Ulrichit ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt nur sehr kleine, nadelige Kristalle bis etwa einem Millimeter Länge und 0,05 Millimeter Dicke und glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Typischerweise sind die Kristalle in radialstrahligen, büscheligen Aggregaten angeordnet. Auch tafelige Prismen und gelegentlich Kristallzwillinge wurden beobachtet. Die Farbe des Minerals variiert zwischen Hellapfelgrün und Limettengrün, seine Strichfarbe ist jedoch immer weiß.
Mit einer Mohshärte von 3 bis 3,5 gehört Ulrichit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Calcit (3) mit einer Kupfermünze ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Ulrichit im Granitsteinbruch etwa 10 Kilometer südsüdwestlich vom Lake Boga und 17 Kilometer südlich von Swan Hill im australischen Bundesstaat Victoria und beschrieben 1988 durch William D. Birch, W. G. Mumme und E. R. Segnit, die das Mineral nach dem deutsch-australischen Geologen und Mineralogen Georg Heinrich Friedrich Ulrich (1830–1900) benannten.[8]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ulrichit in die zunächst allgemeinere Abteilung der „Uranylphosphate und Arsenate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis der Uranylverbindungen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „UO2:RO4=1:2“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.EA.15 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Ulrichit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc.“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied/zusammen mit in der unbenannten Gruppe 40.02a.33 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O), mit (UO2)2+“ zu finden.
Die Kristallstruktur von Ulrichit besteht aus kantenverknüpften Calcium- und UO2+5-Polyedern, die über PO4-Tetraeder zu Schichten parallel (100) verbunden sind. Diese Schichten werden über CuO4- und H2O-Moleküle zusammengehalten.
Aufgrund der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Ulrichit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.
William D. Birch, W. G. Mumme, E. R. Segnit:Ulrichite: a new copper calcium uranium phosphate from Lake Boga, Victoria, Australia. In: Australian Mineralogist. Band3, 1988, S.125–131 (englisch).
John Leslie Jambor, Edward S. Grew:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.240–246 (englisch, rruff.info[PDF; 711kB; abgerufen am 13.Mai 2022]).
Uwe Kolitsch, G. Giester:Revision of the crystal structure of ulrichite, CaCu2+(UO2)(PO4)2·4H2O. In: Mineralogical Magazine. Band65, 2001, S.717–724 (englisch, rruff.info[PDF; 246kB; abgerufen am 13.Mai 2022]).
Ulrichite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 13.Mai 2022(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.523 (englisch).
1234567
Ulrichite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 67kB; abgerufen am 13.Mai 2022]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12345Ulrichite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 13.Mai 2022(englisch).
↑William D. Birch, W. G. Mumme, E. R. Segnit:Ulrichite: a new copper calcium uranium phosphate from Lake Boga, Victoria, Australia. In: Australian Mineralogist. Band3, 1988, S.125–131 (englisch).