Polnische Sprache
| Polnisch (język polski) | ||||||||||
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Gesprochen in |
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| Sprecher | 48 bis 55 Millionen[1][2] | |||||||||
| Linguistische Klassifikation |
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| ISO 639-1 | pl | |||||||||
| ISO 639-2 | pol | |||||||||
| ISO 639-3 | pol | |||||||||
| Vordere Vokale | Zentrale Vokale | Hintere Vokale | |||
| Geschlossene Vokale | |||||
| fast geschlossen | |||||
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| mittel | |||||
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| fast offen | |||||
| offen | |||||
Die nasalierten Vokale [ɛ̃] und [ɔ̃] haben eine starke Tendenz zur Diphthongierung (in Richtung [ɛ̃ɯ̃] bzw. [ɔ̃ũ]). Die Vokale werden, ob in betonter oder unbetonter Silbe, gleich lang und deutlich ausgesprochen; reduzierte Vokale oder Murmellaute kennt das Polnische nicht. Der Wortakzent liegt im Polnischen meistens auf der vorletzten Silbe (Pänultima); bei manchen Wörtern, z. B. Fremdwörtern und im Verbund gesprochenen Präpositionalphrasen, kann aber auch die letzte oder die drittletzte Silbe betont sein.
Konsonanten und Halbvokale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Polnische hat 29 konsonantische Phoneme und zwei Halbvokale, d. h. Approximanten. Zusammen mit den Dialektvarianten besitzt das Polnische 35 konsonantische Phoneme.
| Artikulationsort | Labial | Koronal | Dorsal | – | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Artikulationsart ↓ | Bilabial | Labiodental | Dental | Alveolar | Retroflex | Alveolo-palatal | Palatal | Velar | Glottal | |
| Nasale | m | n | ɲ | ŋ | ||||||
| Okklusive | p b | t d | (c ɟ) | k g | ||||||
| Frikative | f v | s z | ʂ ʐ | ɕ ʑ | (ç) | x ʁ1 | h (ɦ) | |||
| Affrikata | t͡s d͡z | t͡ʂ d͡ʐ | t̠͡ɕ d̠͡ʑ | |||||||
| Approximanten | j | w | ||||||||
| Trills | r̥1 r | |||||||||
| Lateraler Frikativ | (ɬ) | |||||||||
| Laterale Approximante | l | (ʎ) | ||||||||
| 1Allophone in Konsonantenclustern Eingeklammerte Laute sind dialektale Varianten | ||||||||||
Grammatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Polnische hat eine sehr freie Wortstellung, mit Tendenz zur Verbzweitstellung.
Es gibt drei Numeri:
- Singular bspw. jedno piwo („ein Bier“)
- kleiner Plural bspw. dwa piwa („zwei Biere“)
- großer Plural bspw. pięć piw („fünf Biere“)
Bis etwa zum 16. Jahrhundert kannte das Polnische folgende drei Numeri: Singular, Dual, Plural. Hinweise auf den historischen Dual gibt es noch bis heute im Wortschatz (beispielsweise bei Körperteilen, die in Paaren vorkommen). Siehe Nominativ Singular ręka („Hand“), Nominativ Plural ręce. Der heutige Plural ist ein historischer Dual. Im jeweiligen Wort ist der eigentliche Dual nur im Instrumental noch erhalten, bei allen übrigen Fällen sind Dual und Plural gleich. Siehe Singular Instrumental: ręką, Dual Instrumental: rękoma, Plural Instrumental: rękami.
Generell unterscheidet man in der polnischen Grammatik wie im Deutschen drei Genera:
Durch den Ausbau der Belebtheitskategorie, der zu verschiedenen Schemata führt, nach denen Kasus im Singular und Plural zusammenfallen, muss man im Maskulinum drei verschiedene Kategorien unterscheiden (unbelebt, belebt und Personen), sodass moderne Grammatiken bis zu fünf Genera unterscheiden. Der Unterschied liegt in der Angleichung des Akkusativs an den Nominativ oder den Genitiv sowie in besonderen Formen für den Nominativ Plural bei männlichen Personen, hier am Beispiel eines kongruierenden Adjektivs (nowy, „neu“):
| Bezeichnung | Geltungsgruppe | Beispielwort | Akk. Sg. | Nom. Pl. | Akk. Pl. |
|---|---|---|---|---|---|
| personales Maskulinum (rodzaj męski osobowy) | männliche Personen | nauczyciel („Lehrer“) | nowego
= Gen. Sg. |
nowi | nowych
= Gen. Pl. |
| belebtes nichtpersonales Maskulinum (rodzaj męski żywotny nieosobowy) | Tiere männlichen Geschlechts, ugs. auch Gegenstände | ptak („Vogel“) | nowe
= Nom. Pl. | ||
| unbelebtes Maskulinum (rodzaj męski nieżywotny) | Gegenstände | stół („Tisch“) | nowy (stół)
= Nom. Sg. | ||
| Femininum (rodzaj żeński) | weibliche Personen und Tiere, Gegenstände | książka („Buch“) | nową | ||
| Neutrum (rodzaj nijaki) | Gegenstände, Kinder, Jungtiere | okno („Fenster“) | nowe | ||
Das Polnische verfügt über ein ausgeprägtes Formensystem und hat das urslawische Kasussystem bewahrt: Sechs Kasus für Nomen, Pronomen und Adjektive und einen siebten Kasus für Nomen, den Vokativ, der in der höflichen, direkten Anrede gebraucht wird.
Der Nominativ ist typischerweise der Subjektkasus, der Genitiv der Possessivkasus und der Kasus des direkten Objekts in Sätzen mit Verneinung (zum Beispiel: „ich kenne des Menschen nicht“. Zitat aus der Luther-Bibel); der Dativ ist der Kasus des indirekten und der Akkusativ der des direkten Objekts. Genitiv, Dativ und Akkusativ können auch mit einigen Präpositionen verwendet werden. Der Instrumental wird hauptsächlich mit Präpositionen verwendet, außer wenn er das Instrument anzeigt. Siehe: Lateinischer ablativus instrumentalis te defendo gladio – bronię cię mieczem („ich verteidige dich mit dem Schwert“), wobei -em die Instrumentalendung bei miecz („Schwert“) ist. Der Lokativ wird ausschließlich mit Präpositionen verwendet. Wie im Deutschen ziehen manche Präpositionen mehrere Kasus nach sich, je nachdem, ob sie einen statischen Zustand („die Vögelein schweigen im Walde“) oder eine Bewegung („kommt in den Wald!“) ausdrücken.
| Fall (przypadek) | Frage | (pytanie) | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Nominativ (Mianownik) | wer? was? | kto? co? | Jan Kowalski |
| Genitiv (Dopełniacz) | wessen? | kogo? czego? | Jana Kowalskiego |
| Dativ (Celownik) | wem? | komu? czemu? | Janowi Kowalskiemu |
| Akkusativ (Biernik) | wen? was? | kogo? co? | Jana Kowalskiego |
| Instrumental (Narzędnik) | mit wem? womit? | (z) kim? (z) czym? | (z) Janem Kowalskim |
| Lokativ (Miejscownik) | über wen? worüber? | o kim? o czym? | (o) Janie Kowalskim |
| Vokativ (Wołacz) | (Anredeform) | o! | Janie Kowalski! |
Im Polnischen werden Substantive – im Gegensatz zum Deutschen – grundsätzlich kleingeschrieben, mit Ausnahme von Satzanfängen und Eigennamen. Es werden belebte und unbelebte Substantive unterschieden und innerhalb der belebten wiederum personale und nichtpersonale. Dies ist für die Deklination der Maskulina relevant.
Fast alle Adjektive werden nach einem Grundmuster dekliniert. Es gibt zwei Arten von Adjektiven:
- Weichstämmige: Sie laufen auf einen weichen Konsonanten oder auf k bzw. g aus und haben die maskuline Nominativendung -i.
- Hartstämmige (alle übrigen): Sie haben die Endung -y.
Verben werden nach Person, Numerus und Genus flektiert. Wie das Russische und die meisten anderen slawischen Sprachen verfügt auch das Polnische über ein kompliziertes Aspektsystem. Das Tempussystem hingegen hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei Tempora – Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt – aufgegeben wurden. Das Präteritum ist somit die einzig verbliebene Vergangenheitsform. Vereinzelt trifft man, vor allem in der Schriftsprache, noch auf das Plusquamperfekt, auch wenn es als obsolet gilt.
Präpositionen sind unveränderlich und bilden zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen eine Sinneinheit.
Weibliche Namen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Funktions- und Berufsbezeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bildung femininer Formen von Funktions- und Berufsbezeichnungen (Movierung) spielt im Polnischen eine geringere Rolle als im Deutschen. Zwar können in der Regel mit Suffixen wie -ka feminine Äquivalente gebildet werden, sie sind aber deutlich seltener anzutreffen. So kann man beispielsweise zu słuchacz („Zuhörer“) die feminine Form słuchaczka („Zuhörerin“) bilden, doch empfinden viele Muttersprachler Ausdrücke wie Drodzy słuchacze, drogie słuchaczki („Liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen“) als gekünstelt bzw. pedantisch und verwenden hier die maskuline Form słuchacz als generisches Maskulinum.
Ähnliches gilt bei Feminina zu Berufsbegriffen höherer Position wie dyrektor, profesor oder psycholog. Eine Direktorin oder Professorin spricht man eher mit pani dyrektor bzw. pani profesor („Frau Direktor“, „Frau Professor“) an. In dieser Verwendung wird der Titel nicht flektiert. Die weiblichen Formen sind in der Umgangssprache aber anzutreffen, in einigen Fällen (wie policjantka oder sekretarka) auch üblich.
Nachnamenformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Eigentümlichkeit des Polnischen und weiterer slawischer Sprachen sind weibliche Formen von Nachnamen. Heißt der Vater Suchocki, so heißen seine Frau und Tochter Suchocka. Früher wurden abgesehen von jenen auf -ski und -cki auch von weiteren männlichen Nachnamen weibliche Varianten gebildet. So bekamen Nachnamen, die der Form nach Adjektive waren, im Nominativ Singular statt der männlichen Endung -y die weibliche Endung -a. Die Frau oder Tochter eines Herrn Suchy oder Chudy hieß dann Sucha, Chuda. Alle anderen Nachnamen bekamen das Suffix -owa oder -yna (für verheiratete Frauen) und -ówna oder -anka (für unverheiratete Frauen) angehängt. Der Vater hieß etwa Łasiewicz, die Frau Łasiewiczowa, die Tochter Łasiewiczówna oder, mit Stammkonsonantenänderung männlich Skarga, weiblich-verheiratet Skarżyna und weiblich-unverheiratet Skarżanka.
Der Gebrauch dieser Formen, mit der Ausnahme von -ski und -cki, schwindet jedoch allmählich und ist nicht mehr amtlich. Einige ältere Frauen führen noch immer ihren weiblichen Namen (auch in der Fräulein-Form, wie z. B. Anna Świderkówna). Dieser Schwund der suffixalen Verweiblichung von Nachnamen ist einerseits praktisch, andererseits geht er mit einem gewissen Nachteil einher, denn der Systemzwang der polnischen Grammatik erfordert, dass nicht-verweiblichte, maskulin (im grammatischen Sinne) klingende Nachnamen von Frauen nicht flektiert werden, bzw. in allen Fällen endungslos bleiben. „Die Postulate von Frau Steinbach“ lautet dann auf Polnisch postulaty pani Steinbach, nicht Steinbacha (mit der regelmäßigen maskulinen Genetiv-Endung -a). Konsequenterweise muss man – hat man eine Kollegin namens Chudy – ebenso dokumenty od pani Chudy sagen, auch wenn man sie gewöhnlicherweise nicht „Frau Chudy“, sondern schlichtweg Chudy (etwa: „die Chudy“) nennt, da dokumenty od Chudy absolut inakzeptabel klingt („Unterlagen von Frau/dem Chudy“). In solchen Fällen wird häufig wieder auf die alte Form zurückgegriffen und bspw. dokumenty od Chudej genutzt, mit der femininen Genitivendung -ej, als wäre der Name der Kollegin Chuda.
Sprachdynamik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegenwärtiger Sprachwandel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie jede lebende Sprache unterliegt auch das Polnische im Laufe der Zeit gewissen Entwicklungen und Einflüssen, sowohl in der Grammatik als auch im Wortschatz. Manche Änderungen werden zu einem festen Bestandteil der Sprache, andere wiederum hinterlassen kaum Veränderungen oder geraten in Vergessenheit.
- Grammatik
- Eine gegenwärtig zu beobachtende Veränderung besteht darin, dass die maskuline „unbelebte“ Sachform durch die maskuline „belebte“ Sachform ersetzt wird. Viele Wörter, die bisher als eindeutig unbelebt betrachtet wurden, werden umgangssprachlich und vor allem in der Jugendsprache als belebt angesehen. Dies äußert sich dadurch, dass der Akkusativ dem Genitiv gleicht und nicht, wie bisher, dem Nominativ. Oft (noch in der Umgangssprache) anzutreffende Formen sind mieć pomysła („eine Idee haben“) oder obejrzeć filma („einen Film ansehen“).
- Doch die meisten Neologismen und Fremdwörter, die sich auf nichtmaterielle oder nichtwahrnehmbare Begriffe beziehen, nehmen auch in der offiziellen Sprache die maskuline belebte Sachform an. Beispiel: dostać e-maila/SMSa („eine E-Mail/SMS bekommen“).
- Wortschatz
- Es werden immer mehr Wörter aus dem Englischen entlehnt. Gleichzeitig verschwinden viele französische und russische Fremdwörter. Eine Erscheinung ist die Änderung mancher französischer Fremdwörter von der französischen in die englische Aussprache, z. B. wird image wie im Englischen imidż ausgesprochen und nicht länger wie im Französischen imaż.
- In den letzten Jahren flossen einige bisher vulgäre Ausdrücke in die Umgangssprache ein; z. B. machte das Adjektiv zajebisty eine vergleichbare Entwicklung durch wie das deutsche „geil“. Auf der anderen Seite werden im Rahmen der politischen Korrektheit manche Wörter als stärker beleidigend empfunden als früher. Beispielsweise ist es heute nicht mehr angebracht pedał („schwul“) zu benutzen (außer in der Bedeutung „Pedal“), dîe Wörter gej (von engl. gay) oder homoseksualista („Homosexueller“) haben es ersetzt.
- Aussprache
- Da zunehmend Wörter aus dem Englischen mit entsprechend andersartiger Sprachstruktur entlehnt werden, verbreiten sich diesbezüglich bisher selten anzutreffende Lautverbindungen. So erscheint nun z. B. i nach alveolaren Lauten t, d, s, z, r (siehe tir, didżej, ring).
- Dialektstruktur
- Die Dialekte der polnischen Sprache vereinheitlichen sich zusehends im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, der Verstädterung sowie den (standardsprachlichen) Einflüssen der Massenmedien und der Bildung. Die Dialekte sind unter der jüngeren Generation kaum ausgeprägt, davon ausgenommen sind jedoch der goralische und der schlesische Dialekt, die im Augenblick nicht vom Aussterben bedroht sind. Mehrheitlich wird bereits Standardpolnisch als Muttersprache gesprochen.
Einfluss des Polnischen im Deutschen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es wurden nur relativ wenige polnische Wörter in das Deutsche übernommen. Beispiele:
- „Grenze“, das seinen Ursprung vom im 12./13. Jahrhundert aus dem Altpolnischen entlehnten graniza/graenizen/greniz hat, erreichte von den östlichen Kolonisationsgebieten aus allmählich das deutsche Sprachgebiet und verdrängte das fränkische Wort Mark.
- „Gurke“ wurde aus dem Polnischen (ogórek) ins Deutsche übernommen. (Die Herkunft ist jedoch mittelgriechisch αγγούρι(ο)ν angouri(o)n, das vom altgriechischen ἄωρος aōros „unreif“ abstammt.)
- „Säbel“ (szabla) kam aus dem Polnischen ins Deutsche, ebenso Namen einiger Vogelarten, zum Beispiel Stieglitz (szczygieł).
- Der deutsche Ausruf „dalli“ geht auf polnisch dalej („weiter“, „vorwärts“) zurück.[19]
- Das deutsche umgangssprachliche Wort „Penunze“ ist aus einem polnischen Dialekt übernommen, in dem man pieniądze nicht [pʲɛ'ɲɔndzɛ] ausspricht, sondern mit u statt ɔ. (pieniądze hat darüber hinaus denselben Ursprung wie Pfennig und Penny.)
- Im Ruhrgebiet (Ruhrdeutsch) wird das ursprünglich polnische Wort „Mottek“ (młotek) für einen Hammer benutzt, eine alte Frau wird als „Matka“ (matka, „Mutter“) bezeichnet. In der Jugendsprache wird für Geld manchmal auch „Schlotten“ gesagt, im Polnischen heißt die Währung Złoty (der „Goldene“).
- Wenn man „einen pitschen“ ging (pić, „trinken“), meinte man früher meist einen Kaffee trinken. Diese Wendung ist aber veraltet und wird in der Jugendsprache neu besetzt. Nun geht man alkoholische Getränke konsumieren, wobei „sich einen pitschen“ so viel wie „sich betrinken“ heißt.[20]
- In Ostösterreich wird die Schulnote 5 („nicht genügend“) mitunter als „pintsch“ (von pięć, „fünf“) bezeichnet.
- Für das diakritische Zeichen, das im polnischen Alphabet zur Bezeichnung der Nasale benutzt wird, wird auch in deutschen Texten gelegentlich der Ausdruck Ogonek benutzt.
- In der Deutschrap-Szene hat der Ausdruck „lellek“ (Ziegenmelker) als Beleidigung Einzug gehalten.[21]
Deutsche Lehnwörter im Polnischen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Insbesondere im Mittelalter kam es im Zuge der deutschen Ostsiedlung zu einem intensiven nachbarschaftlichen Kontakt zwischen Polen und Deutschen respektive Österreichern, und zwar nicht nur in den späteren deutschen Ostgebieten, sondern auch in Zentralpolen, wo über viele Jahrhunderte bedeutende deutsche Minderheiten in den Städten lebten (z. B. in Krakau). Bei vielen Stadtgründungen in Ostmitteleuropa spielten Deutsche eine wichtige Rolle und viele Städte erhielten nach ihrer Gründung das Magdeburger Recht.[22] In dieser Zeit gelangten viele deutsche Wörter vor allem in den Bereichen Bauhandwerk, Wirtschaft und Verwaltung ins Polnische (Germanismen).[23] Eine zweite Phase des späteren Einflusses bestand im Zeitraum der polnischen Teilungen 1772–1918, als große Teile Polens unter preußisch-deutscher oder österreichischer Herrschaft standen. Bis heute gelangen weitere Wörter in den Sprachgebrauch.[24]
Liste deutscher Lehnwörter im Polnischen (Auswahl):[25]
- barwa – Farbe (mittelhochdeutsch „varwe“)
- bawełna – Baumwolle
- blacha – Blech
- blat – Blatt, Platte
- brytfanna – Bratpfanne
- burmistrz – Bürgermeister
- cegła – Ziegel
- cukier – Zucker
- cel – Ziel
- cela – Zelle
- chata – Hütte
- cyferblat – Zifferblatt
- cytryna – Zitrone
- dach – Dach
- dekiel – Deckel
- drukować – drucken, drücken
- drut – Draht
- fach – Fach
- fajerwerk – Feuerwerk
- fajnie – fein, toll (Adv.)
- fajrant – Feierabend
- fałda – Falte
- fałsz – falsch, Lüge
- farba – Farbe (Flüssigkeit)
- felga – Felge
- filc – Filz
- flaszka – Flasche (ugs.)
- flauta – Flaute
- frajda – Freude
- frajer – Freier
- fryzjer – Frisör
- fuga – Fuge (Zwischenraum)
- furman – Kutscher(in) (von „Fuhrmann“)
- futerał – Futteral
- ganc egal – ganz egal
- ganek – Gang, Stollen
- garbarz – Gerber
- gaz – Gas
- geszeft – Geschäft (Verhandlung)
- gmina – Gemeinde
- grabarz – Totengräber
- grat – Gerät
- gruby – grob, dick
- grunt – Grund, Boden
- gwałt – Gewalt
- gwint – Gewinde
- haftować – heften, sticken
- hak – Haken
- hala – Halle
- handel – Handel
- hebel – Hobel
- holować – schleppen (von „holen“)
- huta – Hütte (Industrieanlage)
- jarmark – Jahrmarkt
- kabel – Kabel
- kac – Katzenjammer, Kater (Unwohlsein)
- kajuta – Kajüte
- kanclerz – Kanzler
- kant – Kante
- kapsel – Kapsel
- karta – Karte, Ausweis
- kartofel – Kartoffel (ugs.)
- kasa – Kasse
- komin – Kamin
- kelner – Kellner
- kielich – Kelch
- kielnia – Kelle
- kiermasz – Kirmes, Markt
- kicz – Kitsch
- kino – Kino
- kit – Kitt
- klej – Kleber
- kleks – Klecks
- klejnot – Kleinod
- knajpa – Kneipe
- kształt – Gestalt
- kubeł – Kübel
- kula – Kugel
- kumpel – Kumpel
- kunszt – Kunst
- kurort – Kurort
- kuśnierz – Kürschner
- lada – Ladentisch
- ląd – Land
- luka – Lücke
- luz – lose, Lässigkeit
- luzem – lose (Adv.), mit Leichtigkeit
- ładować – laden
- majstersztyk – Meisterstück
- malować – malen
- marszruta – Marschroute
- mistrz auch majster – Meister
- mur – Mauer
- murarz – Maurer
- murować – mauern
- obcas – (Schuh-)Absatz
- ofiara – Opfer
- pakować – packen
- parkować – parken
- pech – Pech
- pielęgnować – pflegen
- plac – Platz
- plajta – Pleite
- próbować – (aus-)probieren
- przeflancować – pflanzen
- rabować – (aus-)rauben
- radzić – raten
- rajzefiber – Reisefieber
- ratować – retten
- ratusz – Rathaus (mittelhochdeutsch „rathus“)
- realpolityka – Realpolitik
- regał – Regal
- rentgen – Röntgen
- rudel – Rudel
- rura – Rohr, Röhre
- rycerz – Ritter
- rygiel – Riegel
- rynek – (Markt-)Platz (von „Ring“)
- rynna – (Dach-)Rinne
- rynsztok – Rinnstein, Gosse
- smak – Geschmack
- smar – Schmiere
- sołtys – Schultheiss
- spichlerz – Speicher
- stempel – Stempel
- strudel jabłkowy – (Apfel-)Strudel
- szacować – schätzen
- szacunek – (Wert-)Schätzung
- szajs – Scheiß (ugs.)
- szalunek – Verschalung
- szkic – Skizze
- szlaban – Schlagbaum
- mieć szlaban – Haus- bzw. Stubenarrest haben
- szlafrok – Bademantel (von „Schlafrock“)
- szlagier – Schlager
- szlak – Schlag
- szlam – Schlamm
- szlif – Schliff
- szlochać – schluchzen
- szlus – Schluss (Ausruf)
- sznurek – Schnur
- szpachla – Spachtel
- szpadel – Spaten
- szpilka – Spitze
- szpital – Spital, Krankenhaus
- szprycha – Speiche
- szrot – Schrott
- sztab – Stab
- sztafeta – Staffel
- sztorm – (See-)Sturm
- sztuka – Stück, Kunst
- sztywny – steif
- szuflada – Schublade
- szwagier – Schwager
- szwindel – Schwindel
- szyba – Scheibe
- szyberdach – Schiebedach
- szyld – Schild
- szyna – Schiene, Gleise (Pl.)
- szynka – Schinken
- śruba – Schraube
- tafla – Tafel, Fläche
- taniec – Tanz
- tankować – tanken
- talerz – Teller
- trafiać – treffen
- tygiel – Tiegel
- urlop – Urlaub
- wagon – Waggon, Wagen
- walać – sich herumwälzen
- walc – Walzer
- walec – Walze
- wanna – Wanne
- warsztat – Werkstatt
- wart – wert
- wata – Watte
- weksel – Wechsel
- wihajster – Dingsda (von „Wie heißt er?“)
- wójt – Vogt
- wrak – Wrack
- wyklarować – (er-)klären
- wytrych – Dietrich
- żołd – Sold
- żołnierz, abwertend żołdak – Soldat, Söldner
Einflüsse anderer Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 16. Jahrhundert nahmen die Einflüsse des Italienischen und Französischen zu und dauerten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dominiert das Englische, was vor allem in den Bereichen Technologie und Wissenschaft, Wirtschaft, Sport, Freizeit und im Alltagsleben deutlich wird.[23]
Sprachbeispiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:
- Wszyscy ludzie rodzą się wolni i równi pod względem swej godności i swych praw. Są oni obdarzeni rozumem i sumieniem i powinni postępować wobec innych w duchu braterstwa.
- [ˈfʂɨsʈ͡sɨ ˈluʥɛ ˈrɔdzɔ̃ ɕɛ ˈvɔlɲi i ˈruvɲi pod‿ˈvzglɛndɛm sfɛj gɔdˈnɔɕt̠͡ɕi i sfɨx praf # sɔ̃ ˈɔɲi ɔbdaˈʐɛɲi rɔˈzumɛm i suˈmʲeɲɛm i pɔˈvʲinɲi pɔstɛmˈpɔvat̠͡ɕ ˈvɔbɛt͡s ˈinnɨx v‿ˈduxu braˈtɛrstfa]
- Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jan Mazur: Geschichte der polnischen Sprache. Lang, Frankfurt am Main 1993. ISBN 3-631-45821-5.
- Peter Rehder (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen. 3. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1998. S. 145–164. ISBN 3-534-13647-0.
- Zenon Klemensiewicz: Historia języka polskiego. 9. Auflage, PWN, Krakau, 2009. ISBN 978-83-01-12760-2. (polnisches Standardwerk)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Polnische Sprache im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Linkkatalog zum Thema polnische Sprache bei curlie.org (ehemals DMOZ)
- Władysław Lubaś, Monika Molas, Imke Mendoza (Übersetzung): Polnisch. In: Miloš Okuka, Gerald Krenn (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens (= Wieser-Enzyklopädie des europäischen Ostens. Band 10). Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 367–389 (aau.at [PDF; 689 kB]).
- Po polsku po Polsce grundlegender, umfangreicher Onlinekurs, ab A1 geeignet (englisch/polnisch)
- Polski na wynos Ressourcen für Lehrer und Lernende (etwa ab B1) (englisch/polnisch)
- Słownik języka polskiego (PWN) – einsprachiges umfangreiches polnisches Wörterbuch
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Walery Pisarek (deutsche Übers. von Andreas W. Meger): Polnisch – Broschüre des Rada Języka Polskiego (PDF-Datei; 975 kB, abgerufen am 12. Februar 2016)
- ↑ "Världens 100 största språk 2010" (Die 100 meistverbreiteten Sprachen der Welt 2010). In: Schwedische Nationalenzyklopädie Nationalencyklopedin. Band 35. Stockholm 2010, ISBN 978-91-86365-26-4.
- ↑ Język gęsi: A niechaj narodowie wżdy postronni znają, iż Polacy nie gęsi, iż swój język mają. Sendung auf Polskie Radio 3
- ↑ Polnisch, The Council for the Polish Language, ISBN 978-83-916268-2-5, S. 7
- ↑ Nowy karakter Polski : z drukarnie Lazarzowey y ortographia polska Iana Kochanowskiego, Ie M. P. Lukasza Gornickiego etc. etc. na stronie Polskiej Biblioteki Internetowej
- ↑ Polnisch, The Council for the Polish Language, ISBN 978-83-916268-2-5, S. 1
- ↑ Siehe hierzu: Regional- und Minderheitensprachen in Europa
- ↑ Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
- ↑ Datenbankabfrage, 16. Februar 2009 ( des vom 16. Februar 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus – Fachserie 1 Reihe 2.2 – 2013, S. 148. (PDF, 7 MB), abgerufen am 26. Januar 2015.
- ↑ People from Poland ‘will be heard’ ( vom 4. Februar 2013 im Internet Archive), Bericht auf Newsinenglish.no vom 13. Januar 2012.
- ↑ Assessing Immigrant Integration in Sweden after the May 2013 Riots, Migration Policy Institute; abgerufen am 31. Mai 2016.
- ↑ Robert Booth: Polish becomes England’s second language. In: The Guardian. 30. Januar 2013, abgerufen am 3. Februar 2013.
- ↑ Eurobarometer (2006): Europeans and their Languages (PDF; 6,8 MB), abgerufen am 29. April 2015.
- ↑ New York Dethrones Chicago as the ‘Largest Polish City’ Outside of Warsaw, Voices of NY, vom 23. Februar 2012; abgerufen am 7. November 2016.
- ↑ 7 Most Polish Cities Outside of Poland, auf culture.pl vom 22. Oktober 2015; abgerufen am 7. November 2016.
- ↑ Rahmenlehrpläne Berlin-Brandenburg, abgerufen am 10. November 2018.
- ↑ Władysław Lubaś, Monika Molas, Imke Mendoza (Übersetzung): Polnisch. In: Miloš Okuka, Gerald Krenn (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens (= Wieser-Enzyklopädie des europäischen Ostens. Band 10). Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 370–371 (aau.at [PDF; 689 kB; abgerufen am 12. Februar 2022]).
- ↑ Sprache des Monats: Polnisch, auf SprachenNetz.org (Januar 2014), abgerufen am 21. Oktober 2016.
- ↑ PONS Wörterbuch der Jugendsprache
- ↑ Was ist ein Lellek? Bedeutung einfach erklärt. 15. August 2018, abgerufen am 10. Juli 2020.
- ↑ Ryszard Lipczuk: Deutsche Entlehnungen im Polnischen – Geschichte, Sachbereiche, Reaktionen. In: Linguistik Online. Band 8, Nr. 1, 2001, S. 1–15, doi:10.13092/lo.8.976 (bop.unibe.ch [abgerufen am 13. April 2020]).
- 1 2 Polnisch, The Council for the Polish Language, ISBN 978-83-916268-2-5, S. 8
- ↑ Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache: Zur Einführung – Universität Oldenburg.
- ↑ Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache - Universität Oldenburg.







