Afghanit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Na,K)22Ca10(Si24Al24)O96(SO4)6Cl6.[1] Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium und Kalium können sich dabei in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Chemisch gesehen ist Afghanit damit ein Natrium-Kalium-Calcium-Alumosilikat mit zusätzlichen Chlor- und Sulfat- ([SO4]2−) Anionen. Strukturell gehört er zu den Gerüstsilikaten.
Afghanit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist durchsichtige, dick- bis dünntafelige oder leistenförmige Kristalle mit glasähnlichem Glanz. Er findet sich aber auch in Form abgerundeter Körner. Seine Farbe variiert zwischen Hell- und Dunkelblau, in dünnen Schichten ist er allerdings farblos.
Bariand, Cesbron und Giraud sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1967 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1967-041[1]), die den Afghanit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im darauf folgenden Jahr im französischen Fachmagazin Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie publiziert.
Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Afghanit lautet „Afg“.[2]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Afghanit in die bereits feiner unterteilte Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Alloriit, Balliranoit, Biachellait, Bystrit, Cancrinit, Cancrisilit, Davyn, Fantappièit, Farneseit, Franzinit, Giuseppettit, Hydroxycancrinit, Kyanoxalith, Liottit, Marinellit, Mikrosommit, Pitiglianoit, Quadridavyn, Sacrofanit, Tounkit und Vishnevit die „Cancrinitgruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Afghanit die System- und Mineralnummer 76.02.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ in der „Cancrinitgruppe“, in der auch Bystrit, Cancrinit, Cancrisilit, Davyn, Franzinit, Giuseppettit, Hydroxycancrinit, Liottit, Mikrosommit, Pitiglianoit, Quadridavyn, Sacrofanit, Tounkit, Vishnevit, Wenkit, Marinellit, Farneseit, Alloriit, Biachellait, Fantappièit, Kyanoxalith und Balliranoit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Afghanit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind.[13]
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist der Ettringer Bellerberg bei Ettringen in der Eifel in Rheinland-Pfalz.
P. Bariand, F. Cesbron, R. Giraud:Une nonvelle espece minerale: L’afghanite de Sar–e–Sang, Badakhshan, Afghanistan–Comparaison avec les mineraux du groupe de la cancrinite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band91, 1968, S.34–42 (französisch, rruff.info[PDF; 605kB; abgerufen am 26.Mai 2024]).
Afghanite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 26.Mai 2024(englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.709 (englisch).
123456789
Afghanite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 80kB; abgerufen am 26.Mai 2024]).
123Afghanite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.Mai 2024(englisch).
↑Fabien Cesbron, Hélène Vachey:La bariandite, nouvel oxyde hydraté de vanadium (IV) et (V). In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band94, 1971, S.49–54 (französisch, rruff.info[PDF; 342kB]).
↑Fabien P. Cesbron, Daria Ginderow, Roger Giraud, Pierre Pelisson, Francois Pillard:La nickelaustinite Ca(Ni,Zn)(AsO4)(OH); nouvelle espece minerale du district cobalto-nickelifere de Bou-Azzer, Maroc. In: Canadian Mineralogist. Band25, Nr.3, 1987, S.401–407 (französisch).
↑P. Bariand, F. Cesbron, R. Giraud:Une nonvelle espece minerale: L’afghanite de Sar–e–Sang, Badakhshan, Afghanistan–Comparaison avec les mineraux du groupe de la cancrinite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band91, 1968, S.34–42 (französisch, rruff.info[PDF; 605kB; abgerufen am 25.Mai 2024]).