Trabant 601
| VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Trabant 601S Limousine im Originalzustand (1988) | |||||||||
| Trabant 601 | |||||||||
| Produktionszeitraum | 1964–1990 | ||||||||
| Klasse | Kleinwagen | ||||||||
| Karosserieversionen | Limousine, Kombi, Kübelwagen | ||||||||
| Motoren | Zweitaktmotoren: 0,6 Liter (17–19 kW) | ||||||||
| Länge | 3555–3560 mm | ||||||||
| Breite | 1504–1510 mm | ||||||||
| Höhe | 1437 mm | ||||||||
| Radstand | 2020 mm | ||||||||
| Leergewicht | 610–650 kg | ||||||||
| Vorgängermodell | Trabant 600 | ||||||||
| Nachfolgemodell | Trabant 1.1 | ||||||||
| Einfarbig | Ausgelieferte Farben 1978 (in Prozent) | Zweifarbig Karosserie/Dach | Ausgelieferte Farben 1978 (in Prozent) |
|---|---|---|---|
| Pastellweiß | 30 | Pastellweiß/Biberbraun | 3 |
| Delphingrau | 22 | Pastellweiß/Olivgrün | 2 |
| Biberbraun | 12 | Delphingrau/Persisch-Orange | 2 |
| Cliffgrün | 10 | Biberbraun/Persisch-Orange | 2 |
| Pastellblau | 2 | Biberbraun/Pastellweiß | 2 |
| Neptunblau | 1 | Delphingrau/Biberbraun | 2 |
| Persisch-Orange | 1 | Cliffgrün/Delphingrau | 2 |
| Cliffgrün/Pastellweiß | 1 | ||
| Pastellweiß/Pastellblau | 1 | ||
| Pastellweiß/Neptunblau | 1 |
Fahrwerk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Trabant hat Einzelradaufhängung. Die Vorderräder sind oben an einer Querblattfeder und unten an Querlenkern aufgehängt,[76][77] womit die Blattfeder selbst die Funktion eines Querlenkers einnimmt. Ähnliche Konstruktionen gab es im Wartburg 311, Panhard 24 und Ford P4. Die Vorderräder älterer Modelle werden über Scharniergelenkwellen mit Gleitsteinen angetrieben. 1984[78] stellte IFA auf Gelenkwellen mit Tripode-Innengelenk um, einem Gleichlaufgelenk. Hinten ist eine Schräglenkerachse (in der DDR teilweise als „Schrägpendelachse“ bezeichnet)[79] mit gummigelagerten dreieckförmigen Schwingen und Querblattfedern eingebaut. Fahrzeuge ab April 1988 haben Schraubenfedern an der Hinterachse. Durch die stärkeren Federdome ist die Rücksitzbank hier weiter vorn angeordnet, was den ohnehin knappen Knie-Raum im Fond weiter beschränkte. Gedämpft werden die Räder mit Teleskopstoßdämpfern. Die Bremsanlage ist eine hydraulische Zweikreisbremse (ab 1980) mit Bremstrommeln, deren Durchmesser 200 mm beträgt. Die Handbremse des Trabants wirkt mechanisch auf die Hinterräder. Die 13-Zoll-Standardbereifung hat die Dimension 5,2-13 oder 145 SR 13. Als Lenkung dient eine Zahnstangenlenkung.[80]
Antrieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Motor des Trabants ist ein luftgekühlter Zweizylinder-Zweitakt-Ottomotor mit Einlassdrehschieber und 594,5 cm³ Hubraum. Er ist quer zur Fahrtrichtung vorn eingebaut, hat eine dreifach gelagerte Kurbelwelle und nadelgelagerte Pleuel (ab 1974). Er wird durch Gemischschmierung im Verhältnis 1:50 (bis 1973: 1:33) geschmiert und von einem keilriemengetriebenen Axialgebläse luftgekühlt. Die Kraft übertrug eine Einscheibentrockenkupplung und ein 4-Gang-Getriebe mit Krückstockschaltung und nicht-sperrbarem Freilauf im vierten Gang auf die Vorderräder. Der Kraftstofftank ist im Motorraum eingebaut, eine Benzinpumpe entfällt wegen des Fallbenzinsystems. Abhängig vom Baujahr werden unterschiedliche Vergasertypen verwendet. Als Zündanlage dient die elektronische Batteriezündanlage des Typs EBZA-2 H.[80] (vor 1985: Unterbrecherzündung).
Elektrik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die 6-Volt-Anlagen haben eine Gleichstrom-Lichtmaschine mit 220 W Leistung, einen Blei-Säure-Akkumulator 6 V / 56 Ah und Scheinwerfer (Lichtaustrittsdurchmesser von 170 mm) mit Zweifaden-Glühlampen („Bilux“), 40/45 W. 1984 wurde auf eine Drehstromlichtmaschine, 12 V Bordspannung und H4-Scheinwerfer umgestellt.[80]
Abgasbelastung und Kraftstoffverbrauch
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Die deutlich sicht- und riechbaren Kohlenwasserstoffe (Aerosole, sekundäre Aerosole aus Aromaten[81] sowie Frischgasverluste inkl. Benzol) werden beim Trabant 601 etwa 30-mal so stark emittiert wie bei einem vergleichbaren Viertaktmotor. In den 1970er Jahren wurde in der DDR zwar Benzo(a)pyren als Indikator für krebserregende, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Abgasen von Kraftfahrzeugen entwickelt, jedoch ohne gesetzliche Grenzwerte dafür festzulegen. Damalige Messungen ergaben, dass an Verkehrsschwerpunkten der DDR Benzo(a)pyren-Konzentrationen von 2 µg/100 m3 auftreten konnten, wobei der von der Sowjetunion herausgegebene MIK-Wert bei 0,1 µg/100 m3 lag.[82] Um den hohen Ausstoß an Kohlenwasserstoffen zu verringern, wurde die Verwendung einer Kraftstoffeinspritzung anstatt des Vergasers diskutiert,[83] dazu kam es jedoch nicht mehr.
Von den weder sicht- noch riechbaren Stickoxiden (NOx) emittiert der Trabant dank der niedrigeren Verbrennungstemperatur nur ein Zehntel im Vergleich zu einem ähnlich kleinen Viertaktmotor ohne Katalysator.[84] Auch die Kohlenmonoxid-Emission (CO) liegt niedriger als bei damaligen Viertaktmotoren. Beispielsweise lassen sich am Zweitaktmotor des Wartburg 353 problemlos Werte von 0,5 bis 1,0 Vol% CO im Leerlauf am Vergaser einstellen, in der Werkseinstellung waren es 1,5 bis 2,0 Vol%[85]. Für den Trabant 601 war ein einwandfreier Motorlauf ab 2,5 Vol% CO zu erreichen, und auch in der DDR galt ab Sommer 1971 durch das Landeskulturgesetz die Begrenzung der CO-Emissionen im Leerlauf auf den damals auch in der Bundesrepublik Deutschland eingeführten Grenzwert von 4,5 Vol-%.[86]
In Westdeutschland kamen ab 1985 Abgaskatalysatoren auf, diese verringerten die Abgasemissionen stark und beim Drei-Wege-Katalysator sogar von CO, NOx und Kohlenwasserstoffen gleichzeitig. In den Jahren der politischen Wende gab es daher zahlreiche Bemühungen, einen Abgaskatalysator auch für den Trabant 601 zu entwickeln.[87][88] Wegen des unwirtschaftlichen Preises und ihrer technischen Unausgereiftheit wurden solche Zweitakt-Kats jedoch kaum eingebaut.
Grundsätzlich hatte der Trabant, wie die meisten Fahrzeuge mit Zweitaktmotor, gemessen an seiner Motorleistung einen recht hohen Kraftstoffverbrauch. Durch verschiedene Maßnahmen konnte dieser in den 1980er Jahren von 8 auf 6,9 l/100 km abgesenkt werden.[89] Jan Tuček gibt den Kraftstoffverbrauch des Trabant 601 mit 7–9 Liter pro 100 km an.[90] Eine außergewöhnlich große Abgasbelastung stellte sich mitunter ein, wenn Trabantfahrer es versäumten, den manuell zu betätigenden Choke zu schließen oder dem Kraftstoff übermäßig viel Öl beimengten. Derartige, seinerzeit sehr verbreitete Gewohnheiten trieben die Abgasbelastung noch weiter in die Höhe. Schließlich bewirkten die in der DDR erhältlichen minderwertigen Öle aus sowjetischen Importen oder auf Braunkohleschwelteer-Basis einen besonders stechenden Abgasgeruch. Mit heutigen vollsynthetischen Ölen lässt sich ein Trabant mit wesentlich geringerer Emission von Kohlenwasserstoffen und anderen Schadstoffen betreiben und kommt auch mit geringerem Ölgehalt im Kraftstoff aus.
Crashtests
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits bei der Entwicklung des Autos wurden Versuche zur Erprobung der Duroplastkarosse durchgeführt. Dazu stürzte man Trabant 601 einen Abhang hinunter und ließ sie sich mehrmals überschlagen. Das Ergebnis war zufriedenstellend; ein solches Probefahrzeug war nach diesem Test sogar noch aus eigener Kraft fahrfähig.[91] Durch den Beitritt der DDR in die ECE wurden 1973 ECE-genormte Crashtests durchgeführt. Beim Frontalaufprall mit 52,6 km/h (anstatt 48,3 km/h laut ECE-Norm) verformten sich Fahrgastzelle und Türen nur unwesentlich, sämtliche Scheiben blieben in ihren Fassungen und die horizontale Verlagerung der Lenksäule blieb mit 6,3 cm unter dem ECE-Grenzwert von 12,7 cm.[92] Bis zum Jahr 1980 wurde im Sachsenring-Werk eine Prüfanlage eingerichtet, um alle ECE-relevanten Aufpralluntersuchungen durchführen zu können. Diese fanden teilweise auch öffentlich statt.[93] Die Untersuchungen mündeten zum Teil in Serienverbesserungen, beispielsweise wurde 1981 die B-Säule verstärkt.
1990/1991 wurde, vor allem von westdeutschen Politikern ausgehend, viel über die Sicherheit des Trabants debattiert, die möglicherweise derart unzumutbar sei, dass er schnellstens aus dem Verkehr gezogen werden müsse. Crashtests der Allianz sorgten schließlich für Klarheit.[94] Der Trabant 601 verformt sich bei einem Frontalaufprall nicht stärker als ein VW Polo I und steht selbst im Vergleich zum Golf II gut da.[95] Die Stabilität der Fahrgastzelle entspricht den internationalen Vorschriften und resultiert nicht zuletzt daraus, dass die Kunststoffteile beim Aufprall wegsplittern, anstatt in die Fahrgastzelle aus Stahl gedrückt zu werden. Dieser scheinbare Vorteil bringt jedoch auch den Nachteil mit sich, dass die Bewegungsenergie weniger in Verformungsenergie umgewandelt wird, so dass sie direkter auf die Insassen des Fahrzeugs einwirken kann. Daraus ergeben sich überdurchschnittlich hohe Werte in der Kopfbeschleunigung (über 100g). Umso wichtiger sind im Trabant Kopfstützen, die jedoch erst ab Mitte der 1980er Jahre zur Ausstattung wenigstens der Vordersitze zählten. Hinzu kommt als weiterer Schwachpunkt die starre, in den Innenraum eindringende Lenksäule. Ferner bergen die zweitürige Duroplastkarosserie (Entzündungstemperatur: 800 °C) und der vorn eingebaute Tank ein erhöhtes Risiko für und bei Fahrzeugbränden.[96]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Modellvariante | Technische Daten 1964 bis 1969[90] | Technische Daten 1969 bis 1990 | ||
|---|---|---|---|---|
| Trabant 601 Limousine | Trabant 601 Universal | Trabant 601 Limousine | Trabant 601 Universal | |
| Motor | Zweizylinder-Ottomotor, Zweitakt mit Einlassdrehschieber, quer eingebaut | Zweizylinder-Ottomotor P 65/66, Zweitakt mit Einlassdrehschieber, quer eingebaut | ||
| Hubraum | 594,5 cm³ | |||
| Bohrung × Hub | 72 mm × 73 mm | |||
| Nennleistung | 23 PS (16,9 kW) bei 3800/min | 26 PS (19,1 kW) bei 4200/min | ||
| max. Drehmoment | 5,2 kpm (51 Nm) bei 2700–2800/min[97] | 5,5 kpm (53,9 Nm) bei 3000/min[98] | ||
| Verdichtung | 7,5 : 1 | 7,5 : 1; ab März 1985: 7,8 : 1 | ||
| Kühlung | Luftkühlung (Gebläse) | |||
| Getriebe | Vierganggetriebe mit Lenkstockschaltung, Freilauf im vierten Gang | |||
| Schmierung | Gemischschmierung im Verhältnis 1:33 | Gemischschmierung im Verhältnis 1:33, ab 1974: 1:50 | ||
| Leergewicht | 620 kg | 660 kg[99] | 620 kg | 660 kg[98] |
| zulässiges Gesamtgewicht | 1000 kg | 1040 kg | 1000 kg | 1040 kg[98] |
| Maße L × B × H | 3555 mm × 1505 mm × 1440 mm | 3560 mm × 1510 mm × 1470 mm[99] | 3555 mm × 1505 mm × 1440 mm | 3560 mm × 1510 mm × 1470 mm[98] |
| Radstand | 2020 mm | |||
| Spurweite vorn/hinten | 1206/1255 mm | |||
| Höchstgeschwindigkeit | ca. 100 km/h, ab 1974: 108 km/h | |||
| Kraftstoffverbrauch | 8–9 l/100 km | 8–9 l/100 km; ab 1984: 6,9–7,1 l/100 km | ||
| Tankinhalt | 24 l, davon ca. 4 l Reserve | 24 l; ab Herbst 1972: 26 l | ||
Produktionszahlen P 601
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gesamtproduktion P 601 Fahrzeuge von 1963 bis 1990:[100][101]
| Jahr | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nullserie | 110 | 23 | |||||||
| Limousine | 29.668 | 55.764 | 59.146 | 61.313 | 63.677 | 66.672 | 68.805 | 73.016 | |
| Universal | 1.842 | 14.206 | 14.669 | 15.277 | 15.853 | 16.680 | 17.350 | ||
| Lieferwagen | 368 | 218 | 330 | 221 | 295 | 95 | |||
| Kübelwagen | 165 | 720 | 454 | 632 | 420 | 604 | |||
| Wankelmotor | 90 | ||||||||
| Gesamtproduktion | 110 | 29.691 | 57.606 | 73.885 | 76.920 | 79.738 | 83.468 | 86.200 | 91.065 |
| Jahr | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Limousine | 74.973 | 77.969 | 80.635 | 81.368 | 83.827 | 84.431 | 86.340 | 88.776 |
| Universal | 18.367 | 20.196 | 21.595 | 23.191 | 24.199 | 24.764 | 25.420 | 25.724 |
| Lieferwagen | 50 | |||||||
| Kübelwagen | 540 | 467 | 586 | 548 | 434 | 434 | 475 | 527 |
| Gesamtproduktion | 93.930 | 98.632 | 102.816 | 105.107 | 108.460 | 109.626 | 112.235 | 115.027 |
| Jahr | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Limousine | 92.091 | 93.651 | 95.150 | 96.980 | 102.588 | 108.765 | 115.878 | 117.655 |
| Universal | 25.985 | 25.983 | 25.986 | 26.072 | 26.859 | 27.285 | 27.431 | 27.521 |
| Kübelwagen | 360 | 466 | 584 | 619 | 303 | 320 | 391 | 400 |
| Dieselmotor | 3 | |||||||
| Gesamtproduktion | 118.436 | 120.100 | 121.630 | 123.671 | 129.753 | 136.370 | 143.700 | 145.576 |
| Jahr | 1988 | 1989 | 1990 | Summe |
|---|---|---|---|---|
| Limousine | 116.800 | 116.935 | 48.752 | 2.241.625 |
| Universal | 28.425 | 27.681 | 15.498 | 563.969 |
| Kübelwagen | 375 | 236 | 90 | 11.150 |
| Lieferwagen | 1.577 | |||
| Nulls./Wankel/Diesel | 226 | |||
| Gesamtproduktion | 145.600 | 144.852 | 64.340 | 2.818.547 |
| Produktionsjubiläen | 1968 | 1973 | 1978 | 1982 | 1990 |
|---|---|---|---|---|---|
| 21.04.1968 | 500.000 | ||||
| 22.11.1973 | 1.000.000 | ||||
| 01.08.1978 | 1.500.000 | ||||
| 01.10.1982 | 2.000.000 | ||||
| 21.05.1990 | 3.000.000 |
Testberichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Beurteilung des Trabant 601 fiel in der DDR-Fachpresse (Kraftfahrzeugtechnik) bereits bei seinem Erscheinen 1964 sehr verhalten aus. Die kompromissbeladene neue Karosserie wurde als Resultat bisher zu geringer Stückzahlen gesehen, sodass Kosten für die Produktionsmaschinen noch immer nicht amortisiert waren. Das aber sei Voraussetzung für die Entwicklung einer völlig neuen Konstruktion. Der jetzt gefundenen Form des Trabants wurde vorausgesagt, künftigen technischen Entwicklungen über längere Zeit nicht standzuhalten. Gelobt wurden die durchaus wirksamen Maßnahmen zur Minderung der Innengeräusche, die Kurbelfenster, die verbesserte Heizleistung und auch das nun wieder zeitgemäße Äußere des Trabant. Bezüglich Fahrverhalten und Fahrleistung wurden im Vergleich zum Trabant 600 kaum Veränderungen festgestellt. Der ermittelte Durchschnittsverbrauch betrug 8,2 l/100 km.[102] Positiver wurde der Trabant Kombi „Universal“ bewertet. Sowohl vom Nutzwert als auch formgestalterisch sei er gelungen. Auch sei die Verarbeitungsqualität des teilweise in Meerane produzierten Wagens erkennbar besser als bei der Limousine. Dank etwas nach hinten versetzter Rückbank war die Kniefreiheit im Fond um 8 cm größer, so dass auch längere Strecken mit vier Erwachsenen relativ bequem zurückgelegt werden konnten. Kritik galt der Be- und Entlüftung, die für den größeren Innenraum des Kombi nicht ausreichend sei.[103]
Bei einer Langstreckenbeurteilung über 10.000 km traten ständig Kerzenbrücken und wiederholt Kolbenklemmer auf, die den Untersuchungen nach im Zusammenhang mit der schlechten Qualität der damals erhältlichen Vergaserkraftstoffe standen. Auch die Stoßdämpfer hatten wiederholt Defekte. Insgesamt traten im Testzeitraum sieben Defekte an funktionswichtigen Teilen auf. Kritik galt insbesondere auch der Vielzahl auftretender Klappergeräusche und dem hohen Durchschnittsverbrauch von 8,9 l/100 km.[104]
Die Leistungssteigerung um 3 PS kam vor allem der Beschleunigung zugute, wie im KFT-Test im Jahr 1969 festgestellt wurde. Allerdings war der ohnehin schon kritische Geräuschpegel dadurch gestiegen, die Warmlaufphase verlängert, und eine erhebliche Senkung des Kraftstoffverbrauchs war nicht feststellbar (8,8 l/100 km). Als Höchstgeschwindigkeit wurden 105 km/h gemessen.[105]
Im Dauertest der KFT über 22 000 km wurde dem Trabant im Jahr 1970 bescheinigt, dass sich insbesondere die Qualität des Motors verbessert habe und der ermittelte Koeffizient von 1 Reparatur je 1000 km international konkurrenzfähig sei (wobei Reparaturen an nicht funktionswichtigen Teilen mit eingerechnet waren). Während der Teststrecke waren insgesamt drei außerplanmäßige Werkstattbesuche notwendig, am Motor selbst gab es keine Beanstandungen. Erneut wurde darauf hingewiesen, dass ein Viertaktmotor dem Weltstand der Motorentechnik entsprechen würde, und dass die oft ungleichmäßige Bremswirkung und unzureichende Heizleistung grundsätzliche Mängel des Trabants seien. Zudem wurde die unbefriedigende Ersatzteilversorgung bemängelt. Der Kraftstoffverbrauch betrug im Durchschnitt 8,7 l/100 km.[106] Noch positiver fiel 1971 der Test des Trabants Universal aus, bei dem über 8000 km – von einem kleinen Defekt an den Türschlössern und am Anlasser-Magnetschalter abgesehen – keine Störungen auftraten und verschiedene Detailverbesserungen als wirksam gelobt wurden. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 108 km/h mit Diagonalreifen. Mit den ab 1972 wahlweise erhältlichen Radialreifen lag sie wegen des kleineren Abrollumfangs bei 105 km/h. Der Durchschnittsverbrauch betrug abhängig von der Jahreszeit etwa 8,6 l/100 km.[107][39]
In einer Gesamtbeurteilung der KFT im Jahr 1973 wurde vorsichtig formuliert festgehalten, dass weder Motor noch Karosserie noch Fahrwerk des Trabant die Anforderungen erfüllten, die an einen Pkw der siebziger Jahre zu stellen seien, und nur eine Neuentwicklung ausreichende Sicherheit, Komfort und Umweltschutz gewährleisten könne. Im Rahmen der realistisch zu erwartenden Möglichkeiten wurde unter anderem ein wassergekühlter Dreizylinder-Zweitaktmotor mit Membran-Einlasssteuerung vorgeschlagen.[108] In einem Test 1978 hatte die Fachpresse das Ausbleiben größerer Weiterentwicklungen lethargisch zur Kenntnis genommen, der Fokus lag nun auf Anregungen für weitere Detailverbesserungen.[28] In einen Test von 1981 mischten sich deutlich frustrierte Töne, dass selbst die Weiterentwicklung im Detail nur nachlässig vonstattengehe.[26] 1982 wurden die Automatikgurte, das neue Lenkrad, die Tankanzeige, die Benzinhahn-Fernbedienung und Verbesserungen am Türschloss als erfreuliche und gelungene Detailverbesserungen bewertet.[109]
Marktsituation in der DDR
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Bis 1990 gab es beim Trabant 601 keine nennenswerten Innovationen mehr.[111] Trotzdem wurde der Trabant weiter gekauft, weil es in der Klasse der Kleinwagen kaum Alternativen gab – die Wartezeit für einen Trabant 601 betrug im Jahr 1988 fünfzehn Jahre.[112]
Wegen der langen Wartezeiten kursierte im DDR-Volksmund der Witz:
„Warum heißt der Trabant 601? – 600 haben ihn bestellt, einer davon bekommt ihn.“[113]
Der zeitweise parallel angebotene Kleinwagentyp Saporoshez stieß auf wesentlich geringeres Interesse und war infolgedessen im Rahmen normaler Lieferfristen erhältlich. So wenig Komfort der Trabant 601 auch bot, so bewährte er sich dennoch als durchdachtes Fahrzeug mit hohem Gebrauchswert, das im Falle von Störungen mit geringem Aufwand repariert werden konnte. Die günstigste Trabant 601-Ausführung, der 601 Standard, kostete im Jahr 1985 8.500 Mark.[114] Der Preis war niedrig festgesetzt; auf dem Schwarzmarkt aber wurden neue Trabant ohne Wartezeit für 20.000 Mark gehandelt.[112] 1988 waren in der DDR ca. 1,9 Millionen Trabant privat zugelassen.[111] Zur politischen Wende 1989 wurde der Trabant zu einem Symbol sowohl des Mauerfalls als auch der wirtschaftlichen Rückständigkeit der DDR und verlor schlagartig an Wertschätzung.
Export
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Obwohl die Nachfrage im Inland nicht ansatzweise gedeckt werden konnte, wurde der Trabant 601 umfangreich exportiert. Hauptabnehmer waren dabei Polen, Ungarn und die ČSSR. 1975 wurde der 100 000ste nach Ungarn gelieferte Trabant übergeben.[115] Es gab auch Exporte in weitere Staaten des Ostblocks wie Rumänien. Anfangs wurde er auch im NSW noch relativ erfolgreich verkauft, darunter in die Niederlande, Belgien und Griechenland. Auch Island zählte zu den Abnehmern.[116] In Westdeutschland wurde der Trabant 601 ebenfalls angeboten. In der Folgezeit ging das Exportvolumen jedoch immer weiter zurück. In den 1980er Jahren stellten sich sogar in sozialistischen Ländern wie Polen Absatzprobleme ein, denn auch dort waren inzwischen wesentlich modernere Pkw als der Trabant verfügbar. 1984 entsprach das Fahrzeug nicht mehr den Normen für Neufahrzeuge in der Tschechoslowakei und durfte nicht mehr eingeführt werden. In der DDR hingegen steigerten sich die Wartezeiten auf einen Trabant immer weiter.
Anhängerbetrieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der DDR wurde der Trabant trotz des kleinen Motors häufig als Zugfahrzeug genutzt, etwa ein Drittel aller Trabant war mit einer Anhängerkupplung ausgestattet. Als Lastenanhänger waren vor allem die verschiedenen Hochlader-Pritschenanhänger (HP) verbreitet, und zu Campingzwecken waren es vor allem Wohnzeltanhänger der Klappfix-Reihe. Mit dem LC9-200 von Weferlinger Heimstolz und dem QEK Junior gab es weiterhin zwei Wohnwagen, die auch vom Trabant gezogen werden durften. Hauptfahrgang mit Wohnwagen war der 3. Gang im Geschwindigkeitsbereich von 50 bis 75 km/h. Der stark beanspruchte Motor erwies sich jedoch auch unter diesen Bedingungen als vollgasfest. Eher waren es die Bremsen, deren Belastungsgrenze im Wohnwagenbetrieb überschritten wurde, vor allem an längeren Gefällestrecken.[117] Nicht selten wurde dem Trabant zu Urlaubszwecken das Ziehen des QEK Juniors bis an das Schwarze Meer zugemutet. Die Redaktion der Zeitschrift Der Deutsche Straßenverkehr befuhr für einen entsprechenden Testbericht diese Strecke einschließlich der Transfogaraschen Hochstraße.[118]
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Anhängerlast ungebremst | mit Simplexbremse (bis 1967): 280 kg mit Duplexbremse (ab 1967): 300 kg |
| Anhängerlast gebremst | 400 kg |
| Stützlast | 40 kg |
Cabrio-Umbauten
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Ab 1993 bot der Karosseriebauer Ostermann aus dem niedersächsischen Osnabrück Umbausätze an, mit denen Trabant-601-Limousinen zu Cabriolets umgerüstet werden konnten. Der Umbausatz kostete 1090 Euro (anfänglich etwa 2200 DM) und umfasste einen vorbereiteten Gitterrahmen, der im Bereich der Türschweller und der Hinterachse auf den Plattformrahmen geschweißt werden musste, ferner das Verdeckgestänge und die -haut sowie eine Bauanleitung nebst Mustergutachten. Durch einen verstärkten Windschutzscheiben-Rahmen konnte auf einen Überrollbügel verzichtet werden. Bis 2013 sollen etwa eintausend Bausätze verkauft worden sein.[119] Ferner bot das Unternehmen Rudolf Döge aus Oelzschau einen Cabrio-Umbausatz an. Dieses Modell hat jedoch der Stabilität wegen einen Überrollbügel und am Windschutzscheibenrahmen bleibt ein kleiner Teil des Dachs erhalten.
Trivia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seinen ersten großen medialen Auftritt abseits der Presseberichterstattung hatte der Trabant 601 bereits zum Zeitpunkt seiner Erscheinung 1964: Anlässlich des 15. Jahrestages der DDR fuhr das Sandmännchen mit einem durchaus detailgetreu gestalteten Trabant 601 Cabrio vor (Folge 39). 18 Jahre später erschien der Sandmann erneut in einem Trabant 601 – diesmal in einer geschlossenen Kombiausführung (Folge 235).[120][121][122]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Klausing: Trabant. Pflegen – warten – reparieren. Delius Klasing, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-7688-1917-6 (Original erschienen als Ratgeber Trabant. Transpress, Berlin 1987).
- Karl-Heinz Metzner, Werner Ungethüm: Trabant 601 (= Wie helfe ich mir selbst?). Reprint der 8. bearbeiteten Auflage. Welz, Berlin 1998, ISBN 3-9804294-5-8.
- Frank B. Olschewski: Trabant gekauft – was nun? Nützliche Tipps für den Trabant 601 mit 2-Takt-Motor. Böttger, Witzschdorf 2004, ISBN 3-937496-02-5.
- Sachsenring (Hrsg.): Reparaturhandbuch für Personenkraftwagen „Trabant 601“. Fachbuchverlag, Leipzig 1986, DNB 880865520.
- Sachsenring (Hrsg.): Reparaturhandbuch Weiterentwicklung Pkw „Trabant 601“. Fachbuchverlag, Leipzig, DNB 943204178.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Testbericht Trabant 1.1 Limousine: Kraftfahrzeugtechnik 2/1990, S. 49–51.
- ↑ Heiner Timmermann: Die DDR in Europa: zwischen Isolation und Öffnung. LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8884-3, S. 119 ff.
- 1 2 Trabant 601: Wie helfe ich mir selbst? S. 271.
- ↑ Stellungnahme zum Beitrag „Probleme der Formgestaltung im Kraftfahrzeugbau der DDR“. In: Kraftfahrzeugtechnik. 12/1962, S. 495.
- 1 2 3 4 Wolfgang Schröder: AWO, MZ, Trabant und Wartburg: die Motorrad- und PKW-Produktion der DDR. Bogenschütz. 1995, ISBN 3-927485-13-6, S. 86 ff.
- 1 2 Neue Berliner Illustrierte. Ausgaben 1-25. Allgemeiner Deutscher Verlag, 1964, S. 599 ff.
- ↑ Triumph Herald – ein Kleinwagen in Sektionsbauweise. In: Kraftfahrzeugtechnik. 8/1959, S. 331–332 und 9/1961, S. 381–382.
- ↑ Trabant 601. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1964, S. 88–93.
- ↑ Trabant 601: Wie helfe ich mir selbst? S. 270.
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