Zum Inhalt springen

Vickers Wellesley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Vickers Wellesley war ein leichter Bomber aus britischer Produktion aus den 1930er Jahren. Der einmotorige Mitteldecker, benannt nach dem britischen Feldmarschall Arthur Wellesley, hatte seinen Erstflug im Jahr 1935. Dem Modell gelang 1938 ein bemerkenswerter Langstreckenrekordflug, allerdings war der Typ bereits zu Beginn des Zweiten Weltkrieges veraltet und musste deshalb von der europäischen Front abgezogen werden. Ihr Einsatzgebiet lag von 1940 bis 1942 in Afrika, Ägypten und im Nahen Osten.

Die Wellesley gewann 1935 indirekt eine Ausschreibung, da ihre Konkurrenten, die Doppeldeckerbomber Vickers Type 253, Fairey G.4/31 und Parnall G.4/31, die Royal Air Force (RAF) nicht überzeugen konnten. Die Wellesley wurde damals mit Risikokapital finanziert und angeboten. Die RAF bestellte im September 1935 ein erstes Baulos von 96 Maschinen, indessen wurde der Auftrag 1936 nochmals dahingehend abgeändert, als dass die Maschinen leistungsstärkere Bristol Pegasus XX-9-Zylinder-Flugzeugmotoren erhalten sollten. Vickers führte zudem bei der Wellesley erstmals die geodätische Bauweise ein, die später auch bei Mustern wie der Vickers Wellington, der Vickers Warwick, der Vickers Viking und den Prototypen der Vickers Windsor beibehalten wurde. Im September 1936 stockte die RAF die Bestellung schließlich auf insgesamt 176 Maschinen auf. Die Version Mk I hatte noch zwei separate Cockpits, die Nachfolgeversion Mk II nur noch ein Cockpit. Der Rumpf und die Tragflächen, in geodätischer Bauweise gefertigt, waren aus Duraluminium und mit Stoff bespannt.

Das erste Serienmodell der Wellesley flog am 30. Januar 1937. Die Erprobung bei der RAF begann am 18. März 1937,[1] die offizielle Indienstnahme erfolgte einen Monat später, als das 76. Geschwader der Royal Air Force (No. 76 Squadron RAF) in Finningley die ersten Flugzeuge erhielt. Bis März 1938 wurden alle 176 bestellten Exemplare planmäßig ausgeliefert. Insgesamt wurden sechs Geschwader des RAF Bomber Command mit der Wellesley ausgerüstet.[2]

Rekordflug 1938

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1938 wurden fünf Maschinen testweise für Langstreckenflüge mit Zusatztanks und mit stärkeren Motoren des Typs Bristol Pegasus XXII ausgestattet; die Maschinen bildeten eine neu aufgestellte Testeinheit der Royal Air Force, die die Herausforderungen und die Auswirkungen auf Mensch und Technik bei Langstreckenflügen erforschen sollte (die Einheit firmierte unter der Bezeichnung Long Range Development Unit).[2] Ab dem 5. November 1938 flogen drei dieser fünf Wellesley (unter den Besatzungen Kellet, Hogan und Combe) nonstop in zwei Tagen von Ismailia in Ägypten nach Darwin in Australien. Eine Maschine musste unterwegs nahe Kupang in Westtimor wegen eines technischen Problems notlanden, die beiden anderen Flugzeuge absolvierten die Strecke ohne Zwischenfälle. Die bewältigte Flugstrecke betrug 7162 englische Meilen beziehungsweise 11.526 Kilometer, die durchschnittliche Geschwindigkeit bei diesem Rekordflug lag bei 149 Meilen pro Stunde, was knapp 240 km/h entsprach.[3] Diese Leistung stellte seinerzeit einen Weltrekord für einmotorige Flugzeuge dar, der bis 1945 nicht übertroffen wurde.[4]

Zweiter Weltkrieg

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 war die Maschine bereits überaltert und die Höchstgeschwindigkeit sowie die Defensivbewaffnung wurden als nicht mehr ausreichend angesehen, zumal auf dem europäischen Kriegsschauplatz, wo mit entsprechender Präsenz durch leistungsstarke Jagdflugzeuge gerechnet werden musste. Aus diesem Grund wurden die Wellesley-Bomber zu Kriegsbeginn bei den Einheiten auf den britischen Inseln rasch ausgesondert und fast zur Gänze auf entferntere Kriegsschauplätze im Mittleren und Nahen Osten verlegt.[2] Dort wurden die Maschinen in drei Geschwadern zusammengefasst und noch eine Zeitlang genutzt, so in den Jahren 1940/41 während der Ostafrikakampagne gegen Italien, wo die Abwehr durch Jagdflugzeuge deutlich schwächer war.

Ihren ersten Luftkampf überhaupt bestritten Wellesleys am 12. Juni 1940, zwei Tage nach dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg, als Wellesleys des 223. Geschwaders der Royal Air Force (No. 223 Squadron RAF) über Gura'i in Eritrea auf italienische Jagdabwehr stießen. Eine Maschine erlitt dabei Beschädigungen, konnte aber zur Basis zurückkehren.

Der erste direkte Verlust durch Feindeinwirkung trat wiederum zwei Tage später ein, als zwei Wellesley des 14. Geschwaders der Royal Air Force (No. 14 Squadron RAF) am 14. Juni 1940 über Massaua, das zu diesem Zeitpunkt noch von Italien kontrolliert wurde, auf einen italienischen CR.42-Jäger trafen, der von dem Fliegerass Mario Visintini geflogen wurde. Eine Wellesley wurde bei dem Zusammentreffen abgeschossen.[5] Ein weiterer Abschuss einer Wellesley, erneut eine Maschine des 14. RAF-Geschwaders, gelang Visintini am 3. Juli 1940 nahe Dekemhare.[6] Es zeigte sich, dass die Wellesley selbst dann verwundbar waren, wenn sie auf ebenso überalterte Doppeldecker-Jäger wie die CR.42 trafen.

Letzte Kriegseinsätze, wobei die Maschinen vom 47. Geschwader der Royal Air Force (No. 47 Squadron RAF) eingesetzt wurden, bestritten die Wellesleys im September 1942, als sie über dem Roten Meer Aufklärungseinsätze flogen.[7]

Militärische Nutzer

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
 Südafrikanische Union
 Vereinigtes Königreich

Technische Daten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Dreiseitenriss der Wellesley Mk. I
Vickers Wellesley
Hawker Hind
Eine Vickers Wellesley Mk I der No. 47 Squadron RAF über Eritrea (1941).
TypMehrzweckflugzeug
Leichter Bomber
Entwurfsland

Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich

Hersteller Vickers
Erstflug 1935
Indienststellung April 1937
Produktionszeit

1936 bis 1938

Stückzahl 176
KenngrößeWellesley Mk I
Besatzung2
Länge11,96 m
Spannweite22,73 m
Höhe3,75 m
Flügelfläche58,5 m²
Flügelstreckung8,8
Leermasse2889 kg
Startmasse5035 kg
max. Startmasse5670 kg
Antrieb ein Sternmotor Bristol Pegasus XX mit 925 PS (690 kW)
Höchstgeschwindigkeit369 km/h
Dienstgipfelhöhe10.060 m
Reichweite1.786 km
Bewaffnungzwei 7,7-mm-Vickers-MGs, max. 907 kg Bomben
  • C. F. Andrews, E. B. Morgan: Vickers Aircraft since 1908. Second Edition, Putnam, London 1999, ISBN 0-85177-815-1.
  • Norman Barfield: Vickers Wellesley Variants. (Aircraft in Profile 256) Profile Publications Limited, Windsor 1973.
  • Francis K. Mason: The British Bomber since 1914. Putnam Aeronautical Books, London 1994, ISBN 0-85177-861-5.
  • Iain Murray: Bouncing-Bomb Man. The Science of Sir Barnes Wallis. J.H. Haynes & Co Ltd., Yeovil 2009, ISBN 978-1-84425-588-7.
  • The Wellesley. Geodetics in Action. In: Air International. Volume 18, No. 1, Juli 1980, Pilot Press, Bromley, ISSN 0306-5634, S. 25–33, 49–50.
Commons: Vickers Wellesley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ C. F. Andrews: Vickers Aircraft Since 1908. Putnam. London 1969, S. 303.
  2. 1 2 3 Francis Crosby: The World Encyclopedia of Bombers. Anness Publishing Ltd., London 2007, S. 145.
  3. ↑ R.A.F. Long-distance Non-stop Record Flight. nature.com, 1. November 1938, abgerufen am 24. September 2026 (englisch).
  4. ↑ Norman Barfield: Vickers Wellesley Variants. Aircraft in Profile. Vol. 256. Profile Publications Ltd., Windsor 1973, S. 89.
  5. ↑ Jon Sutherland, Diane Canwell: Air War East Africa 1940–41: The RAF Versus the Italian Air Force. Pen and Sword Aviation. Barnsley 2009, S. 32.
  6. ↑ Giovanni Massimello, Apostolo Giorgio: Italian Aces of World War Two. Osprey Publishing. Oxford 2000, S. 48.
  7. ↑ Barfield: Vickers Wellesley Variants, S. 50.