Für den Seefahrer Christoph Kolumbus kommt es dadurch zur Erfüllung eines Traums: Mit der Kapitulation von Santa Fe lösen Ferdinand und Isabella ihr Versprechen ein und gewähren ihm drei Schiffe, Mittel und umfangreiche Privilegien, um den Seeweg nach Indien auf einer Westroute zu suchen. Wenige Monate später führt das mit der Landung auf Guanahani zur „Entdeckung Amerikas“. Unabhängig davon, dass diese Reise weder die erste noch die einzige erfolgreiche Überquerung des Atlantiks und Amerika bereits seit langem besiedelt war, ist die Überfahrt von Kolumbus die bekannteste im Zeitalter der Entdeckungen und wird in der Geschichtswissenschaft vielfach als Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit angesetzt.
In Rom kommt einer der umstrittensten Päpste der Geschichte auf den Stuhl Petri: Dem aus Aragón stammenden Roderic Llançol i de Borja gelingt es, mittels Bestechung genügend Stimmen zu sammeln, dass er beim Konklave zum Nachfolger des verstorbenen Innozenz VIII. gewählt wird. Dessen Todesdatum ist von dem fanatischen Bußprediger Girolamo Savonarola korrekt vorhergesagt worden, was diesem einen starken politischen Auftrieb in seiner Heimatstadt Florenz gibt. Der neue Papst nimmt den Namen Alexander VI. an und beginnt rasch damit, seine Familie mit Begünstigungen und Geschenken zu überhäufen.
17. April: Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón schließen mit Christoph Kolumbus die Kapitulation von Santa Fe. Mit diesem Vertrag setzt Kolumbus alle seine Forderungen gegenüber den Katholischen Königen durch, von deren Erfüllung er das Projekt seiner „Indienfahrt“ abhängig gemacht hat. Der Vertrag bestimmt, dass Kolumbus für Spanien einen westlichen Seeweg nach Asien suchen soll. Ihm wird ein Zehntel an dem zu erwartenden Gewinn des Unternehmens zugestanden. Außerdem sichert der Vertrag Kolumbus die von ihm geforderten Titel Admiral des Ozeans, Vizekönig und Generalgouverneur zu. Er wird zum obersten Richter bei allen Streitigkeiten zwischen Spaniern in den zukünftigen Kolonien ernannt, darf sich Don nennen und erhält das Recht, Waffen zu tragen.
Die erste Reise Kolumbus’
3. August: Christoph Kolumbus sticht zu seiner ersten Reise nach Amerika in See.
28. Oktober: Christoph Kolumbus erreicht auf seiner ersten Reise die Insel Kuba.
Kolumbus landet auf Hispaniola, Kupferstich von Theodor de Bry, 1594
5. Dezember: Christoph Kolumbus landet auf der Insel Hispaniola.
25. Dezember: Die Santa Maria, das Flaggschiff von Christoph Kolumbus, erleidet Schiffbruch vor der Insel Hispaniola. Ein Teil der Besatzung bleibt in der auch mit Überresten des Schiffes gezimmerten Siedlung La Navidad zurück.
12. August: Die Asseburg bei Wolfenbüttel wird vor der Eroberung durch Herzog Heinrich den Älteren von Braunschweig durch den Rat der Stadt Braunschweig abgebrannt.
Für seine großformatigen Gemälde im Saal des großen Rates im Dogenpalast in Venedig wird Alvise Vivarini mit dem Ehrentitel Depentor in Gran Conseio ausgezeichnet und erhält fortan einen Sold von fünf Dukaten im Monat.
Am 31. Juli läuft das Ultimatum für die Vertreibung aller zwangstaufunwilligen Juden Spaniens ab. Zwischen 80.000 und 300.000 jüdische Menschen Spaniens haben Haus und Hof zu verlassen. Ein Drittel von ihnen wendet sich nach Portugal, ein Drittel nach der Türkei, etwa 25.000 gehen nach den Niederlanden, ebenso viele dürften nach Nordafrika, vornehmlich nach Marokko, gegangen sein, der Rest verteilt sich auf Frankreich, Italien und Ägypten. Gold und sonstige Schmuckgegenstände sowie Geld sind der katholischen Regierung zu überlassen.
Papst Innozenz VIII. stirbt am 25. Juli in Rom. Die Tatsache, dass sein Sterbedatum von Girolamo Savonarola korrekt vorhergesagt worden ist, führt dazu, dass dieser charismatische Bußprediger, der die Missstände des Kirchenstaates heftig geißelt, einen noch größeren Zulauf erhält und trägt maßgeblich zu dessen Machtübernahme 1494 in Florenz bei.
Papst Alexander VI.
Unterstützt durch Gelder Ferdinands von Aragonien erringt Rodrigo de Borja, ein Spanier aus der Familie Borgia, mittels Bestechung das Amt des Pontifex maximus, des Papstes der römischen Kirche. Die Wahl zum Nachfolger des im Juli verstorbenen Innozenz VIII. erfolgt nach fünftägigem Konklave am 11. August. Rodrigo nimmt den Namen Alexander VI. an.
Wappen des Erzbischofs von Granada Hernando de Talavera
Am 10. Dezember erhebt Papst Alexander VI. das Bistum Granada zum Erzbistum. Hernando de Talavera wird erster Erzbischof. Es gibt in der neuen Erzdiözese nur wenige Priester, kaum geweihte Kirchen oder Klöster und keine kirchlichen Verwaltungsstrukturen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung besteht aus getauften Christen oder spricht Spanisch. Talavera hat in verschiedenen Schriften zwar schon früher seine Ansichten zur Bekehrung der Muslime dargelegt, nun muss er diese theoretischen Überlegungen in die Praxis umsetzen. Talavera bemüht sich dabei, die Vorgaben der Verträge für die Übergabe Granadas an die Katholischen Könige, an deren Ausarbeitung er selbst beteiligt war, genau einzuhalten. Er verlangt, dass die Bekehrung der Muslime durch Überzeugung und nicht durch Anwendung von Gewalt geschehen solle. Talavera fördert den Druck eines Lehrbuches der arabischen Sprache durch Pedro de Alcalá und ermutigt seine Pfarrer, Arabisch zu lernen, um mit den Gemeindemitgliedern kommunizieren zu können. Dieser Einstellung steht der neue Beichtvater der Königin Francisco Jiménez de Cisneros ablehnend gegenüber.