarzwald (Baden-Württemberg), im Fichtelgebirge, Bayerischen Wald und Oberpfälzer Wald (Bayern); Odenwald, Spessart und Taunus (Hessen); im Harz (Niedersachsen); im Bergischen Land, Sauerland, Siegerland und in der Eifel (Nordrhein-Westfalen); im Hunsrück und Westerwald (Rheinland-Pfalz); im Erzgebirge (Sachsen) sowie bei Gera, im Thüringer Wald und bei Saalfeld/Saale (Thüringen).

In der Schweiz fand sich Ankerit vor allem in den Kantonen Graubünden, Tessin und Wallis.

Erwähnenswert aufgrund ihrer besonderen Mineralfunde sind zudem unter anderem die „Tui Mine“ bei Te Aroha in Neuseeland mit Kristallfunden von bis zu 5 cm Größe und die „Gilman Mine“ im Eagle County (Colorado) in den USA, wo bis zu 4 cm große, braune Ankerit-Rhomboeder geborgen werden konnten. In Kladno und anderen Orten in Tschechien fanden sich in Konkretionen etwa einen Zentimeter große, gelbliche Kristalle.[14]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Ägypten, Algerien, Angola, der Antarktis, Argentinien, Australien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Fidschi, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, Nord- und Südkorea, Malawi, Malaysia, Mali, Marokko, Mauretanien, Mexiko, Mongolei, Myanmar, Namibia, Niederlande, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Schweden, Senegal, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Taiwan, Tunesien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (England, Nordirland, Wales), den Vereinigten Staaten von Amerika (Alabama, Alaska, Arizona, Arkansas, Colorado, Kalifornien, Minnesota und andere) und Vietnam.[15]

Ankerit dient als Zuschlag beim Eisenschmelzen.

  • Frederick Mohs: Treatise on Mineralogy. translated from the German, with considerable Additions by William Haidinger. Band 1. Archibald Constable and Co., Edinburgh 1825, S. 411, Characters of the genera and species of the orders of class II. I. Order. Haloide. V. Lime-haloide. 4. Paratomous. Ankerite (englisch, online verfügbar bei archive.org – Internet Archive [abgerufen am 19. Oktober 2026]).
  • R. Luboldt: Ueber den Ankerit. In: Annalen der Physik. Band 178, 1857, S. 435–437 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 29. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 141 kB; abgerufen am 13. Oktober 2026]).
Commons: Ankerit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 13. Oktober 2026]).
  2. 1 2 3 4 5 6 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  3. ↑ Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 705.
  4. ↑ Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 531–532.
  5. 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 287 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Ankerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 54 kB; abgerufen am 13. Oktober 2026]).
  8. ↑ David Barthelmy: Ankerite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  9. 1 2 3 Ankerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Oktober 2026 (englisch).
  10. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – A. (PDF 357 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 19. Oktober 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  11. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  12. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 451 (englisch).
  13. ↑ Localities for Ankerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Oktober 2026 (englisch).
  14. ↑ Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 117.
  15. ↑ Fundortliste für Ankerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. Oktober 2026.
Ankerit
Kristallstufe mit bräunlichem Ankerit aus dem Siegerland, Südwestfalen
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ank[1]

Andere Namen
  • Braunspat[2]
  • Eisen-Dolomit[3] (oder auch Eisendolomit)
  • Ferrodolomit[4]
Chemische Formel
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate und Nitrate (ehemals Nitrate, Carbonate und Borate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vb/A.03a
V/B.03-020[2]

5.AB.10
14.02.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol trigonal-rhomboedrisch; 3[8]
Raumgruppe R3 (Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148[6]
Gitterparameter a = 4,84 Å; c = 16,19 Å[6]
Formeleinheiten Z = 3[6]
Zwillingsbildung einfache Zwillinge mit den Ebenen {0001}, {1010} oder {1120}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4[7]
Dichte (g/cm3) 2,95 bis 3,10[7]
Spaltbarkeit vollkommen nach {1011}[7]
Bruch; Tenazität schwach muschelig; spröde[7]
Farbe graubraun, braungelb,[2] weiß, farblos im Durchlicht[7]
Strichfarbe weiß[7]
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend[7]
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz[7]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,690 bis 1,750[9]
nε = 1,510 bis 1,548[9]
Doppelbrechung δ = 0,180 bis 0,202[9]
Optischer Charakter einachsig negativ