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Wilhelm Frede

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Gedenkstein in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Wilhelm Frede (* 29. Juni 1875 in Meiderich; † 13. März 1942 im KZ Sachsenhausen) war ein deutscher Diplomat in Diensten des niederländischen Konsulats, der als Opfer des Nationalsozialismus starb.

Wilhelm Frede war eines von sechs Kindern der Eheleute Julius und Adelgunde Frede. Er besuchte von 1882 bis 1889 die Volksschule in Meiderich und absolvierte im Anschluss bis 1894 eine kaufmännische Lehre bei den Rheinischen Stahlwerken in Duisburg. Daraufhin war er von 1894 bis 1897 Büroangestellter in der „Verlags-Buchhandlung Hoffmann“ in Duisburg.

Ab 1897 war Frede der Buchhalter der „Weingroßhandlung Remy“ in Kleve. Als sein Arbeitgeber Theodor Remy zum ehrenamtlichen Konsul des Konsulats in Kleve ernannt wurde, betraute Remy seinen Angestellten Frede mit vielfachen Aufgaben bei der Interessensvertrung der am Niederrhein lebenden Niederländer.[1] 1916 wurde Frede Konsulatssekretär und 1926 stellvertretender Konsul.

Zudem engagierte sich Frede ehrenamtlich in vielen, teils erst durch ihn begründeten Vereinen, darunter der Klever Ortsverband des Katholischen Kaufmännischen Vereins und der DJK Rhenania Kleve. 1910 trat er der Zentrumspartei bei.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Deutschen Reich geriet Frede als religiös bekennender Vizekonsul, an den sich viele Flüchtlinge und Ausreisewillige wandten, zunehmend in Konflikt mit der NS-Politik, obgleich nur ein einzelner Fall des Protests vollständig dokumentiert werden konnte. Als Frede während der Novemberpogrome 1938 am 10. November einige Jungen zur Rede stellte, die das Haus des Juden Bernhard Gonsenheimer mit Steinen bewarfen, wurde er von einem Passanten beschimpft und später bei der Gestapo denunziert, was für Frede weitreichende Folgen hatte. 1940 begann die Gestapo, ihn zu beschatten. Dennoch nahm Frede weiterhin an kirchlichen Prozessionen teil, unterhielt Kontakte mit katholischen Geistlichen und scheute sich nicht, als jüdisch verfolgte Einwohner zu grüßen und mit ihnen zu sprechen, so dass er als „politisch unzuverlässig“, als „fanatischer Katholik“ und als „Judenfreund“ galt.

Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht (Fall Gelb) wurde das niederländische Konsulat in Kleve geschlossen. Frede wurde daraufhin Leiter der durch das schwedische Vize-Konsulat Duisburg im einstigen niederländischen Konsulat eingerichteten Hilfestelle für niederländische Staatsangehörige. Am 6. Oktober 1941 wurde Frede auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber aus dem Dienst des schwedischen Konsulats entlassen. Zwei Tage später empfahl das Grenzkommissariat in Kleve, Frede in „Schutzhaft“ zu nehmen, da dieser einem Gestellungsbefehl nicht nachgekommen sei. Am 31. Oktober 1941 wurde Haftbefehl gegen Frede erlassen. Am 3. November des gleichen Jahres verhaftete ihn das örtliche Grenzpolizeikommissariat; er wurde zunächst im Gefängnis beim Landgericht Kleve in Gewahrsam gehalten.[1] Nach Vernehmungen durch die Gestapo, in denen insbesondere Fredes religiös begründete Weigerung zu einem Beitritt zur NSDAP und seine Hilfe für Bernhard Gonsenheimer während der Novemberpogrome thematisiert wurden, wurde Frede mit Anordnung vom 19. Dezember 1941 am 7. Februar 1942 ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er am 14. Februar als Häftling Nr. 41.087 inhaftiert wurde.

Kenotaph (mittig) für Nikolaus Groß, Johannes Maria Verweyen und Wilhelm Frede in der Krypta von St. Viktor in Xanten.

Bereits am 13. März 1942 verstarb Frede an den Folgen der Haft im KZ Sachsenhausen, sein Leichnam wurde verbrannt. Fredes Mithäftling Gustav Thorum berichtete, dass Frede erfror, nachdem er von Angehörigen der SS an eine Wand gehängt und mit Wasser überschüttet worden war. In der ersten Märzhälfte 1942 herrschten in der Gegend um Berlin bis zu zweistellige Minusgrade (die Tagesdurchschnittstemperatur in Berlin-Tegel am 13. März 1942 lag bei −7,4 °C).[2] In der amtlichen Mitteilung hieß es, er sei durch eine Herzschwäche infolge einer Lungenentzündung verstorben.

Wilhelm Frede heiratete am 20. April 1903 Maria Brohl. Am 26. März 1904 wurde ihre Tochter Mathilde geboren.[1]

In Anerkennung seine 40-jährigen Tätigkeit im Dienst des niederländischen Konsulats ernannte Königin Wilhelmina der Niederlande am 28. April 1938 Wilhelm Frede zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau.

  • In der Krypta der Xantener Stiftskirche St. Viktor gibt es als „Gedenkstätte neuzeitlicher Märtyrer“ einen leeren Sarkophag mit den Namen von drei „Glaubenszeugen“, darunter Wilhelm Frede. Einige Andenken an Frede werden seit 1966 in St. Viktor aufbewahrt.
  • In Kleve tragen eine Straße und die Sportanlage der DJK Kleve seinen Namen. Auch eine Schule im Klever Ortsteil Rindern war nach Wilhelm Frede benannt. Trotz öffentlicher Proteste wurde sie in „Gesamtschule Am Forstgarten“ umbenannt.[3]
  • Die katholische Kirche nahm Wilhelm Frede als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts auf.
  • Im Gedenkhain an der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen erinnert ein Gedenkstein an ihn.

Seligsprechungsprozess

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Das Bistum Münster eröffnete nach umfangreichen Voruntersuchungen zum Leben und zur Persönlichkeit Wilhelm Fredes am 13. März 2017 den diözesanen Teil des Seligsprechungsprozesses.[1] Diese Stufe des Verfahrens wurde am 20. März 2020 abgeschlossen, die entsprechenden Unterlagen dazu wurden am 13. März 2020 der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan eingereicht.[1] Anfang 2026 übergab der Postulator, Paolo Rizzi, dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse die Positio super martyrio (lateinisch: die Darlegung des Martyriums), die gesammelten Akten zum Nachweis das Martyriums.[1]

  • Franz Kloidt: Gestapo-Akten III/4-F3/41g, Martyrer-Akten Wilhelm Frede. von Acken, Krefeld 1966.
  • Paul Gerhard Küsters: Wilhelm Frede: Ich halte stand. Verlag für Kultur und Technik, Kleve 1999, ISBN 3-924637-27-X.
  • Paul Gerhard Küsters, Chrysostomus Ripplinger: Art.: Wilhelm Frede, in: Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1999, 8., erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, ISBN 978-3-506-79130-6, S. 556–558.
  • Maria Anna Zumholz: „Als gläubiger Katholik kann ich nicht zwei Weltanschauungen zu gleicher Zeit dienen.“ Wilhelm Frede (geboren 1875 in Meiderich † 1942 in Sachsenhausen). In: Rheinische Vierteljahrsblätter, Jg. 84 (2020), S. 178–203.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 Paolo Rizzi: „Ich kann nicht zugleich zwei Weltanschauung dienen.“ Ein Familienvater aus Duisburg könnte bald selig gesprochen werden. In: Kirche+Leben, 10. Mai 2026, S. 19.
  2. Historische Wetterdaten für die Wetterstation Berlin-Tegel für März 1942 auf TuTiempo.net, abgerufen am 7. Januar 2023.
  3. Peter Kummer: Streit um Schulnamen: Soll Schule in Kleve nach Nazi-Opfer Frede benannt werden?. In: Kirche+Leben, 24. Juni 2017.