Zunyit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt meist gut ausgebildete tetraedrische oder pseudo-oktaedrischeKristalle. In reiner Form ist Zunyit farblos und durchsichtig mit einem glasähnlichen Glanz auf den Kristallflächen. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Durch Fremdbeimengungen kann Zunyit zudem eine grauweiße bis fleischrote Farbe annehmen.
Mit einer Mohshärte von 7 gehört Zunyit zu den harten Mineralen, die ähnlich wie das Referenzmineral Quarz in der Lage sind, Fensterglas zu ritzen.
Da der Zunyit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Zunyit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Zunyit lautet „Zun“.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/C.36-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Zunyit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/C.36 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Zunyit die System- und Mineralnummer 57.03.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate: Insulare (Si3O10) und größere nichtzyklische Gruppen mit Si3O10-Gruppen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Insulare (Si3O10) und größere nichtzyklische Gruppen mit Si5O16-Gruppen“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 57.03.01.
Nach der Klassifikation von Liebau ist Zunyit ein offen verzweigtes 3er-Einfach-Gruppensilikat. Die Silikatgruppe besteht aus insgesamt fünf Silikat-Tetraedern mit der Teilformel [Si5O16]12−, die an den Ecken über gemeinsam genutzte Sauerstoffatome miteinander verbunden sind. Drei der Tetraeder bilden dabei eine Kette, von dessen Mitteltetraeder zwei einzelne Silikattetraeder offen abzweigen. Ungewöhnlich für Silikate ist die nahezu lineare Si-O-Si-Bindung mit einem Winkel von rund 170°.[10][11][12][13]
Im zentralen SiO4-Tetraeder kann Si4+ teilweise durch Al3+ ersetzt werden.[12][13][14] In synthetischen Zunyit konnte zudem der Ersatz SiO4 durch (OH)4 nachgewiesen werden, wie er z.B. auch in Hydrogranaten vorkommt.[15]
Zunyit ist das einzige Silikat mit diesen Silikatpentamer. Vergleichbar ist nur das [AlSi4(O,OH)16]-Komplexanion des Harkerit[16][12][13] und das [MgSi4O16]-Komplexanion des Rondorfit.[17]
Aluminiumbaugruppe
Aluminium ist sowohl tetraedrisch von 4 Suerstoffen umgeben wie auch oktaedrisch von 6 Sauerstoffen und Fluor und bildet Al13O16(OH)24-Baugruppen mit der Struktur von Keggin-Komplexionen.[10][11][14]
Drei AlO4(OH,F)2-Oktaeder sind über gemeinsame Kanten verknüpft. Vier dieser Dreiergruppen sind über Ecken (gemeinsame Sauerstoffe) so verbunden, dass sie einen Hohlraum umschließen, in dessen Zentrum sich AlO4-Tetraeder befindet. Die Ecken dieses Tetraeders liegen auf den zentralen Sauertoffen der Al-Oktaeder-Dreiergruppen. Diese Al13O16(OH)24-Keggin-Komplexe sind über gemeinsame Oktaederecken und die [Si5O16]-Anionen miteinander verbunden.[10][11][12]
Solche Keggin-Komplexionen spielen eine wichtige Rolle bei der Löslichkeit von Aluminium und anderen Metallen. Al-13-Komplexe treten außer im Zunyit vor allem in Aluminiumsalzen (Sulfate, Selenate) und deren Lösungen auf.[18]
Ein von A. Hutzelmann 1849 erstbeschriebenes und nach der Bergstadt Banská Belá (deutschDilln) als Dillnit bezeichnetes Mineral stellte sich bei späteren, von J. Konta und L. Mráz durchgeführten und 1961 publizierten, Untersuchungen als fluorreicheVarietät von Zunyit heraus.[19] Dillnit wurde daher entsprechend von der IMA/CNMNC diskreditiert.[20]
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W. F. Hillebrand:On zunyite and guitermanite, two new minerals from Colorado. In: Proceedings of the Colorado Scientific Society. Band1, 1885, S.124–131 (englisch, rruff.info[PDF; 550kB; abgerufen am 3.September 2025]).
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123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.593 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Zunyite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 3.September 2025(englisch).
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123B. W. Ray:The crystal structure of zunyite. In: PhD at the California Institute of Technology Pasadena, California. 1956, S.1–197 (englisch, rruff.info[PDF; 12,8MB; abgerufen am 3.September 2025]).
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123Peter J. Dirken, Arno P. M. Kentgens, Gerda H. Nachtegaal, AD M. J. van der Eerden, J. Ben H. Jansen:Solid-state MAS NMR study of pentameric aluminosilicate groups with 180° intertetrahedral Al-O-Si angles in zunyite and harkerite. In: The American Mineralogist. Band80, 1995, S.39–45 (minsocam.org[PDF; 605kB; abgerufen am 3.September 2025]).
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↑Localities for Zunyite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.September 2025(englisch).
↑
Fundortliste für Zunyit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. September 2025.